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Neue PISA-Daten: Mobbing unter Schülern ist in Deutschland weit verbreitet – was Sie als Lehrkraft dagegen tun können

BERLIN. Mobbing unter Schülern ist vielfältig und auch in Deutschland längst kein Randphänomen mehr. Gegen das Spießrutenlaufen in Klassenzimmern und auf Schulhöfen empfehlen Experten eine «Null-Toleranz-Praxis» und mehr flächendeckende Konzepte.

Kinder, die von Mitschülern gemobbt werden, haben signifikant weniger Freude am Lernen. Foto: woodleywonderworks / flickr (CC BY-NC 2.0)

Kinder, die von Mitschülern gemobbt werden, haben signifikant weniger Freude am Lernen. Foto:
woodleywonderworks / flickr (CC BY-NC 2.0)

In Waibstadt steht Mobbing auf dem Stundenplan. Die Realschule des Städtchens in Baden-Württemberg beteiligt sich an einem Pilotprojekt der Uni Heidelberg im Kampf gegen teils brutale körperliche oder seelische Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen durch ihre Mitschüler.

Dort passiert im Kleinen, was OECD-Bildungsforscher jetzt mit Blick auf alarmierende neue PISA-Daten auch für Deutschland eindringlich fordern: dass es endlich gemeinsame Kraftanstrengungen geben muss gegen systematisches Mobbing an Schulen. Also gegen die kleinen Fiesheiten und Hänseleien im Unterricht oder bewusst gestreute Gerüchte im Internet, gegen eiskalte soziale Ausgrenzung und regelmäßige «Keile» für Außenseiter.

Mobbing unter Schülern: Die „Bild“-Zeitung empfiehlt Eltern, Lehrer zu verklagen – sogar Schmerzensgeld sei drin

«Für manche ist die Schule ein Ort der Qual», schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Deren Bildungsdirektor Andreas Schleicher sieht angesichts zigtausender Mobbing-Opfer erheblichen Handlungsbedarf. Der Anteil Betroffener an deutschen Schulen sei sehr hoch, «gerade wenn man sich nicht nur das physische Mobbing anschaut. Beim sozialen und psychologischen Mobbing sind die Größenordnungen viel stärker ausgeprägt», sagt der Leiter vieler PISA-Studien im Gespräch. «Das ist kein Randphänomen.»

Aus der am Mittwoch veröffentlichten PISA-Sonderauswertung zum Lernumfeld von 15-Jährigen in aller Welt geht hervor, dass hierzulande fast jeder sechste Neuntklässler (15,7 Prozent) mehrfach im Monat zum Mobbing-Opfer wird. Die umfangreiche Studie stellt fest, dass regelmäßig Betroffene insgesamt weniger Lebensfreude empfinden, aber auch ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl für die eigenen Schule. Zudem sei das Lernklima für sie oft so schlecht, dass sich das Mobbing-Problem auf die Schulleistungen auswirke.Insgesamt sind Jungen laut OECD häufiger Mobbing-Opfer als Mädchen. Diese sind aber stärker von Ausgrenzung und bösen Gerüchten betroffen.

Im Schnitt aller OECD-Teilnehmerländer ist nahezu jeder Fünfte (18,7 Prozent) betroffen. Besonders schlimm scheint die Lage in Hongkong, Lettland und der Dominikanischen Republik zu sein, wo sich jeweils über 30 Prozent der Schüler als häufige Mobbing-Opfer sehen. Einigermaßen entspannt mit Betroffenenquoten um die zehn Prozent geht es laut OECD-Zahlen in den Niederlanden, Taiwan, Portugal, Island und Südkorea zu.

Mobbingstudie: Nicht alle Lehrer erkennen die Gewalt im Klassenzimmer gleichermaßen

Zurück nach Deutschland. Hier müsse Mobbing «viel stärker» als bisher zum Thema werden, sagt PISA-Experte Schleicher. «Da hilft nur eine Null-Toleranz-Praxis, um deutlich zu machen, dass so etwas nicht akzeptiert wird.» Alle Beteiligten sollten dafür an einen Tisch – die Schulleitungen, die Lehrer, die Eltern und natürlich die Kids.

Was Lehrer besser machen können – dazu haben der Bildungsforscher Wilfried Schubarth (Uni Potsdam) und der Psychologe Ludwig Bilz (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg) einige Antworten gefunden. Mit ihren Teams befragten sie für eine kürzlich erschienene Studie gut 2000 Schüler und 550 Pädagogen in Sachsen: Wie reagieren Lehrer in Mobbing-Situationen, welche Auswirkungen hat ihr Handeln, wie könnte die Kompetenz beim Eingreifen gestärkt werden?

«Wir haben herausgefunden, dass Lehrkräfte besonders dann intervenieren, wenn ihr Verständnis von Gewalt breit ist, und sie beispielsweise soziale Ausgrenzung und Hänseleien erkennen», sagt Bilz. «Lehrer, deren Verständnis für Gewalt sich auf körperliche Gewalt beschränkt, greifen seltener ein.» Ein weiterer Befund: Kooperationen mit Kollegen oder der ganzen Klasse sowie langfristige Maßnahmen auf Klassen- oder Schulebene sind eher selten – obwohl dies am nachhaltigsten wäre. «Bisher dominieren Hilfsangebote für Einzelne in der Praxis, während nur knapp 20 Prozent der Schülerschaft von kooperativen Angeboten berichten», berichtet Schuberth.

Als sinnvolles Projekt mit deutlich sinkenden Mobbing-Raten an Schulen gilt das Olweus-Präventionsprogramm. Die Methode des norwegischen Psychologen Dan Olweus wird derzeit auch an der Realschule Waibstadt getestet.

«Olweus» diene «vor allem der Verbesserung des Schulklimas und des Sozialverhaltens an Schulen», sagte Michael Kaess, Psychologe am Uniklinikum Heidelberg und Projektleiter, kürzlich dem Deutschlandfunk. «Und es ist ein Programm, das bewusst darauf abzielt, die gesamte Anzahl aller an einer Schule sich befindenden Menschen zu involvieren. Also von der Schulleitung über die gesamte Lehrerschaft, anderes Schulpersonal, Schüler, Eltern.»

Genau dies empfiehlt jetzt auch die OECD für einen konsequenten Anti-Mobbing-Kampf, um das psychische oder physische Spießrutenlaufen an deutschen Schulen deutlich zu verringern. Wichtig sei unmittelbares Eingreifen, so Kaess. «Mobbing lebt von Zuschauern – es darf nicht cool sein, Klassenkameraden zu drangsalieren.» Von Werner Herpell, dpa

Hier gibt es weitere Informationen zum Olweus-Präventionsprogramm.

Lehrer fordern eine Klassenlehrerstunde – für Kampf gegen Mobbing

 

Mobbing: KMK in Sorge

Die hohe Zahl von Mobbing-Opfern an deutschen Schulen bereitet den Bildungsministern der Bundesländer Sorge. «Mobbing und ein zunehmend verrohender Umgang in der Gesellschaft und im Internet zeigen, dass die klassischen Kompetenzen – wie die Fähigkeit, werteorientiert und reflektiert zu handeln, Konflikte zu lösen und mit anderen Menschen konstruktiv und sozial zusammenzuleben – heute aktueller denn je sind», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann, am Mittwoch in einer Reaktion auf den OECD-Report zum Wohlbefinden der Schüler.

Daher werde Demokratiebildung immer wichtiger, fügte die CDU-Politikerin aus Baden-Württemberg hinzu. «Unsere Schülerinnen und Schüler müssen selbst erfahren, was unsere demokratischen Grundwerte und unsere demokratische Kultur ausmachen, was es bedeutet, unterschiedliche Standpunkte zu diskutieren und Verantwortung zu übernehmen. Diese Werte sind eine Voraussetzung dafür, dass Mobbing und Gewalt gar nicht erst entstehen können.» In Deutschland wird nach einer neuen PISA-Studie fast jeder sechste 15-Jährige oft Opfer von teils massivem Mobbing an seiner Schule.

Linke-Chef Bernd Riexinger erklärte, die hohe Prozentzahl von Mobbing-Opfern an den Schulen zeige «eine riskante gesellschaftliche Entwicklung: Zusammengehörigkeitsgefühl und Gemeinschaftssinn weichen zunehmend einem Klima sozialer Kälte und Verrohung.» Angesichts des Lehrermangels müsse Schulsozialarbeit «ein fester Bestandteil von schulischer Arbeit werden – an jeder Schule und dauerhaft». dpa

49 Kommentare

  1. Bernhard Färber

    Mobbing ist schlimm, keine Frage – zumal in Zeiten, wo sich das Mobbing unter Jugendlichen zusehends in die sozialen Netzwerke verlagert und dadurch noch schwerer bekämpfbar wird.
    Wieso nimmt aber ein Herr Schleicher ausgerechnet diese neue PISA-Begleitstudie zum Anlass, Mobbing in Deutschland als besonderes Problem darzustellen,- eine Studie, die eindeutig konstatiert, dass deutsche Schülerinnen und Schüler von Mobbing signifikant weniger betroffen sind als im internationalen Durchschnitt.
    Offensichtlich geht es dem selbsterklärten „PISA-Papst“ Schleicher mehr darum, medienwirksame Schlagzeilen zu produzieren als objektive Ergebnisse zu referieren.

    • Das Mobbing findet eben nicht auf dem sShulhof und somit im direkten Einflußbereich von Schule und Lehrern statt. Gegen Mobbing auf (a)sozialen Netwerken und im privaten Umfeld der Schüler kann Schule nur begrenzt vorgehen. Und solange Mobbing ein Anzeigedelikt ist, ist es Aufgabe der Eltern ihr Kind zu schützen. Dazu gehört in jedem Fall die Anzeige von Mobbingdelikten. Und das ist nicht Aufgabe von Schule.

      • Axel von Lintig

        Mobbing findet auch im Umfeld der Schulen und in den Klassen direkt statt.
        Davon berichten mir meine Kinder.Kinder mit Schwächen werden identifiziert und von kleineren Gruppen drangsaliert.
        Der Umgang mit derartigen Verhaltensformen wird im ABC der Tiere vom Mildenberger.-Verlag als Thema in der 3. und 4. Klasse behandelt. Die Schüler lernen sich in die Betroffenen hineinzuversetzen.das ganze Thema wird sehr gut aufgearbeitet.

        • Wie gesagt, im Umfeld der Schulen. Wie wollen Sie denn die Mobbingaktivitäten außerhalb des Unterrichtes nachweisen? Im regelfall kommt einer weined und macht einen entsprechenden Vorwurf. Sie können im nachgang nur die Beschuldigten befragen. Zum Schluss stehen zwei Aussagen gegnüber. Anders als bei Schulhofprügeleien kommen Sie auch nicht mit Ausschluss vom Unterricht für bis zuzwei Wochen oder anderen Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen weiter – außer die Mobbingvorwüfre lassen sich durch Zeuegnaussagen oder dokumentierte Chat-Verläufe belegen.
          Strafbares handeln muss nachweisbar sein. Dies gilt für polizeiliche Ermittlungen wie für schulische Maßnahmen.
          Warum sollten Schulen in solchen Fällen besser aufgestellt sein als Unternehmen? Oder gibt es in der Erwachsenenwelt kein Mobbing im beruflichen Alltag mehr? Im Vergleich zu Betrieben sind Schulen in Bezug auf Mobbing schon ganz gut aufgestellt.

          Hinzukommt dass die Beschimpfung als Türke oder Jude bei den Opfern anders als die als „Kartoffel“ Erwartungshaltungen in Hinblick auf etwaige Bestrafungen auslöst. DA wird häufig mit zweierlei Maß gemessen, den Biodeutschen wird dann gesagt, sie sollten nicht so empfindlich sein … Minderheitenschutz über alles.

          • Minderheitenschutz gibt es natürlich auch an schulen, in denen die biodeutsche mehrheit in Wahrheit bei 30% anteil liegt.

          • Aber nur weil die anderen Gruppen, jede für sich genommen die 30%-Marke nicht erreichen.

          • Axel von Lintig

            dickebank

            Wir haben uns auf die Aussagen mehrerer anwesender Zeugen gestützt, die das Verhalten mehrfach beobachteten.Das Verhalten wurde am Elternabend besprochen.Leider hatte die Lehrerin von diesen Entgleisungen nichts bemerkt.

          • Ja und, warum unternehmen die Eltern dann nichts zum Schutze ihrer Kinder? Aber spätestens bei Einschaltung der Polizei und der Protokollierung der Zeugenaussage schwindet die Bereitschaft zur Mitwirkung an der strafrechtlichen Verfolgung.
            Durch die belastende Aussage könnte man ja selbst betroffen bzw. das eigene Kind zum „Opfa“ werden.

            Solche Elternabende sind bequem; die Klassenleitung bekommt das Problem „vor den Latz geknallt“ und soll sich kümmern. Also lässt sie erst einmal die Beteiligten eine schriftliche Stellungnahme anfertigen. Anschließend müssen die Aussagen der Kinder abgeglichen werden und ein Sachverhalt heraus gefunden werden. Dieser muss der Schulleitung mit der Bitte eine Konferenz für Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen einzuberufen. Der termin der Konferenz muss im Vorfeld mit den Erziehungsberechtigten des „Täters“ abgestimmt werden. Es folgt eine Anhörung im Rahmen der Konferenz bei der der „Täter“ mit den Aussagen, die von der Kalssenleitung vorgetragen weren, konfrontiert wird. Der „Täter“ erhält Gelegenheit zu einer Stellungsnahme, genauso wie die Erzeihungsberechtigten sich äußern dürfen. So nach ein-einhalb Stunden (wenn’s zügig läuft) kommt die Konferenz zur Beschlussfassung. Die pädagogische Maßnahme ist dann ein Anti-Gewalt-Training oder eine Anti-Mobbing-Maßnahme. Als Ordnungsmaßnahme wird im besten Fall die dauerhafte Versetzung in eine Parallelklasse ausgesprochen, aus eigener Erfahrung aber allenfals ein Verweis (schriftlicher tadel)
            Die Androhung der Entlassung von der eigenen Schule ist evtl. (kommt auf die Umstände an) bei Gefährdung von Mitschülern (körperliche Gewalt) als Maßnahme gegen den Widerspruch der Erziehungsberechtigten rechtsicher durchzusetzen.

            Glauben Sie mir, wenn es eine Handhabe gäbe, Schule würde sie einsetzen. – Nur dei Zahl der Morde wird nicht geringer, wenn die Todesstrafe als Strafrahmen zur Verfügung stünde.

          • Axel von Lintig

            Man kann doch Mobbing im Unterricht durchnehmen und als Rollenspiel in der Klasse einüben.

          • Aber die SuS brauchen doch gar keine Betriebsanleitung wie Mobbing geht. Warum soll ich den Kindern und Jugendlichen etwas beibringen, was sie ohnehin schon können?

            Soll ich denen etwa beibringen, wie sich ein „Opfa“ wehren soll? „Opfa“ ist uncool – und schon ist die Stunde gegen die Wand gelaufen.

          • Axel von Lintig

            Mir ging es darum denen zu vermitteln ,wie es sich anfühlt ,wenn man gemobbt wird.Bei Grundschülern wird das wohl noch möglich sein.

            Ich habe jetzt nicht gemeint, wie ich mit einer derartigen Gruppe früher umgegangen bin.Das wäre auch kein Vorbild für diese.

          • Haben Sie mitbekommen wie der Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus mutmaßlich motiviert gewesen sein soll? Und Menschen aus diesem Umfeld bzw. Kindern, die genausoviel Empathie haben wie der mutmaßliche Täter, wollen Sie durch Rollenspiele erreichen?

            Das Problem ist nicht Mobbing innerhalb der Klasse. Diejenigen, die sich da besonders hervortun – egal ob männlich oder weiblich – können dies nur, weil die „Opfa“ sich nicht wehren dürfen und können. Den Opfern fehlen nämlich die Halbstarken im Verwandtenkreis. Und damit meine ich nicht nur die vielen klenen Cousins und Cousinen an weiterführenden Schulen sondern auch die lieben Verwandten aus der Türsteherszene, die die notwendige Drohkulisse errichten. Vor diesem Hintergrund läuft Mobbing ab, vielfach mit der Intention Sachgüter oder Geld abzuziehen.

            Eltern betroffener Kinder, die sich wehren, werden dann auch schon einmal Reifen zerstochen, Scheiben eingeworfen, körperliche Gewalt angedroht etc.
            Diese Szwnariel lassen sich beliebig steigern – so lange bis die Anzeige bei der Polizei zurück genommen wird oder Zeugen vor Gericht einknicken. Aber mit denen können Sie ja auch Rollenspiele einüben:)

          • Axel von Lintig

            Ihre Schüler wachsen in einem ganz anderem sozialen Umfeld auf.
            Da ist die Situation im ländlichen Bereich eine ganz andere.
            Die kleinen Nickeligkeiten lassen sich relativ schnell regeln und auflösen.
            Bei Ihnen muss man dann schon aufs Ganze gehen oder resignieren und gegebenenfalls wegziehen.

          • Ich unterrichte in Ihrem – AvL – Nachbarkreis GT von Klasse 5 bis 10. Die Welt ist da auch nicht so anders.
            Die Verhältnisse in dem besonderen Biotop Schule sind erschreckend. Das liegt aber in erster Linie am Sozialverhalten (was ist das ) der Schüler. Der Einfluss auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen ist für das System Schule äußerst begrenzt.

            Um es noch einmal deutlich zu sagen:
            Nicht jede Hänselei ist bereits Mobbing. Bei jüngeren Schüler wird schon einmal der eine oder andere unbedachte Post in einem Thread (im virtuellen Klassenraum) auf den sozialen Medien abgesetzt. In diesen Fällen hat man meist noch Einflussmöglichkeiten. Das alles ist banaler Kleinkram.

            Da, wo wirklich massiv gemobbt wird, ist Schule bei der Bekämpfung dieses asozialen Verhaltens ein Scheinriese. Sie versucht Macht zu demonstrieren und ist dabei eigentlich ein zahnloser Papiertiger. Die Möglichkeiten einen Schüler von der eigenen Schule zu entlassen, sind sehr, sehr gering. Also bleibt im Grunde bei massivem Mobbing nichts anderes übrig, als das falsche zu tun und dem Opfer an anderer Stelle einen Neuanfang zu ermöglichen.

    • Axel von Lintig

      Ich erinnere mich an ein Mädchen mit Migrationshintergrund und Problemen im Lernbereich Deutsch.
      Sie war immer wieder Hänseleien von einer Gruppe der Jungen ausgesetzt. Es fanden verunglimpfende Abwandlungen des Namens statt, mit denen sie ständig überzogen wurde. Außerdem machte sich der gleiche Mob über ihre schlechten Leistungen lustig und freute sich, als die Schülerin in der 2. Klasse diese wiederholen musste.Auch danach noch wurde sie von diesem Kollektiv geärgert.

  2. Bei uns an der Grundschule sind die Mobbingtendenzen auf dem Schulhof, auf dem Schulweg, in Umkleidekabinen, also überall, wo Lehrkräfte nicht gänzlich einen Blick haben, zu beobachten. Es fängt ja meistens ganz harmlos mit „ärgern“ an. Wenn die Schüler Erfolg verspüren und der Betreffende nichts sagt, machen sie in kleineren Gruppen weiter. Um so wichtiger ist es, dass es an einer Schule Sozialarbeiter und zudem geschulte Lehrkräfte (das sollten alle Lehrkräfte sein, vor allem die KlassenlehrerInnen) gibt, denen sich die Opfer verbehaltlos anvertrauen können und die professionell mit der Situation umgehen. Denn auch bei den Mobbenden liegt einiges im Argen. Den gut geschulten Sozialarbeitern fällt hier die wichtigste Rolle zu; sie können in Einzelgesprächen und weiteren Konfliktgesprächen vieles bewirken, wofür die Lehrkraft so umfänglich keine Zeit hat. Tendenzen des Internetmobbings über Whatsapp haben wir schon bei wenigen – aber immerhin – 4. Klassen beobachtet.

  3. „Man kann doch Mobbing im Unterricht durchnehmen und als Rollenspiel in der Klasse einüben.“
    Das gibt es doch schon längst. In den Grundschulen wird seit Jahren soziales Lernen in unterschiedlichen Konzepten durchgeführt, die sich alle sehr ähnlich sind. Das Konzept an unserer Schule läuft seit über 10 Jahren, zwischenzeitlich gab es eine Auffrischung, gemeinsam gibt es eine Verpflichtung.
    Zeit gibt es dafür eigentlich nicht, wir nutzen Zeit in den Fächern Religion und Sachunterricht. Wieder ein Thema mehr, das viel Zeit benötigt, dringlich und wichtig ist, aber nichts, das gestrichen wird. Dennoch hilft so ein Programm nur bedingt.

    Schulsozialarbeiter? So etwas gibt es doch nur ein Einzelfällen, notwendig wären sie inzwischen wohl an jeder Schule, da es noch andere soziale Probleme gibt.

    Demokratie-Erziehung? Ja, das ist seit längerem immer wieder im Gespräch. Grundschulen sollen Schülerräte einführen und begleiten. Dafür gibt es auch keine Stunden, aber Lehrkräfte, die das zusätzlich zu ihren übrigen Verpflichtungen auch noch übernehmen.

    Umgang mit neuen Medien? Auch wichtig. Auch dafür gibt es keine zusätzliche Unterrichtszeit, wäre aber dringend notwendig, denn Kinder in Klasse 3, die des Lesen und Schreibens einigermaßen mächtig sind, tummeln sich in Chats, nutzen Facebook und WhatsApp und haben z.T. Eltern zum Vorbild, die das Smartphone häufiger anschauen als ihren Kindern ins Gesicht.

    Präventionsarbeit durch die Polizei? Wird auch durchgeführt, zumindest in meiner Region, die Programme finde ich dem Alter der Kinder angemessen und die Polizisten sind sehr gut geschult im Umgang mit Kindern. Sie reden nichts herbei, sind aber sehr sensibel für bestehende Probleme. Erschreckend finde ich jedes Mal, wenn heraus kommt, dass Kinder im Alter von 6 Jahren Filme FSK 16 oder 18 mit Gewaltverherrlichungen sehen, weil ELTERN meinen, das ist toll.

    Inklusion und Aktzeptanz von Schwächeren? Braucht auch Zeit, Gespräche, Erläuterungen. Auch das sind Inhalte, die dazu gekommen sind. Übrigens braucht es ebenfalls Zeit auf Elternabenden, denn Eltern muss man genauso mitnehmen, erläutern, um Verständnis werben. Kinder der Grundschule sind da häufig erheblich verständiger.

    Zusätzlich nehmen sich Lehrkräfte täglich viel Zeit um kleine Streitereien aufzuarbeiten, gibt es weitere oder schlimmere Vorfälle, braucht es Gespräche und Konferenzen, die sehr zeitaufwändig sind. Auch hierfür gibt es weder Unterrichtszeiten noch Zeiten für Lehrkräfte, auch nicht für Klassenzusammenführung, Klassenleitung, gemeinsame Aktionen um das Klima zu verbessern etc., unabhängig von Klassen, Brennpunkt oder Anzahl der SuS mit soz-em. Förderbedarf.
    Für Projekte, Lektüren zum Thema u.a. nehmen sich Lehrkräfte auch Zeit – Deutsch, Sachunterricht, Religion, oder für Kummerkästen, Klassenbriefkästen, Klassenrat etc. (gleiche Fächer).

    DAS ALLES scheint ja offenbar nicht auszureichen.

    Lehrkräften zu unterstellen, sie würden sich nicht kümmern, finde ich zu kurz gedacht. Wenn doch nur „DIE LEHRKRAFT“ endlich mal ihre Arbeit richtig machen würde, dann wäre die Welt noch in Ordnung.

  4. @ Palim

    ZITAT: „Zusätzlich nehmen sich Lehrkräfte täglich viel Zeit um kleine Streitereien aufzuarbeiten, gibt es weitere oder schlimmere Vorfälle, braucht es Gespräche und Konferenzen, die sehr zeitaufwändig sind.“

    Sag ich ja, alleine durch die ganzen Unterrichtsstörungen und entsprechende Maßnahmen (z.B. Gespräche) geht uns sehr großzügig gerechnet 1 Monat verloren. @ dicke bank meinte ja unlängst, das reicht noch nicht mal. Wenn dann noch durch Krankheiten, Ausflüge, Außerunterrichtliches gut und gerne ein weiterer Monat „verloren geht“, wie viel Zeit bleibt dann noch fürs Unterrichten???

    Ich habe den Eindruck, die ganzen „sanften Anti-Mobbingmaßnahmen“ kosten viel Zeit und bringen fast nichts. Das Einzige, was eventuell hilft, sind „handfeste Sanktionen“, z.B. Geldstrafen für unbefugt veröffentlichte Bilder u.dgl. mehr. Oder?

    Und irgendwie ist es doch eine Art „Charakterfrage“? Es scheint einfach solche Charaktere zu geben, die – wenn man sie lässt – sich daran „ergötzen“, andere niederzumachen. Es gibt die Charaktere, die lieber wegschauen und es gibt jene, die sich dagegenwenden. Die Frage ist ja nur noch: Ist das angeboren oder erworben?

    • „Es gibt die Charaktere, die lieber wegschauen und es gibt jene, die sich dagegenwenden. Die Frage ist ja nur noch: Ist das angeboren oder erworben?“
      Wenn ich nicht der festen Überzeugung wäre, dass man auch Empathie und Verhalten erlernen kann, dann hätte ich wohl meinen Beruf verfehlt. Dennoch gibt es auch in diesem Bereich Menschen, die es leichter lernen und mehr Vorkenntnisse mitbringen als andere (siehe Mathe, Sprachen, Medien…) Und wenn Elternhaus, Gesellschaft und Medien tagtäglich andere Werte vermitteln, ist es um so schwieriger – auch das lässt sich auf anderes übertragen.

      „alleine durch die ganzen Unterrichtsstörungen und entsprechende Maßnahmen (z.B. Gespräche) geht uns sehr großzügig gerechnet 1 Monat verloren.“
      Verloren wofür, ist hier die Frage. Natürlich sind etliche Störungen zeitraubend, weil sie zu Lasten anderer Inhalte gehen, aber die Gespräche, Maßnahmen und Prävention sehe ich nicht generell als „verlorene“ Zeit. Mich ärgert eher, dass Schule alles Mögliche so nebenbei erledigen soll und dass erwartet wird, dass jeder Lehrer sich ständig in seinem Unterricht um die vielen zusätzlichen Aufträge kümmern soll, gleichzeitig in kürzerer Zeit mehr Inhalte an jüngere SuS vermitteln soll. Da geht es weniger um verlorene Zeit, sondern darum Unmögliches möglich zu machen.
      Natürlich muss man als Lehrer in jedem Fach auf Regeln achten (gleiches gilt dann übertragen auf anderes, z.B. Umgang mit Medien etc.), aber es wäre m.E. angebracht, wenn man für Grundlegendes wirklich Zeit in Form von Unterrichtsstunden erhalten würde, damit diese zusätzlichen Aufträge einen Platz und mehr Gewicht bekommen, andere Inhalte nicht verdrängen und nicht als „verlorene Zeit“ gelten, sondern dem Erlernen wichtiger Verhaltensweisen dienen könnte. Konkret: Zeit für Sozialtraining, Zeit, die für inklusive Klassen und ihren Zusammenhalt oder Zusammenarbeit investiert werden muss, Zeit für das Erlernen des Umgangs mit Medien (eben auch Gefahren) und mit sozialen Netzwerken.

      „Ich habe den Eindruck, die ganzen „sanften Anti-Mobbingmaßnahmen“ kosten viel Zeit und bringen fast nichts.“ Weggucken, Aufgeben und Totschweigen bringen am allerwenigsten. Genau das ist der Nährboden für Mobbing u.a. Nicht umsonst schreibt ysnp, dass sich die Täter gerne Räume außerhalb der Schule (z.B. Schulweg) suchen – sie haben in ihrem Verhalten womöglich nichts dazu gelernt (aus welchen Gründen auch immer), aber Schule ist dann ein Schutzraum. Diesen aufzubauen kostet Zeit und Kraft, meine Erfahrung ist, dass es sich durchaus lohnt, das zu investieren.

      „Das Einzige, was eventuell hilft, sind „handfeste Sanktionen““
      Zum einen: Bei Santkionen reden wir immer davon, dass bereits etwas geschehen ist. Die Programme laufen präventiv und sollen SuS befähigen, in bestimmten Situationen entsprechend zu reagieren. Das Programm, das wir gewählt haben, soll den „Tätern“ Empathie vermitteln, damit sie nicht zu Tätern werden, und es soll, das ist noch wichtiger, den „Opfern“ Handlungsweisen geben, sich zu helfen oder Hilfe zu suchen. Für Grundschulen weiß ich, dass es etliche Programme mit sehr ähnlichen Inhalten gibt.
      Zum anderen: Sanktionen gibt es durchaus, meine Erfahrung ist eher, dass sie nicht genutzt oder nicht ausgeschöpft werden. Vielleicht würde es vielen Lehrern helfen, wenn es einen klaren Katalog geben würde und deutliche Handlungsanweisungen. Zusätzlich kann man weitere Möglichkeiten eröffnen um pädagogisches Handeln zu ermöglichen. Zudem würde ich mir wünschen, dass Lehkräften der Rücken gestärkt wird, wenn Sanktionen erfolgen, und nicht jegliches erzieherisches Handeln von Schulleitern, Schulaufsichten oder Gerichten in Frage gestellt oder unterlaufen würde. Das angesprochene gemeinsame Vorgehen könnte eben auch bedeuten, dass die Arbeit der Lehrkräfte, Absprachen zu Regeln, pädagogische Konferenzen u.a. genauso Anerkennung (und Zeit!) erhalten, damit die Arbeit einen Raum erhält und gewürdigt wird.

  5. @ Palim,

    da kann ich diesmal eigentlich in fast allem zustimmen, auch wenn es an einigen Stellen so aussieht, als würden Sie gegen meine Aussagen argumentieren.

    Ich will deshalb nicht auf jeden Punkt eingehen. Es würde sonst zu lang und das liest dann eh keiner mehr (genau). Meinem Eindruck nach bestärken die sogenannten Präventivmaßnahmen eher jene Kinder darin, andere nicht zu hänseln ( = mobben), die es sowieso nicht tun würden; während es jene eher kalt lässt, die man erreichen möchte. Bei denen wiederum helfen aber (bei den anderen braucht man es ja nicht) klare, konsequent eingesetzte Sanktionsmöglichkeiten. Zumindest dort, wo es „rauszukommen droht“, lassen sie das dann, wenn sie Ärger fürchten müssen.

    Dass das alleine nicht 100%ig hilft, zeigt uns hingegen die Erwachsenenwelt. Wir haben ja Gesetze und Strafandrohungen für alle erdenklichen Vergehen und es gibt sie trotzdem. Es geht also „nur“ darum, sowas soweit wie möglich einzudämmen. Das ist dann die Sache der Balance aus Kontrolle und Freiheit, die im richtigen Maß gefunden werden muss.

    • “ ….. während es jene eher kalt lässt, die man erreichen möchte.“
      Den Eindruck habe ich in der Grundschule nicht. Mit Hilfe der Sozialarbeit konnten wir schon nachhaltige Verhaltensbesserungen erreichen. Ich würde auch Strafen nicht immer als Bestrafungen sehen, sondern als Konsequenzen. Gerade in der Grundschule erreichen wir, indem wir aus allen Bereichen Maßnahmen anwenden (Einübung von Sozialverhalten, Gespräche, Präventivmaßnahmen und sinnvolle Konsequenzen) doch Verhaltensbesserungen. In der Grundschule wird offensichtlich, dass mobbende Schüler, die andere um sich scharren, einen Grund haben, warum sie das tun. Es sind fast immer Schüler, die selbst ein Anerkennungsproblem haben. Da kann man öfter einmal den Hebel ansetzen.
      Allerdings glaube ich ebenso, dass die oben geschilderte Maßnahmen wesentlich schwerer bei älteren Schülern und bei einem Umfeld wie dickebank es beschrieben hat, greifen.
      Ich betone, dass unsere Erfahrung ist, dass vor allem die SOZIALARBEIT einen wesentlichen Anteil daran hat, die Mobbinggeschichten aufzufangen. Das erste, was man hier politisch fordern müsste, ist den Anteil der Sozialarbeit in den Schulen auszubauen. (Das wird ja verschiedentlich auch gefordet und da man parteiübergreifend den sehr sinnvollen Nutzen sehen.)

      • Problem daran ist, dass die Kommunen kein Geld oder kein Interesse oder beides haben, jede Schule mit ausreichend vielen voll ausgebildeten Sozialarbeitern auszustatten. Dabei rede ich wirklich von Hochschulabschluss und nicht von den Integrationshelfern, die es mit Glück bei Inklusionsfällen gibt.

        • Wir an unserer Schule wurden selbst aktiv und vorstellig bei der Gemeinde. Wir hatten schwerwiegende Fälle im Gepäck, die unser Anliegen unterstrichen. Auf jeden Fall konnten wir damit die Einstellung einer von der Gemeinde finanzierten Sozialarbeiterin erreichen.

          • P.S.
            Natürlich einer studierten Sozialarbeiterin. Das braucht man auf jeden Fall.
            Ich fände es allerdings besser, wenn man nicht auf das Wohl und Wehe der Gemeinde angewiesen wäre, sondern wenn dies staatlich geregelt wäre.

          • Das gilt aber auch für diverse andere Berufsgruppen bzw. Einrichtungen. Wohnungsgesellschaften, Krankenhäuser, private Sicherheitsdienste statt Polizei, Pflegedienste, Schulkantinen usw. sind eigentlich alles kommunale Aufgaben, die jedoch aus Kostengründen privatisiert oder ausgelagert wurden.

  6. Mobbing wird von Lehrern oft nicht erkannt, denn es geschieht oft im Verborgenen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass eine Atmosphäre des Vertrauens herrscht, wo Schüler bereit sind, sich jemandem in der Schule (Klassenlehrer, Vertrauenslehrer, Sozialarbeiter) anzuvertrauen. Präventivmaßnahmen sind auch unter dem Aspekt wichtig, dass Mitschüler nicht wegschauen und die Einsicht, dass ein sich Anvertrauen kein Petzen ist.
    Es liegt aber auch in der Verantwortung der Erwachsenen, wie sie so damit umgehen, dass der Gemobbte nicht wieder der Leidtragende ist, weil er etwas verlauten ließ. Kinder schweigen ja auch deswegen, weil sie nicht immer überzeugt sind, dass die Reaktion des Erwachsenen/Lehrers und sogar der eigenen Eltern ihre Situation verbessert. Ein professionelles/ durchdachtes Umgehen mit dem Problem ist auf jeden Fall nötig.
    Wie Palim schon angedeutet hat – Schule sollte ein Raum sein, wo sich Schüler geschützt fühlen. (Man tut zumindest dazu, was man in den Rahmenbedingungen, die einem vorgegeben sind, kann und bei manchen Schulen ist es leichter, bei anderen sehr schwer.)

  7. Hänseleien unter Schülern (und Erwachsenen), die manche heutzutage „Mobbing“ nennen und glauben, das sei etwas Neues, hat es immer schon gegeben. Es ist nichts Neues. Man kennt es auch als Schikane und Drangsalierung. Es haben sich ja nur die Formen geändert (z.B. Internetforen). Ich sage das aber nicht, um das kleinzureden. Ich sage das nur, um die Methoden, dagegen vorzugehen, zu befragen.

    Warum gibt es diese Hänseleien immer noch? Warum hat bisher nichts dagegen geholfen? Oder wäre ohne die bisherigen Maßnahmen alles noch viel schlimmer? Haben sie also geholfen und was wir jetzt erleben, ist bereits das „Minimum“? Oder waren frühere Maßnahmen geeigneter und deshalb erleben wir wieder einen Anstieg?

  8. @ Palim.

    ZITAT: „Wenn ich nicht der festen Überzeugung wäre, dass man auch Empathie und Verhalten erlernen kann, dann hätte ich wohl meinen Beruf verfehlt.“

    Aber warum gelingt es so wenig? Wenn man sich das mal so überlegt, Ausgrenzung (Hänseleien, Schikane und Drangsalierung, Mobbing) gibt es in praktisch jeder Klasse, in jeder Schule, in jedem Ort in Deutschland; außerdem immer und zu allen Zeiten, in jeder bisherigen Generation … das sind hunderte, ja tausende, zehntausende Menschen … Warum ändert sich das offenbar nicht wirklich? Woran liegt es? Warum gibt es das jedes Jahr, in jeder Klasse immer wieder neu? Trotz all unserer Maßnahmen dagegen?

    • ZUSATZ: Glücklicherweise haben von diesen zehntausenden Menschen jedes Jahr nur die allerwenigsten dauerhafte psychische Folgeschäden davon getragen.

    • „Aber warum gelingt es so wenig?“
      Weil immer noch verbreitet wird, es sei eben angeboren, die Charaktere seien so. (Ebenso können andere angeblich kein Mathe, Kunst … was auch immer)
      Weil immer noch genügend Menschen meinen, daran könne man nichts ändern.

      Weil Gesellschaft und Medien fleißig dagegen arbeiten.
      Weil frühere Werte in Vergessenheit geraten, durch geänderte Zeiten, Gewohnheiten, Rituale
      Weil Erwachsene den Kindern vorleben, wie man andere schikaniert, wie man lügt und wie man auf Kosten anderer durchs Leben geht.

      Aber ich bin der Meinung, dass heutige Medien und Zeiten es durchaus erschweren, Regeln zu vermitteln und einzufordern, weil „die Welt“ nicht mehr so übersichtlich ist, sondern heterogener und weil die Akzeptanz von allem Möglichen schnell auch in Gleichgültigkeit umschlagen kann.

  9. @ xxx,

    wissen wir das so genau (keine psychischen Folgeschäden)?

  10. ZUSATZ, xxx:

    Wenn solche Menschen später Schwierigkeiten haben, anderen zu vertrauen, welche Statistik erfasst das bzw. stellt Zusammenhänge her?

  11. @ Palim,

    ZITAT: „Weil immer noch verbreitet wird, es sei eben angeboren, die Charaktere seien so. (Ebenso können andere angeblich kein Mathe, Kunst … was auch immer) Weil immer noch genügend Menschen meinen, daran könne man nichts ändern.“

    Sie scheinen damit mich anzusprechen. Ich finde das schon ein bisschen böswillig. Nur weil man Ihnen nicht zustimmt? Sie erklärten, dass man etwas dagegen tun könnte und wollen nun sagen, Ihre Maßnahmen dagegen scheitern, weil ich mich frage, ob dieses Verhalten und inwieweit dieses Verhalten womöglich charakterbedingt ist. Das ist wenig logisch. Ihre Maßnahmen sind nicht von meiner Meinung dazu abhängig.

    Lassen Sie uns lieber ernsthaft darüber nachdenken, inwieweit dieses Verhalten erworben und inwieweit es angeboren ist. Nicht, um sich damit abzufinden. (Auch das wäre eine böswillige Unterstellung!) Sondern um WIRKSAM etwas dagegen zu tun, denn Sie können nicht die Augen davor verschließen, dass es Ausgrenzung in all ihren Formen immer schon gab und leider immer noch gibt – auch als gesellschaftliche Zustände anders waren als heute.

    Wo also kann / muss man ansetzen? Das wäre interessant. Ein Ansatz (und eine Überzeugung) meinerseits wäre die frühkindliche Bildung. Ich glaube momentan jenen Forschern, die sagen, dass die Grundlagen der Erziehung in den ersten Lebensjahren gelegt werden. Bleibt noch die Frage, wieviel kann Erziehung bewirken und wieviel steckt uns in den Genen? (Und was können wir gegen Letzteres tun?)

    • „Lassen Sie uns lieber ernsthaft darüber nachdenken, inwieweit dieses Verhalten erworben und inwieweit es angeboren ist.“
      Diese Diskussion hatten wir zu meiner Studienzeit. Inzwischen gibt es sehr viele wissenschaftliche Aussagen/Untersuchungen dazu, die immer weitere Mosaiksteine hinzufügen; viele kommen aus der Gehirnforschung. Z.B. gibt es jetzt Erkenntnisse, dass das Gehirn lebenslang lernt oder es gibt Untersuchungen, wie sich das Gehirn ändert, wenn man viele Gewaltspiele spielt. Placeboeffekte zeigen, wie man das Gehirn und Vorgänge im Körper beeinflussen kann nur um einige Beispiele zu nennen. Also ist der Genpool nicht unbedingt unser Schicksal.

      • Alles richtig – nur der Geist ist schwach und das Fleisch ist faul …

        Warum lachen wir denn über den ungeschickten, tollpatschigenClown im Zirkus bzw. über dessen Missgeschicke? Angelerntes Verhalten ist das nicht.
        Warum sind wird denn – zumindest die gut Erzogenen – innerlich amüsiert, wenn anderen ein Missgeschick im Altag passiert? Die dann einsetzenden Reaktionen sind doch das, was die negativen Folgen zeigt.
        Wenn ich schadenfroh bin, weil sich die Kollegin den frisch eingeschenkten Kaffee über den zuvor stolz vorgeführten, neu erworbenen Rock schüttet, setzt bei den Umstehendenja kein maßloses Entsetzen ein. Da die Situation eine Alltagskomik enthält, ist natürlich jeder amüsiert und ein wenig schadenfroh. Das hätte einem selbst ja auch passieren können, ist es nur dieses Mal nicht. So und jetzt zeigt sich im Nachgang hoffentlich die zivilisatorische Firnis. Es wird Hilfe angeboten, ein Lappen wird geholt etc. und man versucht gemeinsam den entstandenen Schaden zu beheben und alles wird gut. In dem Fall fördert das Missgeschick den Zusammenhalt in der Gruppe.

        Gehen wir einmal davon aus, die Kollegin ist weniger beliebt, hat zuvor mit dem sündhaft teuren Kleid fürchterlich angegeben und versucht in der Gruppe hervorzutun. Wenn jetzt das Missgeschick mit dem Kaffee passieren würde, wie sieht es mit den Reaktionen der anderen aus? Wir werden vermutlich das gleiche wie beim Mobbing erleben, die Gruppe der Umstehenden zerfällt in drei Teile. Gruppe I verfährt nach dem Motto „Geschieht ihr doch recht!“ und wendet sich ab. Gruppe II nimmt den Vorfall zwar zur Kenntnis, tut aber so als habe sie nichts mitbekommen. Gruppe III ist dem „Opfer“ irgendwie verbunden oder will etwas von ihm und hilft.

        Man kann das Beispiel noch weiter spinnen. Die beiden Queens einer Gruppe treffen aufeinander. Die eine mit einem wahnsinnig teuren und gutausehenden Outfit, die andere mit dem Kaffee in der Hand. Die eine will den neuen, jungen, gut aussehenden Kollegen mit ihrem Outfit beeindrucken, die andere wollte sich mit dem Kaffee bei ebendiesem Träumchen einschmeicheln. Und dieses Mal passiert eben kein echtes Missgeschick sondern die mit dem Kaffee stolpert „versehentlich“ und die braune Tunke ergießt sich über das schöne neue Kleid …
        Wie geht es wohl weiter? Und jetzt das ganze auf pubertierende Jugendliche übertragen, die selbst viel verunsicherter (nicht selbstsicher) aber dafür direkter (krasser) in ihren Reaktionen und ihren Gefühlsausbrüchen sind.
        Bei Jungen gäbe es in solchen Fällen etwas vor’s Maul und der Vorfall wird non-verbal ausdiskutiert.
        Bei Mädchen nimmt heute die offene Gewalt in hohem Maße zu und es kann sein, dass sie sich wie die Jungen verhalten. Oder der Machtkampf der Queens geht ins Grundsätzliche – und das bedeutet die jeweils andere muss vernichtet werden. Es geht dabei nicht um die physische Vernichtung, es geht um die soziale Demontage. Die soll in der Gruppe kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Und schon geht das los, was jeder kennt. Es werden Gerüchte gestreut, Unwahrheiten verbreitet etc. Dies ist der Beginn einer wahren Feindschaft. Häufig versucht der physisch Schwächere sich mit seinen Mittel zu wehren, er benutzt dazu eben nicht den offenen Kampf sondern er greift zur psychologischen Kriegsführung. Das ist im Großen wie im Kleinen, es geht um Machtausübung. Und sorgsamer, empathischer Umgang mit Macht bzw. eine der Gruppe dienende Form der Machtausübung auf Augenhöhe mit den weniger Mächtigen, das gelingt nicht einmal unter Erwachsenen. Es gibt immer irgendwelche Rivalitäten, die offen oder verdeckt ausgetragen werden.

        Es geht also nicht anders als zu versuchen, die Opfer zu schützen und die Täter zu entlarven und bloß zu stellen. Nur um sie bloß zu stellen, müsste man die gleichen Mechanismen bedienen, die dem Mobbing zugrunde liegen. Der Täter muss nämlich seinen Rückhalt in der Gruppe verlieren, die ja seine Machtbasis ist.

        • „Warum lachen wir denn über den ungeschickten, tollpatschigenClown im Zirkus bzw. über dessen Missgeschicke? Angelerntes Verhalten ist das nicht.“
          Doch, ich kenne mindestens 2 Kinder, die beim ersten Besuch im Zirkus entsetzt waren und alles gar nicht lustig fanden.
          Schadenfreude ist erlernt, Ironie auch – manche Kinder lernen das sehr früh, wenn es in den Familien üblich ist, entgegen anderer Veröffentlichungen – , der Umgang mit Humor… ebenso der Umgang mit Gewalt.

          Um so mehr denke ich, dass die Medien einen großen Einfluss haben. „Schreierei-TV“ hat seit Jahren seinen Anteil und jetzt besuchen uns die Kinder derjenigen, die diese Sendungen schon seit ihrer Jugend konsumieren konnten und das dort gezeigte für alltäglich und normal einstufen.

          • Na zwei Kinder – vermutlich die eigenen – sind jetzt keine statistisch relevante Größenordnung.

          • @dickebank
            Sie fordern eine empirische Untersuchung?
            wissenschaftlich, international, auf Vergleichsstudien basierend?

            Stecken wir das Geld lieber in die Finanzierung von Verhaltenstrainings 😉

          • Wären dei Verhaltenstrainings in der Primarstufe erfolgreicher, müsste ich mich in der SekI ja nicht mehr mit dem Phänomen herumärgern:).

  12. Fassen wir mal zusammen:
    Diejenigen, die den Schülern den Schulalltag vermiesen sind nicht die Lehrer.

    • Deshalb fordern auch nur die Eltern G9. Für „Opfa“ ist das G8 eine echte Erleichterung.

      • Meine Rede. Ich gehe sogar so weit, dass Schüler, die mit G8 nicht klar kommen, auf einem G8-Gymnasium nichts verloren haben, G9-Abitur an einer Gesamtschule tut es auch. Falls es keine Gesamtschule gibt, reicht auch ein MSA mit Quali und anschließender Wechsel an das Gymnasium. In der Sek II hat sich die pubertätsbedingte Sache mit den „Opfa“ weitestgehend erledigt.

        • Sie vergessen die gymnasiale Oberstufe des in der nächsten Kreisstadt gelegenen Berufskolleg in NRW, das ja ebenfalls die AHR vergeben kann.

          • Danke für die Ergänzung. Nach dem msa zum bk halte ich sogar für die beste Variante.

          • Vor allem weil Richtung FHR die zweite Fremdsprache entfallen kann.
            Zur AHR gelten aber die gleichen Bedingungen wie für alle anderen GOSten, einschließlich Zentralabi.

            Die Möglichkeit eine Hochschulzugangsberechtigung über einen Abschluss an einem BK zu erlangen, wird von vielen in der Bildungsdiskussion und in der schulischen Laufbahnberatung der SekI leider nur wenig beachtet.

          • Dieser Zusatz ist noch viel besser, weil gerade die zweite Fremdsprache viele Realschüler an ihre Grenzen bringt. Wer allerdings die AHR erreichen möchte, muss da durch, was mit einer gesunden Arbeitseinstellung auch gelingt.

  13. „Schuster bleib bei deinen Leisten!“ möchte man der OECD zurufen, die sich besser um das kümmern sollte, wozu sie eigentlich da ist, nämlich um wirtschaftliche Fragen.
    Stattdessen drängt sie sich immer mehr in die Rolle einer Oberinstitution für Bildungs- und Erziehungsfragen.
    Josef Kraus, der Präsident des DLV, hat absolut Recht mit seinem Artikel „Die OECD macht auf Erziehungsgouvernante und Mobbing“.

  14. Gisela Althaus

    Auch in den Niederlanden ist Mobbing (pesten) ein Problem. Rollenspiele scheinen ein probates Mittel zu sein bei Schülern, die nicht bereits abgrundtief verdorben sind. Es gibt jetzt sogar ein virtuelles Programm mit der bekannten Brille. Wer sie aufsetzt, kriegt sehr mit virtuellen mobbenden Jugendlichen im Klassenraum zu tun. Sie kom,en auf dich zu und beleidigen verbal. Das ging den Versuchskaninchen direkt unter die Haut. Da wird der Ausdruck ‚Mitfühlen‘ sehr konkret gemacht.

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