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Rechnung mit vielen Unbekannten: Wohin mit den vielen Flüchtlingskindern in der Schule?

DÜSSELDORF. NRW hat ein neues Megathema: Die Flüchtlingsproblematik beherrscht jetzt auch die Schulpolitik. Wo werden Flüchtlingskinder unterrichtet? Wie ist es mit der Sicherheit auf dem Schulhof? Viele Fragen bleiben offen.

Auch Schulministerinnen haben noch Berufswünsche. Am Freitag wünschte sich Nordrhein-Westfalens Amtschefin Sylvia Löhrmann (Grüne) Hellseherin zu sein. Denn anders sind aus ihrer Sicht die vielen Fragen nicht zu beantworten, wie sich die wachsenden Flüchtlingszahlen auf die Schulen, den Unterricht und die Sicherheit auf den Schulhöfen auswirken werden. «Niemand kann im Moment genau sagen, wo entsteht welche Gruppe», stellte sie fest.

Bei der traditionellen Schuljahrespressekonferenz kurz vor Ende der Sommerferien war in diesem Jahr alles anders als sonst. Die klassischen Aufreger – Inklusion, Turbo-Abitur, Klassengrößen, Unterrichtsausfall – nur noch Randthemen. Rund eine Stunde stand Löhrmann stattdessen Rede und Antwort zum Thema Flüchtlingskinder an den Schulen.

Sicher ist so viel: Sobald die Kinder aus den Erstaufnahmestellen des Landes an die Kommunen weitergeleitet werden, unterliegen sie der Schulpflicht. Das gilt unabhängig vom oft noch ungeklärten Aufenthaltsstatus. Die Zahlen veränderten sich aber ständig, erläuterte Löhrmann. «Wir können nicht planen, wie viele Flüchtlinge mit welchen schulpflichtigen Kindern kommen.»

Für Flüchtlingskinder soll es in Thüringen bald mehr Lehrer geben, die sie im Fach Deutsch als Zweisprache unterrichten können. Foto: DFID - UK Department for International Development / Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Für Flüchtlingskinder gibt es schon jetzt mehr Lehrer, die sie im Fach Deutsch unterrichten können. Foto: DFID – UK Department for International Development / Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Einige sprächen schon etwas deutsch, die anderen hätten noch nie eine Schule von innen gesehen, könnten weder lesen noch schreiben. Während im vergangenen Jahr viele Familien mit Kindern gekommen seien, kämen nun wieder mehr Erwachsene alleine.

Noch kurz vor der Sommerpause hatte die rot-grüne Landesregierung 674 Lehrerstellen nachgelegt, um den wachsenden Unterrichtsbedarf aufgrund der Zuwanderung abzusichern. «Die Besetzungsverfahren laufen noch», erläuterte Löhrmann. Zusätzlich gebe es 300 Stellen zur besonderen sprachlichen Förderung. Davon seien die meisten schon mit Fachkräften besetzt.

In Vorbereitungsklassen werden die Kinder fit gemacht, um möglichst schnell in den Regelunterricht integriert werden zu können. Das Gleiche geschieht in Auffangklassen, die auch mitten im Schuljahr gebildet werden. Die Kinder besuchen sie, solange es nötig ist.

«Ich kann keine feste Klassenzahl sagen. Wo mehrere Kinder sind, entstehen Spezialkassen, wo nur zwei oder drei Kinder sind, gehen sie in die normalen Klassen.» Letzteres sei vor allem im ländlichen Raum der Fall. Die Kinder lernten schnell und könnten dem Unterricht mit entsprechender Förderung durchaus folgen, erklärte Löhrmann. «Die sitzen nicht hinten in der Ecke wie früher die Kinder der Schausteller.» Angesichts von 2,5 Millionen Schulkindern in NRW seien Flüchtlingsklassen ohnehin noch die Ausnahme.

Die Lehrerverbände sehen die Lage wesentlich pessimistischer und forderten mehr Personal. Der überwiegend Gymnasiallehrer organisierende Philologenverband sprach sogar von einem «Flüchtlingsstrom». Die zusätzlichen Lehrerstellen reichten bei weitem nicht aus, um mehr als 10 000 schulpflichtige Flüchtlingskinder zu unterrichten, kritisierte er. Die Opposition warf Löhrmann vor, die Realität zu beschönigen.

«Wir planen nicht ins Blaue», versicherte die Ministerin. Wo die Ressourcen nicht reichten, werde nachgesteuert. Es müsse aber nicht automatisch Sportunterricht ausfallen, nur weil noch Turnhallen mit Flüchtlingen belegt seien. «Es gibt auch Sportplätze, Wald und Schwimmhallen.» Die Sorge der Eltern über die Sicherheit ihrer Kinder auf den Schulhöfen nehme sie ernst, versicherte sie. «Wir haben da ein Auge drauf.» Bettina Grönewald

2 Kommentare

  1. Auf das fürsorgliche Auge und die Bereitschaft zur Nachsteuerung sollte sich niemand verlassen. Dass Worte und Taten auseinander klaffen, gehört doch allmählich zur Routine der Politiker und zur täglichen Erfahrung der Bürger.

  2. Liebe Leute, habt ihr jemals die Bibel der Grünen gelesen? Das Buch heißt „Risiko Deutschland“ und wurde vor ca. 20 Jahren von Joschka Fischer geschrieben. Darin heißt es: „„Deutschland muß von außen eingehegt, und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.”
    Dämmert’s langsam oder wollt ihr euch noch länger einspannen lassen für Gedankenverschwendungen an Behinderung des Sportunterrichts durch belegte Turnhallen oder Unsicherheitsfaktoren auf dem Schulhof? Alles stimmt ja, nur verstellen solche Momentprobleme den Blick für die Gesamtentwicklung.

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