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Studie: Zu wenige Karriere-Chancen im Lehrerberuf – Nachwuchsprobleme als Folge

BERLIN. Leistungsstarke Abiturienten sind deutlich seltener am Lehrerberuf interessiert als weniger starke. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die im Auftrag des Stifterverbandes und der Unternehmensberatung McKinsey für den „Hochschul-Bildungs-Report“ durchgeführt wurde. Während fast die Hälfte aller befragten Abiturienten mit einer Durchschnittsnote zwischen 2,1 und 4,0 (48,3 Prozent) am Lehrerberuf „eher“ bis „sehr“ interessiert sind, trifft dies nur für 38,1 Prozent der Abiturienten mit einem Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 2,0 zu.

Lehrer werden? Nein, danke. Viele leistungsstarke Abiturienten vermissen in dem Beruf Aufstiegschancen. Foto: Luis Priboschek

Lehrer werden? Nein, danke. Viele leistungsstarke Abiturienten vermissen in dem Beruf Aufstiegschancen. Foto: Luis Priboschek

Ein Hauptgrund für das geringe Interesse der Abiturbesten liegt der Studie zufolge in den fehlenden Karriere-Chancen: Vier von fünf Abiturienten geben an, dass gute Aufstiegschancen ein „eher“ oder „sehr“ wichtiges Kriterium für ihre Berufswahl sind. Doch nur etwas mehr als jeder vierte (28,1 Prozent) geht davon aus, dass dieses Kriterium auf den Lehrerberuf zutrifft. Bei keiner anderen der abgefragten Eigenschaften ist die Diskrepanz zwischen der Bedeutung für die eigene Berufswahl und ihrer Zuschreibung für den Lehrerberuf derart groß. Weitere Eigenschaften, die mit dem Lehrerberuf seltener in Verbindung gebracht werden, sind gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt (52 Prozent), Spaß an der Arbeit (59 Prozent), hohes Ansehen (61 Prozent) und attraktives Einkommen (64 Prozent).

„Für das Lehramt müssen allerdings nicht nur Personen mit guten Noten gewonnen werden, sondern auch diejenigen, die für die Schule die richtigen Persönlichkeitsvoraussetzungen mitbringen. Im Abiturienten-Survey wurde deshalb auch die Wahrnehmung der eigenen Kompetenz abgefragt. Als besondere Stärken der am Lehrerberuf Interessierten traten dabei der Umgang mit Kindern und Jugendlichen (47 Prozent geben dies als Kompetenz an) und Empathie (43 Prozent) hervor – beides wichtige Voraussetzungen für das Lehramt“, so heißt es in der Studie. „Jeder dritte am Lehrerberuf interessierte Abiturient gab an, er könne gut erklären (31 Prozent), und knapp jeder vierte sagte von sich, seine Stärke sei es, andere zu motivieren und zu begeistern. Zwei wichtige Persönlichkeitsvoraussetzungen scheinen allerdings der Mehrzahl der am Lehrerberuf interessierten Abiturienten zu fehlen: Nur 16 Prozent schätzen Selbstvertrauen und nur 13 Prozent Durchsetzungsfähigkeit als persönliche Stärke ein.“

Die Autoren der Studie empfehlen: „Um geeignete Studienbewerber für das Lehramtsstudium zu gewinnen, muss die Attraktivität des Berufsbildes weiter gesteigert werden.“ Es gelte, die Vorzüge des Lehrerberufs stärker herauszustellen und die Zugangswege in den Lehrerberuf zu flexibilisieren. „Dies kann beispielsweise gelingen, indem die Vorzüge des Lehrerberufs wie zum Beispiel die Sicherheit des Arbeitsplatzes, eine sehr gute Altersvorsorge, familienfreundliche Arbeitszeiten oder ein hohes gesellschaftliches Ansehen klarer herausgestellt werden.“ Öffentlich verliehene Preise und Auszeichnungen wie der Deutsche Lehrerpreis seien eine weitere Möglichkeit, die Anerkennung des Berufes zu stärken.

„Darüber hinaus gilt es, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, indem die Länder beispielsweise neue Stellen(-kategorien) einführen, zum Beispiel Schul- oder Unterrichtsassistenten, um Lehrer für pädagogische Kernaufgaben zu entlasten. Die Länder sollten außerdem die anstehende Reform der Besoldungsregelungen für verbeamtete Lehrer nutzen, um transparente und planbare Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierewege für Lehrer zu schaffen und auf eine leistungsorientierte Vergütung umzustellen.“

Auch die Lehrerausbildung bekommt in der Studie insgesamt schlechte Noten: Häufig sei sie «das Stiefkind» an der Hochschule. „Die Qualität des deutschen Schulsystems hängt wesentlich von den Lehrern ab. Ziel in diesem Handlungsfeld ist es deshalb, die Lehrer-Bildung an den Hochschulen zu stärken. Schon im Jahr 2011 war die Lehrer-Bildung mit -4 Punkten Schlusslicht beim Hochschulbildungs-Index. Im Jahr 2012 hat sie sich noch einmal um 2 auf -6 Punkte verschlechtert“, so heißt es in der Studie. „Fast alle Indikatoren in diesem Handlungsfeld entwickelten sich negativ und liegen unter ihrem Ausgangsniveau vom Jahr 2010: So haben sich noch weniger junge Männer für ein Grundschullehramtsstudium eingeschrieben und die Betreuung im Studium hat sich aus Sicht der Lehramtsstudierenden gegenüber dem Vorjahr noch einmal verschlechtert. Es gibt nur einen – unerwarteten – Lichtblick: den Praxisbezug.“

Der Praxisbezug der Lehrveranstaltungen werde von 90 Prozent aller Lehramtsstudierenden als besonders wichtig erachtet – und habe sich 2012 gegenüber dem Vorjahr verbessert. Dies wirke sich nach Ansicht der Studierenden jedoch insgesamt nicht positiv auf die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit der Lehramtsstudierenden aus: „Wurde diese 2011 noch von fast jedem vierten Studierenden (24,8 Prozent) als gut oder sehr gut bewertet, trifft dies 2012 noch nicht einmal für jeden fünften (19,8 Prozent) zu.“

5 Kommentare

  1. …wenn sich damals ein veritabler Bundeskanzler wie Gerhard („Gazprom“) Schröder vor die Fernsehkameras stellen konnte und widerspruchslos die bedeutungsschweren Worte von sich geben „Lehrer sind doch alles faule Säcke“, muss man sich nicht wundern, dass junge Leute wenig Anreiz verspüren, diesen Beruf zu ergreifen. Auch aus den Reihen der Kultusminister hörte man damals und hört man auch heute nichts bis wenig, was dieser primitiven Stammtischaussage Paroli bieten würde. Sollte es vielleicht so sein, dass man in den Kultusministerien auch nur wenig Interesse daran hat, die Reputation der Lehrer zu verbessern, weil man sie dann vielleicht auch noch besser bezahlen müsste? Jedenfalls geht die Tendenz dahin, dass der Lehrerberuf für Männer zunehmend unattraktiv wird und in einigen Jahren sich bis in die Gymnasien hinein zunehmend das Bild einstellen wird, das man aus dem Kindergarten- und Grundschulbereich kennt: fast rein weibliche Kollegien – was übrigens ja nicht per se schlecht sein muss…

  2. Ich weiß nicht, ob so unbedingt nachteilig ist, wenn es nicht die „Karrieretypen“ sind, die es in den Lehrerberuf zieht. Man will doch in der Regel (oder idealerweise?) aus anderen Gründen Lehrer werden, als dass man Karriere machen will. (Man sollte natürlich auch aus anderen Gründen Lehrer werden, als dass man Beamter werden kann, viel verdient, fast unkündbar ist und eine tolle Pension bekommt.)

  3. PseudoPolitiker

    Bedauerlich an der Studie ist die fettgedruckte Nebenher- Botschaft, dass vor allem weniger tüchtige Leute Lehrer werden, während sich die tüchtigen mehr für andere Berufe interessieren. Das ist bestes Futter für alle Lehrerfeinde.

  4. ohne besseres ansehen in der gesellschaft tun sich diesen job nur idealisten an.

    man muss außerdem den lehrerberuf anständig bezahlen. besonders naturwissenschaftler verdienen in der freien wirtschaft leicht das doppelte bei besseren aufstiegsmöglichkeiten.

  5. hilarus@t-online.de

    Vielleicht ist es eine Frage der Aufrichtigkeit und es Anstandes, auch die Nachteile des (beamteten) Lehrerberufes „herauszustellen“:

    – nicht stattfindende Fürsorgepflicht des Dienstherrn
    – Risiko des Existenzverlustes bei freiwilligem oder erzwungenem Ausscheiden aus dem Beamtenverhältnis
    – faktische Unmöglichkeit, gegen Arbeitsverhältnisse durch arbeitsrechtliche Schritte oder Arbeitskampfmaßnahmen oder den Weg in die Öffentlichkeit anzugehen
    – allgemeine Nachteile, die sich aus der Dienstpflicht von Beamten ergeben
    – gesundheitliche Risiken aller Art bis hin, Opfer tätlicher Angriffe zu werden.

    Was daran „familienfreundlich“ sein soll, wenn Familienmitglieder bis in den späten Abend oder am Wochenende durch Elterntelefonate gestört werden, durch Konferenzen, Weiterbildungen etc.pp., ihr Elternteil immer seltener zu sehen bekommen usw, erschließt sich mir nicht zur Gänze.
    Und das mit dem Ansehen? Immerhin, da steht Deutschland schon auf Platz 16 – von 21 untersuchten Staaten!!

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