WALLDORF. Ist es richtig, einen geistig behinderten Jungen – der auch nach Meinung seiner Eltern keine Aussicht auf einen mittleren Schulabschluss oder ein Abitur hat – auf eine Realschule oder gar ein Gymnasium zu schicken? Der „Fall Henri“ wurde im vergangenen Jahr bundesweit zum Politikum. Selbst in der Sendung „Günther Jauch“ wurde deshalb über das Thema Inklusion diskutiert. Jetzt scheint eine Lösung gefunden worden zu sein: Das Kind mit Down-Syndrom, das derzeit die 4. Klasse wiederholt, darf nach den Sommerferien doch auf die Realschule – in eine besondere Klasse.
Im Streit um die schulische Zukunft des geistig behinderten Henri aus Walldorf in Baden-Württemberg ist eine Lösung gefunden. Der Zwölfjährige werde nach den Sommerferien auf eine örtliche Realschule wechseln, sagte seine Mutter Kirsten Ehrhardt. Dort werde er eine Klasse besuchen, in der behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Vergangenes Jahr habe die Schule es noch abgelehnt, Henri aufzunehmen. «Wir sind sehr glücklich», sagte Ehrhardt.
Der Fall des Kindes mit Down-Syndrom hatte vor einem Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Henris Eltern wollten erreichen, dass ihr Sohn nach der 4. Klasse mit seinen Freunden auf das örtliche Gymnasium oder die Realschule wechselt. Doch die Wunschschulen lehnten es ab, Henri aufzunehmen – und das Kultusministerium entschied, den Beschluss des Gymnasiums und der Realschule nicht aufzuheben. Eine erfolgreiche Inklusion sei darauf angewiesen, dass auch die Lehrer diesen Wunsch tragen. Doch in diesem Fall fehle die Bereitschaft, auch weil Unsicherheit herrsche, so hieß es zur Begründung. Die Lehrer fühlten sich nicht gut vorbereitet.
Das Thema wurde bundesweit zum Aufreger – für beide Seiten. Viele Unterstützer von Henris Eltern warfen Skeptikern Behindertenfeindlichkeit vor und dem Walldorfer Gymnasium Dünkel. Eine Petition für den Gymnasialbesuch des Jungen hatte mehr als 25.000 Unterstützer. Die Gegenpetition brachte es auf immerhin gut 3.700. Hier heißt es: «Henri sollte für sein und das Wohl aller nicht auf das Gymnasium gehen.» Viele sahen in dem Fall einen Gradmesser, wie weit die Gesellschaft in Sachen Inklusion schon ist. News4teachers / mit Material der dpa
Zum Bericht: Mit Down-Syndrom aufs Gymnasium? Der „Fall Henri“ spaltet Deutschland
