Personalmangel an Schulen macht sich sogar beim Absatz der Milch bemerkbar

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POTSDAM. Die Verteilung von Milch und Obst in den Schulen soll bei jungen Menschen auch ein Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen. Doch die gute Absicht lässt sich in der Praxis immer schwerer umsetzen – auch der Personalmangel macht sich bemerkbar.

Wo sind denn hier bitte die Lehrer? Foto: Keven Law / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Wo sind denn hier bitte die Lehrer? Foto: Keven Law / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Drei Jahre nach dem Start ist die Teilnahme am EU-Schulmilchprogramm in Brandenburg deutlich zurückgegangen. Im laufenden Schuljahr gibt es nach bislang nicht veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurordnung nur noch an 204 Schulen und 337 Kindertagesstätten kostenlose Milch. Im vorangegangenen Schuljahr 2016/2017 waren es noch 216 Schulen und 386 Kitas, ein Jahr zuvor sogar noch 228 Schulen und 409 Kitas. Auch das Schulobstprogramm erfüllte nicht die Erwartungen.

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Die Ursachen des abnehmenden Milchkonsums sind vielschichtig. Ein Händler, der in mehrere Bundesländer liefert, nannte als Hauptgrund die Personalknappheit an Schulen und Kitas. «Was Sekretärinnen und Hausmeister früher gemacht haben, macht heute keiner mehr.» Sekretärinnen arbeiteten nur noch halbtags, Hausmeister seien «outgesourced». Und die Lehrer seien überfordert. Auch sei die EU-Beihilferegelung zu bürokratisch. Zudem sinke die Verdienstspanne der Lieferanten seit Jahren. Er befürchte, dass die Teilnahme an dem Programm weiter zurückgehen werde.

Der zuständige Referent im Brandenburger Landwirtschaftsministerium, Axel Gaertner, sieht auch in veränderten Ernährungsgewohnheiten eine der Ursachen. «Wir können den Schülern nicht vorschreiben, was sie trinken sollen», sagt er. Er wolle aber nicht ausschließen, dass es auch Schulen gibt, die den Lehrern den zusätzlichen Arbeitsaufwand ersparen wollten.

Beim EU-Schulmilchprogramm schließen Schulen oder Kitas mit Molkereien oder Händlern Verträge. Die in die Einrichtungen gelieferten Milchpäckchen werden dort in eigener Regie verteilt. Den Vorgaben der EU zufolge soll das laufende Programm nach Abschluss überprüft werden. Laut Agrarministerium könnten sich daraus Änderungen für die künftige Milchverkostung ergeben. Für das Schuljahr 2017/2018 kann Brandenburg EU-Beihilfen im Umfang von knapp 360 000 Euro ausgeben.

Trinkmilch und laktosefreie Milch wird Gaertner zufolge mit zehn Cent je 0,25-Liter-Päckchen gefördert, bei der gleichen Menge Kakao beträgt der Zuschuss 4 Cent. Flankierend unterstützt das Land Initiativen an den Schulen für gesunde Ernährung, wie die Verteilung von Broschüren des Bundeszentrums für Ernährung oder Vorträge von Landfrauen in Schulklassen.

Auch das Brandenburger Schulobstprogramm, das in diesem Jahr erstmals aufgelegt worden war, brachte nicht den erhofften Erfolg. Eingerichtet war es für 200 Grund- und Förderschulen, die kostenlos Äpfel aus märkischer Erzeugung bekommen sollten. Im Landeshaushalt waren dafür 100 000 Euro vorgesehen. Bis zu 500 Euro konnte jede Schule dafür ausgeben. Von 125 Schulen, die sich bewarben, waren nur 88 erfolgreich. Das am 1. September dieses Jahres gestartete Programm endete bereits am 20. Oktober. Dadurch erhielten rund 19 000 Schüler Gratisäpfel.

Teilnahmebedingung war auch, dass die Schulen das Programm im Rahmen des Fachunterrichts pädagogisch begleiten. Dazu gehörten die Vermittlung von Wissen über gesunde Ernährung, Essgewohnheiten, nachhaltige Landwirtschaft, integrierten Landbau und der Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Einige Schulen hatten die Bewerbung zurückgezogen, etwa weil sie die Ausgaben für den Obstkauf nicht vorfinanzieren konnten. Andere legten keine überprüfbaren Rechnungen vor, wie Gaertner sagte. Zudem sei die Vorlaufzeit dieses Landesprogramms sehr kurz gewesen. Gaertner rechnet damit, dass sich die guten Erfahrungen herumsprechen und sich im kommenden Jahr mehr Schulen an dem Programm beteiligen. Auch werde geprüft, ob 2018 neben Äpfeln auch anderes Obst an die Schüler kostenlos verteilt werden könne. (Manfred Rey, dpa)

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4 KOMMENTARE

  1. Das Schulobst-Programm gibt es in anderen Bundesländern auch. Es scheitert schlicht an einer Küche oder einem anderen Platz, an dem das Obst geschnitten und portioniert werden kann, und an Personal, das dieses tut … auch eine der Aufgaben, die Grundschullehrkräften zusätzlich aufgebürdet wird – sei es die Organisation oder die Tätigkeit selbst.

  2. 500€ entsprechen maximal 250kg Äpfel oder (wenn sie klein sind) maximal 1200 Äpfel, was 4,5 Äpfel pro Schule und Schultag entspricht. Mit anderen Worten würde man mit viel Glück einen Apfel pro Schulwoche und Klasse hinbekommen. Ehrlich geschrieben kann man sich das Programm so auch sparen. Es gibt ja das Sprichwort “An apple a day keeps the doctor away”.

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