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Und immer ist die Schule schuld: Das Märchen vom sinkenden Bildungsniveau in Deutschland

Eine Analyse von News4teachers-Herausgeber ANDREJ PRIBOSCHEK.

HAMBURG. „Die erschreckenden Bildungsdefizite junger Deutscher“ – so lautet die Schlagzeile, mit der die „Welt“ aktuell Stimmung macht. Die Zeitung berichtet darunter groß von einer aktuellen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Tenor: Eine „Kultur des Durchwinkens“ in den Schulen mache sich bei der Ausbildungs- und Studierfähigkeit des Nachwuchses dramatisch bemerkbar. Die werde nämlich immer schlechter. Wasser auf die Mühlen konservativer Bildungspolitiker also? Wer die Aufsatzsammlung zu Ende liest, kommt zu überraschend anderen Erkenntnissen.

Ja, ja - diese Jugend ... Foto: Bettina Braun / flickr (CC BY 2.0)

Ja, ja – diese Jugend … Foto: Bettina Braun / flickr (CC BY 2.0)

„Immer mehr Deutsche scheitern in Ausbildung oder Studium. Eine Studie zeigt: Die politisch gewollte Inflation der Abschlüsse wurde mit einer dramatischen Absenkung der Anforderungen erkauft“, so heißt es in dem großformatigen Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ unter Berufung auf das aktuelle Papier „Ausbildungsreife & Studierfährigkeit“ der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Das stimmt aber gar nicht – jedenfalls zeigt die genannte Studie nichts davon.

Zwar schreiben die Herausgeberinnen Elisabeth Hoffmann  und Christine Henry-Huthmacher, beide Koordinatorinnen der Stiftung in den Bereichen Jugend und Familienpolitik: „Denn trotz gestiegener guter Schulabschlüsse steigt die Anzahl der jungen Menschen, die gleich zu Beginn einer Berufsqualifikation in Unternehmen oder Hörsälen mit fehlenden Grundlagenkompetenzen hinsichtlich Sprache und Mathematik zu kämpfen haben. Diese Hardskills gelten immer weniger als Elementartechniken in der schulischen Bildung. Universitäten und Ausbildungsbetriebe haben mittlerweile darauf reagiert. Eine steigende Zahl von Betrieben und immer mehr Hochschulen bessern mangelnde schulische Grundlagen nach. So erteilen mehr als ein Drittel der IHK-Betriebe und viele, gerade auch renommierte Hochschulen, nachholenden Schulunterricht wie zum Beispiel Schreibberatung, Texterfassung und -verständnis oder Brückenkurse Mathematik.“

Belege für ihre These einer steigenden Zahl von Problemfällen bleiben die Autorinnen aber schuldig. Dass – im Gegenteil – die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland so niedrig wie seit Jahrzehnten ist, und dass PISA dem deutschen Bildungsniveau in wichtigen Kompetenzbereichen deutliche Verbesserungen attestiert, ficht die Herausgeberinnen nicht an.

Positive Entwicklung

Tatsächlich zeichnet sich zumindest beim fachlichen Niveau der Absolventen in den vergangenen Jahren in der Tat eine positive Entwicklung ab – wie auch ein Aufsatz von Berit Heintz, Leiterin des Referats Schulpolitik beim Deutschen Industrie und Handwerkskammertag, nahelegt. „In einer Umfrage, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seit 2006 jährlich durchführt (2015: 11.000 Ausbildungsunternehmen; DIHK: „Ausbildung 2015 – Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung, Berlin 2015), nennen viele Unternehmen eine mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger immer wieder als Ausbildungshemmnis. Dabei ist die Einschätzung der Betriebe über die Jahre weitgehend stabil. Bei der Bewertung der Deutsch- und Mathematikkompetenzen ist eine leichte Tendenz der Verbesserung erkennbar. Eine wachsende Unzufriedenheit zeigt sich dagegen bei den sogenannten Softskills, insbesondere bei der Leistungsbereitschaft, der Disziplin und der Belastbarkeit der Auszubildenden.“

Und weiter: „Dass ein Mangel an sozialen Kompetenzen nicht nur bei einem Teil der Ausbildungsplatzbewerber festgestellt wird, zeigt eine weitere Studie des DIHK zu den Kompetenzen von Hochschulabsolventen (DIHK, „Kompetent und praxisnah – Erwartungen der Wirtschaft an Hochschulabsolventen“, Berlin, 2015). Auf die Frage, aus welchen Gründen sich Unternehmen während der Probezeit von Mitarbeitern mit Hochschulabschluss trennen, bemängelten rund 40 % der Betriebe nicht ausreichende soziale Kompetenzen. Dies zeigt deutlich, dass die sozialen Kompetenzen keine Frage des Bildungsstandes sind.“

Also: Es geht vorwiegend eben nicht um Mängel in Rechtschreibung und Mathe (den klassischen Verdächtigen also, wenn von den vermeintlichen Bildungslücken des Nachwuchses die Rede ist) – es geht um die sogenannten Softskills, auf deren Entwicklung die Schule nur begrenzt Einfluss hat.

Klagen der Hochschulen

Aber was ist mit den Klagen der Hochschulen, dass immer mehr Studienanfänger erst einmal in Kernfächern nachgeschult werden müssen? Unter Berufung auf eine fünf Jahre alte Umfrage unter 135 geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland meint Prof. Gerhard Wolf, Lehrstuhl-Inhaber für Ältere deutsche Philologie an der Universität Bayreuth: „So existiert eine wachsende Gruppe von Studierenden, die den Anforderungen des gewählten Studiengangs intellektuell und von seinen fachlichen Voraussetzungen her nicht gewachsen sind.“ Große Schwächen bestünden in der Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit.

Weiter schreibt er: „Studenten der Germanistik oder Anglistik kennen die Werke der Klassiker ihres Faches nur dem Namen nach und finden dann wenig Gefallen daran, im Studium ‚Faust‘ und ‚Hamlet‘ lesen zu müssen. Studenten der Geschichtswissenschaft verlegen Luther ins 19. Jahrhundert und im Gegenzug die Aufklärung in die Renaissance. Viele angehende Geisteswissenschaftler verfügen nicht mehr über die Fähigkeit, sich komplexere Texte systematisch durch Beiziehung anderer Texte zu erschließen, kritisch auszuwerten, verschiedene Quellen zueinander in Beziehung zu setzen und am Ende zu einem begründeten Urteil zu kommen, das auch hinreichend sprachlich präzise formuliert wird. Eigene Literaturrecherche wird ersetzt durch blindes Vertrauen in Internetseiten.“ Auch aus anderen Fächerkulturen mehrten sich die Klagen über die mangelhafte Studierfähigkeit der Jugendlichen. „So hört man von Ingenieurwissenschaftlern, dass bei ihren Eignungsfeststellungsprüfungen selbst einfache Fragen zur Analysis, die Gegenstand des G8-Lehrplans gewesen waren, von niemandem beantwortet werden konnten. Angesichts dessen erstaunt es nicht, wenn die Ingenieurwissenschaften zu den Fächern mit den höchsten Studienabbruchquoten gehören.“

Daten, die die Zunahme des Problems belegen? Auch hier: Fehlanzeige.

Dafür bricht Wolf dann die Lanze für tradierten, inputorientierten Unterricht: „Während der Lehrer früher in den Leistungskursen Deutsch und Mathematik mit einschlägig begabten Schülern arbeitete, die von ihm eine optimale Vorbereitung auf das Universitätsstudium erhielten, muss er sich heute an den Schwächeren orientieren, damit diese halbwegs mitkommen, was jedoch die Begabten potenziell demotiviert. Am gravierendsten wird aber von Lehrerseite eine Änderung in den Bildungszielen empfunden: Heute dominiert in den Lehrplänen nicht mehr der Fachunterricht, sondern das neue Leitkonzept des ‚kompetenzorientierten Unterrichts‘, worin sich ein geradezu hypertrophes Konzept verbirgt, das vom Lehrer erwartet, seinem Schüler neben der Fachkompetenz „Methodenkompetenz“, „soziale Kompetenz“ und „Selbstkompetenz“ zu vermitteln. An sich wäre es nicht verkehrt, wenn der Unterricht den Schüler in die Lage versetzt, seine fachlichen Kenntnisse auf unterschiedliche Lebenssituationen anzuwenden und daraus Selbstbewusstsein zu entwickeln. Kommt dabei aber die fachliche Bildung zu kurz, dann bricht das ganze Konzept zusammen und die Schüler flüchten sich in die Geschwätzigkeit.“

Zur Erinnerung: Mangelnde Sozialkompetenz von Ausbildungs- und Berufsanfängern– und nicht deren schlechtes fachliches Niveau – wird von den Unternehmen als Problem Nummer eins beschrieben.

Wachsende Internationalität

Warum es der Wirtschaft immer mehr auf diese Softskills ankommt, das macht Stefan Küpper, Geschäftsführer des Bildungswerkes der Baden-Württembergischen Wirtschaft, in einem anschließenden Beitrag deutlich: „Zum einen verlangt die Digitalisierung der Arbeitswelt hohe fachliche Kompetenzen bei der Entwicklung neuer Produkte, Technologien oder Dienstleistungen. Da unterschiedliche fachliche Kompetenzen gefordert sind, geschieht dies in der Regel in interdisziplinären Teams, häufig über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Dies erfordert zum anderen zusätzlich zur fachlichen Kompetenz eine ausgeprägte Teamfähigkeit mit Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund erfolgreich zusammenzuarbeiten.“ Und, so möchte man ergänzen: Die Internationalisierung der Wirtschaft erfordert gute Fremdsprachenkenntnisse –  die  in den vergangenen Jahrzehnten zum Beispiel deutlich besser geworden sind, wie Studien belegen.

Ketzerische Frage: Könnte es nicht sein, dass wir gar kein zunehmendes Kompetenz- und Wissensproblem beim Nachwuchs haben? Sondern, dass es die Universitäten und Unternehmen bislang versäumt haben, sich auf die „Generation Y“ einzustellen – und mit deren Stärken und Schwächen nicht umzugehen wissen?

Jürgen Oelkers, Pädagogik-Professor  an der Universität Zürich, nimmt in seinem Beitrag zur KAS-Studie tatsächlich die Hochschulen aufs Korn. Die Lehre lasse vielerorts zu wünschen übrig. „In den einschlägigen Departementen und Universitätskulturen wird selten und nicht angemessen genug nach Unterstützung gesucht, insbesondere wird nicht thematisiert, wie effektive Unterrichtsmethoden aus anderen Fächern oder Universitätskulturen übernommen und weiterentwickelt werden können. Der eigene Unterricht wird selten von außen beurteilt und nur sehr minimal oder sehr formal von innen. Insbesondere fehlt es an didaktischer Expertise, während die Universitätsprofessoren meistens davon ausgehen, die Expertise mit der  eigenen Lehrerfahrung gleichsetzen zu können.“

Heißt: Die Verantwortung für das Scheitern von Studierenden wird auf die Schule geschoben, ohne die eigenen Versäumnisse zu reflektieren.

Schlimmer noch: Die deutschen Hochschulen streben häufig noch nicht einmal danach, ihre Studierenden berufsfähig zu machen. Hier herrsche oftmals immer noch ein akademischer Dünkel vor. „In der Hochschuldebatte ist (..) die Meinung weit verbreitet, dass Beschäftigungsfähigkeit mit einem akademischen Bildungsanspruch kaum vereinbar sei“, schreibt Prof. Wilfried Schubarth, Bildungsforscher an der Universität Potsdam.

Und auch bei so manchem Unternehmen scheint es mit der Qualität der Ausbildung nicht zum Besten bestellt zu sein, wie ein Interview mit dem Praktiker Michael Kiwal, Geschäftsführer eines großen Malerbetriebs aus Herdecke, nahelegt. Er betont: „Wir erfahren die jungen Menschen als leistungswillig, sie wollen wirklich gefordert und gefördert werden, sind neugierig und lassen sich begeistern. Aber: Das hängt entscheidend davon ab, wie man mit ihnen umgeht. Wertschätzung ist der Schlüssel unserer gesamten Arbeit und für die Ausbildung bedeutet dies: Wir schauen jede(n) Azubi einzeln an,  es gibt nicht „den/die Azubi“, sondern viele unterschiedliche Einzelpersönlichkeiten, die sich in verschiedenen Entwicklungsstadien, schulisch  – sozial – persönlich, befinden. So erkennen wir bei jedem Einzelnen, wo er/sie steht und können gezielt in den einzelnen Gebieten fördern.“

Das wäre wohl auch in anderen Betrieben nötig, so möchte man anmerken. Denn Jammern hilft ja nicht: Andere junge Menschen wird sich diese Gesellschaft nicht zaubern können. Umso schlimmer, wenn Zerrbilder und reaktionäre Reflexe die Diskussion bestimmen. „Das fleißige Kind ist eindeutig aus der Mode gekommen“, so behaupten Elisabeth Hoffmann  und Christine Henry-Huthmacher. Das ist – bezogen auf die weit überwiegende Mehrzahl der Jugendlichen in Deutschland – schlicht falsch: 83 Prozent der Zwölf- bis 25-Jährigen in Deutschland halten laut der aktuellen Shell-Jugendstudie „Fleißig und ehrgeizig sein“ für einen hohen Wert.

Hier geht es zu der KAS-Studie „Ausbildungsreife & Studierfähigkeit“

Zum Kommentar: Das Abitur wird verschenkt? Das wüsste ich aber …

 

42 Kommentare

  1. Der Herr erhalte Ihnen Ihren Positivismus, Herr Priboschek.

  2. Milch der frommen Denkungsart

    So hat eben jeder seinen Heiligen, Herr Priboschek.

    Ich fürchte freilich, die belastbare Aussagekraft gerade der von Ihnen abschließend bemühten „Shell-Studie“ ist angesichts der heterogenen intellektuellen Fähigkeiten der Jugendlichen (13-25), sich fundiert zu teils ja durch- aus komplexen Fragestellungen zu äußern, die oft genug – und das meine ich nun ausdrücklich nicht pejorativ – deren (Erfahrungs)horizont übersteigen, nicht das Evangelium.
    Und Fleiß und Ehrgeiz verbal hochzuhalten, ist recht einfach – in praxi sieht es allerdings dann leider eben oft genug anders aus.

  3. Sehr geehrte/r Milch,

    es geht bei der Shell-Studie um Werte und Einstellungen. Und die haben sich bei den Jugendlichen seit den 80-er Jahren deutlich verschoben – weg von einer „Null-Bock“-Mentalität, hin zu konservativen Werten wie Respekt, Ordnung, Heimat oder Leistung.

    Lippenbekentnisse? Wohl kaum. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie viel Kinder und Jugendliche im Zeitalter von G8 für die Schule arbeiten? Als Vater von drei Kindern weiß ich das wohl. Umso mehr ärgert es mich, wenn durch unbelegte und pauschale Behauptungen die vielen tollen und engagierten jungen Menschen in Deutschland, von denen beispielsweise der Jugendforscher Hurrelmann berichtet, runtergemacht werden – wie in der Anekdotensammlung von Herrn Prof. Wolf oben im Text. Was soll die aussagen? Für Professoren ließe sich problemlos eine ähnliche Doofen-Liste zusammentragen. Unfähige und Überforderte gab es zu allen Zeiten und in allen Berufen.

    Wie wäre es, wenn wir unserem Nachwuchs mal etwas zutrauen? Der übernimmt sowieso in ein paar Jahren die Verantwortung in Staat und Gesellschaft. Und ich prophezeie: Sie werden’s gut machen.

    Herzliche Grüße
    Andrej Priboschek

    • Dem Nachwuchs traue ich nach wie vor alles zu, nicht aber dem Gros der Bildungspolitiker, Schulgestalter, sog. Erziehungsexperten und pädagogischen Lehrstuhlinhaber.
      Kinder sind von ihrem Potential her die gleichen geblieben im Gegensatz zu ihren Bildungsstätten.

  4. Milch der frommen Denkungsart

    Sehr geehrter Herr Priboschek,

    vielleicht werden Sie mir zustimmen, daß der Wertekanon eines Pubertierenden selten mit dem eines Studienanfängers identisch sein dürfte und sich mithin eben doch mit der Fähigkeit potenziert, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, also (hoffentlich)entwickelt.
    Zum anderen weiß ich sehr genau, daß gerade Schüler, die man in den Durchlauferhitzer des G8 gejagt hat, sich immens plagen müssen – ich unterrichte sie nämlich. Daher sehe ich aber auch, wie viele eben nicht nur in diesem Korsett, sondern erst recht mit der Schulform an sich überfordert sind; insofern kann ich, da ich einen Teil meines Gymnasialdeputats als an die Universität abgeordnet ableiste, die Aussagen von Herrn Prof. Wolf eben nicht als reine Mythenbildung abtun, sondern leider nur zunehmend bestätigen – freilich keinesfalls generalisierend, was Sie zweifellos zurecht kritisierten, wenn dieser Unterton denn mitschwänge.
    Mithin teile ich Ihr optimistisches Fazit durchaus, wenn auch in eingeschränktem Maße; denn gerade die hof- hündelnde Tendenz, jedem bildungstheoretischen Heiland hinterherzulaufen, der ein „Abitur für jedermann“ verspricht, wird die Zahl der Enttäuschten und Desorientierten, die sich letztlich um die damit verbundene Aufstiegsverheißung – tatsächlich ein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft – betrogen sehen und in Kon- sequenz diesem Gemeinwesen den Rücken kehren, in die Höhe treiben.

    • Ursula Prasuhn

      Wieder mal ein Kommentar, der ganz nach meinem Herzen und Verstand ist. Ich nehme ihn als Betthupferl zur guten Nacht und danke herzlichst.

  5. mehrnachdenken

    Tja, ich kann mir auch so manches schön reden!! Die Flüchtlingswelle lässt grüßen.

    Haben Sie sich schon mal mit Firmeninhabern unterhalten, wie es um die Ausbildungsreife von so manchem jungen Menschen bestellt ist? Zahlreiche Betriebe finden keinen Nachwuchs, weil er auch nach neun oder 10 Jahren Schule die simpelsten Rechenoperationen nicht beherrscht oder keinen Satz einigermaßen fehlerfrei schreiben kann. Über die so genannte Allgemeinbildung brauchen wir in diesem Zusammenhang erst gar nicht zu reden.
    Ich wurde in der von Ihnen immer wieder so verächtlich gemachten konservativen Bundesrepublik groß mit der achtjährigen Volksschule. Die damaligen Schul-Absolventen konnten zumindest richtig lesen, schreiben und rechnen!!
    „Konservativ“ empfinde ich mittlerweile als Wertschätzung!!

    Gibt es Zahlen darüber, wie viele Auszubildende „hinschmeißen“?
    Haben Sie sich schon mal mit Leuten unterhalten, die Seminar- oder Prüfungsarbeiten korrigieren?

    Und alles nur ein Märchen, dass über 25% der Studenten ihr Studium abbrechen? Alles nur ein Märchen, dass zahlreiche Studentinnen nicht über die notwendigen Voraussetzungen für das gewählte Studium verfügen und erst einmal „gepampert“ werden müssen?

  6. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Da können Sie sich den Mund fusselig reden, liebe/r mehrnachdenken. Was Sie und andere sagen, darf einfach nicht wahr sein. Es wäre ja das Eingeständnis eines Versagens linker Bildungspolitik, die schon seit langem dominiert und die Schulen mit ihren Reformen in Atem hält.

  7. Ja, lauter kleine Idioten heute. Sie waren offenbar der letzte Oberschlaue aus der heute „so verächtlich gemachten konservativen Bundesrepublik“. Danach kam nur noch Dreck.

    Aber mal im Ernst: Ja, es ist richtig, dass es relativ hohe Abbrecherquoten an den Unis gibt – allerdings werden diese Studienabbrecher mittlerweile von der Wirtschaft umworben, weil sie offenbar doch genügend Kompetenzen mitbringen, um in Unternehmen erfolgreich arbeiten zu können. Für wen ist das jetzt ein Armutszeugnis? Für die jungen Menschen? Für die Schulen, die sie schlecht vorbereitet haben? Oder vielleicht doch eher für die Unis, deren heutiger Massenbetrieb samt schlechter Lehre so manches Talent verschleudert?

    Ähnliches gilt für die ausbildenden Betriebe. Nicht jeder Ausbildungsabbruch hat damit zu tun, dass der Azubi zu doof war – in Gegenteil: Das große Überangebot an Ausbildungsplätzen führt dazu, dass Auszubildende öfter als früher wechseln und dann als „Abbrecher“ in der Statistik auftauchen. Vielleicht sind die vermeintlich Dummen ja in Wahrheit die Schlauen.

    Mehrnachdenken, die Welt heute ist nicht mehr schwarz-weiß, sondern ganz schön bunt. Mag sein, dass Schüler in manchen Kategorien (Rechtschreibung, Kopfrechnen) nicht so toll sind wie Sie – in anderen sind sie zweifellos besser. Allgemeinbildung? Auch die hat sich verändert. Was vor einem halben Jahrhundert relevant war, muss es heute nicht mehr sein. Andererseits sind heute und morgen Kompetenzen wichtig, von denen Sie und ich keine Ahnung haben. Die Welt verändert sich. Wenn nach Ihnen nur noch Kretins aus den Schulen gekommen sind, frage ich mich schon, wer für Ihre Rente sorgt, wer Deutschland zum Exportweltmeister gemacht hat, wer für ein geschichtlich beispielloses Wohlstandsniveau in Deutschland sorgt?

    Oder machen das alles noch die Über-60-Jährigen aus der „konservativen Bundesrepublik“ mit ihrer tollen Orthografie?

    • Danke, Bernd. Man sollte vielleicht mit einem Buch anfangen. Es heißt „Irgendwie anders“ und ist von Kathrin Cave und Chris Ridell.

  8. Ursula Prasuhn

    Wenn es die sogenannten „Softskills“ sind, also Schwächen in der Sozialkompetenz, die den junger Leute Berufseinstieg erschweren, dann ist in der Tat das Lieblingskind linker Bildungspolitik krachend gescheitert.
    Da riecht es förmlich nach billiger Ausrede, wenn eine schwindende statt wachsende Sozialkompetenz damit erklärt wird, dass die Schule ja nur begrenzten Einfluss auf derlei Fähigkeiten habe.
    Offensichtlich ist man über lange Zeit hinweg von der Illusion ausgegangen – und geht es noch! – , dass der Staat den Nachwuchs besser erziehen könne und darum mehr betreuen müsse als Eltern und Familien.
    Viele Mütter und Väter haben sich auf Grund solcher Behauptungen aus der Erziehung zurückgezogen und machen nun die Lehrer für falsche Verhaltensweisen ihrer Sprösslinge verantwortlich.
    Warum auch nicht, wenn ihnen ständig suggeriert wird, dass gut ausgebildete Fachkräfte alles besser können als sie selbst?
    Auf die Idee, die wirklich Verantwortlichen anzuklagen, kommen sie nicht. Geprügelt wird immer das letzte Glied in der Kette pädagogischer und politischer Irrtümer.

    • Es stimmt, dass mehr Schüler in der heutigen Zeit insgesamt weniger Sozialkompetenz zeigen.
      Doch in der Analyse der Ursachen liegen Sie meiner Meinung nach falsch. Väter und Mütter haben sich nicht aus der Erziehung zurückgezogen, doch sie sind zunehmend überfordert (evtl. durch beruflichen Stress) und hillflos. Schon im Kleinkindalter machen Eltern den Fehler, dass sie ihre Kinder wie gleichberechtigte erwachsene Partner behandeln (siehe Buch: Warum unsere Kinder Tyrannen werden). Wir wissen ja von der Entwicklungspsychologie her, dass das gar nicht so funktionieren kann. Ich kann ein Lied von diesen Schwierigkeiten singen, ich erfahre die Folgen der Erziehung tagtäglich in der Grundschule. Es gibt immer mehr Kinder, die erst durch das Eingreifen der Lehrperson erfahren, was Umgangsformen sind, denen es schwer fällt einzusehen, dass sich nicht alles um sie dreht und dass man Rücksicht nehmen muss. Die Kleinen meinen das nicht böse, aber sie erhalten schlimmstenfalls von den eigenen Eltern keine Bewertung ihres sozialunverträglichen Verhaltens.
      Zudem darf man den Einfluss Medien vergessen, da gibt es auch so einiges, was in meinen Augen für ein gutes Sozialverhalten nicht unbedingt förderlich ist.
      Es gibt natürlich noch Kinder, auf die das nicht zutrifft, aber die andere Gruppe wird immer größer.

      • mehrnachdenken

        Wie kann das sein, wenn schon unter Dreijährige vom Staat betreut, sorry, „gebildet“ werden?
        Mich würde mal interessieren, wie viel Zeit Eltern tatsächlich noch mit ihrem Nachwuchs verbringen (können).

        Schon in der ehemaligen DDR war die flächendeckende sozialistische Kinderbetreuung die Regel. Ich muss mich korrigieren. Kinderbetreuung? Es fing bereits bei Babys an. Wie nun auch in der Bundesrepublik.
        Von der Wiege bis zur Bahre wurden die DDR-Bürger im Sinne der sozialistischen Ideologie des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates erzogen, die auch gegen Faschismus und rechts Denken immun machen sollte.
        Liege ich vollkommen daneben, wenn ich meine, dass es trotz dieser massiven Friedenserziehung auch einen nicht zu unterschätzenden Nährboden für rechtes Gedankengut gab, das sich schon Anfang der 90er Jahre massiv gewalttätig gegen Ausländer Bahn brach?

        Gerade am Beispiel der ehemaligen DDR stellt sich mir sehr deutlich die Frage, wer den eigenen Nachwuchs besser erziehen kann, Eltern oder der Staat?
        Für Frau Merkel ist Kindererziehung eindeutig Staatsaufgabe. Den Eltern oder den Erziehungsverantwortlichen werden kaum Optionen angeboten, da auszuscheren.
        Heute ist Kindererziehung für die Beteiligten aber vor allem mit großem zeitlichen Stress verbunden, der m.E. auch dazu führen kann, dass überforderte Eltern ihre Kinder nicht mehr erziehen wollen oder können, sondern sie wegen des eigenen Ruhebedürfnisses nur noch ruhig stellen.
        Gebt den Eltern in den ersten Jahren Zeit und die notwendige materielle Absicherung für die Erziehung ihrer Kinder. Dann klappt das auch wieder mit den so genannten „Softkills“.

    • Sehr geehrte Frau Prasuhn,

      es mag über fehlende Softskills bei jungen Menschen von manchen Betrieben geklagt werden – aber die meisten dieser sozialen Kompetenzen, etwa Teamfähigkeit, können sich richtig auch erst in der Berufstätigkeit entwickeln. Vielleicht sind die Ansprüche an Berufsanfänger manchmal ein bisschen hoch.

      Darüber hinaus: Klagen hin oder her – wir haben die geringste Jugendarbeitslosigkeit seit Jahrzehnten, und Deutschland gilt im internationalen Vergleich in Sachen Berufseinstieg als vorbildlich. So schlimm kann es um unsere jungen Leute also nicht stehen. Gescheitert ist hier nichts, und schon gar nicht „krachend“. Im Gegenteil – wir sprechen hier von einer Erfolgsgeschichte.

      Herzliche Grüße
      Andrej Priboschek

      • Ursula Prasuhn

        Ich habe Ihnen schon einmal auf Ihr Argument mit der geringen Jugendarbeitslosigkeit entgegnet, dass Deutschland auch schon lange eine der geringsten Geburtenraten in Europa hat – wenn nicht sogar die geringste.
        Es drängen also weit weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt als in anderen europäischen Staaten wie z.B. Frankreich.

        • mehrnachdenken

          Es kann ja auch sein, dass die Betriebe dann das schaffen, was viele Schulen heute offensichtlich nicht mehr hinkriegen. Ich beziehe mich sowohl auf grundsätzliche schulische Fähigkeiten/Fertigkeiten als auch auf die Sekundärtugenden.
          Klar, wegen des Missverhältnisses zwischen Angebot (Ausbildungsstellen) und Nachfrage (Auszubildende) in immer mehr Branchen müssen die Betriebe mittlerweile auch auf weniger geeignete Bewerber zurückgreifen.

          In Bezug auf die „Softkills“ erstaunt mich schon, dass es da bei nicht wenigen jungen Menschen hapert, sehe ich doch bei einem kurzen Blick auf die Internetseiten der Schulen viele Aktionen und Aktivitäten wie z.B. Streitschlichter oder ein Beschwerdekonzept.
          Immer mehr Schulen nennen sich nun auch „Schule gegen Rassismus“, was auch immer darunter zu verstehen sein mag.

        • Sehr geehrte Frau Prasuhn,

          interessant, dass gerade Sie auf Frankreich verweisen – hängt die hohe Geburtenrate dort doch eng mit einer guten Versorgung mit Krippenplätzen und Kinderfrauen auch schon für die ganz Kleinen zusammen. Ist vielleicht doch nicht so schlecht, ein staatliches Betreuungsangebot zu schaffen.

          Aber zurück zur Jugendarbeitslosigkeit: Italien und Spanien haben ähnlich niedrige Geburtenraten wie Deutschland – aber eine viel höhere Jugendarbeitslosigkeit. Das allein kann es also nicht sein.

          Herzliche Grüße

          Andrej Priboschek

  9. Milch der frommen Denkungsart

    @ysnp und Ursula Prashun:

    In der Analyse schwindender Erziehungsleistungen seitens der Elternschaft pflichte ich Ihnen uneinge- schränkt bei; dies liegt freilch nicht nur in dem fordernden Druck begründet, den ihr die zeitfressende Arbeitswelt auferlegt, sondern resultiert auch daraus, daß wir es immer mehr mit Einzelkindern zu tun haben, die allzu oft wie kleine, zudem überbehütete Fürsten erzogen und obendrein vielfach der Hoch- begabung verdächtigt werden, die allerdings häufig vom ignoranten Lehrpersonal verkannt würde.
    Im Übrigen hat, soweit ich dies übersehen kann, niemand die aktuelle Schülergeneration in toto als Idio- tenherde diskreditiert. Idiotisch jedoch war es – ich darf mich hier wiederholen -, Eltern wie Schülern mantragleich zu suggerieren, jedes Kind sei ein potentieller Studienanwärter und die Gymnasien würden folglich zukünftig Bataillone von bald hochbezahlten Funktionseliten in Staat und Wirtschaft fabrizieren,
    nur mehr Häuptlinge, aber keine Indianer – oder in eher sozialromantischer Diktion: ausschließlich noch „Gewinner“ ohne „Verlierer“.
    Ebendiese schönfärberische Milchmädchenrechnung jedoch entlarvt sich täglich aufs Neu‘ als Trugbild.

    • mehrnachdenken

      Falsche Bildungs- und Erziehungspolitik rächt sich halt irgendwann!

      • Nach ja, die Bildungs- und Erziehungspolitiker sowie verschiedene Autoren, Firmen usw. haben prächtig davon profitiert. Bei denen ist der Gewinn kurzfristig erreichbar, die Folgen für das Schulsystem — egal ob gut oder schlecht — merkt man erst 10 Jahre später.

        PS: Sie haben natürlich recht.

    • Sehr geehrte/r Milch,

      wenn die „Welt“ titelt „Die erschreckenden Bildungsdefizite junger Deutscher“, dann wird hier eine ganze Generation diskreditiert. Fakt ist (und das ist seit PISA 2000 bekannt): Wir haben relativ konstant eine Problemgruppe von 15 Prozent, die kaum den Anforderungen des heutigen Arbeitsmarktes gewachsen sind. Die anderen sind es sehr wohl.

      Wollen Sie ernsthaft Schülern und ihren Eltern den Vorwurf machen, dass sie Bildungs- und Berufsziele ehrgeizig setzen? Was erwarten Sie? Es geht nicht in erster Linie um „Indianer- und Häuptlingsjobs“ – sondern zunächst erstmal darum, die heute viel höheren Qualifikationsansprüche der Unternehmen zu erfüllen. Es gibt die einfachen Berufe nicht mehr, in denen sich sicher und bescheiden die Rente erreichen ließe.

      Schuster bleib bei deinen Leisten? Wer geht heute noch zum Schuster, wenn industriell gefertigte Schuhe 15 Euro kosten. Dafür braucht es dann den hochqualifizierten Mechatroniker, der die Maschinen fürs Schuheproduzieren aufbaut und wartet. Ein junger Mensch mit Hauptschulabschluss kann aber nicht Mechatroniker werden (anders als früher Schuster). Kein Wunder also, dass kein Mensch sein Kind mehr zur Hauptschule schicken mag.

      Herzliche Grüße
      Andrej Priboschek

      • Milch der frommen Denkungsart

        Sehr geehrter Herr Priboschek,

        da in erwähntem Titel eben nicht „die (!) jungen Deutschen“ als bildungsdefizitär be- zeichnet werden, vermag ich darin tatsächlich kein allgemeines bashing zu erkennen.
        Weiterhin nehme ich es niemandem übel, höheren, ja höchsten Bildungsweihen ent- gegenzustreben, wobei ich aber zunächst schon zu bedenken geben möchte, daß
        das Gymnasium – und eine offizielle Neudefinition wäre mir bislang unbekannt – als
        Propädeutikum eines wissenschaftlichen Studiums dient, gewiß nicht primär als Aus- bildungsarsenal der Wirtschaft.
        Desweiteren schließt eine ehrgeizige Bildungskarriere auch die Möglichkeit des Schei- terns auf dem Weg in sich ein, da – um ein Bild aus dem Leistungssport zu entlehnen -, nicht jeder das Siegerpodest wird besteigen können.
        Wenn freilich die Qualifikationsanforderungen, wie Sie konstatieren, sich erhöht ha- ben, kann doch als logische Konsequenz daraus nicht folgen, die Hürden schulischer Ansprüche aus politischer Bequemlichkeit peu a peu abzusenken, nur um die Fassade der Statistik aufzuhübschen.
        Daß die Hauptschule heute generell als marode verschrien ist, resultiert nicht zum ge- ringen Teil aus ebendieser Deflation, die eine wachsende Zahl an Untauglichen auf die Oberschulen zieht wie ein Schwarzes Loch.

        • Sehr geehrte/r Milch,

          ich kann nicht erkennen, dass „die Hürden schulischer Ansprüche aus politischer Bequemlichkeit peu a peu abgesenkt“ wurden. Eher im Gegenteil: In den vergangenen zehn Jahren wurde nahezu flächendeckend in Deutschland das Zentralabitur eingeführt. Früher konnte ein Fachlehrer seine Schüler zielgerichtet auf Aufgaben hin unterrichten, die er dann selbst gestellt hat (weshalb er natürlich einen hohen Grad an Spezialwissen voraussetzen konnte). Heute ist das nicht mehr möglich – das Spektrum möglicher Prüfungsthemen ist damit viel größer geworden.

          Dazu kamen vielerorts Verschärfungen der Abitur-Bedingungen. Die gymnasiale Oberstufe wurden den vergangenen Jahren in den meisten Bundesländern neu geordnet. Die Kernfächer wurden gestärkt, die Zahl der Prüfungen im Abitur wurde erhöht. Wesentliche Elemente der Oberstufenreform von 1972 wurden zurückgenommen. Quelle: http://www.sueddeutsche.de/karriere/folgen-der-oberstufenreform-stabil-in-englisch-besser-in-mathe-1.949684

          Und: Natürlich bildet das Gymnasium junge Menschen auch für eine spätere Berufstätigkeit „in der Wirtschaft“ aus (was wissenschaftliche Qualifikation ja nicht ausschließt). Wofür denn sonst? Sollen die Gymnasiasten später alle auf Staatskosten leben?

          Herzliche Grüße
          Andrej Priboschek

          • Milch der frommen Denkungsart

            Sehr geehrter Herr Priboschek,

            diesen Wahrnehmungsdissens müssen wir dann eben als einen unauflöslichen Knoten auf sich beruhen lassen.

          • Ich denke, das halten wir aus.

            Herzliche Grüße
            Andrej Priboschek

          • liebe redaktion, das zentralabitur führte zu dem umstand, dass neuntklässler eine abiturklausur biologie ohne vorbereitung ad hoc bestehen konnten. die untersuchung kennen sie sicherlich. zugegebenermaßen ein extremfall, der aber gewisse tendenzen aufzeigt.

          • Mir ist auch nicht klar, wieso das Zentralabitur eine Gewähr dafür ist, dass „die Hürden schulischer Ansprüche aus politischer Bequemlichkeit“ nicht „peu a peu abgesenkt“ werden, wie Milch … sagt.
            Gerade eine Zentralstelle eignet sich bestens für Anspruchssenkungen aus politischen Gründen.
            Ihr Beispiel xxx mag ein Extremfall sein, doch Extremfälle zeigen die Richtung.

  10. Ursula Prasuhn

    @ysnp (12. April um 19:18)
    In der Analyse der Ursachen gebe ich Ihnen weitgehend Recht. Ich hätte deutlicher betonen müssen, dass weitere Ursachen für den Rückzug der Eltern aus der Erziehung – die Sie mit Überforderung und Hilflosigkeit ganz richtig beschreiben – eine erhebliche Rolle spielen.
    Politisch ist das alles jedoch miteinander verwoben. Dass Mütter möglichst bald nach der Geburt ihrer Kinder wieder berufstätig werden, ist m.E. nicht ganz so frauenfreundlich gedacht wie verkauft. Da spielen Wirtschafts- und Steuerinteressen sicher eine gewichtige Rolle. Dächte unsere politische Führung mehr an die Eltern und den Nachwuchs – der meiner Meinung nach die ersten 3 Lebensjahre besser daheim aufgehoben ist – fände sie andere Möglichkeiten, als Krippenplätze aus dem Boden zu stampfen und sie als hochwertige Form der Betreuung anzupreisen, weil hier angeblich Bildung stattfindet im Gegensatz zum Elternhaus .
    Parallel dazu gab es eine Kampagne gegen Mütter, die für eine begrenzte Zeit wegen ihrer kleinen Kinder daheim bleiben wollten. Ihr mickriges Betreuungsgeld bezeichneten viele als “Herdprämie” oder gar “Bildungsfernhalteprämie”, was den politischen Willen zeigt: Beide Eltern sollen erwerbstätig sein und ihre Kinder möglichst früh und am besten ganztägig in staatliche Hände geben.
    Denken Sie an Olaf Scholz und sein unvorsichtiges Ausplaudern eines SPD-Wunsches. Zitat aus wikipedia: “Ende 2002, wenige Wochen nach seiner Wahl zum Generalsekretär, sorgte er mit der Aussage, die SPD müsse durch entsprechende Kinder- und Familienpolitik, insbesondere durch den Ausbau der Kindertagesbetreuung, ‘die Lufthoheit über die Kinderbetten erobern’, für einen Eklat.”
    Die Tatsache, dass heute die meisten Familien finanziell kaum mehr von einem Einkommen leben können und Müttern mit beruflichen Ausfallzeiten erbärmliche Renten drohen, ist für die häusliche Erziehung weiteres starkes Gift. Da könnte die Politik gegensteuern, doch sie tut es nicht.
    Zu diesem Thema wäre noch vieles zu sagen, doch mein Kommentar ist eh schon lang. Er soll Ihnen auch nur zeigen, dass meine vorherigen Ausführungen dem Problem “schwindende Sozialkompetenz” galten.
    Dass zu ihm Pädagogik- und Politstrategen erheblich beigetrugen durch falsche Theorien, Wege und Versprechungen, denke ich nach wie vor.

    @Milch der frommen Denkungsart
    Ihre Worte kann ich ohne Abstrich wieder nur dick unterstreichen.

    • Na ja, die Herdprämie war zumindest auch ein Geschenk an die Gutverdienenden, bei denen die Frau sowieso zuhause geblieben wäre, in Kombination mit dem gescheiterten Aufbau der geforderten Krippenplätze in der vorgegebenen Zeit.

      • mehrnachdenken

        In diesem Punkt stimme ich Ihnen zu. Obwohl ich den Ansatz „Betreuungsgeld“ für richtig hielt, war es nicht in Ordnung, nach dem Gießkannenprinzip zu verfahren. Auch war der Betrag viel zu niedrig.

        Während der teilweise hitzigen und auch gehässigen Diskussion darüber meldeten sich immer wieder Kinderpsychologen zu Wort. So auch der leider viel zu früh verstorbene Dr. Wolfgang Bergmann aus Hannover. Nicht nur er lehnte die umfängliche staatliche Betreuung bereits von Babys ab. Seine Forderung: Kleinkinder brauchen zuerst Bindung, um sich stabil zu entwicklen. Später kann dann auch an Bildung gedacht werden.

        Ich bin nun kein Finanzfachmann, aber m.E. stünden große Beträge für die familiäre oder zumindest private Betreuung von kleinen Kindern – um die geht es nämlich – zur Verfügung, wenn die politisch Handelnden nicht von Anfang an auf die Karte „staatliche Einrichtungen“ gesetzt hätten.

        Leider finde ich auf die Schnelle nicht den Artikel über die Situation der Mütter in Frankreich, von denen viele über die Doppelbelastung „volle Erwerbstätigkeit und familiäre Aufgaben“ stöhnen.
        Auch angesichts der instabilen politischen Lage und dem ungelösten Migrantenproblem kann Frankreich überhaupt kein Vorbild für eine gute Gesellschaftspolitik sein.

        • Ursula Prasuhn

          @mehrnachdenken
          Vielleicht hilft auch ein Blick nach Schweden:
          http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=544976

          • mehrnachdenken

            Danke für den Link. Ich fühle mich voll bestätigt, lach. So ähnlich sieht es auch in Frankreich aus.
            Aufschlussreich, dass die Gender – Ideologie die schwedische Politik bis in die letzte Nische bestimmt.

          • Wieder interessant, Ihr kritischer Verweis auf Schweden. Schweden hat aber – wie Frankreich – eine der höchsten Geburtenraten in Europa.

            Hängt wohl doch zusammen: Ohne Betreuungsangebote keine Kinder.

          • Ursula Prasuhn

            Geburtenraten sind wichtig, allerdings sehe ich sie nicht losgelöst von dem Aspekt, dass die Kinder dann auch ohne Mangelerscheinungen aufwachsen und sich sowohl psychisch als auch physisch gesund entwickeln.

    • Frau Prasuhn, Sie sind genauso staatsgläubig wie die Linken, gegen die Sie hier ständig zu Felde ziehen. Natürlich geht es (auch) um „Wirtschafts- und Steuerinteressen“, wenn Kinderbetreuung angeboten wird – das ist ja keine Nebensache, sondern die Existenzgrundlage der Familien sowie von Staat und Gesellschaft.

      „Dächte unsere politische Führung mehr an die Eltern und den Nachwuchs – der meiner Meinung nach die ersten 3 Lebensjahre besser daheim aufgehoben ist – fände sie andere Möglichkeiten, als Krippenplätze aus dem Boden zu stampfen und sie als hochwertige Form der Betreuung anzupreisen, weil hier angeblich Bildung stattfindet im Gegensatz zum Elternhaus.“ Ja, welche denn?

      Wer soll denn die Familien so alimentieren, dass Mütter nicht arbeiten müssen, wenn der Staat seine „Wirtschafts- und Steuerinteressen“ nicht wahrnimmt und Frauen vom Arbeitsmarkt fernhält? Woher soll das Geld kommen?

      Seien wir doch mal ehrlich: Keine Gesellschaft kann es sich leisten, die Hälfte ihrer Bevölkerung schulisch und beruflich hoch zu qualifizieren, um sie dann jahrelang zu Hause zu lassen.

  11. Ursula Prasuhn

    Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zur „Ausbildungsreife und Studierfähigkeit“:

    „Auch PISA muss sich laut KAS fragen lassen: ‚Warum haben wir das ganzheitliche Menschenbild der Aufklärung durch das punktuelle akribische Messen einzelner Kompetenzen ersetzt? Sind persönliche und soziale Qualitäten, die in der inter- nationalen Bildungsforschung als die wichtigsten Voraussetzungen für beruflichen Erfolg gelten, in den Curricula von Bildungsinstitutionen deshalb nicht konkret ausgestaltet, weil man sie nicht so leicht messen kann?’
    ‚Alles gut und schön, was aber fehlt, sind Nennungen klarer schulpolitischer Alternativen. Mangelnde Studierfähigkeit und Ausbildungsreife, fehlende Schlüsselqualifikationen und Softskills – das ist alles nichts Neues. Die Wiederherstellung differenzierter Bildungsgänge in den Gesamtschulsystemen der Länder als Maßnahme wird z.B. elegant umschifft’, stellt die IVL-Landesvorsitzende Grete Rhenius fest.
    http://www.ivl-sh.de/index.php/8-aktuelles/139-ivl-zur-studie-der-konrad-adenauer-stiftung-ausbildungsreife-studierfaehigkeit

  12. mehrnachdenken

    Gerade bei „tichys Einblicke“ gefunden:

    ♦ Matheklausur für Erstsemester in Saarbrücken, abgefragt wurde Gymnasialstoff. Durchfallquote: 94%. Erste logische Begründung: Der Prof ist schuld. Zweite: Zu wenig Prüfungszeit. Also Wiederholung der Prüfung mit mehr Zeit. Ergebnis: Nur 44% fielen durch. Die dürfen jetzt auch noch mal wiederholen. Wie viele wohl durchfallen, wenn sie die Lösung hinten draufdrucken?

    • die Klausur wurde nicht veröffentlicht, es gab eine Probeklausur, die Übungszettel sahen nicht unlösbar aus, viel mehr rechnen als beweisen. zu diplomzeiten saßen die Informatiker in den mathevorlesungen der hauptfachmathematiker. da wird fast nur bewiesen, kaum gerechnet.

      fazit: wenn die klausur ähnlich war wie die übungszettel, dann war sie vielleicht wirklich etwas lang. unlösbar schwer nicht, zumal zum bestehen sicherlich nur maximal 50% der punkte notwendig waren.

  13. „Dank des massiven Arbeitseinsatzes der zuständigen Sozialdemokraten sind auch unsere Schüler seit den 70er Jahren dumm und dümmer gemacht geworden. Die SPD-Schulreformen, wie immer unter dem Banner „Gleichheit“ angeleiert, führen in Richtung geistige Verwahrlosung in diesem Land. Heute macht fast die Hälfte eines Jahrgangs Abitur. Sehr zum Leidwesen der Universitäten und Unternehmen. Sie müssen nachschulen, denn die jungen Menschen können zu großen Teilen weder einen schlichten Text wie diesen erfassen, noch simple Mathematik-Aufgaben lösen. Das Abitur ist nur insofern noch eine allgemeine Hochschulreife, als dass die Sozialdemokraten auch an den Universitäten ihr Unwesen trieben. Hauptstudienfach Geschwätzigkeit. Nebenfach Gender-Studies: Dazu wird intensiv erforscht und gelehrt, wer oder was Mann oder Frau ist, und welches WC zur jeweiligen Benutzung für wen in Frage kommt.“
    (Stephan Paetow, „SPD – Der Untergang“)

    • „No child left behind!“ Das ist die Deviese. – Nur ist die nicht einmal auf den Mist von Rot-Grün gefallen, die hatte die superschlau B-Stiftung unter dem berauschenden Einfluss von Mohn der Schulministerin B. Sommer in die Feder diktiert. Und B.Sommer war zwar blond, aber niemals im linken Parteienspektrum verortet.

      Übrigens die NRW-Gesamtschulen in ihrer Ausprägung als IGS sind ebenfalls auf politischen Druck der CDU-Opposition entstanden, da sie die Bevölkerung gegen die von der SPD/FDP- Koalition angedachten KOOP-Schulen in Stellung gebracht hatten.

      Die KOOP-Schulen entsprächen den heutigen Gemeinschaftsschulen in NRW, die ebenfalls unter B. Sommer entstanden sind.

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