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Deutsche Lehrer im Ausland – Wie wäre es mal mit Johannesburg?

STUTTGART. In der Wirtschaft ist es gang und gäbe, einige Zeit im Ausland zu arbeiten. Auch für Lehrer gibt es diese Möglichkeit. Rund 2000 Fachkräfte sind derzeit außerhalb Deutschlands im Einsatz. Doch wie kommt man in den Auslandsdienst?

Deutsche Lehrer sind weltweit im Einsatz - auch in Johannesburg, wo diese beiden Jungen zur Schule gehen. Foto: thomas_sly / flickr (CC BY 2.0)

Deutsche Lehrer sind weltweit im Einsatz – auch in Johannesburg, wo diese beiden Jungen zur Schule gehen. Foto: thomas_sly / flickr (CC BY 2.0)

In den ersten Tagen ihres Auslandsaufenthaltes saß Grund- und Hauptschullehrerin Inken König in Johannesburg vor allem auf dem Amt. Zusammen mit anderen Ausländern wartete sie stundenlang auf einen Stempel, der ihren Status als Lehrerin bestätigte. Nur damit durfte sie in Südafrika unterrichten. «Der Anfang war etwas holprig, aber alle Mühe wert», erzählt die Lehrerin aus Baden-Württemberg.

König hat von 2008 bis 2012 in Südafrika unterrichtet. Sie ist damals ihrem Mann gefolgt, der dort arbeitete. Auf eigene Faust bewarb sie sich als Ortslehrkraft an einer deutschen Auslandsschule. Dort ist der Unterricht zumindest zum Teil auf Deutsch, und die Abschlüsse sind in Deutschland anerkannt. Die Schulen sind häufig in privater Trägerschaft. «Da ich unbedingt nach Südafrika wollte, bin ich nicht über die Zentralstelle des Bundesverwaltungsamtes gegangen, sondern habe die Bewerbungsunterlagen persönlich vor Ort abgegeben», erzählt König. Nach zwei Wochen kam die Zusage, sie könne sofort anfangen.

Wer als Lehrer ins Ausland möchte, hat drei Möglichkeiten: Er kann als Orts-, Programm- oder Auslandsdienstlehrkraft gehen. Ortslehrkräfte wie König müssen ihr Gehalt mit der Schule persönlich verhandeln. Sie werden meist schlechter bezahlt als die Programm- oder Auslandsdienstlehrkräfte, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamts vermittelt werden. Dafür sind sie flexibel bei der Länderwahl und können sich ihre Schule selbst aussuchen.

Programmlehrkräfte können auch jene werden, die keine Festanstellung in Deutschland haben. Diese Möglichkeit nutzen in der Praxis häufig Absolventen, die direkt nach dem zweiten Staatsexamen an einer ausländischen Schule unterrichten wollen und noch keine feste Stelle haben. Auch sie verdienen weniger als Auslandsdienstlehrkräfte.

«Den besten Status der drei Vermittlungsprogramme haben Lehrer als Auslandsdienstlehrkräfte», erklärt Franz Dwertmann. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Auslandslehrer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie müssten weniger in Eigeninitiative organisieren und würden am besten bezahlt.

Mit der Planung sollte bei jedem Programm ein Jahr im Voraus begonnen werden. Grundsätzlich können sich alle Lehrer auf einen Platz im Ausland bewerben. «Gymnasiallehrer aus dem Fach Deutsch haben die besten Chancen», sagt Claudia Talaska, Pressesprecherin der ZfA. Sie sind die Experten, um Sprachunterricht zu geben. Spezifische Länderwünsche von Programm- und Auslandslehrkräften können, müssen aber nicht berücksichtigt werden. Abhängig ist das vom aktuellen Bedarf an den Schulen. Wer die ausgeschriebene Stelle bekommt, entscheidet der Schulleiter an der Auslandsschule. «Der Bewerber kann im Vorfeld schon Kontakt zur gewünschten Schule aufnehmen, um so auf sich aufmerksam zu machen», erklärt Karlheinz Wecht. Er ist Vorsitzender des Verbands deutscher Lehrer im Ausland (VDLiA).

Für die Zeit des Auslandsaufenthalts wird der berufstätige Lehrer beurlaubt. Wichtig ist, dass auf dem Beurlaubungsvertrag das Prädikat «in dienstlichem Interesse» vermerkt ist, rät Dwertmann. Dann zählt das Unterrichten an einer ausländischen Schule sicher als Dienstzeit für die Pension.

Ein Auslandsaufenthalt beginnt oft mit dem Sprung ins kalte Wasser. Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen bietet für die von ihr vermittelten Lehrer einen einwöchigen Vorbereitungskurs an. Alles andere ist Eigeninitiative. Die Betreuung im Ausland übernimmt häufig ein Lehrerkollege als Mentor, der zum Beispiel bei der Wohnungssuche hilft. «Manchmal haben die Schulen sogar eigene Apartments, die sie Lehrer aus Deutschland zur Verfügung stellen», erzählt Inken König.

Geht eine Lehrkraft über die ZfA, verpflichtet sie sich für drei Jahre. Im Anschluss ist eine einmalige Verlängerung möglich, danach muss die Fachkraft wieder nach Deutschland. «Er soll dem deutschen Schulwesen nicht entfremdet werden», erklärt Dwertmann von der Gewerkschaft das Konzept.

Inken König war vier Jahre im Ausland. Seit 2012 unterrichtet sie wieder in Deutschland an einer Gemeinschaftsschule, in der sie auf unterschiedliche Lernniveaus der Schüler eingehen muss. Neu sei das für sie nicht: In der Schule in Südafrika saßen Botschafterkinder neben Schülern, die aus bildungsfernen Familien kamen. Auf jedes Kind individuell einzugehen, habe sie vor allem in Afrika gelernt. Von Friederike Ebeling, dpa

Hier geht es zum Bundesverwaltungsamt mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.

 

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