Grüne gegen Stasi-Doktortitel

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POTSDAM/BERLIN. Nach Ansicht der brandenburgischen Grünen erfüllen die an der ehemaligen Stasi-Hochschule erstellten Promotionen nicht die wissenschaftlichen und moralischen Standards. Laut Einigungsvertrag können Doktortitel aber nicht aberkannt werden.

Mehr als 400 Doktorarbeiten früherer Stasi-Funktionäre sollen nach dem Willen der brandenburgischen Grünen-Fraktion auf den Prüfstand. Die juristischen Dissertationen an der Ex-Stasi-Hochschule in Potsdam-Golm genügten «in keinster Weise» wissenschaftlichen und moralischen Ansprüchen, sagte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel. Ein Großteil sei in Teamarbeit entstanden, zudem hätten einige Arbeiten nur wenige Seiten umfasst. «Das entspricht vielleicht Abitur-Niveau, berechtigt aber nicht zum Tragen eines Doktortitels.» Im Prinzip müssten die Titel aberkannt werden, sagte Vogel.

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Gebäude der Stasi-Hochschule
Die Absolventen der Juristischen Hochschule in Golm dürfen ihren Beruf laut Einigungsvertrag im vereinten Deutschland nicht ausüben. Foto: Randie22 / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Die Stasi-Unterlagen-Behörde begrüßte den Vorstoß, verwies aber zugleich auf den Einigungsvertrag von 1990. Danach dürfen Doktortitel nicht nachträglich aberkannt werden. Absolventen der Hochschule ist im vereinigten Deutschland allerdings untersagt, einen staatlich anerkannten juristischen Beruf auszuüben. Auch der Dachverband der SED-Opfer unterstützte die Grünen-Forderung.

Die inzwischen aufgelöste Hochschule war die «Kaderschmiede» des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und dessen zentrale Bildungs- und Forschungsstätte. Promoviert wurde dort unter anderem der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski. Wie viele Ex-Stasi-Kader sich noch mit dem Doktortitel schmücken, ist unklar. (dpa)

 zum Bericht: Bundesstiftung Aufarbeitung bietet kostenloses Material zur Geschichte der deutschen Teilung an

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