2018 zurück zur Begabtenförderung – Tullner will Erkennung und Unterstützung von Talenten neu ausrichten

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MAGDEBURG. Aus Gründen der Haushaltskonsolidierung hatte Sachsen-Anhalts Landesregierung mit den sogenannten Korrespondenzzirkeln Anfang 2017 ein 25 Jahre altes Förderinstrument zur Förderung leistungsstarker Schüler zu Grabe getragen. Das hatte Bildungsminister Marco Tullner gerade einmal 12.000 Euro und einige Kritik eingetragen. Bis zur für 2018 angekündigten Neuausrichtung der Talentförderung im Land soll nun eine Bund-Länder-Initiative die Lücke schließen.

Für die Einstellung der Korrespondenzzirkel für begabte Schüler musste Bildungsminister Marco Tullner viel Kritik einstecken, jetzt will er die Förderung auf neue und breitere Füße stellen: «Wir wenden zu Recht viel Energie auf die Förderung von Schülern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf auf», sagte der CDU-Politiker. «Wir dürfen dabei aber die Schülerinnen und Schüler am anderen Ende nicht vernachlässigen.»

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Zwei Schüler vor einem Poster
Die Begabtenförderung in Sachsen-Anhalt soll künftig mehr Gewicht auf die Talenterkennung legen. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Einen besonderen Fokus wolle er auf das Erkennen von Potenzialen legen. «Man kann begabte Schülerinnen und Schüler nur fördern, wenn man sie erkennt.» Zudem sollen auch Schulen, die sich nicht schwerpunktmäßig um leistungsstarke Kinder und Jugendliche kümmern, Rüstzeug an die Hand bekommen, um Begabungen gezielter und besser zu fördern. Wie die neuen Angebote und Konzepte aussehen sollen, will Tullner im ersten Halbjahr 2018 vorstellen. Derzeit arbeite sein Ministerium an der entsprechenden Neuausrichtung.

Dabei war es aus Sicht von Kritikern zuletzt das Bildungsministerium, dass die Förderung besonders cleverer Schüler aus dem Blick verlor. 25 Jahre lang hatte das Land bundesweit einmalig im Zuge sogenannter Korrespondenzzirkel Zusatzaufgaben für Mathe, Bio, Chemie oder Latein an Schüler geschickt.

Dieses Jahr strich das Ressort die Mittel von jährlich etwas mehr als 12 000 Euro. Offizielle Begründung: Ein Ende des «personell kostenintensiven Angebots» wurde von immer weniger Schülern genutzt und sollte bei der Haushaltskonsolidierung helfen, wie es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Landtagsfraktion hieß. Der Linken-Bildungsexperte Thomas Lippmann sprach von einem «Armutszeugnis für die Landesregierung», die «ein etabliertes und seit Jahren bewährtes System der Begabtenförderung wegen einer lächerlich geringen Summe» einstellte.

Das Programm will Tullner nicht wiederbeleben. Stattdessen startet schon vor der Neuausrichtung ein weiteres Angebot: Am 1. Januar läuft eine Bund-Länder-Initiative an, die in den kommenden zehn Jahren jährlich mindestens 280 000 Euro für die Begabtenförderung an Schulen verteilt, wie das Ministerium mitteilte.

Beteiligt sind vier Grundschulen in Halle, Halberstadt, Wernigerode und Haldensleben; die weiterführenden Schulen in Halle, Staßfurt und Droyßig sowie die Landesschule Pforta. Sie sollen künftig mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammenarbeiten, um Begabungen zu erkennen und individuell zu fördern. Ein explizites Augenmerk solle auf Schülern mit Migrationshintergrund oder Kindern aus weniger bildungsnahen Elternhäusern liegen, so das Ministerium. (dpa)

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