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Gegen Gewalt im Klassenzimmer helfen klare Regeln

DÜSSELDORF. Im Klassenzimmer herrsche immer noch häufig eine von subtiler Gewalt geprägte Atmosphäre, sagt der Erziehungswissenschaftler Professor Benno Hafeneger. In einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ sagte der Marburger Hochschullehrer, dass in Studien rund ein Viertel der Schüler und einige Lehrer von Mobbing berichten.

Gewalt beginnt für Hafeneger bereits bei abwertender Ironie. „Zu ihnen gehören vor allem abfällige und geringschätzige Bemerkungen, verletzende oder entwertende Worte, beleidigende Ausdrücke oder die Zuschreibung von negativen Eigenschaften sowie Kommentierungen der Herkunft.“ Oftmals erfolge solch ein beschämendes Handeln aus Hilflosigkeit und Resignation. Das könne verhindert werden, wenn es gemeinsam ausgehandelte und transparente Regeln und Vereinbarungen gebe.

Subtile Gewalt prägt in vielen Klassenzimmern die Atmosphäre (Szene gestellt). Foto: Luis Priboschek

Subtile Gewalt prägt in vielen Klassenzimmern die Atmosphäre (Szene gestellt). Foto: Luis Priboschek

Genau so macht es beispielsweise die Pestalozzi-Realschule im badischen Haslach.  Wie die „badische Zeitung“ berichtet, halten sich alle 30 Lehrerinnen und Lehrer dort seit kurzem an dieselben strikten Regeln. Die sind, zugegebenermaßen nicht besonders neu, aber  führten, nach Einschätzung der Schule zu einer Milderung der Symptome. Zumindest im Schulalltag und auf dem Schulgelände.

„Du Opfer.“ Wie ist das gemeint? Früher sei üblich gewesen, dass Lehrer erstmal mit ihren Schülern diskutierten, wenn solche Sätze fielen, schreibt die „badische Zeitung“. Jetzt nicht mehr. Statt dessen folge sofort die Strafe: Die Jugendlichen müssten fünf Mal denselben Satz abschreiben, in dem stehe, dass sie gegen die Regel „keine Beleidigungen“ verstoßen hätten.

Das gesamte Kollegium verfolge dieselbe Linie und dasselbe Konzept. Die Reaktionen seien einheitlich und für alle transparent, schreibt das Blatt. Alle Lehrer, bis auf einen, hätten dafür gestimmt, das Bedürfnis nach Lösungen mit solch einfacher Klarheit sei groß gewesen.  Neben den Sanktionen gebe es aber auch eine mitgestaltende Ebene, bei der die Jugendlichen „Demokratie lernen“ sollten: Mindestens einmal im Monat setzten sich die Schüler in allen Klassen in Klassenräten zusammen und diskutierten eigenständig Themen, angefangen bei der Sitzordnung über Konflikte bis zur Zusammensetzung der neuen Fußballmannschaft. nin

(24.7.2012)

Ein Kommentar

  1. Man muss die Probleme lösen, solange sie klein sind, damit sie gar nicht erst groß werden. Nach meiner Beobachtung schauen manche Kollegen über „Kleinigkeiten“ hinweg und haben dann Probleme, richtig schlimmes Verhalten in den Griff zu bekommen. Was ich oben lese, erinnert mich an das Konzept der „sozialwirksamen Schule“, das seit einigen Jahren in Deutschland an Boden gewinnt. Hier ein Querverweis dazu: http://www.sozialwirksame-schule.de

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