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Nachhilfe: Ärmere Eltern versuchen mitzuhalten – doch weitere Bildungsungleichheit droht

BERLIN. Die Ende Januar veröffentlichte Nachhilfe-Studie der Bertelsmann-Stiftung hat aufhorchen lassen. Knapp 880 Millionen Euro lassen sich Eltern demnach jährlich den zusätzlichen Unterricht ihrer Sprösslinge kosten. Wie eine Berliner Studie zeigt, versuchen dabei auch die Eltern mit geringeren Einkommen mitzuhalten. Dennoch sehen die Forscher die Gefahr, dass die Nachhilfenutzung Bildungsungleichheiten verstärken kann – und es bleibt fraglich, ob mehr Ganztagsschulen helfen.

Zwar kommen auch Adrian Hille, C. Katharina Spieß und Mila Staneva vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) zu dem Schluss, dass die Teilnahme an außerschulischem Nachhilfeunterricht in erster Linie mit der schulischen Leistung und dem Einkommen der Eltern zusammenhängt. Allerdings haben sich die sozioökonomischen Unterschiede ihrer Studie zufolge zuletzt verringert. Das Haushaltseinkommen spiele über die Jahre eine immer geringere Rolle bei der Entscheidung, Kinder zur Nachhilfe zu schicken. Während es früher Jugendliche aus den einkommensstärksten Haushalten waren, die am häufigsten Nachhilfe bekamen, ist dieser Anteil heute in Haushalten mit mittleren Einkommen am höchsten.

Der Nachhilfemarkt hat sich zu einem substanziellen Geschäftszweig mit professionellen und z.T. gut ausgestattene Mitspielern entwickelt. Foto: gumtau /flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Nachhilfemarkt hat sich zu einem substanziellen Geschäftszweig mit professionellen und z.T. gut ausgestatteten Mitspielern entwickelt. Foto: gumtau /flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein Vergleich über die Zeit zeigt außerdem, dass die Nutzung von Nachhilfeangeboten besonders stark in Haushalten gestiegen ist, die Hartz IV beziehen. Empfänger von Arbeitslosengeld II steigerten ihre Teilnahme an Nachhilfeangeboten im Zeitraum der letzten 15 Jahre um 158 Prozent, (von zwölf auf 31 Prozent). Bei der Gruppe, die diese Transferleistung nicht bezieht stieg der Anteil der Nachhilfenutzer dagegen nur um 74 Prozent.

„Wenn man davon ausgeht, dass es dort einen Bedarf an Nachhilfe gibt und solche Angebote die Schülerinnen und Schüler tatsächlich unterstützen, dann kann dieser Anstieg als ‚Aufholen‘ bewertet werden“, sagt Studienautorin Spieß und mahnt dennoch zur Vorsicht: „Nach wie vor nehmen Kinder aus finanzschwachen Haushalten seltener Nachhilfe. Dabei sind sie grundsätzlich ohnehin schon benachteiligt, da ihre Eltern weniger finanzielle Ressourcen haben, um Nachhilfe und auch andere private Bildungsangebote zu bezahlen.“

Anders als bei Sport- und Musikunterricht oder beim Besuch von Kindertageseinrichtungen sehr junger Kinder haben neben dem Haushaltseinkommen auch Unterschiede wie Migrationshintergrund der Eltern und Erwerbsstatus der Mutter in jüngster Zeit deutlich weniger Einfluss darauf, ob ein Kind Nachhilfe bekommt oder nicht.

Im Zeitraum von 2000 bis 2003 nahmen in Familien, in denen beide Eltern einen Migrationshintergrund haben, um die 20 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal Nachhilfeunterricht, im Vergleich zu etwa 30 Prozent bei Jugendlichen mit Eltern ohne Migrationshintergrund oder nur einem Elternteil mit Migrationshintergrund. Dieser Unterschied war rund 15 Jahre später nicht mehr vorhanden: Nun gab fast die Hälfte aller 17-Jährigen an, bereits Nachhilfe bekommen zu haben – unabhängig vom Migrationshintergrund der Eltern.

Auch der Erwerbsstatus der Mutter war zuletzt weniger wichtig. Ganz gleich, ob die Mutter Vollzeit, Teilzeit, geringfügig oder gar nicht erwerbstätig war: In jedem Fall lag der Anteil der Kinder, die Nachhilfe bekamen, bei 45 bis 50 Prozent. Etwa 15 Jahre zuvor waren die Unterschiede größer. Einzig bei Kindern von arbeitslosen Müttern hat sich der Anteil der Nachhilfeschülerinnen und -schüler kaum erhöht.

Insgesamt ähneln die Zahlen des DIW denjenigen der Bertelsmann-Studie: Von 2009 bis 2013 gaben 47 Prozent der jeweils befragten 17-jährigen an, zumindest einmal im Laufe ihrer Schulzeit bezahlte Nachhilfeangebote genutzt zu haben – rund 20 Prozentpunkte mehr als vor etwa 15 Jahren. Insgesamt nahmen im Jahr 2013 13 Prozent aller Schülerinnen und Schüler innerhalb der vorangegangenen sechs Monate Nachhilfe: In den Grundschulklassen waren es durchschnittlich sechs Prozent, in der Sekundarstufe I 18 Prozent.

Warum immer mehr Jugendliche Nachhilfe nehmen, bleibt allerdings unklar. Neben der Unzufriedenheit mit schulischen Lehrangeboten, könne darin auch eine zunehmende Leistungs- oder auch „Marktorientierung“ bei Eltern und Schülern zum Ausdruck kommen, die versuchten Schulleistungen durch individuelle und privat bezahlte Förderangebote zu verbessern, stellen die Forscher anheim.

Da Schüler aus Haushalten der unteren Einkommensgruppen jedoch noch immer seltener Nachhilfeunterricht bekommen, könnte dies nach wie vor dazu beitragen, Bildungsungleichheiten zu verstärken. Anders als vermutet bestehen keine signifikanten Unterschiede in der Nachhilfenutzung zwischen Schülerinnen und Schülern von Ganztagsschulen und Halbtagsschulen.

Bleibt damit zwar der Ausbau der Ganztagschulen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wird wohl auch auf diese Weise der private Nachhilfemarkt nicht zum Erliegen kommen, wie etwa von VBE-Chef Udo Beckmann erhofft. Insgesamt handelt es sich um einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftszweig, mit einem geschätzten Marktvolumen zwischen 0,9 und 1,5 Milliarden Euro, den neben Privatpersonen auch zu rund einem Viertel bis zu einem Drittel private Nachhilfeinstitute bespielen. (zab, pm)

DIW Wochenbericht 6/2016 (pdf)

zum Bericht: Jeder siebte Schüler geht zur Nachhilfe – Eltern machen (Leistungs-)Druck

65 Kommentare

  1. Es wird immer Eltern geben, die ihre Kinder in die Nachhilfe schicken, egal, wie „gerecht“ das Bildungssystem ist. Eltern, die Geld haben, werden immer versuchen für ihre Kinder Vorteile durch Nachhilfe zu erzeugen. Wie will man das verhindern? Viele derjenigen, die Nachhilfe haben, haben der Studie zur Folge ja Noten zwischen 1 und 3.

    • Oh dieser Neid, diese Neidartikel und Neiddiskussionen! Und das Lösungswort heißt immer „Umverteilung“, auch in der Bildung. Ob Aufweichung von Zensuren, Gymnasium und Abitur für alle oder Ganztagskrippen, Ganztagskitas, ganztägige Gemeinschaftsschulen, Hauptsache der Nachwuchs wird durch staatliche Rundumbetreuung und -bildung möglichst gleich behandelt und gleich gemacht, so dass niemand Vorteile hat durch einen klügeren Kopf oder sein Elternhaus.
      Widerlich, was da als „soziale Gerechtigkeit“ verkauft wird. Und obendrein wird noch frömmlerisch von individueller Förderung geredet, so als würden individuelle Unterschiede der vorteilhafteren Art überhaupt geschätzt und gefördert anstatt auf dem Altar des Neids geopfert.

  2. Elternberatungstag an meiner Schuler: Gegenüber von mir sitzt Frau Müller, die Mutter der kleinen Anna aus der 5. Klasse (natürlich sind das nicht die richtigen Namen), und fragt nach der 4- im ersten Zeugnis auf dem Gymnasium. Anna ist ein liebes Mädchen, aber ganz sicher ist das Gymnasium noicht die richtige Schule für die. Vorsichtig nehme ich Begriffe wie „überfordert“ in den Mund und deute die Möglichkeit eines Wechsels auf die Gemeinschaftsschule an. Frau Müller entgegnet, dass Anna doch so fleißig und gewissenhaft sei (ich stimme nichkend zu) und fragt, wo man Nachhilfe bekommen kann.

    Was soll ich jetzt sagen? Nachhilfe für Anna ist wie das Beatmen eines Leichnams? Da Anna im Bereich Fleiß schon alles ausgeschöpft hat, sie selbst einfach Textaufgaben nicht umsetzen kann und es mutmaßlich nicht reichen wird, wenn erst z.B. Bruchrechnung auf der Tagesordnung stehen, ist Nachhilfe kaum siinnvoll, zumal Anna auch in Deutsch und Englisch kaum bessere Leistungen zeigt.
    Diese harten Aussagen will Frau Müller sowieso nicht hören, schließlich stand ja auch (noch) keine 5 im Zeugnis. Also erkläre ich Frau Müller das schulinterne Nachhilfesystem, in dem sich begabte ältere Schüler ein Taschengeld dazu verdienen. Und wieder wandert Geld in den Nachhilfebereich, weil ehrgeizige Eltern bei der Anmeldung zur weiterführenden Schule gegen gute Ratschläge für das Gymnasium entschieden haben.

    • Ich bitte die Tippfehler zu entschuldigen ….

      Ach ja, an diesem Tag kam auch die Mutter der kleinen Monika zu mir. In Mathe hatte sie eine 3, alle anderen Fächer waren besser. Ihr Mann sei der Meinung, dass Monika unbedingt Nachhilfe brauche, „damit nicht erst Lücken entstehen“. Ich erkläre Monikas Mutter, dass ihre Tochter eine „3+“ im Zeugnis hatte, knapp an einer 2 vorbei. Da erscheine nur leider so nicht im Zeugnis. Und ich erkläre ihr, dass Monika sicher keine Lücken habe, die mit Nachhilfe zu schließen seien. Und ich hoffe, dass auch hier nicht noch völlig sinnlos Geld für Nachhilfe ausgegeben wird.

    • Wie wäre es denn, wenn die Frau Müller mit ihrer Anna gar keine Gelegenheit bekäme, ein Gynmnasium – wg.
      Abwandlung in eine IGS – zu kennen ?!
      – und die Lehrkraft die binnendifferenzierende Arbeit und das individualisierende Entwicklungsdenken statt des nornmativen Leistungsdenkens erläutern könnte ?!

      • Ihr Pädoyer für die Abschaffung der Gymnasien ist nicht neu. „Soziale Gerechtigkeit“ gebietet eben, der Anna hilfreich beizuspringen und besser begabte Kinder auf einer IGS oder Gemeinschaftsschule geistige Unterernährung zuzumuten.
        Das Gewäsch von Binnendifferenzierung und individueller Förderung können Sie sich an den Hut stecken, weil das zum größten Teil verlogenes Zeug ist.
        „Binnendifferenzierung“, die den Namen verdient, gibt es nicht, weil sie jeden Lehrer überfordert. Schöne Floskeln nachzubeten hilft keinem außer einflussreichen Lobbyisten, Traumtänzern und Bezahlschreibern.

        • darüber hinaus ist binnendifferenzierung nichts anderes als hilfe für die schwachen. für die wirklich guten hat man kaum zeit, für die dazwischen überhaupt keine.

          • So sehe ich das auch. Trotzdem reden Außenstehende wie die Papageien immer wieder von der wundervollen Binnendifferenzierung und großartigen individuellen Förderung.
            Hauptsache alle Schüler kommen in einen Topf, sprich Schule, und keiner wird „diskriminiert“ durch eine Schulform, die schlechter ist als das Gymnasium.
            Ob alle Schüler dabei schlechtere Lernbedingungen als bei einem gegliederten Schulsystem haben, ist doch egal. Hauptsache der Schein stimmt und niemand steht rein äußerlich „benachteiligt“ da.

          • Nee, eben genau nicht. Bei Binnendifferenzierung (und auch der bösen Inklusion) geht es um ALLE Kinder, also auch im die Leistungsstarken.

            Das ALLE wird doch nur wirklich überall großgeschrieben und ich frage mich, wie sehr man eigentlich die Augen zumachen muss, um das ständig zu überlesen.

          • Bei Gesprächen mit Gesamtschullehrern gaben sie alle zu, dass sie in der Praxis ein „mittleres Niveau“ – etwa Realschule – unterrichten. Die besseren bekommen ein paar anspruchsvolle Arbeitsblätter mehr, die ganz armen Kinder kommen dann in die Förderung. Aber im Unterricht … ich glaube nur, was ich sehe.

          • @ Georg: Sie sind kein Praktiker und nehmen die Schulprogramme wörtlich. Binnendifferenzierende Bücher zielt auf die normalen Schüler, die mit Förderbedarf (_nicht_ Forderbedarf) sowie die Inklusionsschüler ab, sprich auf normal, schwach und sehr schwach. Von gut oder gar sehr gut ist dort keine Rede. Ebenso findet man in den Lehrermaterialien viel mehr Förder- als Fordermaterialien.

            Ich mache im Gegensatz zu Ihnen meine Augen tatsächlich auf und sehe hinter die Hochglanzprospekte auf die Realität. Für eine wirkliche Forderung hat man als Lehrer im Unterricht noch weniger Zeit als für eine gescheite Förderung. Mir geht es übrigens auch auf die Nerven, dass ein schwacher Schüler überhaupt keine eigenen Anstrengungen mehr zu unternehmen braucht, weil er durch den Apparat der (so genannten) individuellen Förderung durch den Lehrer schon irgendwie auf die Note „4“ bebracht wird.

          • @ XXX Ja, Hilfe für die Schwachen und ein paar anspruchsvollere Arbeitsblätter für die Starken (siehe Pälzer). Hat jemand eine andere Idee?

          • Ja, das gegliederte Schulsystem!!!!!!!!!!!!!!!
            Auch dort ist die Schülerschaft bereits recht heterogen. Immerhin konnte ich die Notenskala oft genug voll ausnutzen.

            SuS, die von uns aber z.B. die Gymnasialempfehlung bekamen, erreichten bis auf wenige Ausnahmen den Abschluss „Abitur“, ohne dass sie ständig Förderunterricht oder Nachhilfe in Anspruch nehmen mussten.
            Gleiches gilt für die RS und die HS.

          • @ Pälzer, 17:42: Ich nehme an, dass Sie mit „unterrichten auf mittlerem Niveau“ ein mittleres Niveau bei den E-Kursen bezogen auf die Schüler in den jeweiligen E-Kursen, bei den G-Kursen entsprechend auf die Schüler der G-Kurse meinen. Problem ist dann die Einführungsphase, auf der dann das frühere Realschulniveau, bei dem die besseren in den E-Kursen fast eingeschlafen sind, und die ausklingende Pubertät zusammenfallen mit dem unvermittelt einsetzenden Niveau einer gymnasialen Oberstufe. Alles andere ist wegen der Zentralen Klausur am Ende der EF (NRW, vorausgesetzt sie wird auch an den Gesamtschulen geschrieben) nicht möglich. Kein Wunder, dass die Abiturschnitte bei den Gesamtschulen nicht mit denen der Gymnasien mithalten können.

          • Relaschulnivea – ja was denn sonst? Die Kurse der E-Ebene sollen zum Mittleren Schulabschluss führen – genauso wie an der RS oder an der HS in Klassen des Profiltyp B. Ebenso wie an einer RS oder einer HS kann die GeS sowie die Sekundarschule den MSA mit Qualifizierungsvermerk vergeben. Dass die GeS ihre Kurse auf e-Ebene auf gymnasialem Niveau führen müssten, ist ein Irrglaube. Er wird gerne von Gesamtschulgegenern herangezogen, um GeS vorwerfen zu können, dass sie das gymnasiale Nivea nicht erreichen würden.

            Im gegensatz zu Gymnasien sind Gesamtchulen aber alltagstauglich.

          • Wie ich Sie kenne, haben Sie das „u“ in „Relaschulnivea“ bewusst nicht vergessen, „Rela“ könnte aber in der Tat ein Tippfehler sein … ;-).

            Ihren letzten Satz glaube ich sogar, weil mit dem angestrebten MSA schon viel früher mit berufs- und alltagsbildenden Maßnahmen begonnen werden muss als an den Gymnasien, bei denen die Kinder nach Klasse 10 aufgrund des Studiums häufig noch 5 Jahre und länger bei den Eltern wohnen oder zumindest den eigenen Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren müssen.

          • Die Frage stellt sicz doch, warum man für dir „wirklich guten“ überhaupt keine aseit mehr hat.

            Wenn sich die Vorstellung von Bildung und der Stellung des Individuums wandelt, muss sich auch das Bildunggsystem wandelt.

            Das das mit zusätzlicher Personalausstattung bzw. Stundenmnderung einhergehen muss, versteht sich von selbst, wird aber schlicht nicht umgesetzt.

            Aufregen über die Minderheiter und Binnendifferrnzierung Tn sich also nur die, die die Schwachen als Problem ansehen und nicht das Bildunggsystem als Ganzes in den Blick nehmen.

            Sagt der Theoretiker vm Dienst.

      • Stimmt, es würde ja auch reichen, wenn alle ihren Namen tanzen.

  3. „Warum immer mehr Jugendliche Nachhilfe nehmen bleibt allerdings unklar. Neben der Unzufriedenheit mit schulischen Lehrangeboten, könne darin auch eine zunehmende Leistungs- oder auch „Marktorientierung“ bei Eltern und Schülern zum Ausdruck kommen, die versuchten Schulleistungen durch individuelle und privat bezahlte Förderangebote zu verbessern, stellen die Forscher anheim.“

    Gerade diese Marktorientierung ist das Geheimnis, die es zu erforschen (und abzustellen) gilt. Die Studie an sich lieferte dem Artikel nicht mehr Inhalt als den, den der gesunde Menschenverstand auch so liefern würde.

    Interessanterweise werden die genetischen Veranlagungen sowie die Bildungsabschlüsse der (leiblichen) Eltern und (leiblichen) Großeltern nicht berücksichtigt. Bekanntermaßen vermehren sich gleich und gleich gern mit (mit großer Wahrscheinlicheit) entsprechend ähnlichem Nachwuchs. Das würde aber dem Gender-Mainstreaming entgegenlaufen und vielleicht noch aufwändiger sein, als die paar Euro, die Bertelsmann bereit war auszugeben. Die Gewinnmarge von 20% oder so wäre ja sonst in Gefahr.

  4. Ich empfinde Nachhilfe zunehmend als Statussymbol und problematisch.
    Viele Kinder mit guten bis sehr guten Leistungen erhalten trotzallem Nachhilfe, wenn die Eltern das entsprechende Geld haben. Hartz IV Empfänger erhalten mittlerweile Unterstützung bei der Finanzierung von Nachhilfe, wenn wir Lehrer bescheinigen, dass diese nötig ist, so dass auch diese das Angebot einfach nutzen, ob es anders möglich wäre oder nicht. Lieber einmal zuviel Nachhilfe, man will sich nicht nachsagen lassen, zu wenig getan zu haben. Ich habe auch das Gefühl, dass Eltern sich immer mehr untereinander vergleichen. Allein beim Schwimmkurs (der natürlich vorher mit Babyschwimmen, Massage und Pekip vorbereitet wurde) geht nichts über den Vergleich, welches Kind bei der Seepferdchenprüfung am jüngsten war – und da kommt es auf Tage an.

    Zum Teil berichten die Kinder sehr stolz davon, dass sie Aufgaben bereits bei der Nachhilfe vorbereitet haben. Das finde ich besonders problematisch, da jegliche Überlegung im Unterricht sich damit erledigt, dass Einzelne die „einzig richtige“ Antwort bereits kennen. Die Leistungen werden dadurch nicht besser, weil diese Kinder nicht dazu angeregt werden, selbstständig nach möglichen Lösungen zu suchen. Sie können lediglich die Regeln anwenden. Häufig sind sie auch nicht mehr bereit, ihre Lösungen selbst zu überprüfen, weil die Nachhilfelehrerin dies ja bereits getan hat. Das ist sicher nicht in jeder Stunde der Fall, aber doch desöfteren.

    Wesentlich wichtiger fände ich, wenn man allen Kindern, unabhängig von ihrem sozialen Status ermöglichen würde, ein Hobby nach ihrem Geschmack zu finden. Hobbies sind ein wichtiger Ausgleich zur Schule und dennoch gibt es viele Kinder, die nicht die Möglichkeiten haben, ihrem Wunschhobby nachzugehen. Ich warte auf eine Studie, die Zusammenhänge zwischen Selbstwertgefühl und vorhandenen Hobbies darlegt und damit belegt, dass hier Bedarf besteht. Studien zu Nachhilfe sind natürlich lohnender und vermitteln besorgten Eltern noch mehr das Gefühl, ihrem Kind etwas vorzuenthalten, wenn es nicht auch Nachhilfe bekommt.

    • Wenn die Nachhilfe so boomt, ist das dann nicht auch ein Misstrauenszeichen gegenüber der heutigen Schulbildung und der dahinter stehenden Schulpolitik?
      Eltern glauben nicht mehr den Noten und stellen z.B. fest, dass ihre Kinder am Ende der Grundschulzeit nur höchst mühsam einfache Texte lesen und verstehen können, dazu noch horrende Fehler beim Schreiben machen, und dennoch befriedigende bis gute Zensuren erhalten.
      Ihrer Idee, dass jedes Kind ein Hobby nach seinem Geschmack haben sollte, kann ich mich nur anschließen. Die vielfältige Wirkung von Hobbys wird viel zu wenig beachtet.

      • Meiner Erfahrung nach wir Nachhilfe niemals deswegen genommen, weil Eltern glauben, im Unterricht würde zu wenig gelernt. Sie wird immer genommen, um alleine die Note zu verbessern, was zwei grundverschiedene Dinge sind.

        • Ich glaube, sie wird nicht einmal nur wegen einer Note genommen, sondern wirklich häufig deshalb, weil es sich so gehört. Es gehört zum guten Ton. Evtl. ist das auch eine Folge der Werbung. Überall findet man heute Werbung für Einmaleinstrainer, Trainingshefte für Klasse 1-13, interaktive Skelette und Weltkarten. Wie können es Eltern wagen, daran vorbeizugehen und ihren Kindern nicht diese Chance zu geben, das Lernen mit dem Aldi-Schultrainer zu verbessern?

          Vielfach habe ich Eltern an Elternabenden da sitzen von eigentlich strebsamen und guten Schülern, die den Elternabend fast einleiten mit einem Satz „Ja, wir wissen ja, dass es schwierig ist.“ und dann geht es ein paar Minuten tatsächlich um den Unterricht, dass ich gar keine Probleme sehe und dann kommt die Überleitung. „Wir haben uns schon mal umgehört beim Studienkreis. Oder meinen sie, es wäre besser, einen Studenten zu fragen?“ Plötzlich geht es um die Recherchen der Eltern zu Nachhilfeinstituten. Die Nachbarn haben da eine ganz reizende Studentin, die macht das Klasse, aber nur Deutsch, ob das reichen würde…

          (wohlgemerkt, ich habe nichts gegen Supermarkt-Sonderangebots-Lernhilfen, solange sie nicht zum Hobby gemacht werden)

  5. Danke für die „Analyse eines Praktikers“. Ich habe sie regelrecht verschlungen. Als Lehrerin bin ich wirklich manchmal am Rande der Verzweiflung über das, was von uns verlangt wird und was wir gar nicht erreichen können ohne „Schummeln“ und Absenken des Niveaus. Die Leidtragenden sind aber nicht nur wir, sondern vor allem die Kinder.
    Wenn ich dann noch von einigen emsigen Neunmalklugen hier lese, wie gute Schule aussieht, wie toll Inklusion ist, wie hervorragend Binnendifferenzierung und individuelle Förderung funktionieren, kriege ich regelmäßig die Kriese. Und dann behaupten sie noch, sie hätten als Außenstehende Ahnung, weil sie irgendwelche halbseidenen Studien oder sonstwas gelesen haben und sich auf bekannte Lobbyisten mit akademischen Graden berufen können.
    Ich hätte nie den Impuls und würde mich auch nie trauen, als Berufsfremder andere Leute so besserwisserisch zu belehren.
    Die sollten mal 1Woche Lehrer spielen und ihre Inklusionskünste, ihre Binnendifferenzierung und individuelle Förderung vormachen.
    Was treibt solche Leute zu so vielen zeitaufwändigen Kommentaren, obwohl sie nicht Lehrer sind und ständig an der Schulwirklichkeit vorbeireden?
    Ich greife Ihren Link noch einmal auf, „mehrnachdenken“ weil der Artikel es wert ist, von möglichst vielen gelesen zu werden.

    http://www.news4teachers.de/2015/11/verbaut-das-missverstaendnis-individuelle-foerderung-zukunfstchancen-analyse-eines-praktikers/

    • ich kriege hier auch regelmäßig die Kriese – da haben wir doch schon eine Gemeinsamkeit.

      • Tipp: Einfach nichts lesen und schon gar nichts schreiben. Dann schonen Sie Ihr Nervenkostüm und schützen sich vor Krisen.

        • @mehrnachdenken

          aber ich lese hier doch auch so wenig – um nicht zu sagen manchmal auch Nichts?!
          Das kann es nicht sein.

          Vielleicht hilft ja der Tipp, hier nichts mehr zu schreiben! Aber dann gäbe es ja zu manchen Themen keine Vielfalt mehr. Wollen Sie das? Wahrgenommen werden meine Argumente/Einwürfe ja sowieso kaum (s.o.).

          Aber vielleicht haben Sie recht – so von altem Mann zu altem Mann gesprochen.
          😉

          • Andere hier verfechten gerade die Vielfalt, allerdings eine andere Art von Vielfalt und auf eine Weise, die keine Alternative zulässt. Einfalt in der Vielfalt sozusagen …

          • Es fehlt halt der göttliche Impuls.

            „Am Anfang war Chaos …“

            In Schule ist dieses Chaos heute noch, es ist dort systemischer Ansatz. Und weil Chaos negativ konotiert ist, sprechen moderne Bildungsmanager von heterogenität. Da Lehrer aber per Definiton der Allgemeinheit einfältig sind, stoßen hier unvereinbare Gegensätze im gesellschaftlichen Auftrag aufeinander.

            Die Zahl der Hochbegabten steigt vermutlich um das Doppelte, solten wir Lehrer angewiesen werden, bei der Begutachtung der Hochbegabung den durchschnittlichen Erwachsenen als Maßstab anzulegen.

          • in den Niederlanden lief ein Bericht, dass Studenten sich für 200€ ein lrs-gutachten kaufen können, mit dem sie die üblichen Nachteilsausgleiche und ein Semester studiengebühren erstattet bekommen. auch eine Art von Chaos und „Hochbegabung“ …

          • In deutschland werden die nicht gekauft, die gibt es beim Kinderarzt bzw. Kinderpsychologen gegen Vorlage der Krankenversicherungskarte.

            Blöd ist ja nur, dass neben der ärztlichen Bescheinigung ebenfalls die erfolgreiche Teilnahme an den entsprechenden Förderkurse der Schule bis zum Ende der jeweiligen Schullaufbahn bescheinigt sein muss, um in den genuss des Nachteilsausgleiches zu kommen.

            So sorgt Schule immer wieder für häusliche Dramen, bei denen der sechstklässler wütend fragt, ob er denn daa (zum LRS-Kurs) wirklich hin müsse, und die Eltern antworten , ja, es sei wichtig, um den Nachteilsausgleich beind den ZP10 am Ende der sekI und bei den abiturklausuren zu erhalten. Da hat der Kurze doch echt Bock auf Schule und freut sich über die individuelle Förderung:)

    • Ach Birgit, sagen Sie doch wen Sie meinen.

      Und interessant ist doch auch, das hier einige zu wissen meinen, was ich denn so beruflich mache. Es scheint niemanden zu wundern, das sich jemand „berufsfremdes“ hier diese Mühe macht, Kommentare zu schreiben. Wer so ein wenig mitgelesen hat, hat gemerkt, das ich nicht nur in der Flüchtlingshilfe arbeite sondern man mich offensichtlich auch ein wenig mit Wissenschaft, Bildungspolitik und Antidiskriminierungsarbeit auskenne.

      Aber wers nicht sehen will oder keine Argumente hat, fängt eben an, nach Möglichkeiten der Diskreditierung zu suchen.

      Und ausserdem offenbart sich hier auch ein altbekanntes Problem, welches man bei leider recht vielen Lehrkräften findet: Ich weiß Bescheid, der Rest der Welt (wie eben der Klassenraum) hat keine Ahnung. Und das gilt selbst wenn ich nur meinen Klassenraum kenne…

      • Ach und um es nicht zu vergessen: von Sprachlehrer und Wissenschaftsorientierung als fachdidaktischem Prinzip der Sozialkunde schrieb ich auch mal irgendwann was.

        Aber im Sturm der argumentationsschwachen Hochnäsigkeit sind das alles nur kleine Blättchen..

      • Ach Georg, ach und nochmals ach! Ich habe nicht den Eindruck, dass Sie sich hier Mühe machen mit Ihren Kommentaren, sondern voller Lust agieren und kaum bremsen können.
        Und ja, Birgit hat recht. Von der Unterrichtspraxis keine Ahnung haben und mit angelesenen Weisheiten schlauer dastehen wollen als die Lehrer, ist wirklich eine Zumutung.
        Wer keine Argumente hat, könnte man jetzt hin- und herdiskutieren. Für Sie haben natürlich immer nur die anderen keine Argumente, weil Sie sich weigern, die besten Argumente, die es gibt, anzuerkennen, nämlich Erfahrungswissen.

  6. Gehaltvolll wie immer, dixo. So macht das Spass und ist auch noch überaus interessant.

    Nee, mal im Ernst: Lust empfinden und bremsen – das mach ich woanders, wenn SIe wissen was ich meine. Ein wenig Spass hab ich hier schon. Aber da geht es ja nicht nur mir so. Warum also die Aufregung?

    Das ist doch hier ein Forum für Lehrer*innen, oder? Ich wusste nicht, das „angelesene Weisheiten“ unter Lehrkräften ein Problem darstellen. Müssen sie wohl, denn anscheinend versuchen Sie hier mit dieser Äußerung zu punkten. Dazu könnte ich dann nur sagen: Armes Deutschland, armes Bildungssystem!

    Und was ich für Praixserfahrung habe davon haben auch sie keinen blassen Schimmer. Vielleicht gestehen Sie sich – und den anderen hier – einfach ein, und lassen es einfach bleiben, auch diese nicht sonderlich hohe Karte zu ziehen.

    Und die besten Argumente, die es gibt, sind Erfahrungswissen? Nun ja, womit man keine Erfahrung und sich auch nicht beschäftigt hat, davon kann man auch nichts wissen, gebe ich mal in den Raum. Und Erfahrungswissen ohne Reflektion und Einordnung bringt einem auch nicht viel, denn Wissen ist nichts per se Gutes. Es gibt auch falsches Wissen bzw. Interpretation. Und das will doch niemand haben, oder?
    Ein bisschen Lesen schadet nie, auch wenn z. B. mehrnachdenken da wohl anderer Meinung ist.
    Und um Sie zu beruhigen: ich schreibe hier nur über Dinge, mit denen ich Erfahrungen gemacht habe, glauben Sie mir.

    Auf so dünnes, besserwisserisches Eis wie einige andere hier begebe ich micht nicht.

    • „Ein bisschen Lesen schadet nie, auch wenn z. B. mehrnachdenken da wohl anderer Meinung ist.“
      Ein klassisches Beispiel für eine aus dem Zusammenhang gerissene Äußerung von mir.

      Hintergrund: „Beobachter“ (16.02./22.01 h) bemerkt, dass er im Forum auch regelmäßig die „Kriese“ kriegt. „Kriese“ mit ie, weil er damit „Birgits Kommentar ins Lächerliche ziehen wollte.

      Mein Kommentar „einfach nichts lesen und schon gar nichts schreiben“ zielt zunächst einmal als Replik auf das „Niveau“ des „beobachters“ und bezieht sich eindeutig auf diese Plattform. Keinesfalls ist er so zu verstehen, wie Sie ihn womöglich gerne deuten möchten.

      • Hallo, ihr lieben Mit-Pensionär_innen, ob (mit Verlaub) wir hier das Ego-Geschwurmel, Wortekleckern und Sprücheklauben mal der eigenen sozialen Erholung wegen bleiben lassen und unsere Zeit anders nutzen könnten……?!
        Wer noch keine gesellschaftlich nützlichere Tätigkeit weiß, die gleichzeitig noch besser als hier im Forum das Ego streichelt, möge sich bitte melden. Danke und: Viel Erfolg.

        • Ziemlich hinterfotzig, werte(r) flunra39, was Sie da von sich geben. Etwa selbst auf dem Ego-Geschwurmel-Trip!?

          @beobachter
          Wenn Sie eine „dumme, herabwürdigende Art und Weise, mit anderen Meinungen umzugehen“ beklagen, sollten Sie mit gutem Beispiel vorangehen und sich nicht selbst aufs hohe Ross setzen.

      • Crisis? What Crisis?

        „Wenn ich dann noch von einigen emsigen Neunmalklugen hier lese, wie gute Schule aussieht, wie toll Inklusion ist, wie hervorragend Binnendifferenzierung und individuelle Förderung funktionieren, kriege ich regelmäßig die Kriese. Und dann behaupten sie noch, sie hätten als Außenstehende Ahnung, weil sie irgendwelche halbseidenen Studien oder sonstwas gelesen haben und sich auf bekannte Lobbyisten mit akademischen Graden berufen können.“

        Hierauf bezog sich meine „Kriese“ – auf diese dumme, herabwürdigende Art und Weise, mit anderen Meinungen umzugehen und diese auch noch mit Worten des akademischen „Gossenjargons“ zu beschreiben (Neunmalklug, halbseidene Studien, Lobbyisten mit akademischen Graden, …).
        Nun gut, ich weiß, dass manche Lehrer*innen so einfach gestrickt sind, dass sie nur ihre eigenen Erfahrung mit Schule zum Wertmaßstab heranziehen, um über Bildung oder Lernen oder oder (eben alles was Schule betrifft – sie sind ja „Fachleute“ qua Amt?) zu urteilen.
        Das macht meine „Kriese“ aus, hier Positionen zu lesen bzw. den Stil von Diskussionen ertragen zu müssen, der mir nun seit fast 40 Jahren Lehr-/Lernpraxis sonst kaum begegnet.
        Ich habe dieses Forum hier für mich schon manchmal als „Paralleluniversum“ definiert. Aber wie gesagt spannend – und ich finde ja auch Gemeinsamkeiten (s.o.)
        Aber glücklicherweise gibt es auch Andere!

        • Ich glaube, jeder fühlt sich in einem „Paralleluniversum“, wenn er es nicht nur mit Gleichgesinnten zu tun hat, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und in ihren Ansichten bestärken.
          Das Forum hier als „Paralleluniversum“ zu bezeichnen und zu sagen „Aber glücklicherweise gibt es auch Andere!“, ist unglücklich. um es mal vorsichtig auszudrücken.
          Zumindest ist es (auch in Anbetracht anderer Bemerkungen) ungeschickt, Herabwürdigung zu kritisieren, sie selbst aber zu betreiben.
          Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das nicht merken.

          • Vielen Dank, der Hinweis ist gerechtfertigt.
            Das Mit den „Anderen“ bezog sich i. Ü. nicht auf das „P.universum“, sondern auf die „gestrickten“ Lehrer (weiter vorn).

            Das „P.universum“ tut sich für mich nur auf, da ich in meinen „normalen Arbeitszusammenhängen“ mit den hier artikulierten Meinungen eigentlich nie konfrontiert werde. Jetzt könnte man natürlich mutmaßen, dass ich es immer nur mit Lehrern von „außerhalb der Realität“ zutun habe, die mir natürlich auch über ihre Schwierigkeiten mit der Umsetzung von bestimmten Förderkonzepten, sei es Inklusion oder Binnendifferenzierung berichten. Aber der Tonfall und die Aufgeregtheit hier!! Es ist ja auch so wenig konstruktiv, wie Probleme benannt werden, außer aus dem Bauch heraus oder über die eigene Erfahrung. Alle anderen Meinungen hierzu werden abgestempelt! (Ja, ein Universum ist in sich ein mehr oder weniger abgeschlossener Raum (na ja. ein Raum-Zeit-Gebilde) – gefüllt mit Meinungen, Pauschalisierungen und Vorurteile. Aber es fehlt irgendwie die Offenheit).

            Ich will jetzt nicht zu sehr philosophisch werden …

            Im Übrigen weiß ich nicht, wie ich jemanden herabgewürdigt habe, außer dass ich eine Einstellung/Meinung als dumm bezeichnet habe.

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            2. Versuch

            Vielen Dank, der Hinweis ist gerechtfertigt.
            Das Mit den „Anderen“ bezog sich i. Ü. nicht auf das „P.universum“, sondern auf die „gestrickten“ Lehrer (weiter vorn).
            Das „P.universum“ tut sich für mich nur auf, da ich in meinen „normalen Arbeitszusammenhängen“ mit den hier artikulierten Meinungen eigentlich nie konfrontiert werde. Jetzt könnte man natürlich mutmaßen, dass ich es immer nur mit Lehrern von „außerhalb der Realität“ zutun habe, die mir natürlich auch über ihre Schwierigkeiten mit der Umsetzung von bestimmten Förderkonzepten, sei es Inklusion oder Binnendifferenzierung berichten. Aber der Tonfall und die Aufgeregtheit hier!! Es ist ja auch so wenig konstruktiv, wie Probleme benannt werden, außer aus dem Bauch heraus oder über die eigene Erfahrung. Alle anderen Meinungen hierzu werden abgestempelt! (Ja, ein Universum ist in sich ein mehr oder weniger abgeschlossener Raum (na ja. ein Raum-Zeit-Gebilde) – gefüllt mit Meinungen, Pauschalisierungen und Vorurteile. Aber es fehlt irgendwie die Offenheit).
            Ich will jetzt nicht zu sehr philosophisch werden …
            Im Übrigen weiß ich nicht, wie ich jemanden herabgewürdigt habe, außer dass ich eine Einstellung/Meinung als dumm bezeichnet habe.

          • @beobachter
            „Das „P.universum“ tut sich für mich nur auf, da ich in meinen „normalen Arbeitszusammenhängen“ mit den hier artikulierten Meinungen eigentlich nie konfrontiert werde.“

            Sollte es sich um den „Bereich Schule“ handeln, könnte es daran liegen, dass sich nicht offen zu bestimmten Entwicklungen geäußert wird. „Gruppendruck“ ist nicht zu unterschätzen. Wer möchte schon ins soziale Abseits geraten?

    • Zitat: „Ein junger intelligenter Mann glaubte, alles aus Büchern lernen zu können. Er las alles über die Sterne und er wurde Astronom. Er las alles über Geschichte und er wurde Historiker. Er las alles übers Schwimmen und er ertrank.“
      Da fehlte trotz „Reflektion und Einordnung“ wohl doch das entscheidende Erfahrungswissen.

  7. @mehrnachdenken
    18. Februar 2016 um 21:01

    Ja, das könnte sein. Aber: Ich bin in Schule, Studienseminar, Fort- und Weiterbildung und Universität seit dieser Zeit unterwegs (und parallel in diesen Feldern täglich seit über 30 Jahren). Ich denke schon, dass ich ganz gut mitbekomme, was in der Schule so passiert, wo die Problemstellen liegen, was Lehrer*innen im „alltäglichen Geschäft“ so auf der Seele drückt.
    Und nun aber ein 2. Aber: Ja, es gibt die Frustrierten, die die sich sperren gegen so etwas wie eine zeitgemäße Umgestaltung von Bildung (und hierzu zählen m.E. die in diesen Foren häufig sehr emotional diskutierten Themen wie Inklusion oder Binnendifferenzierung oder individualisiertes Lernen usw). Wir werden nicht darum herumkommen, uns in unserem Bildungssystem damit zu beschäftigen. Nein: Wir werden in diesen Bereichen noch viel offensiver aktiv werden müssen, auch, da die BRD einen enormen Nachholbedarf hat. Ich weiß, dass es ein sehr komplexes Thema ist, das man in einem solchen Forum kaum andiskutieren kann. Aber insgesamt denke ich sind wir da in D.auf einem ganz guten Weg – wenn ich mir die Veränderungen in der (praxisorientierten Lehrerausbildung oder in den methodischen Bemühungen mit der Entwicklung curricularer Materialien oder auch den Unterstützungsmaßnahmen durch die Schulträger/-Ämter (zumindest bei uns)) anschaue.
    Was mich immer wieder so gewaltig stört ist diese „Weiter so“ oder „früher war alles besser, möglichst keine Veränderung“ Philosophie. Ich kann dieses Beharren bei vielen Lehrer*innen ja verstehen – sie kennen es nur zu gut aus der eigenen Schulzeit, aus dem Ref und aus ihrer Praxis. Aber das ist doch kein „Erfahrungswissen“, das belastbar ist.

    • Interpretieren Sie da nicht „Erfahrungswissen“ nach Ihren Vorurteilen? „Beharren bei vielen Lehrer*innen“ bedeutet nicht nur „eigenen Schulzeit“ oder eigenes Referedarium und eigene Praxis.
      Auch wenn Sie sagen, das ja verstehen zu können, stellen Sie Ihren Meinungskontrahenten doch ein schlechtes Urteil aus.
      Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass Sie auf dem richtigen Dampfer sind und nicht diejenigen, denen Sie großzügig Verständnis entgegenbringen, allerdings mit dem deutlichen Hinweis, dass sie falsch liegen im Gegensatz zu Ihnen?
      Mich interessiert übrigens auch, warum sie „Lehrer*innen“ geschrieben haben. Ich zumindest und wahrscheinlich alle hier hätten auch bei nur „Lehrer“ verstanden, dass damit auch die Lehrerinnen gemeint sind.

    • Mit Ihrem Erfahrungsschatz, gesammmelt auf zahlreichen pädagogischen „Feldern“, kann ich nicht mithalten.
      Ich kann lediglich aus meiner schulischen Praxis berichten und auch auf ein Berufsleben vor meinem Lehrerdasein zurückblicken. Ich gehöre also nicht zu denen, die aus der Schule über die Hochschule wieder in die Schule gingen, ohne andere Berufsfelder kennen gelernt zu haben. Deshalb meine ich schon, bildungspolitische Entwicklungen durchaus realistisch einordnen zu können.

      Aus Ihrer Sicht gehöre auch ich leider zu den offenbar „ewig Gestrigen“, die früher alles oder zumindest vieles besser fanden.
      Es wird Sie evtl. wundern, wenn ich damit sogar das gemeinsame Lernen in der Orientierungsstufe in Niedersachsen meine. Diese Schulform wurde bis Ende der 70er Jahre flächendeckend eingeführt und unter dem damaligen MP Wulff 2004 aufgelöst. Sie umfasste die Klassen fünf und sechs und verlängerte das gemeinsame Lernen der Grundschüler um zwei Jahre. Im sechsten Schuljahr wurden die SuS in E und M in drei Kurse eingeteilt. Leider wurde Deutsch ausgeklammert.
      Aus meiner Sicht wurde die Schulform aber nicht kontinuierlich weiter entwickelt. So beklagten immer wieder Eltern, dass potentielle Gymnasialschüler nicht ausreichend auf diese Schule vorbereitet wurden.
      Auch damals gaben wir den Eltern für die weiterführenden Schulen lediglich Laufbahnempfehlungen, an die sich die Eltern aber überwiegend hielten.
      Regelmäßige Rückmeldungen aus den weiterführenden Schulen bestätigten unsere Einschätzung der SuS.

      Nach der Auflösung der OS erfolgten die Empfehlungen am Ende der vierten Klasse. Erstaunlich: Ab diesem Zeitpunkt wählten die Eltern für ihre Kinder überwiegend das Gymnasium oder die Realschule. Die HS wurde schon bald im öffentlichen Diskurs als „Restschule“ diffamiert und an den Rand gedrängt.
      Mittlerweile werden auch in Niedersachsen bis zu 50 % eines Jahrgangs am Gymnasiums angemeldet. An Standorten mit einer IGS – die von der rot- grünen Landesregierung bevorzugt behandelt wird – gehen die Zahlen für so manches Gymnasiums zurück.
      Kleine Randnotiz: Kürzlich sprach ich mit einer Redakteurin eines Regionalblattes, das auch immer Praktikanten der örtlichen IGS beschäftigte. Mit ihnen war das Blatt aber nun gar nicht zufrieden. Deshalb werden inzwischen Gymnasiaten bevorzugt. Was sagt die Entscheidung des Blattes über das Lernniveau an der IGS in Bezug auf das Lernfeld „Sprache“? Übrigens konnte die IGS innerhalb weniger Jahre die Schülerzahl verdoppeln.

    • Schulformempfehlungen sind mit allergrößter Vorsicht zu genießen, das ist keine Frage- sowohl von Schulen als auch von Eltern. Dennoch wird ein herkömmliches Gymnasium immer bessere Lernergebnisse erzielen, das ist wohl unstrittig. Alles andere wäre auch absurd bei den Eingangspopulationen! Die ewig junge Frage aber ist, ob das auf persönlich-familiäre Ressourcen zurückzuführen ist oder auf Schulunterricht! Oder anders gesagt: Schulen des längeren gemeinsamen Lernens müssen erhebliche didaktische Anstrengungen unternehmen, wo am Gymnasium ein „Guck mal zuhause nach“ reicht.
      @ Beobachter: Sie haben völlig Recht. Leider ist aber vielfach ganz unbekannt, was „Binnendifferenzierung“ ist oder sein kann, Sie lesen es ja hier… Wenn Sie Schüler ein digitales Portfolio erstellen lassen, differenzieren Sie nach Leistungs- und Interessensgesichtspunkten. Und wenn Sie es akkurat und kompetent anstellen, etwa mit Mahara oder bookcreator, gelingt das auch. Wenn Sie in den NW gesondert Mädchen ansprechen, differenzieren Sie nach Geschlecht. Ich persönlich differenziere gerne nach Arbeitsform. Mit dem Arbeitsblatt lässt sich eher nicht so wirksam differenzieren- wer behauptet das eigentlich? Jede Polemik gegen Differenzierung identifiziert sie a) mit der Inklusion (die etwas ganz anderes meint) und b) mit der berühmten Zusatzaufgabe auf einem Arbeitsblatt. Na ja. Nach Portemonnaie zu differenzieren… da weigere ich mich jedenfalls. Ich habe nichts gegen das Ausschöpfen von Ressourcen, im Gegenteil. Aber Schule darf das nicht institutionalisieren und geradewegs empfehlen… das ist absurd und zumeist eine Bankrotterklärung.

      • Zitat: „Alles andere wäre auch absurd bei den Eingangspopulationen!“

        Fragen Sie mal die hier mitlesenden Genderisten und Inklusionsbefürworter. Die sind ganz anderer Meinung. Als Praktiker und einer, der an Darwins Vererbungslehre glaubt, stimme ich Ihnen freilich zu.

        • Das mit dem „Glauben“ überlassen Sie bitte den Kretonisten. – Seien Sie aber weiter von der Richtigkeit der Darwin’schen Annahme bzw. der theorie überzeugt:)

          • lol. Ich bin auch von Einsteins Relativitätstheorie überzeugt, nach direkter Messung der Gravitationswellen noch mehr 😉

          • Ja die menschliche Dummheit und das Universum sollen unendlich sein. – Aber beim Universum war sich Einstein seiner Sache eben nicht sicher.

          • Und man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.

  8. @mehrnachdenken
    18. Februar 2016 um 22:36

    In Ihrer „Randnotiz“ scheint mir ein Dilemma vieler Beiträge zu stecken: Es werden die gesellschaftlichen Modelle und Vorstellungen hinter den zentralen Begriffen (hier Gymnasium/ IGS) nicht verdeutlicht, sondern die Begriffe selber für das Wesentliche angesehen und zu mehr oder weniger polemisierenden Zwecken genutzt ( Keine Polemik in Ihrem Beitrag!).
    Ist aber (im Beispiel) nicht gerade die Verdopppelung der IGS-Schülerschaft der Ausdruck für eine „andere“ gesellschaftliche Bedürfnislage und -Nachfrage und kein bloßes geschichtsloses Oberflächenphänomen, das (auch noch besonders im Zusammenhang mit einem bei Strafe seines Untergangs zur Konservativität verurteilten Regionalblattes ) hier zu einer besonderen Art sozialer Diskriminierung von Nicht-Gymnasialschülern herhält ?

    • Ich zweifle an der „gesellschaftlichen Bedürfnislage“, von der Sie sprechen. Echte Bedürfnisse entstehen von allein. Sie brauchen nicht künstlich erzeugt und genährt zu werden durch Propaganda und Polemik, welche die Einheitsschul-Lobbyisten in den vergangenen Jahren überreichlich betrieben haben. Das nenne ich „Bedürfnisweckung“ und nicht „Bedürfnisbefriedigung“.
      Dass soziale Gerechtigkeit als Gleichheit – oder kritischer ausgedrückt „Gleichmacherei“ – zu verstehen ist, gehörte nie zur Vorstellung der Menschen. Jeder weiß zwar, dass Gleichheit vor dem Gesetz besteht und bestehen muss, dass diese aber zu einer grundsätzlichen Gleichheit umgedeutet werden könnte, hätte niemand erwartet – geschweige denn verlangt. Und doch ist es in einem lang andauernden, schleichenden Prozess geschehen, der von massiver Einflüsterung und energischem Kampf gegen Leute geprägt war, die sich nichts vormachen lassen wollten.
      Über eine jahrzehntelange Indoktrination, die jede naturwissenschaftliche Erkenntnis über Genetik und Vererbungslehre beiseite schob und nur noch auf Umwelteinflüsse für menschliche Unterschiede verwies, gelang die Durchsetzung einer Bildungspolitik, deren Ziel eine ganztägige „Schule für alle“ ist. Sie soll eine angeblich ungerechte Heterogenität – geschaffen durch unterschiedliche Entwicklungsbedingungen in den ersten Lebensjahren – beseitigen und eine gerechte Gleichheit durch gleichen Schulbesuch herbeiführen.
      „Binnendifferenzierung“ und „individuelle Förderung“, die nur in Büchern und Artikeln tadellos funktionieren, in der Praxis aber kaum durchführbar sind, wurden zu Floskeln, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die da meinten, ein gegliedertes, durchlässigen Schulsystem sei die weit bessere Antwort auf menschliche Vielfalt als Einheitsschulen wie die IGS oder die Gemeinschaftsschule.
      Dass es gelungen ist, in einem Zeitalter, das als aufgeklärt gilt wie kein anderes, eine Gleichheitslehre gesellschaftsfähig zu machen, die an mittelalterliche Glaubenserziehung oder sozialistische Hirnwäsche erinnert, ist erstaunlich. Dass diese Lehre dann auch noch als fortschrittlich verkauft wird und Kritiker als Reaktionäre diffamiert werden, ist unbegreiflich.

      • @flunra
        Ich bin kein Freund von Gesamtschulen, sei es als IGS oder KGS. Die Orientierungsstufe in Niedersachsen konnte ich akzeptieren, weil dadurch auch die Entscheidung für eine weiterführende Schule um zwei Jahre hinausgeschoben wurde. Evtl. lag darin ja die hohe Akzeptanz der Eltern für unserere Schullaufbahn – Empfehlungen.
        Ca. 25% einer Klasse erhielten im Schnitt eine Gymnasialempfehlung. Auf „meiner“ OS wurde viel Wert auf Leistung gelegt. In allen relevanten Fächern gab es am Schuljahresanfang Arbeitspläne, an die wir uns zu halten hatten. Die Methodenwahl war nicht vorgegeben. In den Hauptfächern D, E, M und Welt- und Umweltkunde (Wuk) wurden die Arbeiten in allen fünften und sechsten Klassen an einem Tag geschrieben und auch nach gleichen Kriterien beurteilt. Für die Aufsätze gab’s einen Bewertungsbogen, bei den Diktaten war die Fehler – Noten – Relation vorgegeben.
        Nach einer angemessenen Instruktions- und Gewöhnungsphase arbeiteten viele SuS mit Unterstützung der Lehrkräfte tatsächlich selbstständig. Ganz wichtig war mir die Kontrolle der Lernergebnisse.

        Ja, und SuS, die große Lernprobleme hatten, wurden von einer Lehrkraft der Föderschule getestet und – falls die Eltern zustimmten – weiter an der Förderschule unterrichtet. In keinem Fall bereuten die Eltern ihre Entscheidung. Die SuS freuten sich über ihre Erfolgserlebnisse und blühten an der Förderschule regelrecht auf.
        In meinen Klassen war der Unterricht so organisiert, dass lernstarke SuS mit nicht so starken zusammen saßen und sie unterstützten.

        M.E. führte die plötzliche Abschaffung der Orientierungsstufe in Niedersachsen zu einer
        Verwerfung des gesamten Schulsystems und später nach der Regierungsübernahme durch die SPD und die Grünen zu einer einseitigen Ausrichtung in Richtung IGS.

        @U. Prasuhn
        Ich stimme Ihren Ausführungen zu.
        Mit dem Beispiel „Zeitungspraktikum“ wollte ich andeuten, dass es zwischen den grundsätzlichen Anforderungen an einer IGS und einem Gymnasium offenbar noch deutliche Unterschiede gibt. Zumindest hat diese Zeitung das irgendwann erkannt.
        Klar, warum verdoppelt sich die Zahl der SuS in wenigen Jahren? Relativ schnell spricht sich in der Elternschaft herum, an welcher Schule die SuS das Abitur leichter bekommen.
        Ein Vorurteil oder die Wahrheit? SuS, die an einem Gymnasium scheitern, erreichen ihren Abschluss oft genug an einer IGS.
        Ein Vorurteil oder die Wahrheit? Eine Zwei auf einer IGS enspricht am Gymnasium höchstesn einer Drei, wenn nicht einer Vier.

        Nach den letzten Meinugsumfragen zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg sprechen immer noch 28% der Wähler den Grünen ihr Vertrauen aus, obwohl es große Proteste gegen die Gemeinschaftsschule und gegen den Bildungsplans mit der „sexuellen Vielfalt“ gibt.
        Evtl. ist hier aber der recht blasse CDU – Kandidat der beste Stimmengeber für die gegenwärtige Koalition.

        • Das, was Sie einer IGS abverlangen wollen, kann und wird sie nicht erbringen können.

          Ziel jeder IGS ist es, eine heterogene Schülerschaft zum Mittleren Schulabschluss zu bringen, wobei die Kurse der e-ebene auf Realschulnieveu unterrichtet werden müssen. Aus diesem Grund schreiben die e-kurse – hier in NRW – auch die gleichen Arbeiten bei den LSE8 und ZP10 wie die realschulen.

          Zweitrangiges Ziel der Sekundarstufe I einer GeS ist die Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe. Im Gegensatz zum GY ist dies aber ein nachgelagertes Ziel, um den fortbestand der GOSt eienr Ges zu sichern, die im Regelfall zu 65% aus der eigenen Schülerschaft rekrutiert wird und zu 35% von anderen Schulen kommt.

          Die Vergleichbarkeit hinsichtlich der Themen und Aufgabenstellungen muss lediglich in Hinblick auf die GOSten von GY, BK und GeS, die ja alle auf das Zentralabitur vorbereiten, gegeben sein.

          • Sorry, aber ich bin nun mal mit Ihren Kürzeln nicht so vertraut. Können Sie bitte für mich oder evtl. auch weitere Tn freundlicherweise übersetzen?

            Arbeiten bei den LSE8?
            ZP10 = zentrale Arbeiten der Zehntklässler einer RS?
            GeS = Gesamtschule?
            GOST?
            BK?

            Im Voraus vielen Dank!

          • BASS lesen und verstehen. Die Kürzel sind schulamtlich.

            Zentrale Prüfungen am Ende des Jhg. 10
            Lernstandserhebung in Jhg. 8
            Gesamtschule bzw. Kürzel für die Schulform
            gymnasiale Oberstufe
            Berufskolleg

          • Danke für Ihre Erläuterung.

            „Die BASS (Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschriften NRW) enthält alle für den Schulbereich gültigen Vorschriften.“

            „Die Kürzel sind schulamtlich“, aber Sie können m.E. nicht davon ausgehen, dass L außerhalb Ihres Bundeslandes diese kennen.

            Nun haben Sie zwei wichtige Fragen von mir leider nur indirekt beantwortet. Könnten Sie sich auch klar und unmissverständlich ausdrücken?

            „Ein Vorurteil oder die Wahrheit? SuS, die an einem Gymnasium scheitern, erreichen ihren Abschluss oft genug an einer IGS.
            Ein Vorurteil oder die Wahrheit? Eine Zwei auf einer IGS enspricht am Gymnasium höchstesn einer Drei, wenn nicht einer Vier.“

            Eine weitere Frage möchte ich noch ergänzen:

            Worin liegt Ihrer Meinung nach die offensichtliche Attraktivität der Schulform IGS für die Eltern?

          • Ehrlich gesagt? – Das ist mir egal. In meinem Bundesland wohnen über 18 Mio der 82 Mio Bundesbürger. Als Gegenleistung für die 6 Stimmen, die wir im Bundesrat haben, können die sich an die Gewohnheiten und Sitten von rund 22% der Bundesbevölkerung gewöhnen

            Die 22% in den FNBL einschließlich West- und Ostberlin haben 23 Stimmen.

            „Ein Vorurteil oder die Wahrheit? SuS, die an einem Gymnasium scheitern, erreichen ihren Abschluss oft genug an einer IGS.
            Ein Vorurteil oder die Wahrheit? Eine Zwei auf einer IGS enspricht am Gymnasium höchstesn einer Drei, wenn nicht einer Vier.“

            Erstens, wie kann man an einem GY scheitern? Gibt es dort keien individuelle Förderung?
            Zweitens, verlassen SuS ein GY noch in der Doppeljahrgangsstufe 5/6, werden sie natürlich bevorzugt an einer GeS aufgenommen. Das Drittel der Gymnasialempfohlenen verträgt diese Verstärkung.
            Da der Unterricht in 5/6 allenfalls auf HS-Niveau bzw. niedrigem RS-Niveau geführt wird. erklären sich die Notensprünge.
            Drittens, vereinzelte SuS, die in 7/8 zu einer GeS abwandern sind Einzelfälle, die im Einzelfall analysiert werden sollten. In er Regel werden diese SuS aber an einer GeS in den fachleistungsdifferenzierten Fächern den Kursen auf Erweiterungsebene zugewiesen. Die Notensprünge zeigen sich im Allgemeinen nicht in der geannten Form.
            Viertens, der Wechsel von einem GY an eine GeS nach dem 9.Gymnasialjahrgang ist in NRW nicht möglich. Der Gymnasiast hat die SekI abgeschlossen und darf deshal nicht in der SekI an einer GeS aufgenommen werden. Da er am GY die Versetzung in die EF nicht erreicht hat, darf er auch nicht an einem BK oder einer GeS in die GOSt.

            So die Spielregeln in NRW.

          • „Worin liegt Ihrer Meinung nach die offensichtliche Attraktivität der Schulform IGS für die Eltern?“

            Die Schulform hält ert einmal alle möglichen Abschlüsse offen. Die Zahl der neigungsdifferenzierten Fächer ist höher als an einem GY. Es müssen nur drei fachleistungsdifferenzierte Kurse im 10. Jhg. absolviert werden, alle anderen Kurse und der Pflichtunterricht im Klassenverband werden allenfalls auf RS-Niveau geführt.

            Die Notenschnitte bei den Abschluss- und Versetzungszeugnissen einer GeS am Ende der 10, sind nicht mit denen eines GY am Ende der 9 vergleichbar. Das verhindern die Spielregeln der APO SekI.
            Um den FOR-Q zu bekommen muss ein S mindestens drei E-Kurse mit der Note 3 abschließen, alle anderen Fächer müssen mit der Note 2 abgeschlossen werden. Die vergleichbaren SuS eines GY wären die, die fast überall bis auf SP und Reli eine Vier haben.

            Das ist auch der Noteunterschied, auf den Sie angespielt haben.

            Ich selbst bin auch der Meinung, dass über die Zentralen Prüfungen am Ende der 10 in D, M und E stärker gesteuert werden sollte, wer fit ist für die GOSt und wer besser in eine Berufsausbildung in der Wirtschaft oder einen schulischen Bildungsgang an einem Berufskolleg geht.

            Die Politik hat sich parteiübergreifend halt anders entschieden. Das ist in BY und BW nicht anders, da heißen diese Berufsschulzweige nur technisches GY oder Wirtschaftsgymnasium. Sie erfüllen aber die gleiche Funktion wie die Fachoberschulklassen in NRW, sie führen SuS nach dem Mittleren Bildungsabschluss zum Fachabitur.

            Ich verstehe nicht, warum Politik und Wirtschaftsverbände nicht stärker das Fachabitur als eigenständigen Schulabschluss ausbauen und damit stärken. Nur für ganz wenige Studiengänge ist ein „Vollabi“ aka Allgemeine Hochschulreife zwingend notwendig. Hätte das Fach abi einen höheren stellenwert, hätte man sich die gesamten Maßnahmen zum G8 klemmen können. Diejenigen, die an der GeS nach der 10 einen FOR-QQ erhalten (Berechtigung zum Eintritt in die Qualifizierungsphase I) schaffen ihr Abitur an einem GY, die Wackelkandidaten, die „last-minute“ in die GOSt gelangen – dank ZP10 – wären am Ende der 12 auch mit einem Fachabi gut bedient.

            Letztlich würde damit das „Abitur“ auch wieder an Bedeutung gewinnen. Und der Zugang zu den Bachelor-Studiengängen gelingt auch mit der FHR.

          • Danke für die umfangreiche Erklärung!!

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