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Lehrer als Werbeträger: Apple drängt in die Schulen

ZÜRICH. Der Software-Gigant Apple will mit einer neuen Marketing-Strategie die Schulen erobern: Lehrer werden als Werbeträger angeheuert, berichtet das Schweizer Wochenblatt „Der Sonntag“. In der Schweiz wird erste Kritik laut.

Apple möchte sein iPad zum Bildungsmedium Nummer eins in der Welt machen. Foto: Apple

Apple möchte sein iPad zum Bildungsmedium Nummer eins in der Welt machen. Foto: Apple

„Die innovativsten Pädagogen der Welt“: Mit diesem Slogan spricht Apple Lehrer an, um sie in den Dienst des Unternehmens zu stellen – sie sollen an ihrer Schule dafür sorgen, dass mit Apple-Produkten gelernt und gelehrt wird. „Apple Distinguished Educators“ heißt der Kreis der pädagogischen Werbeträger, dem laut „Sonntag“ bereits 28 Schweizer Lehrer angehören. Sie dürften auf Konzernkosten an nationalen und internationalen Seminaren teilnehmen und für den Schulgebrauch gratis Software testen, berichtet das Blatt. Darüber hinaus biete Apple unter dem Namen „Apple Professional Development Programm“ ein Weiterbildungsprogramm für Lehrer in der Schweiz an, das über den Einsatz von Apple-Produkten im Unterricht informieren soll. Dessen Kursleiter – wiederum Lehrer – bekämen ein Honorar von mehreren hundert Franken pro Tag. Ihr Engagement sei allerdings mit ihrer jeweiligen Schulleitung abgesprochen.

„Das Apple Distinguished Educators (ADE) Programm wurde ins Leben gerufen, um Bildungspioniere von Schulen und Universitäten zusammenzubringen, die Apple Produkte einsetzen, um den Lehr- und Lernprozess zu revolutionieren“, so ist auf der Homepage des IT-Riesen zu lesen. Heute sei daraus ein weltweites Netzwerk von „visionären Pädagogen und innovativen Führungskräften entstanden, die im Unterricht und darüber hinaus mit modernen Technologien erstaunliche Dinge in Gang setzen“. Mittlerweile gebe es über 1500 ADEs auf der ganzen Welt – von den USA über Japan bis nach Kanada und Australien. „Sie treffen sich alle in der ADE Online-Community (und auch persönlich), um gemeinsam Lösungen für die globalen Bildungsaufgaben von heute und morgen zu erarbeiten.“ Die Zugehörigkeit sei „mehr als eine Ehre. Eine Chance“, so heißt es vollmundig. ADEs würden von Kollegen und von Apple als Bildungsinnovatoren geschätzt. „Der wichtigste Vorteil für Mitglieder dieses Programms besteht jedoch in dem, was sie tun. ADEs arbeiten eng mit Apple zusammen, nehmen an Bildungsveranstaltungen teil und präsentieren dort oft auch ihre Ideen. Sie entwickeln Inhalte und teilen ihre Ideen und bewährten Methoden, damit andere auf der ganzen Welt davon profitieren können.“

„Lehrer kommen in einen Interessenkonflikt“

Michael Wüthrich (Grüne), Großrat, also Abgeordneter, aus Basel, fürchtet laut „Sonntag“ um die Unabhängigkeit der Bildung, wenn sich Lehrer in den Dienst des Konzerns stellen:  „Die Lehrkräfte müssen frei sein“, sagt er. „Sie kommen in einen Interessenkonflikt, wenn sie für Apple werben. Schließlich ist das kein Wohltätigkeitsunternehmen, sondern ein Konzern, der auf Gewinnmaximierung bedacht ist.“ Und der Leiter des Volksschulamtes im Kanton Zürich, Martin Wendelspiess, meint dem Bericht zufolge: „Ein Monopol der Firma Apple ist keine Wunschvorstellung, Konkurrenz belebt die Entwicklung.“

Das sehen die am ADE-Programm beteiligten Lehrer offenbar anders. Zumindest diejenigen, die sich auf der Apple-Homepage präsentieren, zeigen ihre Verbundenheit mit den Produkten ihres Sponsors. Die Kalifornische Lehrerin Kathy Shirley „trug dazu bei, den iPod touch in die Leseübungen ihrer Schüler zu integrieren. Die Schüler nahmen sich beim Vorlesen auf und hörten sich die Aufnahmen danach an. So erhielten sie sofort ein Feedback und waren sehr motiviert bei der Sache. Nach nur sechs Monaten hatten die Schüler bei ihrer Lesekompetenz Fortschritte erzielt, für die bisher fast zwei Jahre nötig waren“, so wird berichtet. Und weiter:  „Nicht alle ADEs unterrichten Schüler. Ted Lai leitet die Abteilung Technologie und Medienservice im Schulbezirk Fullerton in Kalifornien. Bei ihm lernen Lehrer, wie sie Apple Technologien in ihre Lehrpläne integrieren können. Und damit erreicht er tausende Kinder, die gar nicht seine Schüler sind.“

Sehr zur Freude des Konzerns. NINA BRAUN (25.2.2012)

Zum Bericht: „Apple will den Markt für Schulbücher erobern“

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