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Kinderporno-Verdacht: Odenwaldschule muss sich erneut im Krisenmanagement bewähren

HEPPENHEIM. Die Kinderporno-Ermittlungen gegen einen Lehrer erschüttern erneut den Ruf der Odenwaldschule. Nun muss das Reform-Internat beweisen, dass es die richtigen Lehren aus dem Missbrauchsskandal gezogen hat.

Die Nachricht von dem Kinderporno-Verdacht gegen einen Lehrer ist in der Welt. Nun möchte die Odenwaldschule zumindest beim Umgang mit der möglichen neuen Affäre zeigen, dass sie aus den Erschütterungen, die der vor drei Jahren aufgeflammte Skandal um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Schülern mit sich brachte, etwas gelernt hat. Und so betont das Reforminternat am Ostersamstag, es habe Behörden und Eltern sofort über die Vorwürfe gegen einen Lehrer informiert. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit den Ermittlern.

Die Öffentlichkeit erreicht die Nachricht von der Polizei-Razzia auf dem Schulgelände mit zehn Tagen Verspätung. Am 9. April hätten Ermittler die Schulwohnung eines Lehrers durchsucht und Dateien sichergestellt, heißt es in einer schriftlichen Erklärung der Odenwaldschule. Zuvor hatte der «Mannheimer Morgen» berichtet, die Internet-Adresse des Mannes sei australischen Behörden bei Ermittlungen gegen einen Kinderporno-Ring in die Hände gefallen.

Die Schule suspendierte den Mathematik-Lehrer zunächst und erteilte ihm Hausverbot. Inzwischen ist der Mann fristlos entlassen. Schüler seien nicht involviert, beteuert die Schule. Sollte sich in Gesprächen nach den Osterferien doch etwas anderes herausstellen, werde auch dies den Ermittlern sofort mitgeteilt, verspricht sie.

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Botschaft der Erklärung ist klar: Diesmal soll niemand an der Bereitschaft der Schule zur Aufklärung zweifeln. Anders als beim Umgang mit den Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfällen, die 2010 erneut an die Öffentlichkeit gelangten und bundesweit hohe Wellen schlugen. Jahrelang wurde gestritten, ob und wie die Fälle aufgeklärt und die mindestens 130 Opfer entschädigt werden sollen.

Ab Mai werden nun unabhängige Wissenschaftler untersuchen, wie es zur Häufung der Fälle an der reformpädagogischen Schule kommen konnte. 2015 sollen Ergebnisse vorliegen. Nach der Durchsuchungsaktion in der Lehrerwohnung steht aber schon jetzt auf dem Prüfstand, ob sich das Internat so erfolgreich gewandelt hat, wie es selbst beteuert.

Erst im vergangenen Jahr bezeichnete Schulleiter Siegfried Däschler-Seiler die Schule als eine Einrichtung «modellhafter Prävention». Unter anderem vergrößerte sie den Abstand zwischen Lehrern und Schülern in den Wohngruppen. Darum kann sie erklären, der unter Verdacht stehende Lehrer habe seine Gruppe nicht alleine betreut und nicht mit ihr in einer gemeinsamen Wohnung gelebt.

Der ins Visier der Ermittler geratene Lehrer arbeitete seit August 2011 an der Schule. Da war das Internat wegen des Missbrauchsskandals bereits in den Schlagzeilen. Schul-Präventionsbeauftragte Regina Bappert betont, niemand sei davor gefeilt, dass sich Mitarbeiter bewerben, die sich Kindern gegenüber grenzverletzend verhielten. Doch wegen des neuen Konzeptes handele man heute viel schneller. Frank van Bebber/dpa

Ein Kommentar

  1. … und immer noch weht der böse geist von gerold becker durch die flure der oso…

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