So setzt man Grenzen! Lehrer trainieren Eltern – und holen sich so Unterstützung, um das Schülerverhalten zu verbessern

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VERL. Der Erziehungsauftrag der Grundschulen hat an Bedeutung gewonnen. Lehrerinnen und Lehrer beklagen sich über Kinder, die keine Grenzen kennen, und deren Eltern anscheinend erwarten, dass Schule sie ihnen vermittelt. Lehren und lernen? Ist unter diesen Bedingungen nicht einfach. Eine Lösung verspricht das Projekt „Gemeinsam Erziehen in Elternhaus und Grundschule“.

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Elterntrainings vermitteln unter anderem, wie Schule heutzutage funktioniert. © Kzenon – Fotolia.com

Im Mittelpunkt der Initiative „Gemeinsam Erziehen in Elternhaus und Grundschule“ (GEEG) steht die Fortbildung für Lehrkräfte zu Elterntrainerinnern und -trainern. Das auch noch? – dürfte sich so mancher Pädagoge nun fragen. Müssen Lehrkräfte nicht schon genug leisten? Vermutlich schon – und trotzdem lohnt sich die Schulung, sagt Nicola Wollweber, Schulleiterin der Grundschule Am Bühlbusch in Verl. 2012 hat sie sich zur Elterntrainerin weiterbilden lassen und ist damals wie heute vom Projekt überzeugt. „In der Fortbildung wusste ich sofort: Das ist genau mein Thema.“ Sie war so begeistert, dass sie auch gleich die frei werdende Position einer Moderatorin übernahm.

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Als solche agiert sie zusätzlich als Bindeglied zwischen den Schulen und der Reinhard Mohn Stiftung, die das Projekt seit 2011 im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld finanziert. Daneben beteiligen sich am Programm die Bohnenkamp-Stiftung, die Stiftung help and hope und die Westfalen Initiative, die es unter anderem auch in die Städte Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Recklinghausen und Osnabrück getragen haben.

Individuelle Umsetzung möglich
„Es geht darum, Lehrer stark zu machen, um Eltern zu schulen“, beschreibt Nicola Wollweber das Konzept. Während der fünftägigen Fortbildung setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem autoritativen Erziehungskonzept auseinander, um anschließend pädagogische Elternarbeit leisten zu können. Einige der wichtigsten Bestandteile: aktives Zuhören, wertschätzende Kommunikation, Lob, Ermutigung – aber auch logische Konsequenzen. „Die Schulen setzen das Gelernte unterschiedlich um: Einige veranstalten Elternabende, andere bieten Elternberatungen an oder nutzen es in bereits bestehenden Elterncafés“, sagt Wollweber.

Bei den Treffen zeigten Mütter und Väter immer wieder besonderes Interesse an den gleichen Themen, so die Erfahrung der Grundschulleiterin: „Der Reihe nach sind das: Grenzen, Regeln, Konsequenzen und Hausaufgaben.“ Die Elterntrainerinnen und -trainer gehen darauf ein, vermitteln beispielsweise, wie Eltern ihr Kind richtig loben und ermutigen, aber auch wie sie Grenzen setzen und durchsetzen können, ohne die Stimme zu erheben oder gar Gewalt anzuwenden. „Eltern haben ein Bild von ihrer eigenen Schulzeit und wissen oft nicht genau, wie Schule und Unterricht heute funktionieren“, sagt Wollweber. „Das ist aber auch nicht schlimm, sondern ganz normal. Sie lernen es ja nicht wie wir. Deshalb versuchen wir, ihnen die pädagogischen Inhalte transparent zu machen – zum Beispiel wie Kinder lernen, dass sie mehrkanalig lernen –, damit sie sie unterstützen können.“ So bräuchten Schülerinnen und Schüler zu Anfang der Schulzeit konkrete Gegenstände, um Rechenoptionen durchzuführen, da ihnen noch das Abstraktionsvermögen fehle, über das Erwachsene bereits verfügen.

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Eine solch enge Zusammenarbeit bedarf allerdings einer Voraussetzung, so Wollweber: Eltern müssen Schule als vertrauensvollen Partner erleben und wahrnehmen. In der Grundschule Am Bühlbusch hat das Lehrkollegium die Erfahrung gemacht, dass das am besten funktioniert, wenn sie den Kontakt zu den Eltern schon vor der Einschulung suchen. Deshalb lädt das Kollegium die Erziehungsberechtigten im Vorfeld an drei Abenden in die Schule ein. Die Eltern erhalten somit die Möglichkeit, sich untereinander kennenzulernen, aber auch die Schule samt Lehrpersonal, Schulleitung und Erziehungskonzept. „Dadurch bauen wir Unsicherheiten ab. Die Eltern sind bei der Einschulung entspannter und begegnen uns vertrauensvoller“, sagt Nicola Wollweber.

Für beide Seiten sei es anschließend leichter, auch bei Problemen ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus hält das Verler Grundschulkollegium die gesamte Schulzeit über mit weiteren Terminen für Elterncafés und Elternabenden den Kontakt zu den Müttern und Vätern aufrecht. „Dadurch lernen die Kinder, dass Eltern und Lehrer zusammenarbeiten.“ Gemeinsam geteilte Regeln und logische Konsequenzen vermittelten den Lernenden zudem, was von ihnen in bestimmten Situationen erwartet wird. Schulleiterin Wollweber ist sich sicher: „Die positive Beziehung zwischen den Parteien unterstützt den Lernprozess.“ Ein weiterer Erfolg der Elterntrainings: Im Laufe der Zeit erkennen die Mütter und Väter, dass es in jeder Familie ab und zu Probleme gibt. Das entspanne die Beziehungen der Eltern untereinander.

Positive Bilanz
„Mit den Elterntrainings drehen wir an ganz kleinen Stellschrauben, aber erreichen dadurch ganz viel“, fasst Rektorin Wollweber zusammen. Natürlich beteiligten sich nicht alle Eltern, aber „die Relation ist entscheidend. Von 340 Schülern an meiner Schule erreichen wir weniger als fünf Eltern gar nicht. Dafür haben wir aber drei Familien erst mithilfe der pädagogischen Erziehungsarbeit gepackt.“ Das Konzept habe sich bewährt und selbst geringe Deutschkenntnisse seien aufgrund der methodischen Aufbereitung des Elterntrainings kein Problem. In den Filmen, mit denen die Elterntrainerinnen und -trainer arbeiten, seien Mimik, Gestik und Ton der Darsteller sehr aussagekräftig und verständlich, wie das Beispiel mit der Mutter, die in ruhigem Tonfall bei den Hausaufgaben hilft. Deshalb wünscht sich Nicola Wollweber auch, dass sich ihr gesamtes Kollegium zu Elterntrainerinnen und -trainer ausbilden lässt.

Aktuellen Zahlen der Reinhard Mohn Stiftung zufolge haben im Kreis Gütersloh bereits 228 Personen von 27 Schulen und in Bielefeld 73 Personen von 19 Schulen an der Fortbildung teilgenommen. Darunter nicht nur Lehrkräfte, denn seit zwei, drei Jahren können sich aufgrund der Inklusion auch Mitarbeiter des Ganztagsbetriebs, Sonder- und Sozialpädagogen sowie Schulsozialarbeiter im Team mit einer Lehrkraft schulen lassen. Ein jährliches Netzwerktreffen ermöglicht allen Beteiligten, sich regelmäßig über Erfolge und Herausforderungen auszutauschen. Wollweber und ihre Moderatoren-Kollegin nutzen diese Gelegenheit zudem, um über neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu berichten.

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Voraussetzung: ein abgestimmtes Erziehungskonzept
Als Moderatorin hat Nicola Wollweber aber auch abseits des Netzwerktreffens Kontakt zu den beteiligten Schulen und weiß, wie die Projektumsetzung verläuft. Gibt es Probleme, unterstützt sie die betroffenen Schulen, indem sie etwa eine schulinterne Fortbildung organisiert und durchführt. „Das ist besonders spannend, denn meistens fehlt ein abgestimmtes Erziehungskonzept, das das Kollegium den Eltern vermitteln könnte. Das müssen wir dann erarbeiten. Das heißt, wir betreiben aktiv Schulentwicklung.“ Zum Großteil seien die Schulen aber zufrieden, so Wollweber. „Das liegt vor allem daran, dass sie es ganz individuell gestalten können. Das ist seine große Stärke.“ Wollwebers positive Einschätzung scheint auch die unveröffentlichte Evaluation aus dem Jahr 2016 zu unterstützen. Ziel war es herauszufinden, inwieweit das Projekt den Schulen tatsächlich Mehrwert bietet. Im Auftrag der Reinhard Mohn Stiftung entwickelte das Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Wilfried Bos und der Projektleitung von Isa Steinmann die dafür benötigten Fragebögen (mehr dazu im Infokasten unten).

Laut der Zusammenfassung von Seiten der Stiftung zogen die Beteiligten eine positive Bilanz. Demnach bewerteten die befragten Elterntrainerinnen und -trainer die Inhalte der Elterntrainings und die Methodik der Vermittlung „als passgenau für die Eltern“ sowie die in den Fortbildungen erarbeitete Methodik „als brauchbar“. Die Schulleitungen gaben an, das Projekt sowie das Engagement der Kursleiterinnen und Kursleiter sehr zu schätzen und zeigten sich zufrieden mit der Unterstützung, den Materialien und Fortbildungen. Den Mehrwert des Projekts erkannten sie – wie auch Nicola Wollweber – in der besseren Beziehungsgestaltung.

Bis Dezember 2020 läuft das Projekt noch mit der Finanzierung der Reinhard Mohn Stiftung. Die Stiftung strebt aber auch darüber hinaus eine Fortsetzung an. Unabhängig davon will Nicola Wollweber die Elterntrainings an der Grundschule Am Bühlbusch weiterführen. Zudem besteht bei den Verantwortlichen die Hoffnung, dass das Projekt offiziell verankert und damit in die Breite getragen wird. Doch Schulleiterin Wollweber weiß, wo der Knackpunkt liegt: Elternarbeit ist Beziehungsarbeit, das bedeutet, sich auf den Weg zu machen und Zeit zu investieren, – „und gerade herrscht Lehrermangel“. Von Anna Hückelheim (Agentur für Bildungsjournalismus)

 

Evaluation: Wissenschaftstransfer macht’s möglich
Projekte, die zielgerichtete Schulentwicklungsprozesse unterstützen sollen, werden nicht selten durch Stiftungen konzipiert, initiiert und koordiniert. Solche Projekte bergen auf mehreren Ebenen Herausforderungen, da Stiftungen und Schulen zwei Lebenswelten abbilden: Die Stiftungen müssen Angebote bereitstellen, die die Bedarfe der Schulen ansprechen und gut mit dem Schulalltag vereinbar sind, und die Schulen sind gefordert, die Projekte umzusetzen und mit den vielfältigen anderen Schulprozessen zu vereinbaren. Einen zentralen Erfolgsfaktor stellen wissenschaftliche Projektevaluationen dar, die mögliche Schwierigkeiten in der Passung von Stiftungsanspruch und Schulalltag identifizieren können.

Im Zusammenhang mit dem Projekt „Gemeinsam Erziehen in Elternhaus und Grundschule“ sollte die Begleitevaluation die ständige Weiterentwicklung der Projektarbeit auf Stiftungs- und Schulseite gewährleisten. Zu diesem Zweck entwickelte das beauftragte Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) in Dortmund auf das Projekt zugeschnittene, wissenschaftlich fundierte Fragebögen, um der Stiftung zu ermöglichen, die bisherige Umsetzung der Elternkurse und Unterstützungsmöglichkeiten zu untersuchen. Die Projektspezifika erforderten dabei enge Austauschprozesse zwischen den verschiedenen Beteiligten, sodass es für die Entwicklung quantitativer Fragebögen für Schulpraktikerinnen und -praktiker zentral war, auch qualitativen Input aus den Schulen und der Stiftung zu sammeln. „Das Beispiel zeigt, dass es absolut notwendig ist, solche Fragebögen ganz projektspezifisch zu entwickeln“, sagt Professor Dr. Wilfried Bos vom IFS. „Das ist im Grunde wissenschaftliche Maßarbeit. Wir empfehlen allen, die konkrete Schulentwicklungsprojekte evaluieren, sich eng mit den betroffenen Lehrkräften und Schulleitungen abzustimmen. Das ist eine Herausforderung für die wissenschaftliche Fragebogenentwicklung: quantitative und qualitative Zugänge gleichermaßen einzubeziehen.“ Von Isa Steinmann

Titelbild: Felipe Lorente / Flickr (CC BY 2.0)

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34 KOMMENTARE

  1. Die Idee finde ich nicht schlecht und nachahmenswert. Mich stört beim Lesen etwas, dass man Eltern das schulische Konzept als das allein Richtige vermitteln will und der Aspekt der häuslichen Erziehungsarbeit von Elternseite zu kurz zu kommen scheint.
    Ich könnte mir optimiert zum vorliegenden Konzept vorstellen, dass man interessierte Eltern schon vorher mit ins Boot holt, sich gemeinsam fortbilden lässt und dies im Tandem an andere Eltern multipliziert. Dadurch wird dann eher ein Konsens zwischen häuslicher und schulischer Erziehungsarbeit getroffen, den man dann an Eltern als Hilfestellung weitervermittelt.

    • Ihre Idee finde ich richtig. Die Eltern zu belehren anstatt sich auch umgekehrt von ihnen belehren zu lassen und per hoffentlich guter Fortbildungskurse gemeinsam zu lernen, erscheint mir sinnvoll.
      Ich muss übrigens in diesem Zusammenhang an das Sprichwort denken: “Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh – gedeihen selten oder nie.”
      Volksweisheiten haben ja so manches an sich. Der Spruch zeigt, dass Lehrer in Sachen Erziehung trotz pädagogischer Theorien und Fortbildung auch nicht die besten Erzieher sind. Insofern können sich Eltern und Lehrer, was Erziehung anbelangt, auf gleicher Augenhöhe begegnen und austauschen.

      • Ich sehe das völlig anders! Es ist die Aufgabe von Lehrkräften, Schülerinnen und Schüler zu unterrichten und ggf. auch zu erziehen.

        Es ist nicht Aufgabe von Lehrkräften, Eltern zu unterrichten und zu erziehen. Das steht in keinem Schulgesetz.

        Wenn Lehrkräfte diese Aufgabe mitübernehmen soll, dann muss die Unterrichtsverpflichtung deutlich herabgesenkt werden. An der Schule im Artikel sind es wieder drei Abende, die zusätzlich und unentgeldlich Dienst geleistet wird. Wo ist die Kompensation an Arbeitszeit?

        • Ich denke auch, dass das Zusatzaufgaben sind, die je nach Aufwand mit einer Deputatsermäßigung dahergehen müssen.
          Ich sehe aber die Notwendigkeit der Aufgabe, die irgendjemand leisten muss. Gerade in Grundschulen halte ich eine Erziehungspartnerschaft zwischen Grundschule und Elternhaus für dringend notwendig. Genauso dringend auch in Kitas. Gerne kann das Elterntraining auch die Schulsozialarbeit übernehmen. Ein Eingebundensein der Grundschullehrkräfte bzw. zumindest eines Vertreters halte ich für sehr sinnvoll.

          • Die Schulsozialarbeit macht das nur, wenn sie ähnlich masochistisch veranlagt ist wie Lehrer. Für letztere sind aber der zweite Feierabend und Wochenendarbeit unausweichlich, sie werden aber auch nur für die Erteilung von Unterricht bezahlt.

            Wenn die Sozialarbeiter ähnlich wie die Sekretärinnen nur während der Anwesenheit am Arbeitsplatz während der Unterrichtszeit bezahlt werden, halte ich diese Aufgabenübertragung für illusorisch.

  2. In SH gibt es Elternschulen, die wir hier auch durchführen wollten – nahezu keine Anmeldungen.
    Es gibt MaLiBu-Kurse und anderes, an diesen Kursen nehmen aber in der Regel nur die Eltern teil, die sich ohnehin kümmern.
    Elternabende werden immer weniger gut angenommen, selbst wenn man wichtige Themen auf die Einladung setzt. Erwartet wird, dass anschließend ein Elternbrief mit einer Zusammenfassung ins Haus flattert.
    Elterngespräche zum eigenen Kind werden angenommen und viele Eltern fordern sie ein, rufen an, brauchen viel Beratung, viel Austausch … und stellen viele Forderungen an Grundschulen, ohne selbst einen Handschlag zu tun (“Lesen? Das ist nicht so mein Ding!”) Die Zeit, die für Beratungsgespräche und Erziehungsabsprachen benötigt wird, ist explodiert.
    So positiv dieser Beitrag klingt, so rosa ist meine Welt nicht.

    Auch ich sehe, dass Eltern die Schulwelt von heute nicht kennen und nicht kennen können, dass sie sie immer mit ihrer eigenen Schulwelt vor 20-30 Jahren vergleichen und in der Regel die Grundschulzeit gar nicht mehr erinnern können.
    Wenn das erste Kind zur Schule kommt, prallen Annahmen, Erwartungen und Ansprüche auf die Realtiät, die dank Lehrermangel, Migration, Inklusion, Medienkonsum, Kompetenzorientierung etc. eine ganz andere ist, als gedacht… und als noch vor 10 Jahren.

    Und: Selbst wenn man bemüht ist, alles zu erklären oder Eltern einzuladen, merkt man an vielen Stellen, dass das Vertrauen in die Lehrkraft nicht gegeben ist und von manchen jede Winzigkeit auf den Prüfstand kommt:
    schließlich könnten sich Grundschullehrerinnen ja einfach mal ein bisschen mehr Mühe geben mit dem eigenen Kind,
    schließlich ist Grundschule ja “viel zuviel Firlefanz, da sollte mal lieber richtig gelehrt und gelernt werden” oder wahlweise völlig übertrieben in den Anforderungen “Sie sollten mit den Kind in der Schule mal mehr Einmaleins üben, damit es das endlich kann”,
    schließlich war früher alles besser (!),
    schließlich ist ja jeder andere so gut ausgebildet, dass er/sie genau sagen kann, wie alles in den heutigen Grundschulen mit heutigen Schülern und heutigen Bedingungen besser laufen könnte…
    schließlich ist ja auch die Ausbildung quasi nichts wert, weil auch da angeblich keine Anforderungen gestellt und keine Inhalte vermittelt oder geprüft werden.

    Natürlich müssen Lehrkräfte auf Eltern zugehen, Erläuterungen geben, Zusammenarbeit anbahnen und durchführen. Das machen sie aber schon – lange – und von Jahr zu Jahr verstärkt, denn die vielen zusätzlichen Bedürfnisse innerhalb der Schülerschaft lassen gar nichts anderes mehr zu. Auch viele andere Aufträge, die zur “Verbesserung” immer neu von verschiedenen Seiten an die Schulen gegeben werden, sind schon längst umgesetzt … oder gar verworfen.

    Statt (mal wieder über Bertelsmann) weitere Zeit und Kraft einzufordern (noch mehr Fortbildung, noch mehr Elternabende, noch mehr Beratungszeiten, noch mehr Schulentwicklung etc.) möchte ich mal erleben, dass Grundschullehrkräften der Rücken gestärkt wird, die Aufgaben anerkannt werden:
    große Belastung in den ersten Jahren, auch, weil Eltern als Eltern neu in die Schulen kommen – nicht mehr als Schüler, dennoch aber häufiger den Rucksack der eigenen Schulzeit noch mit sich tragen,
    große Belastung durch sehr hohen Aufwand an Beratung und Erziehung, nicht nur, aber auch bei inklusiv beschulten Kindern, ebenso bei Eltern, denen die Inklusion unbekannt ist oder “nicht schmeckt”
    große Belastung durch eine Vielzahl an Gesprächen, Telefonaten, Konferenzen und entsprechenden Dokumentationen.
    Weder Schüler noch Eltern wissen, “wie Schule läuft” und müssen daran vieles vermittelt bekommen. Das erledigen Grundschullehrkräfte seit je her und heute mit großem Aufwand.
    Der Beitrag oben vermittelt – mal wieder – das Grundschullehrkräfte einfach noch ein bisschen mehr Arbeit investieren sollten, damit die Evaluation die richtigen Ergebnisse ausspuckt.

    Wann wird evaluiert, dass Grundschullehrkräfte und heutigen Bedingungen die allseits herangetragenen Anforderungen und Apsekte nicht bewältigen können, und es Hilfe von allen Seiten der Gesellschaft benötigt, wenn Bildung etwas wert sein soll?
    Wenn Bildung als Markt gesehen werden soll, können wir diese vielfältigen Aufgaben alle “outsourcen” und andere Kräfte damit beauftragen, die alle bezahlt sein wollen. Oder aber, wir stecken das Geld gleich in Schulen und unterstützen diese mit mehr Personal und besseren Bedingungen und sparen uns die Schleife über die Privatisierung.

    • Ihre Meinung teile ich von oben bis unten, Palim. Nur zum Schluss kommen mir Zweifel. Mehr Personal in den Schulen wird wenig bringen, wenn es nicht gelingt, die Eltern stärker einzubinden und ihnen ihre eigenen Erziehungsaufgaben klar zu machen. Der Trend ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten leider zu sehr in die Richtung gelaufen: Liebe Eltern, geht getrost arbeiten und überlasst staatlichen, gut ausgebildeten Kräften möglichst ganztägig die Erziehung eurer Kinder in Krippen, Kitas und Schulen. Die machen das fachkundiger und besser als ihr.”
      Bildungspolitiker haben mit diesem nur der Wirtschaft und der Rentenkasse dienenden Gewäsch viel Unheil in den Köpfen der Eltern angerichtet.

      • Ja, mir gefällt der Trend, es den Schulen zu überlassen auch nicht, sehe aber in meiner Elternschaft die Notwendigkeit, dass beide (für sehr kleines Geld) arbeiten gehen müssen… (was nicht bedeutet, dass man seine Kinder nicht erziehen müsste!)

        Der Ansatz, dass es mehr Personal braucht, ist eher, dass die vielfältigen Aufgaben, die an Schule gestellt werden, auf mehr Schultern verteilt werden und entweder andere Aufgaben der Lehrkräfte abgegeben werden, sodass diese die notwendigen Beratungen schaffen können, oder aber andere Kräfte die Erziehungsberatung, Elternabende, Prävention (Streitschlichtung, Ernährung, Medienkonsum…) etc. übernehmen.
        Dass Lehrkräfte immer mehr aufgetragen bekommen und alles übernehmen sollen und anschließend auch noch den Kopf dafür hinhalten müssen, hat mit “Bildung” und “Verantwortung” nichts zu tun, mir “Fürsorge” schon gar nicht.

  3. Der Familienexperte Jonas Himmelstrand kritisiert sein Heimatland Schweden, das bei uns immer wieder als toller Vorreiter in Bildung und Erziehung geschildert wird:
    (…)„Im schlimmsten Fall werden die Kinder erst um 18 Uhr abgeholt. Diese verbringen so wenig Zeit mit ihren Eltern, und die Lehrer haben auch nicht die Ressourcen, sich um jedes Kind zu kümmern. Was machen die Kinder? Sie müssen jemandem emotional nahe sein, also finden sie einen Freund. Der Mensch braucht Bindungen – normalerweise in der Familie –, um sich zu schützen und andere auszuschliessen. Binden sich die Kinder an andere Kinder, werden Lehrer und Eltern ein Stück weit ausgeschlossen. Doch Bindungen an andere Kinder sind wackliger als familiäre. Kinder können grausam sein und andere ausschliessen. Das führt zu grossen Verletzungen. Nochmals: Die Studien, die ich erwähnt habe, geben zusammen ein klares Bild: Es ist nicht gut. Wenn aber die schwedische Regierung recht hätte und ihre Familienpolitik so super wäre, wie sie sagt, müssten die Kinder und Jugendlichen gesünder sein, besser lernen, glücklicher sein, und das ist definitiv nicht eingetreten. Ausserdem dürfen wir eines nicht vergessen: Auch Soziales wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wenn diese Kinder nicht erleben, wie Familie und Elternschaft funktioniert, werden sie es später, sobald sie eigene Familien haben, noch schlechter machen. Und bald könnte das ganze Wissen um Elternschaft verloren sein, was für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft gefährlich wäre.“ (…)

    http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=544976

  4. Ich finde das komisch. Erst wurde den Eltern jahrzehntelang ausgetrieben, Kindern gegenüber “zu autoritär” aufzutreten und nun will man ihnen beibringen, ihre Kinder zu erziehen? In all der Zeit vorher ist ihnen doch aber eingetrichtert worden, ihre Kinder mit Samthandschuhen anzufassen und ihnen alle Probleme aus dem Weg zu räumen – und wehe, wenn nicht. Es gibt etliche Erziehungsratgeber, wozu jetzt Elternseminare dieser Art?

    Schule ist Abbild der Gesellschaft. Solche Elternkurse bringen meiner Meinung nach nichts, wenn sich die gesellschaftlichen Bedingungen drumherum nicht ändern.

    • … und dann frage ich mich noch, welche Art Lehrer denn den Eltern da Tipps geben sollen, wenn doch sehr viele Lehrer heutzutage sich eben nicht sehr durchsetzen können bei den Kindern und deshalb in vielen Klassenräumen Lärm und Chaos herrschen, die erfolgreiches Lernen mindestens genauso beeinträchtigen und verhindern wie ständiger Unterrichtsausfall.

      • … vorausgesetzt, “der” ist in keinem Abhängigkeitsverhältnis mehr von irgendwem. Referendare und befristet Angestellte sollten sich davor hüten.

  5. Ich lehne derartige Angebote von der Schule ab und ist doch unsere Aufgabe, die eigenen Kinder zu erziehen, ihnen strukturiertes Arbeiten zu vermitteln,das Lesen zu üben,zu motivieren und sie an eigenständiges Arbeiten heran zu führen.
    Wie sollte mir jemand in Erziehungsfragen
    Hinweise geben, der selbst keine Kinder groß gezogen hat.
    Und wenn ich mir die vorweihnachtlichen Äußerungen einiger Frauen hier ins Gedächtnis rufen, dann kommen bei weniger angenehme Empfindungen hoch.
    Das Gros der Eltern ist nicht mit der Erziehung überfordert, auch wenn viel Zeit am Beruf hängt.

    • Das ist Ihr Mikrokosmos, in dem Ihre Arbeit und Ihr Status Ihnen ermöglicht, Ihre Kinder zu erziehen, die vermutlich mit anderen erzogenen Kindern spielen, die sich schon aus dem besonders gut ausgestatteten Kindergarten kennen – wenn überhaupt.
      Wie viele Menschen, die Ihren Arbeitsplatz besuchen, handeln ähnlich?
      Mit Ihrer Einschätzung von Eltern und Kindern ist es einfach, die Verantwortung im Elternhaus anzusiedeln und das 1% anderer Kinder könnte man vernachlässigen.

      Es sind aber weit mehr Kinder, die in vielen Bereichen auffällig sind und weit mehr Unterstützung benötigen würden, als ihnen von zu Hause gegeben wird -aus vielerlei Gründen.
      Das mag vom Einzugsbereich der Schulen unterschiedlich sein, aber selbst hier auf dem platten Land sind viele Kinder und Eltern dabei, die Hilfe oder Anregungen benötigen würden. Nicht umsonst bemüht man sich ja mit Vorleseinitiativen, Kinderlieder-CDs und Buchgeschenken zur Geburt darum, Familien von Anfang an zu unterstützen, ihren Kindern mehr als Bildschirm angedeihen zu lassen.

      Mit Sorge betrachte ich, dass Eltern sich gegenseitig in Ihrer Untätigkeit beweihräuchern und bestätigen und gemeinsam Zeit in ihren App-Gemeinschaften verbringen, während die Kinder außen vor sind.

      • Palim
        Sehen wir es einmal so, dass es doch sehr angenehm ist mit ein bis zwei Kindern abwechselnd kindgerechte Bücher zu lesen. Außerdem lässt man die Kleinen selber zu den Bildgeschichten erzählen und lässt sie vom Tag erzählen.
        Meistens erfolgt das vor dem Schlafen gehen und es bedeutet für diese ein wichtiges Ritual, was auch eingefordert wird.
        Dabei kann man schon Unterschiededer Kinder in der Themenauswahl feststellen.

        • … und genau das muss anderen Eltern erst vermittelt werden, die Antworten lauten aber „mit dem Lesen habe ich es nicht so“ oder „ich kann doch nicht den ganzen Nachmittag mit meinem Kind üben“.
          Und wenn schon das nicht erfolgt, obwohl es einfach, leicht umsetzbar und auch meiner Meinung nach sehr beglückend ist, wie viel weniger sind dann Gespräche über Gott und die Welt, Wertevermittlung und anderes, das weit mehr Kraft kostet, zumal, wenn grundsätzliche Verhaltensweisen nie erlernt würden und man deshalb auf diese nie zurückgreifen kann?
          Es hat für mich etwas von „Verwahrlosung“, wenn Elterninformation und -Hilfe nicht erfolgen sollen, weil einzelne dessen nicht bedürfen. Besser wäre es, wenn alle es als selbstverständlich betrachten und über eine hohe Akzeptanz und Teilnahme auch das letzte Elternpaar überzeugen, dass es etwas Wesentliches verpasst, wenn es nicht teilnimmt. Am Ende kommt dies allen zu Gute und es ist aus meiner Sicht so, dass etliche in der Bevölkerung an die Hand genommen werden sollten, wenn nicht immer mehr abgehängt werden sollen.

          • Man lernt aber selber Lesen, wenn man selber aktiv liest und dies mit Unterstützung dritter erfolgt.
            Es ist auch jeder unterschiedlich weit in der Sprache, aber nach dem automatisierten Einspeichern der Laute und Silben, in kurzen Zeitabschnitten, sowie dem Abspeichern dieser Sprachkomponenten im Langzeitgedächtnis, gelingt das eigenständige Lesen am Erfolg immer besser.
            Man erarbeitet sich ein Sichtfenster mit einer motorisch automatisierten, koordinierten Augenbewegung von links nach rechts, im Deutschen.
            Später, nach dem Abbilden im Langzeitgedächtnis der Sehrinde und Hörrinde, kann man sich auf den Inhalt der Texte mit dem Kurzzeitgedächtnis konzentrieren.
            Das ist alles am Anfang sehr zeitaufwändig,macht es aber möglich automatisiert zu lesen und Inhalte besser zu erfassen.
            Die älteste Tochter hat mit dieser Methode mit dem Ihnen bereits bekannten Leseaufbau gelernt ,sprechen gelernt, trotz dreier Handykaps , wie ADS, beidseitige Schallleitungsstörung über 2 1/2 Jahre und Kreuzdominanz mit einem führenden linken Auge und rechtshändig. Was bedeutet, dass man Texte von rechts nach links erfasst, ein Training der Augenbewegung von links nach rechts mit dem Sichtfenster nach rechts erst noch erlernt werden musste. Sie sprach in der ersten Klasse unverständlich einzelne Wörter. Jetzt wird die Sprache durch das gemeinsame Lesen immer deutlicher, und sie liest automatisiert Sinn entnehmend gut und erfasst alle Texte auf ihrem Sprachniveau.
            Wir brauchen an den Schulen auch wieder Leseomas, die sich der Kinder annehmen.Aber gemeinsames Lesen im Verbund kleiner Gruppen ist ein probates Mittel.

          • Welche Methode auch immer man in welchem Fach mit welchen Kindern mit und ohne Schwierigkeiten einsetzt, immer sind Kinder auf Begleitung / Beratung /Anleitung /Rückmeldung angewiesen.
            Aber wie soll das gehen, wenn Eltern dies nicht leisten können oder wollen oder darum gar nicht wissen?
            Ihre Ablehnung von Elternkursen oder Beratung ist wenig zielführende, wenn Sie selbst Ihre Methoden anpreisen, im gleichen Zug aber die Information von Elternschaft ablehnen, schließlich lebt Ihre Methode vom Einzelunterricht, den es so in der Schule nicht gibt, weil es die Bedingungen nicht erlauben.

          • Bei den letzten Kommentaren muss ich mal Palim Recht geben. Was sie schreibt, entspricht auch meinen Erfahrungen.

            Man kann sich glücklich schätzen, wenn man als Lehrer Elternhäuser vorfindet, die mitarbeiten. Das sind die leichten Fälle. Man hat, je nachdem wo man als Lehrer arbeitet, vielfach Elternhäuser, die nicht mitziehen und da ist man oft ohnmächtig oder kommt sich wenigstens so vor.

            Erziehung ist übrigens nicht nur Elternsache. Das Erziehungsrecht der Schule ist laut höchstrichterlichem Urteil dem Erziehungsrecht der Eltern gleichgeordnet (nicht untergeordnet). Das macht auch Sinn, wenn sie an Elternhäuser denken, die ihre Kinder womöglich nicht im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung erziehen wollen. Wir Lehrer dürfen dem dann entgegenwirken.

  6. Palim
    Ich habe diese Anlehnung auf mein näheres Umfeld bezogen,im dem die Eltern sehr wohl ihren Aufgaben gewachsen sind und die Kinder zur richtigen Einstellung erziehen und entsprechend mit ihren Kindern arbeiten.
    Nebenbei habe ich hier arabischen Kollegen die für ihre Kinder geeigneten Materialien kopiert.Und das erfolgte auch anhand von deren Vorstellungen,so dass diese intensiv gemeinsam mit ihren Kindern Silben-analytisch und linguistische geschult, Deutsch lernten und ihre Deutschkenntnisse deutlich verbesserten.
    Man sollte nicht alle Probleme der Schule und den Lehrern aufbürden.

    • “Ich habe diese Anlehnung auf mein näheres Umfeld bezogen,”
      Ja, genau das habe ich mit “Mikrokosmos” umschrieben.
      Man kann natürlich ganz unreflektiert meinen, dass die gesamte Gesellschaft so ist und so handelt.
      Oder man kann sich wünschen, dass alle so wären. Dann muss man daran mitwirken und arbeiten, dass es so sein könnte, darf aber nicht einfach davon ausgehen, dass dadurch, dass man diesen Wunsch hegt, sich gleich alle entsprechend ändern und verhalten.

      Die Welt besteht nicht allein aus ihrem Mirkokosmos. Lehrkräfte schauen quasi durch ein Fenster in viele Leben und Welten. Sie geben sich täglich Mühe, den Kindern Rüstzeug auf den Weg mitzugeben.
      Ich kann nicht alle Probleme lösen, stimmt, aber ich kann auch nicht einfach Erwartungen in die Welt setzen, weil es mir gut gefallen würde, wenn jede Familie so oder so wäre.
      (Da sind wir mal wieder beim Thema: Die Welt ist nicht so eindimensional, wie Sie sie gerne darstellen und denken möchten! Und die Welt ist nicht durch immer gleiche chemische Abläufe zu erläutern. Schule ist Beziehungsarbeit!)

      “… im dem die Eltern sehr wohl ihren Aufgaben gewachsen sind und die Kinder zur richtigen Einstellung erziehen und entsprechend mit ihren Kindern arbeiten.”
      Ja, es gibt solche Eltern. Ab und zu. Auch ich kenne Lehrkräfte, die in ihrer Schule viele Kinder solcher Eltern haben, aber das ist inzwischen eher ungewöhnlich.
      Mehrere Beiträge von unterschiedlichen Lehrkräften in unterschiedlichen Schulen haben darauf verwiesen, dass eben heute je nach Schule eine Vielzahl/ die Mehrzahl NICHT zu der von Ihnen beschriebenen Elternschaft gehört, sondern mit den eigenen Kindern anders umgeht. Die o.g. Schule hätte ja solch ein Programm nicht auf die Beine stellen müssen und Elternschulen in SH oder Elternkurse nach der Geburt (MaLiBu, TrippelP etc.) würden nicht eingerichtet, wenn alle Eltern ohnehin alles entsprechend der Zufriedenheit der Schule regeln würden.

      Davon abgesehen bin ich der Meinung, dass selbst Eltern, die ihre Kinder angemessen unterstützen und begleiten durchaus auf Elternabenden Informationen benötigen, warum Schule heute anders aussieht, andere Methoden einsetzt, andere Bedingungen hat…
      Es ist sinnvoll, diese Informationen auf Elternabenden zu geben und noch sinnvoller, wenn Eltern sich an Elternabenden beteiligen und Interesse daran zeigen. Die verantwortungsvollen Eltern dürfen da gerne mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen, dass es generell wichtig ist, sich um die Schule der eigenen Kinder zu kümmern. In meinen Augen zieht es die anderen ein Stück weit mit, weil sie den Eindruck bekommen, sie würden ansonsten etwas verpassen.

      Und ganz persönlich für Sie, AvL: …vielleicht hätte Ihnen solch eine Information und eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit den eingesetzten Methoden auch geholfen? Im Nachgang hätten Sie Ihre Bedenken und die Beeinträchtigung Ihres Kindes in einem Elterngespräch zum Ausdruck gebracht, die Schule hätte entsprechend Ihrer Informationen und ärztlicher Gutachten, die Sie hätten beibringen können, die möglichen Hilfen beantragt oder Ihnen gesagt, wo Sie sie beantragen können, und dem Kind wäre von beiden Seiten gleichermaßen geholfen worden.

      Das Signal, dass Sie hier mit Ihren Beiträgen setzen, ist jedenfalls keines, dass die Arbeit der Lehrkräfte würdigt und anerkennt und Eltern darin bestärkt, in Erziehungspartnerschaft mit der Schule zu treten.

      • Palim
        Das von ihm so bezeichnete Gesamtkunstwerk des Spracherfahrungsansatzes eines Herrn Brügelmann,sowie LDS, wird auch von vielen seiner Fachkollegen in Frage gestellt (Röber,Faltin,Thome’ etc).
        Und ihr Umfeld wird auch nicht größer als meines sein, weil Sie auch nur aus ihrer Perspektive Ihres Mikrokosmos die Schulwelt betrachten.
        Und Differenzen zwischen den Eltern und den Lehrern, die diese Methoden einseitig angewendet haben, gab es und gibt es hier verdeckt und teilweise offen ausgetragen, wobei ich mich nicht in den direkten Konflickt begab, sondern von Anfang an zu Hause nach alter Methode gegensteuerte,so wie es die Eltern der Sommer-Stumpenhorst-Gruppe in der Marburger Studie es nach der Übermittlung der desatrösen Zwischenergebnisse 2004 es wohl auch taten.
        Und so ergaben sich auch die Leistungsunterschiede der Schülergruppen.
        Alle Kinder, die Unterstützung von zu Hause erhielten,hatten weniger Probleme mit dem Erwerb der Orthographie und der Systematik.
        Es hing verdächtig davon ab, wann interveniert wurde.
        Und das berichteten auch die anderen 450 befragten Betroffenen.

        • ” wobei ich mich nicht in den direkten Konflickt begab,”

          Mir ist es lieber, wenn Eltern offen mit mir umgehen.
          Ich weiß, woran ich bin und kann Beobachtungen besser einschätzen.

          Die Schule soll die von IHNEN bevorzugten Methoden einsetzen.
          Sie ärgern sich, wenn dies nicht der Fall ist.
          Sie schüren Unmut in der Elternschaft.
          Sie stellen generell die Arbeit von Lehrkräften offensiv in Foren in Frage und unterstellen, Lehrkräfte wären schlecht ausgebildet und würden Kinder vernachlässigen.
          Aber Sie gehen nicht selbst in die Schule und melden in einem persönlichen Gespräch Ihre Zweifel an oder stellen Nachfragen…
          … und kommen dann zu dem Schluss, Sie selbst hätten mit den Lehrkräften immer ein gutes Verhältnis gehabt.

          Wie wäre das in Ihrem Beruf?
          Der Patient verheimlicht Ihnen vorag ihm bekannte mögliche Komplikationen, daraufhin wird die Behandlung nicht so gut abgestimmt, wie es möglich wäre,
          der Patient ist hinterher unzufrieden – oder gar zu Schaden gekommen – und wirft der kompletten Klinik bzw. Ärzteschaft vor, sie seien inkompetent und schlecht ausgebildet …
          … kommt aber zu dem Schluss, dass er persönlich mit seinem Arzt ein gutes Verhältnis habe.
          Der Patient selbst steuert privat gegen, indem er sich informiert, anderweitig medizinisch versorgt und kümmert und es geht ihm am Ende wieder besser, aber er fordert, dass sich das System der inkompetenten Ärzteschaft dringend ändern müsse.
          Patienteninformationen für sich und andere, wie Ärzte vorgehen und warum beiderseitige Informationen notwendig sind, findet der Patient jedoch überflüssig, weil er selbst sich ja informiert habe.

          • Was stellen Sie hier für interessante Behauptungen auf.
            Mein Einfluss ist bei weitem nicht so groß,wie Sie schreiben,
            allein es reicht das negative Feedback der Betroffenen.
            Ich habe sehr wohl meine Abneigung gegen die Methoden des Spracherfahrungsansatzes des Nichtlehrers Brügelmann zum Ausdruck gebracht, aber alles auf einer sachlichen Ebene.

            Es bleibt den Eltern überlassen, mit welchen Methoden diese ihren Kindern Nachhilfe geben, und ich betone noch einmal, dass in Fragen der Erziehung und privater Förderung die Eltern zuständig sind.
            Und im Bereich der Medizin dürfte man gar nicht ohne eine korrekte Einverständniserklärung und ohne eine rechtsverbindliche Aufklärung frei nach eigenem Gutdünken therapieren.
            Im Zeitalter der Evidenz basierten Medizin verhindern Leitlinien der Therapie, dass Methoden zur Anwendung kommen, die nicht dem wissenschaftlichen Stand gerecht werden.
            Da ergäben die Methoden der unterlassenen Hilfeleistung in Verbindung mit einer gezielten Irreführung ein juristisches Nachspiel .
            Wir Eltern können nur in öffentlichen Foren gegen derartige, und wie Sie indirekt bestätigen, weit verbreitete Methoden, welche auch in Fachkreisen kritisch gesehen werden ,vorgehen .
            Bestätigt werden wir durch die desaströsen Ergebnisse der bundesweit durchgeführten Vergleichsuntersuchungen, die bestätigen, dass gerade die Risikogruppen die Leittragenden dieser selbst erforschenden Lernmethoden sind. Und das sieht man in den Kultusministerien genauso.

          • “… und wie Sie indirekt bestätigen, weit verbreitete Methoden, ”
            Nein, das ist eine Unterstellung. Ich bestätige Ihnen ausdrücklich, dass die Methoden NICHT verbreitet sind. Auch dies ist IHR Mikrokosmos.
            Hier kennt so gut wie keine Lehrkraft diese Methoden, da muss man schon ausgesprochen umfassend über Leselernmethoden der letzten 100 Jahre informiert sein.

            “Bestätigt werden wir durch die desaströsen Ergebnisse der bundesweit durchgeführten Vergleichsuntersuchungen, die bestätigen, dass gerade die Risikogruppen die Leittragenden dieser selbst erforschenden Lernmethoden sind.”
            Nein, auch das ist lediglich eine Behauptung Ihrerseits. Bestätigt wird nichts. Die Ergebnisse der bundesweiten VERA zielen ja nicht auf einen Vergleich der von Ihnen kritisierten Methoden ab. Wiederholt haben mehrere Personen hier dargelegt, dass die Ergebnisse in verschiedenen Bundesländern zwar schwach sind, aber die Methoden gar nicht eingesetzt wurden.”

            “Und das sieht man in den Kultusministerien genauso.” Ja. Ich hoffe, dass die Ministerien nicht halb so versteift auf ein Thema sind, wie SIE, sondern endlich wahrnehmn, dass Bildung bessere Bedingungen benötigt, wenn man alle Kinder entsprechend erreichen will. Dabei geht es nicht um eine Bevorzugung der begabteren oder unbegabteren SuS, nicht um Migration oder Inklusion, sondern darum, dass man andere Bedingungen benötigt, wenn man allen Kindern gerecht werden soll.

          • Jeder hier im Forum kann in der PDF.Kartei des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen unter “Fachdidaktische Hinweise Deutsch-Grundschule , Schreiben:Schreibmotivation stärken -sinnvoll üben”, nachlesen, dass die Methoden des Spracherfahrungsansatzes nach Brügelmann/Brinkmann offiziell vom Land NRW empfohlen werden.
            Gearbeitet werden soll unter anderem nach dem sehr einfachen Vier-Säulen-Modell der Frau Brinkmann ,sowie mit weitgehend selbstorganisierten und Schüler gesteuerten Lernmethoden.
            Außerdem weiß ich von Vertretern zu Norbert Sommer-Stumpenhorsts Rechtschschreibwerksatt konkurierender Verlage, dass dieser in NRW weit verbreitet Anwendung findet.
            Aber alleine durch die Veränderung der Lernumgebung, des Lernumfeldes und der äußeren Gegebenheiten wird dieser Ansatz nicht den Erfolg anderer Zeiten bringen.

    • “Nebenbei habe ich hier arabischen Kollegen die für ihre Kinder geeigneten Materialien kopiert. Und das erfolgte auch anhand von deren Vorstellungen, so dass diese intensiv gemeinsam mit ihren Kindern Silben-analytisch und linguistische geschult, Deutsch lernten und ihre Deutschkenntnisse deutlich verbesserten.”
      Ja. Schön. Dann kann ich ja in Zukunft alle diese Leute zu Ihnen schicken… und in meiner neu gewonnen Freizeit medizinische Ratschläge aus dem Internet ausdrucken und verteilen.

      “Man sollte nicht alle Probleme der Schule und den Lehrern aufbürden.”
      Sollte man nicht. Stimmt.
      Aber die Lehrkraft muss mit den Kindern arbeiten, die in ihrem Unterricht sitzen. Genau das ist ihre Aufgabe. Sie können sich doch Ihre Klientel auch nicht aussuchen, oder? Meine begleiten mich – und ich sie – mehrere Jahre. Und tatsächlich habe ich nach wie vor die Illusion, dass dies entscheidende Jahre sind und meine Tätigkeit etwas bewirken kann.
      Wie würden Sie damit als Lehrkraft umgehen, wenn Sie bemerken, dass Sie zwar Eltern als Partner ansehen wollen, diese aber gleiches nicht sehen?
      Was ist mit einer Klasse, in der mehr als die Hälfte der Eltern nicht in der Lage ist, ihr Kind entsprechend zu erziehen oder zu unterstützen?
      Was ist mit einer Klasse, in der etwa die Hälfte der Kinder Beeinträchtigungen oder Lernstörungen mitbringen?
      Was ist mit Kindern mit akuteller Flüchtlingserfahrung, deren Eltern traumatisiert sind und selbst nicht alphabetisiert, sodass die Eltern selbst Unterstützung benötigen, um ihren Alltag zu bewältigen und Bildungsangebote annehmen zu können?

      Es ist sicherlich professionell, an irgendeiner Stelle den Schlussstrich zu ziehen. Meine Erfahrung ist, dass Lehrkräfte darin viel zu wenig geschult sind!
      Schöner wäre es außerdem, wenn es erheblich mehr Unterstützungssysteme gäbe, damit Lehrkräfte nicht permanent den Eindruck haben, sie würden alle Problem aufgebürdet bekommen und als “Schule” diese eigenständig und ohne weitere Hilfe lösen müssen.

      • Meine Klientel ist im Verlaufe der vergangenen 30 Jahre immer älter geworden, wobei die Morbidität deutlich zu genommen hat. Gleichzeitig ist es gelungen durch Evidenz basierte Methoden, die in großen internationalen Studien belegt wurden, die Mortalität und die Ergebnisse zu verbessern.

        • Meine Klientel ist älter und jünger geworden sowie weitaus heterogener, obwohl sich die Schulform selbst nicht geändert hat, wohl aber die Einschulungsmodalitäten und die Bestimmungen für Versetzungen.
          Hat man schon zuvor davon gesprochen, dass es zu Beginn der Schulzeit Entwicklungsunterschiede von bis zu 3 Jahren gab, würde ich meinen, das diese Spanne nun zu erweitern ist, nicht nur durch die Inklusion.
          Der Blick hat sich erheblich stärker auf individuelle Leistungen sowie Schwierigkeiten und Störungen fokussiert, die zu berücksichtigen sind.
          Ausdrucksvermögen und Vorerfahrungen gehen rapide zurück.
          Die Inhalte, die zu lehren sind, sind erheblich umfangreicher – ich habe mein altes Mathebuch Klasse 4 wiedergefunden und bin erstaunt.
          Die Anforderungen, die zu stellen sind, die Aufgabenformate und der Anspruch sind ebenso erweitert worden. Obwohl es auf den ersten Blick um gleiche Inhalte geht, wird anders und anderes gelehrt.
          Die Leistungsüberprüfungen sind andere, die Ergebnisse sind andere.

          … für Ihren Fall hoffe ich allerdings, dass die evidenzbasierten Methoden die Mortalität nicht verbessert sondern verringert haben.

      • Sie lehnen es ab, auf meine Fragen zu antworten?

        Es wäre aufschlussreicher, wenn Sie mal äußern würden, wie Sie Ihre bevorzugten Nachhilfe-Methode der Einzelbetreuung in Klassen mit 25 SuS unterschiedlichster Lernvoraussetzungen umsetzen würden.

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