Evolutionstheorie unter Druck? Studie sieht Akzeptanz besonders unter muslimisch geprägten Lehramtstudenten schwinden

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BERLIN. Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland lehnen die Evolutionstheorie ab, fast 60 Prozent bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist.

Die Daten, die die „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) auf ihrer Website veröffentlicht hat, belegen nach Ansicht des Philosophen und Vorstandssprechers der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon eine „bildungspolitische Katastrophe“. Wer religiös so voreingenommen sei, dass er nicht einmal die „hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution“ akzeptieren könne, habe keinen universitären Abschluss verdient.

In der Debatte um das Kopftuch in der Schule argumentierten Verteidiger des Kopftuchs, es komme nicht darauf an, was eine Person auf ihrem Kopf habe, sondern was sie in ihrem Kopf habe. Nimmt man dieses Argument ernst, stimmen die Daten bedenklich, die der Biologiedidaktiker Dittmar Graf in Deutschland und in der Türkei erhob und für die „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) anhand der Religionszugehörigkeiten neu analysierte.

Denn Graf fand in seinen Studien heraus, dass nicht nur 94 Prozent der Lehramtsstudenten in der Türkei, sondern fast 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland die Evolutionstheorie ablehnten. Nur 41 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten an deutschen Universitäten stimmten der Aussage zu, die Evolutionstheorie sei eine wissenschaftlich anerkannte Theorie – konfessionsfreie Studenten waren mit dieser Aussage immerhin zu 84 Prozent einverstanden, Katholiken und Protestanten zu 80 bzw. 81 Prozent. Nur bei den freikirchlich organisierten Lehramtsstudenten war der Anteil derer, die der Evolutionstheorie eine wissenschaftliche Grundlage zubilligten, mit 44 Prozent ähnlich gering ausgeprägt.

Im Hinblick auf die Forschungsergebnisse gelangte Dittmar Graf zu folgendem Resümee: „Lehramtsstudierenden kommt in ihrer zukünftigen Tätigkeit als Lehrerinnen und Lehrer die Verantwortung zu, die nachkommende Kindergeneration mit zu erziehen und ihnen eine wissenschaftsorientierte Bildung angedeihen zu lassen. Dazu gehört auch ein angemessenes auf den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie fußendes Selbst- und Menschenbild. Dass eine solche Bildung gelingen kann, wenn Lehrkräfte selbst Probleme mit der Akzeptanz der Evolution haben, ist schwer vorstellbar.“

Für soziale Tiere wie Affen und Menschen ist die Erkennung von Artgenossen überlebenswichtig. Foto: 1447441 / pixabay (CC0 Public Domain)
Vom Affen abstammen? Kann gar nicht sein, finden viele Muslime. Foto: 1447441 / pixabay (CC0 Public Domain)

Der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon formulierte diesen Sachverhalt noch deutlich schärfer: „Wenn mehr als zwei Drittel der Muslime, die später einmal in den deutschen Schuldienst gehen sollen, zentrale Aussagen der Evolutionstheorie ablehnen, ist dies eine bildungspolitische Katastrophe, die wir nicht hinnehmen dürfen. Eine solch hohe Anzahl von Evolutionsleugnern unter Lehramtsstudenten zeigt, dass unsere Schulen hoffnungslos darin versagen, Kindern und Jugendlichen die wichtigsten Grundlagen des modernen Weltbildes zu vermitteln. Hier müssen wir entschieden gegenlenken! Deshalb fordern wir die Verantwortlichen in der Bildungspolitik, in den Schulen und Universitäten nachdrücklich dazu auf, für eine stärkere Berücksichtigung der Evolutionstheorie im Unterricht zu sorgen. Schließlich können diejenigen, die die Prozesse der Evolution nicht verstehen, keine zeitgemäßen Menschen- und Weltbilder entwickeln und unterliegen einer sehr viel größeren Gefahr, religiös-fundamentalistischen oder nationalistischen Ideologien auf den Leim zu gehen.“

Schmidt-Salomon, der sich zusammen mit Dittmar Graf in dem Projekt „Evokids – Evolution in der Grundschule“ engagiert, wiederholte in diesem Zusammenhang eine bildungspolitische Forderung, die er bereits in seinem letzten Buch „Die Grenzen der Toleranz“ formuliert hatte: „Es sollte klar sein, dass jemand, der aus religiöser Voreingenommenheit wissenschaftliche Kriterien so sehr ignoriert, dass er nicht einmal die hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution anerkennen kann, keinen universitären Abschluss verdient hat! Und schon gar nicht sollte eine solche Person auf wehrlose Kinder losgelassen werden, da jemand, der die Mindestanforderungen der Rationalität so fundamental unterschreitet, gänzlich ungeeignet ist, Heranwachsenden einen vorurteilsfreien Zugang zur Wirklichkeit zu eröffnen.“

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45 Kommentare
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Olaf
5 Jahre zuvor

Und wieder werden Muslime pauschal unter Generalverdacht gestellt. Muslime sind ja auch „total unfähig zu differenzieren und sollten wegen ihres Glaubens besser nicht studieren oder gar Lehrer werden.“
Ich denke die Schule und damit die Lehrer sollten einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen.

Wir haben vermehrt Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens an Schulen und dies sollte sich auch im Kollegium widerspiegeln. Sonst besteht die Gefahr abzudriften und als Land und Schule nicht mehr ernst genommen zu werden. Die Lehrer müssen die Schüler da wo sie stehen abholen und unterstützen.

Alles andere bestärkt nur die falschen Leute und hetzt, mal wieder, gegen Minderheiten. Diese „deutsche Überheblichkeit“ widert mich an.

Klaus-Dieter Schwettscher
5 Jahre zuvor
Antwortet  Olaf

Olaf, knapp daneben ist auch vorbei! Es geht hier darum, dass das gegenwärtige Schulsystem die Aufklärung verrät und nicht einmal wissenschaftliche Fakten so vermittelt, dass sie von den Schülern nachvollzogen werden. Wenn freikirchliche oder muslimische Lehramtsstudierende die Gültigkeit der Evolutionstheorie mehrheitlich leugnen, dann hat diese Mehrheit im Schuldienst nichts zu suchen. Aber auch die Schulpolitik muss sich ihrem akuten Versagen stellen!

Küstenfuchs
5 Jahre zuvor

Nein, olaf hat vollkommen Recht! Die Daten der Studie geben her, dass bei dem Verhältnis von christlichen, atheistischen oder freikirchlichen Lehrern folgendes gilt:
Trifft ein Schüler auf einen Lehrer, der die Evolutionstheorie ablehnt, ist dieser mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 10% Moslem.
Trifft ein Schüler auf einen Lehrer, der die Evolutionstheorie ablehnt, ist dieser mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 25% katholisch. (Der Satz gilt ebenso für evagelische und fast für nicht kirchliche Lehrer)
Man sieht hier christlich-abendländische Arroganz in Reinkultur.

U. B.
5 Jahre zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Studien sind bei uns Lesern offenbar immer wieder Auffassungssache. Diese von der Giordano-Bruno-Stiftung finde ich einfach nur schräg und weder rechtslastig noch christlich-abendländisch arrogant.

AusderPraxis
7 Monate zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

@Küstenfuchs
Bei uns sieht es so aus: Trifft ein Schüler auf einen Lehrer ist er zu weniger als 1% Moslem.
Und wir nehmen wirklich jeden, der sich bewirbt!

Pälzer
5 Jahre zuvor

Die Haltung zur Evolution ist eine Folge religiöser Überzeugungen. Die quasi-religiöse Überzeugung, es gebe keinen Gott, wie sie von der Giordano-Bruno-Stiftung sehr missionarisch vertreten wird, führt notwendigerweise dazu, dass Evolution als absolut unabdingbar angesehen wird und dass eine agnostische Haltung zur Evolution unakzeptabel erscheint.
Natürlich ist es zutreffend, dass praktisch alle Biologen die Evolution als Erklärungsgrundlage für die Phänomene im Bereich des Lebens ansehen und nutzen. Aber:
Ist es nicht übertrieben, die Zustimmung zur Evolutionstheorie als einzigen Maßstab für die Lehrbefähigung zu nehmen? Wir sehen ja auch einen Menschen, der kein Griechisch kann, nicht als unfähig zum Lehrerberuf. Oder?
Es ist zu vermuten, dass Herr Schmidt-Salomon ein enges Verständnis von „zeitgemäßen Menschen- und Weltbildern“ hat und darunter ausschließlich seine eigenen versteht.

Erich Heeder
5 Jahre zuvor
Antwortet  Pälzer

Es ist doch durch Knochenfunde belegt wurden, das die Wiege der Menschheit in Afrika liegt; was gibt es da noch zu diskutieren ?? Und Gott hat auch noch keiner gesehen oder getroffen, wenn es einen gaäbe, würde er uns den Hintern versolen, soo wie wir mit dieser Erde umgehen, geschweige wie wir mit uns umgehen !! Es ist durch DNA Untersuchungen belegt wurden, das wir alle mit einander verwand sind.

Sonst noch Fragen ???

E. Heeder Autor – Dichter – Stadtteilkünstler / Hamburg

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  Erich Heeder

Die Knochenfunde sagen, dass es Lebewesen gab, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Skelette hatten. Oft kann man daraus – z.B. durch Zusatzannahmen und Interpretationen, die natürlich einer ständigen Überprüfung durch die weitere Forschung unterliegen, Schlüsse auf den sonstigen Organismus ziehen. Aber es ist eine punktuelle Beobachtung. Die „Entwicklung“ ergibt sich in der Interpretation der Forscher, und sie ist durchaus nicht so einheitlich und eindeutig, wie es nachher in den Biobüchern steht.
DNA-Untersuchungen ergeben übrigens beachtliche Übereinstimmungen zwischen Menschen und Regenwürmern 😉 Was schließen Sie daraus?

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  Erich Heeder

„Gott hat auch noch keiner gesehen oder getroffen,“ – das muss man relativieren. Nina Hagen hat ihn z.B. getroffen.

GriasDi
5 Jahre zuvor

Ich lehne das Gravitationsgesetz ab 🙂

Erich Heeder
5 Jahre zuvor
Antwortet  GriasDi

Gute Antwort !!

Gerald
5 Jahre zuvor
Antwortet  GriasDi

Und ich lehne Herrn Schmidt-Salomons atheistischen Fundamentalismus ab. Die Giordano-Bruno-Stiftung hat mit ihrem Eifer gegen alles Religiöse selbst etwas Religiöses, und dies im hässlichen Sinn von Diffamierung bis Ausgrenzung aller, die nicht ihren gepredigten Atheismus anbeten.
Wie verfährt wohl Herr Schmidt-Salomon mit Evolutionswissenschaftlern, die sich keineswegs veranlasst fühlen, auf Grund ihret naturwissenschaftlichen Erkenntnisse unreligiös zu werden? Die gibt es nämlich und sie sehen zwischen der Evolutionstheorie und ihrem religiösen Glauben keinen Widerspruch, sondern eine gegenseitige Ergänzung. Würde er die am liebsten n die Wüste schicken?
Es lohnt sich, über die Giordano-Bruno-Stiftung ein wenig zu recherchieren.

dickebank
5 Jahre zuvor
Antwortet  Gerald

Gott ist tot.

Die Amtskirchen haben ihn zu Tode verwaltet! – Also selber schuld.

F. H.
5 Jahre zuvor
Antwortet  dickebank

Da ist was dran. Die Amtskirchen (besonders die evangelische) sind auf dem besten Weg, die Menschen in die Gottesferne zu treiben und Interessen wie denen der Giordano-Bruno-Stiftung in die Hände zu spielen.
Ich nehme von den Kirchen nur noch Moralappelle und politisch korrekte Statements wahr und frage mich seit Jahren, was noch ihr Eigenmerkmal ist, das die Menschen an weiteren massenhaften Kirchenaustritten hindern könnte. Kirche als weitere Moralanstalt mit der angeklatschten Berufung auf Gott ist zu wenig und außerdem lästig. Da genügen die Gebetsmühlen unserer Parteien oder einer Giordano-Bruno-Stiftung mit ihrer Beschwörung von Humanität, Nächstenliebe und Menschenrechten ohne jedweden Gott.
Für mich ist nicht Gott tot, aber die Oberhäupter der christlichen Kirchen tun alles, damit die Menschen immer weniger mit ihm anfangen können und vernünftiger Weise ans Einsparen ihrer Kirchensteuern denken.

Lena
5 Jahre zuvor
Antwortet  F. H.

Zitat: “Deutschland ist das Land, dessen Bischöfe manchmal das Kreuz ablegen und in Predigten staatsnah politisieren. Was in vielen Ländern der Erde selbstverständlich ist, taugt hier zum Skandal: ein bekennendes Christentum. Die erste Wurzel des Desinteresses liegt in der religiösen Vergesslichkeit des Westens. Wir nehmen unser Herkommen nur ironisch.”

http://www.focus.de/politik/deutschland/kisslers-konter/kisslers-konter-darum-ist-so-vielen-deutschen-egal-dass-christen-im-nahen-osten-drangsaliert-werden_id_6364647.html

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  dickebank

Die Amtskirchen – kath. wie ev. – haben keinerlei Widerspruch zur Evolutionstheorie. Insofern ist dies kein Beitrag zur Diskussion.

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  GriasDi

Sie können beim Innenministerium eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Aber die Gravitation hat auch Vorteile, das will gut überlegt sein!

NYP aus MA
7 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Lehnen Sie denn „nur“ das „Gravitationsgesetz“ oder die Gravitation an sich ab? Und wie wie geht dieses Gesetz mit Ihrer Ablehnung um? Und vor allem: „glaubt die Gravitation noch an Sie oder schweben Sie schon im freien Raum“
Frage nur aus Spaß am Interesse bzw aus Interesse am Spaß!

arnulf hopf
5 Jahre zuvor

Die o. g. „Untersuchung“ und ihre öffentliche Darstellung sind leider zurecht als unrepräsentativ und nicht signifikant kritisiert worden. Eine weitere Diskussion der „Beobachtungen“(!) und Behauptungen(!) darf auf DIESER Basis hier nicht erfolgen.
Genauere Ergebnisse zur u.a. nur sehr kleinen und zufälligen Stichprobe und die darauf beruhenden -unzulässigen-Aussagen des Autors bzw. der GBS sind an anderer Stelle nachzulesen.

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor

Da gibt es nur eine Antwort drauf. Die Anforderungen für Biologie in den Gymnasien müssen deutlich angehoben werden. Religion ist eine Privatsache.
In Europa hat es von der Reformation ,1517, bis ins 19. Jahrhundert gedauert, bis sich die Wissenschaft von ihrer religiösen Umklammerung lösen konnte.
Der nächste Schritt nach der Reformation war die Aufklärung( Maria Theresia, Friedrich der Große) und schließlich die französische Revolution.
Ohne die Trennung wäre unsere wissenschaftliche Entwicklung nicht möglich gewesen.
Belassen wir sie in ihren Fehldeutungen ?
Es gibt doch Lernstandarts , auch für diese Gruppen sind diese bindend.

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  Axel von Lintig

Leider sind wir in RP gerade dabei, die Anforderungen in Biologie deutlich zu senken. Evolution wird gleich am Anfang im 2. Themenfeld unterrichtet, aber ansonsten wird kein einziges Tier und keine einzige Pflanze umfassend besprochen. Ist es das, was Sie sich wünschen?
Ich möchte darauf hinweisen, dass sehr viele bedeutende Wissenschaftler, auch nach der Aufklärung, sich bewusst als Christen verstanden (leider weiß ich nur bei den Physikern gut Bescheid: z.B. Newton, Kepler, Descartes, Faraday, Maxwell). Ihrer Wissenschaftstätigkeit hat das nicht geschadet. Entscheidend ist die Fähigkeit zum kritischen Denken, also die eigene Meinung und das wissenschaftlich Bewiesene trennen zu können. Herr Schmidt-Salomon gibt mit seiner Argumentation ein Beispiel für einen, der das nicht kann.

arnulf hopf
5 Jahre zuvor

Grundsätzlich stimme ich zu. Ungeklärt bleibt für mich allerdings die implizierte Forderung „diese Gruppen“ (!?) hätten den gleichen sozial-historischen Weg zu gehen, wie „wir“ (!?) es taten.

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor
Antwortet  arnulf hopf

Bei uns hat es so lange gedauert bis eine Trennung eintrat.Das war nur eine Feststellung.Denen kann man schließlich auch mehr Zeit dafür einräumen.

ysnp
5 Jahre zuvor

Ja, mich würde interessieren, von welcher Größenordnung wir da sprechen. 10, 100, 1000 ?
Wie viele muslimische Lehramtsstudenten gibt es überhaupt in Deutschland? In meinem Umkreis ist mir noch kein/e muslimische Lehrer/in begegnet, außer dem Türkisch- und Islamlehrer. Doch die meint man ja offensichtlich nicht.

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor
Antwortet  ysnp

Einer meiner arabischen Kollegen stellt seine Religion an oberster Stelle. Nach ihr,der sunnitischen Ausrichtung l lebt er. und er achtet uns als Menschen über seine Religion. Er hält sehr streng seine Gebetszeiten ein und richtet seine Ernährung vollständig nach dem Islam. Nie würde er einen von uns schlecht behandeln oder übel über einen von uns reden.Seine Frau ist komplett verschleiert und das ist von ihr gewollt.
An zweiter Stelle folgt die Familie mit seinen Kindern und danach folgt sein Beruf.
Auch er kann Beruf und Religion trennen.

Küstenfuchs
5 Jahre zuvor

Liebe Redaktion,
sie hätten möglicherweise gut daran getan, diesen Artikel und die Studie hier nicht zu veröffentlichen, hat sie doch in meinen Augen stark rechtslastige Tendenzen. Ich möchte diese These mit Zahlen (ja, ich bin Mathematiklehrer) unterstreichen:

Kritikpunkt 1
Laut den Zahlen der Studie (siehe Link im Artikel) wurden 1045 Lehramtsstudenten befragt. Davon waren 938 christlich oder atheistisch. Und (nur!) 80% stimmten der Evolutionstheorie zu, also 20% nicht. Diese 20% machen 188 Lehramsstudenten aus. Vermutlich gemäß ihrem Anteil wurden 39!! Moslems gefragt. Wenn 70% die Theorie ablehnen, sind dies 27 Lehramtsstudenten. Trifft also ein Schüler später auf einen Evolutionstheoriekritiker, kommt dieser zu über 85% aus dem christlich-atheistischen Lager (die meist stark konservativen Freikirchen noch nicht einmal eingerechnet!)

Kritikpunkt 2
Eine Zahl von nur 39 befragten muslimischen Lehramtsstudenten an wenigen Studienorten wirft die Frage auf, in wie weit diese Auswahl wirklich repräsentativ ist. Kommen möglicherweise 15 davon aus einer streng konservativen und mögloicherweise redikalen Gemeinde? Stimmt der sonst übliche Anteil an Männern und Frauen oder ist er hier zufällig anders? Beeinflussen sich die Befragten untereinander? (mathematisch: Sind die Ereignisse stochastisch unabhängig?)
Aus den Daten würde ich bestenfalls die Schlussfolgerung ziehen: Unter muslimischen Lehramtssudenten ist die Evolutionstheorie weniger akzeptiert als unter christlichen.
Eine genauere Angabe – insbesondere zum Umfang – lassen die Daten nicht zu.

Kritikpunkt 3:
Nicht jeder Lehramtsstudent steht später als Lehrer dauerhaft vor einer Klasse. Möglicherweise ist die Durchfallquote bei späteren Prüfungen bei Evolutionstheoriekritikern höher als bei Beführwortern. Dies würde ich zumindest plausibel finden.

Fazit: Die Studie ist mit so großen Mängeln gehaftet, dass ich der Auffassung bin, hier wurde mit möglichst spektakulären Ergebnissen die Öffentlichkeit gesucht. Dabei schingert die Interpretation dier Studie in die rechtsradikale Ecke. Inhaltlich ist die Studie im Grunde kaum aussagekräftig.

axel von Lintig
5 Jahre zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Studie ist schon aufgrund der kleinen Fallzahl nicht valide. Es kann genauso ein Zufallsbefund sein.

Biene
5 Jahre zuvor

Hat die Studie sich denn auch mal mit dem wissenschaftlichen Menschenbild befasst? Wenn ich den Menschen knallhart als Wesen nach dem Ursache und Wirkungsprinzip verstehe, kann ich dann sagen: jeder Mensch ab einem bestimmten Alter sollte aussortiert werden, weil er den Staat belastet?
Das kann es doch nicht sein!!!!! Sorry, diese Studie ist Mist.

Die befragten Studenten haben ein religöses Menschenbild, welches sich aus der Erziehung und dem Religionsunterricht der Allgemeinbildenden Schule ergibt. Dieses Menschenbild haben übrigens auch Atheisten und andere. Schließlich gibt es eine nicht geringe Anzahl von Berufen in denen ein religiöses Menschenbild erwünscht ist.

Mich würde der Fragebogen zu dieser seltsamen Studie interessieren. Denn je nach dem wie die Fragen gestellt worden sind, kann ich das Ergebnis auch beeinflussen. Die Macher dieser Studie haben einen sehr einseitigen Blick auf das Menschenbild, zu dem lassen sie die religiösen Menschenbilder nicht zu, obwohl gerade auf diesen Menschenbildern unsere Gesellschaft aufgebaut ist.
Ein weiterer Punkt ist: Ich kann als Religionslehrer und religiösgeprägter Lehrer durch aus auch die Evolutionstheorie als wissenschaftlich-valide akzeptieren ohne mein Menschenbild ändern zu müssen. Denn wenn ich es ändere, kann es durch aus passieren, dass ich der zugespitzten Aussage vom Anfang zustimme. Was bedeuten würde, dass unsere Gesellschaft in lebenswichtige und nicht staatsbelastende Personen und in unlebenswichtige und staatsbelastende Personen unterteilt wird. Wo wir dann landen, hat uns die Geschichte vor einiger Zeit mal gezeigt.

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor

Ich habe meine arabischen Kollegen gefragt. Die haben mir versichert, dass der Islam und die Naturwissenschaften in der arabischen Welt schon immer getrennt waren. Derartige wissenschaftliche Einschränungen durch die Kirche, wie Galileo Gallilei oder Leonardo da Vinci sie erfahren hat gibt es und gab es in der arabischen Welt nicht. Die Evolutiontheorie steht nicht im Widerspruch zum Islam.
Der Kollege ist hier in der arabischen Gemeinde das höchste geistliche Mitglied.
Im Koran sind die wissenschaftliche Erkenntnisse der damaligen Zeit beschrieben.Insbesondere wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse der antiken Welt bewahrt, so dass diese sich unserer Welt in der Renaissance wieder erschlossen. Er sagte mir auch, dass Obduktionen bei dem Verdacht auf Fremdverschulden erlaubt waren und durchgeführt wurden.
Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Islam und der Evolutionstheorie. Der Islam regelt das Verhalten der Moslems untereinander.
Was sollte diese Erhebung eigentlich bezwecken. Sie bedient Vorurteile in unserer Gesellschaft, ist vom Umfang zu klein , um valide Ergebnisse zu liefern und deshalb auch nicht repräsentativ.

Biene
5 Jahre zuvor
Antwortet  Axel von Lintig

Ich kann Ihnen nur zustimmen.
Hinzu kommt, dass lange Zeit an den Höfen der muslimischen Herrscher Juden, Christen und Muslime in wissenschaftlicher Arbeit beschäftigt waren und so friedlich und disskusionsfreudig miteinander zu arbeiten hatten.
„Die Feder des Gelehrten ist mehr wert als das Blut der Märtyrer!“ Dieser Satz stammt vom großen Propheten, was er aussagt ist wohl klar.

jeza
5 Jahre zuvor

Es lässt in mir grossen Ärger aufkommen, dass Schmidt-Salomon die Evolutionslehre als „hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution“ darstellt, ohne dafür wissenschaftliche Beweise vorzulegen, die über den Status der Annahme und Schlußfolgerung hinausgehen. Es gibt genug Abhandlungen von Evolutionisten, die sehr viele Behauptungen aufstellen, die wissenschaftlichen Beweise aber schuldig bleiben.
(http://www.dreilindenfilm.de/reaktionen/rez_gieffers.pdf)
Hier wird ein Hass auf „Evolutionsungläubige“ seitens Schmidt-Salomon geschürt, der die Grenze der Diskriminierung und Ausgrenzung bereits überschreitet. Es gibt auch eine andere Sicht auf die Dinge, die zumindest einen gleichen Status wie die Evolutionslehre für sich verbuchen düfen sollte.
(https://www.was-darwin-nicht-wusste.de/)

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor
Antwortet  jeza

Es gibt genug wissenschaftliche Beweise für die Evolutionstheorie. Die werde ich hier nicht auflisten.

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  Axel von Lintig

Bei einer Theorie geht es weniger um „Wahrheit“, die Beweise fordern würde, als um den Erklärungswert für die entsprechende Wissenschaft, z.B. warum Tiere bestimmte Organe haben oder nicht. Ob sich das Tier „in Wahrheit“ so entwickelt hat, ist für den Erklärungwert der Theorie nicht entscheidend. Anders als bei experimentellen Wissenschaften kann man die Entwicklung ja nicht im Labor beobachten.

xxx
5 Jahre zuvor
Antwortet  Pälzer

Stimmt. Eine gute Theorie lässt sich zwar nicht verifizieren, aber immerhin liefert sie Kriterien, nach denen man sie falsifizieren kann. Die Evolutionstheorie bietet diese Kriterien und bislang hat sie sich jedem Falsifizierungsversuch erfolgreich widersetzt.

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor
Antwortet  xxx

Hier befindet sich eine Auflistung der wiisenschaftlichen Untermauerung der Evolutionsteorie.

Axel von Lintig
5 Jahre zuvor

-Mutationen sind bewiesen
– dieSelektion von vorteilhaften Mutationen ist nachgewiesen
-Genisolation u.a. durch die Kontinentaldrift
-der Nachweis von Fossilien
-der Nachweis lebender Fossilien
-das Alter der gefundenen Fossilien ist mit der Radiokarbonmethode gut eingrenzbar
-die erdgeschichtlichen Gesteinsablagerungen stellen die zeitliche Aufenanderfolge dar
-DNA-Analyse
-Antigenpräzipation
Endosymbiontheorie die Mitochondrien(Kraftwerke der Zelle, eigene Chromosomen) und Plastiden
-Atavismus,rudimentäre Organe, welche sich im Laufe der Evolutionwieder zurückgebildet haben
-Konvergenz durch Selektion bei verschiedenen Arten

xxx
5 Jahre zuvor
Antwortet  Axel von Lintig

Danke für die Auflistung. Zu bedenken ist nach wie vor, dass all diese Punkte die Evolutionstheorie nur bestätigen, keinesfalls ihre Gültigkeit beweisen.

Übrigens kann man die Aussage 1+2=2+1 (=3) auch nicht beweisen, sie ist nur eine Tatsäche, die sich gut mit den Alltagserfahrungen deckt. Die echten Mathematiker könnten sich mal Gedanken darüber machen, was alles an wahren Aussagen übrig bleibt, wenn man auf die Kommutativität der reellen Addition verzichtet.

Pälzer
5 Jahre zuvor
Antwortet  xxx

genau genommen ist Ihr Rechenbeispiel keineswegs eine „Tatsäche, die sich gut mit den Alltagserfahrungen deckt.“ – das ist eine Argumentation, die für Naturwissenschaften passt und nicht für Mathematik – sondern ergibt sich aus den Peano-Axiomen und einigen anderen Axiomen. Aber den Verweis auf nichtbewiesene Voraussetzungen finde ich passend. Beispielsweise wurde oben die Radio-Carbon-Methode genannt. Sie setzt voraus, dass man die Rate der C14-Erzeugung in der Atmosphäre im fraglichen Zeitraum kennt. Und sie ist laut https://de.wikipedia.org/wiki/Radiokarbonmethode bis zu 60000 Jahren anwendbar, also nur wenig für die Zeiträume, über die wir bei der Evolutionstheorie reden – das sind meist eher Millionen Jahre. Da ist das C14 schon weg.

xxx
5 Jahre zuvor
Antwortet  Pälzer

Die Mathematiker haben die Alltagserfahrung 1+2=2+1 nur in Peano-Axiome zementiert. So lange die ihre Gültigkeit behalten, ist auch das Gebäude der Mathematik überaus stabil. Die Alltagserfahrung macht glücklicherweise die Wahrscheinlichkeit des Zusammenbrechens sehr gering.

An Stelle der C14-Methode gibt es ja glücklicherweise noch die Uran-Blei-Methode, mit der man schon das Alter der Erde abschätzen kann. Andere radioaktive Methoden gibt es auch noch, die mir aber spontan nicht einfallen und ich zu faul bin, um zu suchen.

GriasDi
5 Jahre zuvor
Antwortet  xxx

Doch das kann bewiesen werden. Wenn Sie aber auf unbeweisbare Annahmen, die Axiome hinauswollen, dann bilden die Peano-Axiome die Grundlage für die natürlichen Zahlen.

GriasDi
5 Jahre zuvor
Antwortet  GriasDi

Sorry Pälzer, ich hätte mir meinen Kommentar sparen können.

Vincent
7 Monate zuvor

Meiner Meinung nach, sollten Lehrer Ahnung von dem Fach haben, dass sie unterrichten. Es ist egal wie gut ein Mathelehrer Chinesisch kann, jedoch sollte er wissen, dass 1 + 1 = 2 ist und es auch glauben.
Egal ob Christ, Moslem oder was auch immer, wenn du wegen deiner Religion nicht an die Evolutionstheorie glauben kannst, dann solltest du kein Biologielehrer werden.
Lehrer sollten das Fach studieren und unterrichten, dass sie verstehen und nicht eins, das gegen ihr Weltbild spricht. Die Kultur und Religion meines Deutschlehrers wäre mir egal, solange er gut Deutsch kann und nicht ständig sagt, dass Deutsch eine dumme Sprache ist.
Ein Beispiel für einen Lehrer, der auch nur in seinem Gebiet gut ist, ist meine ehemalige Deutsch- und Französischlehrerin. Diese beiden Sprachen hatte sie studiert und konnte sie perfekt, ihre Englischkenntnisse waren hingegen nicht so gut.

Ich hab den Text so verstanden, dass er beschreibt, dass Muslime keine guten Lehrer für die Evolutionstheorie und ähnliche Themen sind. Ob sie da durch auch schlechte Lehren für alle anderen Schulfächer wären, wird nicht direkt gesagt und ist wahrscheinlich auch nicht so gemeint. Der Text ist einfach nur etwas zu ungenau formuliert.

dickebank
7 Monate zuvor

Was nützt es denn, wenn der Mathelehrer weiß, dass 1 + 1 = 2 ist. Bei der Leistungsbewertung muss er doch ohnehin schon alle Ergebnisse zwischen 1 und 3 als richtig anerkennen – bei Inkludis mit Förderbedarf L muss positiv herausgestellt werden, wenn sie ein einstelliges Ergebnis – also zwischen 1 und 9 – ermitteln. Sollte ein Schüler den Wert 2 gewusst oder erraten haben, kann man ja immerhin einen Zusatzpunkt vergeben, schließlich soll ja keiner diskriminiert werden.

A.H.
7 Monate zuvor

Ohne Worte!