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Englisch in der Grundschule: Je früher je besser? – Es ist Zeit für einheitliche Standards

EICHSTÄDT. Englischunterricht ab der Grundschule ist mittlerweile bundesweit etabliert. Aber wann damit beginnen, besser in der ersten oder erst ab der dritten Klasse? Erstmals haben Wissenschaftler dazu einheitliche Daten für ganz Deutschland ermittelt. Wie bis anhin schon in Deutsch und Mathematik solle es auch für das Fach Englisch bundeseinheitliche Bildungsstandards geben, fordern sie.

Was die Englischkenntnisse der Erwachsenen angeht, liegt Deutschland in Europa im oberen Mittelfeld, ergab kürzlich eine internationale Vergleichsstudie. Sprächen die Deutschen zwar insgesamt ganz gut Englisch hätten die Ergebnisse auch gezeigt, dass es große regionale Unterschiede gibt, wenn es um die Beherrschung der englischen Sprache geht.

Wann mit dem Englischunterricht in der Grundschule begonnen werde, sei nicht entscheidend, auf das Ziel kommt es an. Foto: Steve Johnson / flickr (CC BY 2.0)

Wann mit dem Englischunterricht in der Grundschule begonnen werde, sei nicht entscheidend, auf das Ziel kommt es an. Foto: Steve Johnson / flickr (CC BY 2.0)

Das beste Englisch sprechen demnach die Menschen in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Auf den weiteren Plätzen folgen Niedersachsen, Baden-Würtemberg und Bayern. Am schlechtesten schnitten Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ab. Das sei jedoch nicht mehr nur damit zu erklären, dass die ehemalige DDR-Bürger Englisch nicht als Schulfach gehabt hätten. 25 Jahre nach der Deutschen Einheit ist Englisch als erste Fremdsprache längst in allen Bundesländern fest verankert.

Vor 15 Jahren hatten zudem die ersten Bundesländer damit begonnen, die Einführung der ersten Fremdsprache auf die 3. Klasse der Grundschule vorzuverlegen. Seit dem Schuljahr 2005/06 ist der Unterricht in einer Fremdsprache für alle Schüler an der Grundschule verpflichtend.

Der frühere Beginn des Fremdsprachenlernens löste eine kontroverse Debatte um geeignete Unterrichtsmaterialien, Vermittlungsmethoden und um den unterschiedlichen Stellenwert der vier Fertigkeiten Hörverstehen, Sprechen, Leseverstehen und Schreiben aus.

Uneins ist man sich in den Bundesländern bis heute über den Zeitpunkt des Beginns. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beginnen zum Beispiel mit dem Fremdsprachenunterricht vom ersten Tag an in Klasse 1, Nordrhein-Westfalen dagegen zu Beginn des zweiten Halbjahres von Klasse 1. Die Mehrzahl der Bundesländer, etwa Sachsen, Hessen, Berlin und Bayern beginnen mit dem Fremdsprachenunterricht in Klasse 3.

Wie gut Grundschüler am Ende der vierten Klasse Englisch verstehen, sprechen und schreiben können, haben Sprachdidaktiker der Universitäten Eichstädt-Ingolstadt, Leipzig und Gießen in einer deutschlandweiten, dreijährigen Untersuchung ermittelt. Die ersten Auswertungen weisen darauf hin, dass es offenbar keinen großen Unterscheid macht, ob die Schüler mit dem Englischunterricht in Klasse 1 angefangen haben oder in Klasse 3. „Die Kinder sind kognitiv weiter als vermutet. Im Schnitt lösten sie 72 Prozent der Aufgaben zum Hörverstehen richtig, bezogen auf das Leseverstehen waren die Antworten sogar zu über 82 Prozent richtig“, erläutert Professor Heiner Böttger Studienleiter an der Uni Eichstädt.

Signifikante Unterschiede in den Englischleistungen von Kindern mit Migrationshintergrund und solchen mit in Deutschland geborenen Eltern konnten die Wissenschaftler ebenfalls nicht ausmachen. Fremdsprachenunterricht in der Grundschule stelle eben für nahezu alle Kinder ein neues Fach dar. In der Hälfte der untersuchten Klassen war außerdem Schreiben Teil des Englischunterrichts. Vorgeschrieben sei dies durch die Lehrpläne nicht.

Genau darin spiegelt sich auch ein Problem. Auch wenn beide Wege unabhängig vom Beginn des Zeitpunkts, wann mit dem Englischunterricht begonnne werde zum gleichen Ziel führten, bestünden insgesamt erhebliche Ungleichheiten, die sich im Übergang zur 5. Klasse gravierend auswirkten und die Fortführung des Faches Englisch erschwerten, heißt es in einer Pressemeldung aus Eichstädt. Kinder verließen die Grundschule mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen. „Die einen haben spielerischen Unterricht erlebt, die anderen fast gymnasiale Verfahren“, so Böttger.

Lehrer der weiterführenden Schulen müssen mithin Schüler mit unterschiedlichen Lernerfahrungen auf einen einheitlichen Standard bringen. Ein Ergebnis davon sei Enttäuschung bei den einen, Überforderung bei den anderen.

Mit ihren Ergebnissen wollen die Wissenschaftler die Harmonisierung der Übergangs von der vierten in die fünfte Jahrgangsstufe unterstützen. „Wir möchten darlegen, was die Kinder können, um zu einheitlichen Standards für den Englischunterricht beizutragen“, so Böttger.

Die Kultusministerkonferenz habe zwar bislang Bildungsstandards für die Fächer Deutsch und Mathematik verabschiedet, jedoch noch keine für die erste Fremdsprache. “Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern wurde im Fremdsprachenunterricht bisher kein einheitliches Abschlussprofil für das Ende von Klasse 4 definiert”, erklärt Studienkoordinator Norbert Schlüter von der Uni Leipzig

Das sei nach Meinung von Schlüter vor zehn Jahren auch gut und richtig gewesen, denn es hätten einfach nicht genügend Erfahrungen mit dem frühen Fremdsprachenlernen vorgelegen. Aber jetzt sei es unbedingt erforderlich, diese Lücke zu schließen. „Entscheidend ist, dass wir ein einheitliches Abschlussprofil für das Ende von Klasse 4 definieren”, so Schlüter.

Im Rahmen ihrer Studie befragten die Forscher auch rund 2200 Schüler zu ihrer Meinung über Englisch als Unterrichtsfach. Demnach gehen die meisten Kinder mit einer positiven Grundhaltung zum Fremdsprachenunterricht in die weiterführende Schule; 80 Prozent von ihnen finden das Fach Englisch „cool“ und hilfreich in der Kommunikation mit Menschen anderer Länder. Deshalb möchten sie gerne mehr Englisch lernen, und das am liebsten spielerisch.

Die befragten Lehrer betonen, dass der Unterricht in der ersten Fremdsprache eine möglichst genaue Kenntnis der Kinder voraussetze, damit lernschwächere Schüler nicht den Anschluss verlieren. Der Unterricht werde von einem hohen Engagement getragen. Nahezu alle Lehrer wollen die Stunden abwechslungsreich und an den Bedürfnissen der Kinder orientiert gestalten. Im Ergebnis wünschen sie sich mehr Förderkonzepte für den Umgang mit Heterogenität und Hilfestellung bei der Evaluation und Überprüfung des Lernstandes ihrer Schüler. (zab)

BIG-Studie: Lernstand im Englischunterricht der Klasse 4
zum Bericht: Weltweite Vergleichsstudie: Deutsche sprechen schlechter Englisch als Österreicher und Polen – aber besser als Schweizer und Franzosen

3 Kommentare

  1. in NRW ist der Englischunterricht seinen Namen nicht wert. genauso effektiv wäre die Umstellung auf omu im fernsehen wie in den Niederlanden, die freigewordene unterrichtszeit sollte man für schnelles lesen und leseverstehen verwenden.

    das wird aber nicht passieren, weil die Senioren genauso wenig englisch können wie die Kinder, allerdings dürfen erstere wählen und sind in der Mehrzahl.

  2. Nur mal so: Ich habe als ehemaliger DDR-Bürger Englisch durchaus als Schulfach gehabt, zwar fakultativ (quasi als Wahlpflichtfach), aber von der 7. bis zur 12. Klasse – so eine scheinbar nebensächliche, aber doch falsche Aussage stellt für mich den Wert der ganzen Studie in Frage.

  3. Wolfgang Eisenhower

    Es ist umstritten, ob es sinnvoll ist so früh eine Fremdsprache zu lernen. Allerdings fällt es Kindern tatsächlich leichter als Erwachsenen. Natürlich ist die richtige Methode wichtig! Am besten überlässt man das Lehren einem Fachmann. http://www.tigerschool.com/unterricht/

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