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Umfrage: Lehrer sind längst keine Computermuffel mehr

BONN. Die weit überwiegende Mehrheit der Lehrer in Deutschland nutzt mittlerweile digitale Medien im Unterricht; zwei Drittel der Pädagogen schätzen ihre eigenen PC-Fertigkeiten sogar als zumindest gut ein. Dies sind Ergebnisse einer aktuellen, im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung durchgeführten Umfrage des Instituts Allensbach.

Auch an Grundschujlen kommen digitale Medien mittlerweile zum Einsatz. Foto: Scoyo/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Auch an Grundschulen kommen digitale Medien mittlerweile zum Einsatz. Foto: Scoyo/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Grundhaltung der Lehrer zur Nutzung digitaler Medien ist danach außerordentlich positiv; nur zehn Prozent sehen eher Nachteile. Entsprechend geben 88 Prozent aller Lehrkräfte an, Medien mehr oder weniger häufig im Unterricht einzusetzen. Zwölf Prozent bekennen, Medien spielten in ihrem Unterricht gar keine Rolle.

„Die Befragung zeigt, dass die Schulen in den letzten Jahren in der Mediennutzung enorm aufgeholt haben. Computer und Internetanschluss sind nicht nur vorhanden, sondern werden aktiv für die Unterrichtsgestaltung genutzt“, betont Klaus Kinkel, ehemaliger Bundesaußenminister und Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung. „Auffällig ist, dass hier die Gymnasien klar die Nase vorn haben. Die Haupt- und Realschulen haben in punkto Ausstattung, aber auch was die Bedeutung der digitalen Medien für den Unterricht angeht, deutlich Nachholbedarf. Dies ist bedauerlich, da diese Schulen in der Regel auf Ausbildungsberufe vorbereiten, in denen PC und Internet ständig in Gebrauch sind.“

In der Umfrage wurden erstmals Lehrkräfte und Schüler parallel zum Thema Mediennutzung befragt. Beide sehen überwiegend Vorteile: Der Unterricht werde abwechslungsreicher, bestätigen 62 Prozent der Lehrer und sogar 73 Prozent der Schüler. Dass neben Inhalten auch Computerkenntnisse vermittelt werden, glauben 74 Prozent der Lehrkräfte und 67 Prozent der Schüler. Als Nachteile empfinden beide Gruppen die Abhängigkeit von der Technik und die mögliche Überforderung einzelner Schüler.

Schüler lernen Umgang mit digitalen Medien meist nicht von Lehrern

68 Prozent der befragten Lehrkräfte schätzen die eigene Computer- und Internetkompetenz als gut bis sehr gut ein. Aber nur 23 Prozent der befragten Schüler geben an, den Umgang mit digitalen Medien von Lehrkräften gelernt zu haben; 64 Prozent haben sich den Umgang selbst angeeignet, von Freunden (45 Prozent) oder den Eltern gelernt (36 Prozent). „Dieser Befund überrascht nicht, denn die privaten Nutzungsmuster von Lehrern und Schülern sind extrem unterschiedlich“, so Stiftungsgeschäftsführer Ekkehard Winter. „Dies ist aber eine Generationenfrage: Je jünger die Lehrer sind, desto mehr ähnelt ihr Nutzungsverhalten dem ihrer Schüler, das heißt, sie können sie auch besser in ihrer Lebenswelt abholen.“

Drei Viertel der Lehrer nutzen das Internet für die Unterrichtsvorbereitung. Die Hälfte aller befragten Lehrer hat bereits Fortbildungen zu digitalen Medien gemacht. Bei der Mediennutzung im Unterricht binden die Lehrer ihre Schüler häufig direkt ein: Lediglich zehn Prozent der befragten Schüler an weiterführenden Schulen berichten, dass digitale Medien im Unterricht ausschließlich von den Lehrern verwendet werden. Das Einsatzspektrum der digitalen Medien hat aber Optimierungspotenzial: Die Lehrkräfte geben an, sie zu nutzen, um Filme oder Präsentationen zu zeigen (65 beziehungsweise 61 Prozent), 57 Prozent gehen im Unterricht ins Internet, um Seiten aufzurufen. Lediglich neun Prozent der Lehrer lassen die Schüler mit Medien Hörspiele, Podcasts oder Filme erstellen, nur zwei Prozent lassen Anwendungsprogramme entwickeln. 18 Prozent aller Lehrer sehen positive Auswirkungen des Medieneinsatzes auf den Lernerfolg; von den Lehrern, die digitale Medien häufig im Unterricht nutzen, meint das aber bereits fast die Hälfte.

Die Mehrheit der befragten Schüler (59 Prozent) hat mit dem Internet schon schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Problemen wie Cybermobbing würden 59 Prozent der Schüler am ehesten bei den Eltern Hilfe suchen, nur drei Prozent würden ihre Lehrer ansprechen. Demgegenüber berichtet mehr als jede vierte Lehrkraft, von Schülern schon einmal wegen solcher Probleme angesprochen worden zu sein.

Die gewünschte Bedeutung digitaler Medien im Unterricht aus Sicht der Lehrer hängt maßgeblich von der Einschätzung der eigenen Kompetenz ab. Während gewünschte und tatsächliche Bedeutung bei Gymnasien nahezu gleich hoch sind, wünschen sich Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen eine größere Rolle digitaler Medien. Die Umfrage zeigt, dass 82 Prozent der Schulen über spezielle Computerräume verfügen, 69 Prozent bieten den Schülern Computer-Kurse oder AGs an. An jeder dritten Schule gibt es PC-Arbeitsplätze in den Klassenzimmern bzw. ein schuleigenes Netzwerk. Die Ausstattung der einzelnen

Schularten unterscheidet sich allerdings stark: Das gilt nicht nur im Vergleich der Grundschulen zu den weiterführenden Schulen – die Grundschulen sind bei der Ausstattung weit abgeschlagen. Unterschiede bestehen auch zwischen den Sekundarschulen. So ist die Ausstattung der Haupt- und Realschulen in vielen Bereichen schlechter als an den Gymnasien. Lediglich 29 Prozent der Haupt- und Realschulen verfügen zum Beispiel über frei zugängliche PC-Arbeitsplätze für die Schüler, dagegen 65 Prozent der Gymnasien. Nur 34 Prozent der Lehrkräfte an Haupt- und Realschulen, aber 46 Prozent der Gymnasiallehrkräfte berichten, dass ihre Schule interaktive Whiteboards einsetzt. News4teachers
(17.4.2013)

Zum Bericht: „Lernen mit Computer: mangelhaft – neuer Bildungsschock droht“

Ein Kommentar

  1. Ich vewende regelmäßig Computer und Internet zur Unterrichtsvorbereitung. Das hat seinen Preis: meine Vorbereitungszeit ist seither etwa 50% länger als früher.

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