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Wissenschaftler: Schulerfolg liegt vor allem in den Genen

Was passiert im Gehirn, wenn der Mensch eine Fremsprache lernt? Fot

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LONDON. Der schulische Erfolg wird überwiegend von genetischen Faktoren bestimmt. Das legt eine aktuelle Zwillingsstudie eines Forschungsteams vom Institute of Psychiatry in London nahe. Die berichtet die „Welt“. Außen vor blieb bei der Untersuchung allerdings die Frage, inwieweit vererbte Intelligenz durch äußere Faktoren beeinflusst werden kann. Zweifel an einer  generellen Übertragbarkeit des Befundes sind deshalb erlaubt.

Der Intelligenzqoutient ändert sich noch länger als angenommen. (Foto: Dieter Schütz/pixelio)

Die Londoner Wissenschaftler hatten laut Bericht mehr als 6600 Zwillingspaare im Alter von 16 Jahren in Großbritannien für die Studie im Zuge der General Certificate of Secondary Education (GCSE) getestet – einer landesweiten Prüfung, die dem Realschulabschluss in Deutschland entspricht. Besonders in den Kernfächern Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften habe sich ein statistisch bedeutsamer Zusammenhang zwischen den Genen und dem erfolgreichen Abschneiden gezeigt.

Die Forscher überprüften laut „Welt“, welche Auswirkungen die Intelligenz auf die Testergebnisse hat. Zugleich sei die genetische Komponente analysiert worden. Das Resultat: Intelligenz habe einen sehr hohen Stellenwert – und sie sei zu einem großen Teil genetisch bedingt. Intelligente Kinder hätten mit größerer Wahrscheinlichkeit schulischen Erfolg.

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Ob Ergebnisse von Zwillingsstudien sich generell auf alle Schulkinder übertragen lassen, ist jedoch umstritten. ,,Wenn man nicht nur Zwillinge aus Mittel- und Oberschichtfamilien untersucht, dann kann man sagen, dass diese Ergebnisse für unsere westliche Welt, also relativ wohlhabende Industrienationen, allgemein gültig sind”, so zitiert die „Welt“ Aljoscha Neubauer, Professor für Psychologie in Graz. Widrige Lebensumstände wie Armut, Vernachlässigung, psychische und physische Gewalt würden sich aber negativ auf die Entfaltung von Intelligenz auswirken. Sie würden in den Studien jedoch meist nicht erfasst. Das könne bedeuten, dass ein Kind mit einer Veranlagung zu einem IQ von 147 unter so schlechten Umständen gerade mal 80 Punkte schafft.

Auch in die andere Richtung – nach oben – sind offenbar Entwicklungen möglich. Wie Forscher der Birkbeck Universität in London herausfanden, ändert sich der Intelligenzquotient (IQ) sogar noch bei Jugendlichen, und zwar nach oben und nach unten um jeweils 20 Punkte. Für die Studie waren die verbalen und die nonverbalen Fähigkeiten von Jugendlichen im Alter von 13 Jahren und erneut im Alter von 17 Jahren getestet worden. Der IQ misst standardisiert die intellektuellen Kapazitäten eines Menschen, die in eine Vielzahl von kognitiven Fähigkeiten aufgeteilt sind. Der durchschnittliche IQ liegt bei 100, eine normale Verteilung bewegt sich zwischen 85 und 115.

Gründe dafür, dass sich der IQ während der Teenagerjahre verändert, hatten die Forscher nicht untersucht. Sie könnte man ebenso in Umwelteinflüssen wie in genetischen Anlagen oder in einer Kombination aus beiden Bereichen finden. Die Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichten, betonten, dass ihre Ergebnisse aufmunternd für die Personen seien, die ihr intellektuelles Potenzial steigern können. Gleichzeitig ist die Studie aber auch als Warnung für all jene zu verstehen, die sehr früh sehr weit entwickelt waren. Es sei durchaus möglich, dass sie das erreichte Niveau nicht halten könnten. Würde – übertragen auf die Zwillingsstudie – bedeuten: Wenn die Kinder ihr jeweiliges Potenzial ausschöpfen konnten, dann ist das günstigen Umständen geschuldet. Zu denen dürfte auch guter Unterricht gehören. News4teachers

Zum Kommentar: Eine Studie belegt: Das gegliederte System ist falsch

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