Eltern melden Grundschulen, die nach “Schreiben wie Hören” arbeiten, dem Ministerium

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Einzelne Grundschulen im Baden-Württemberg setzen trotz eines Verbots von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) offenbar weiter auf das umstrittene «Schreiben nach Gehör». Denen droht jetzt Ärger.

Bundesweit umstritten: Schreiben nach Gehör.                                                                                Foto: Shutterstock

Eine Sprecherin des Ministeriums sagte heute den «Stuttgarter Nachrichten», dass ihr Haus unter anderem von besorgten Eltern vereinzelt auf solche Fälle aufmerksam gemacht worden sei. Die Ministerin hatte Grundschulen im Dezember 2016 einen Brief geschickt, in dem sie eine Kurskorrektur forderte. Das «Schreiben nach Gehör» sollte demnach nicht mehr praktiziert werden.

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Bei Hinweisen darauf werde die Schulaufsicht eingeschaltet, sagte die Sprecherin. Denn das Schreiben der Ministerin an die Grundschulen habe «keinen empfehlenden Charakter, sondern ist ein Erlass und somit als verbindlich anzusehen». Beim «Schreiben nach Gehör» spielt die Rechtschreibung zunächst keine Rolle. Schüler sollen so schneller und spielerisch schreiben und lesen lernen.

Der baden-württembergische Grundschulverband bezeichnete das Vorgehen des Kultusministeriums in dieser Frage als «rigide» und «inhaltlich völlig untragbar». Es sei kein guter Unterricht, wenn man Erstklässler, die das Alphabet noch nicht beherrschten, aus Angst vor der Schulaufsicht mit «Rechtschreibdrill» konfrontiere, sagte die Landesvorsitzende Claudia Vorst. dpa

Wie Politiker die Wut der Eltern auf die Grundschulen anheizen – und damit allen Lehrern schaden

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70 KOMMENTARE

  1. Und immer wieder ist es der Grundschulverband( Frau Vorst) mit seiner ideologischen Denkweise in Bezug auf den Schriftspracherwerb, der gegen ministerielle Erlasse wettert.
    Noch einmal : Kulturtechniken zu erlernen ist kein natürlicher Vorgang, wie das Essen, Gehen Radfahren oder Klettern lernen und falsche Schreibstrategien verfestigen sich beim weiteren falschen gebrauch.
    Die sukzessive Vermittlung der richtigen Grapheme entspricht keinem Drill.

  2. Eigentlich kann jeder vernünftig denkende Mensch, dem seine Kinder/Schüler am Herz liegen, diesem Grundschullehrerverband doch nur dankbar sein: Mit solchen Parolen bringt er auch die letzten Eltern noch auf die Palme – und “Schraibn nach Gehöa” hat sich noch schneller erledigt, als es das eh schon tut, nicht nur in Hamburg und Baden-Württemberg. Diesen Murks braucht kein Mensch – weder in der Reichen-Reinform, noch in irgendwelchen Abstufungen. Er ist ein Verbrechen an den Kindern.

  3. Mutet etwas bizarr an. Aber muss wohl so sein. Ich meine, die laufen auch wegen jedem anderen Kram zum Schulamt. Warum also nicht aus deswegen.

    • Ehrlich gesagt würde ich auch alle Hebel in Bewegung setzen, wenn meine Kinder nach “Schraibn nach Gehöa” unterrichtet würden.
      Auch wenn es eine Erleichterung für die chronisch überlasteten Lehrer ist, wenn sich die Kinder mehr oder weniger selbst das Lesen und Schreiben (höchst fehlerhaft) beibringen, könnte ich dem Treiben nicht ohne Beunruhigung und Schuldgefühl zusehen.

      • Es ist weder eine “Erleichterung für die chronisch überlasteten Lehrer” noch Tatsache, dass sich “die Kinder mehr oder weniger selbst das Lesen und Schreiben” beibringen.
        Wenn es so wäre, könnte ich dem Treiben auch nicht ohne Beunruhigung zusehen.
        Ich weiß aber definitiv, dass diese Darstellung eine stumpfe Behauptung ist und mit dem Alltag in Grundschulen rein gar nichts zu tun hat.

        Aber, noch einmal: Es ist ja so viel leichter, sich an einer einzelnen Methode aufzureiben und Aktionismus zu suggerieren, als sich wirklich mit den Bedingungen an und in Grundschulen auseinanderzusetzen.
        Und es ist sehr viel teurer, für gute Bedingungen zu sorgen, die angesichts heterogener Schülerschaft differenzierten Unterricht und Förderung für unterschiedlich begabte Kinder ermöglichen.

  4. Gerne würde ich hier in RP auch die Grundschulen melden, deren “ausgebildete” Viertklässler es trotz guter Intelligenz nicht zu einer normalen Rechtschreibung (normal = verglichen mit dem Durchschnitt der letzten Jahrzehnte) geschafft haben. Aber das interessiert im Ministerium niemand.

    • Na, dann rufen wir doch die Eltern auf, auch mal die Gymnasien zu melden, die massenhaft Schüler abschulen. Und wenn wir schon dabei sind: Wie wäre es mit einer Denunziationsstelle, bei der Eltern alle Lehrer melden können, die ihrer Meinung nach falsche Lehrmethoden anwenden. Da kommt sicher was zusammen.

      Ich frage mich allerdings, wie Frau Eisenmann mit einer solchen Hetzjagd Lehrer für ihre Grundschulen gewinnen will – wer tut sich das denn an? Ach so – die Eltern übernehmen dann den Unterricht? Dann ist ja alles klar.

      • Denunzierungen und Denunziationsstellen gibt heutzutage schon überreichlich.
        Bei den Kritiken und Beschwerden über die LdS-Methode handelt es sich aber nicht um Denunzierungen, auch wenn Sie es so darstellen.
        Sagen Sie doch lieber, dass Sie bekennende Anhängerin der Methode sind. Das wäre ehrlich und in Ordnung.

      • Liebe Anna, dann weisen Sie zunächst einmal nach, dass die Gymnasien Massen an Schülern abschulen, die eine Eignung für das Gymnasium haben. Der Hauptgrund für die Abschulungen ist Überforderung des Kindes, die leider angesichts der Grundschulleistungen viel zu oft absehbar war, sich die Eltern aufgrund der fehlenden Verbindlichkeit über die Grundschulempfehlung hinwegsetzen.

        Argumentieren Sie bitte sachlich, z.B. durch Angabe seriöser Studien, und nicht emotional, Danke.

        • Warum ist es im Gym generell Überforderung der SuS und nicht die falsche Methode oder die unfähige Lehrkraft?
          Warum kann ich als Grundschullehrkraft nicht die Überforderung der SuS anführen, alle SuS, die schon in der Lernausgangslage der ersten 6 Wochen extreme Benachteiligungen aufzeigen, deren Sprachvorbilder selbst keinen geraden Satz sprechen können, die weder Reime noch Lieder beherrschen und deren Konzentration durch mediale Dauerberieselung gestört ist?
          Was ist mit denen, die nachweislich schlecht sehen, schlecht hören, schlecht denken können?
          Es braucht keine Hetze einzelnen Methoden gegenüber, sondern gut ausgebildete Lehrkräfte in ausreichender Zahl und Möglichkeiten, die benachteiligten SuS an Schrift, Sprache und Lernen heranzuführen … wofür es zusätzliche personelle Unterstützung bräuchte.
          Aber das würde ja Geld kosten, das etliche Bundesländer nicht ausgeben wollen.
          Lieber hetzen wir gegen Methoden und Grundschullehrkräfte, streichen alle Stunden, die diese Lehrkräfte nicht vor der gesamten Klasse verbringen, und füllen die Lücken mit Quereinsteigern auf. DAS HILFT!

          • Als dem Humboldt’schen Prinzip nachtrauernder Mensch hätte ich nach wie vor nichts dagegen, die Grundschulen auf ihr Kerngeschäft Lesen-Schreiben-Rechnen einzudampfen. Die gewählten Methoden sollen wirksam sein und Übungsphasen nicht zu kurz kommen. Leider widerspricht das der Ansicht von Schule in der Gesellschaft, die überspitzt formuliert auf ein “Hier ist mein Kind. Erzieht es und gebt es mir in 12-13 Schuljahren wohlerzogen und mit gutem Abitur zurück. Belastet mich aber nicht damit, sonst kommt der Anwalt.” vertritt.

            Liebe Palim, würden Sie einem benachteiligten Schüler, der noch an Schrift, Sprache und Lernen herangeführt werden muss, eine (un-) eingeschränkte Empfehlung für das Gymnasium aussprechen? Ich glaube nicht. Dieses Argument zieht also nicht. Ihren Frust über die derzeitigen Bedingungen kann ich nachvollziehen. Ich empfehlen Ihnen mal eine Auszeit im Sinne von Dienst nach Vorschrift, auch wenn das gerade den Kindern am meisten schadet, die am stärksten gefördert werden müssten. Diese kognitive Dissonanz dürfte sich aber kaum zufriedenstellend auflösen lassen.

          • “Warum ist es im Gym generell Überforderung der SuS und nicht die falsche Methode oder die unfähige Lehrkraft?”

            Weil bislang das Gymnasium nicht für alle da ist, sondern für die, die auch was im Kopf haben. Das hat auch was mit dem zweifelhaften “Elternwillen” zu tun, mit dem heutzutage Kinder aufs Gymnasium geschickt werden. Die GS ist aber für alle da, und jede(r) soll zumindest Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Denn das ist die unbestreitbare Voraussetzung für alles weitere. Verzichten könnte man eher auf anderes, auch auf die implizite Erziehung zu bestimmten gesellschaftspolitischen Einstellungen. Man schaue mal in die Bildungspläne.

        • Die Hochschulen beklagen sich doch dauernd über angeblich schlechte Abiturienten – und wo kommen die her? Vom Gymnasium, wo ein Grossteil des Unterrichts frontal stattfindet. Wieso werden Grundschullehrer ohne wissenschaftliche Belege für vermeintlich falsche Methoden an den Pranger gestellt, Gymnasiallehrer aber nicht? Es ist so offensichtlich, dsss hier emand einen Sündenbock sucht.

          • Die Hochschulen beklagen sich u.a. über die fehlende Studierfähigkeit, weil diese durch die entkernten — Entschuldigung kompetenzorientierten — Lehrpläne nicht mehr gewährleistet werden kann. Die Gymnasien halten sich an die Lehrpläne bzw. bereiten die Schüler auf das Zentralabitur vor. Zum Thema Abschulung habe ich etwas aktuelles aus Hamburg entdeckt:
            https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Zwoelf-Prozent-der-Sechstklaessler-abgeschult,schule1536.html
            Zitat: “Die meisten der Betroffenen hätten vorher keine Empfehlung fürs Gymnasium gehabt. Deshalb werde jetzt auch die Beratung in den vierten Klassen verstärkt.”
            Die meisten Abschulungen werden in den Klassen 5-7 stattfinden, die noch keine große Bedeutung für die Qualität der Schüler als Studenten haben können, weil z.B. noch weite Teile der Pubertät durchlebt werden müssen.

          • Tatsächlich halten sich Grundschullehrkräfte auch an die Lehrpläne samt Kompetenzorientierung, ständig wechselnder Vorgaben und Schulbücher. Dass die Lehrpläne der SEK I nicht im Gleichschritt angepasst werden, ist bekannt, aber ebenfalls durch das Ministerium verursacht.
            Die Fähigkeiten der Sus in Klasse 4 werden für die Beratungen herangezogen. Also macht was draus, damit die Sus Studierfähigkeit erlangen!

          • Gymnasien können sich genauso wie Sie auch nur “an die Lehrpläne samt Kompetenzorientierung, ständig wechselnder Vorgaben und Schulbücher” halten. Dass die Kinder deswegen keine gymnasiale bzw. universitäre Eignung erhalten können, spielt keine Rolle, weil sich beide Schulformen strikt an den Lehrplan halten.

            Ihr letzter Satz liefert leider eine Begründung für das Vorurteil, weshalb sich die Gymnasien durchweg über die Unfähigkeit der neu eingeschulten Fünftklässler beschweren.

          • Verstehe ich nicht.
            Die ans Gymnasium empfohlenen Kinder bringen beste Vorraussetzungen für das Gymnasium mit.
            Warum müssen sich Gymnasiallehrkräfte mit diesen SuS keine Mühe geben, damit sie das Abitur erlangen und die Studierfähigkeit erreichen können?
            Warum sind neu eingeschulte Fünftklässler per se unfähig?

          • “Verstehe ich nicht. Die ans Gymnasium empfohlenen Kinder …”
            Hatte man nicht die Schulempfehlung mancherorts abgeschafft? Welche solide Beurteilung soll denn dem sogenannten Elternwillen zugrunde liegen?
            Neu eingeschulte Fünftklässler sind nicht per se unfähig, das gilt aber leider für manche davon. “Unfähig” nur in dem Sinne, dass sie keine höheren intellektuellen Anforderungen erfüllen können, weil irgendwelche Voraussetzungen fehlen. Das gibt’s leider. aber man tut denen keinen Gefallen, wenn man sie mit Nachhilfeunterricht quält. Ich stelle mir vor, es ist besser, in einer schwächeren Klasse zum Mittelfeld zu gehören als in einer guten Klasse der schwächste zu sein. Außerdem: Auch nach einem MSA kann man weitermachen und schließlich studieren.

          • In RLP ist die Empfehlung der Grundschule nur eine Empfehlung. Es gibt sie aber noch, man verzichtet bisher darauf, die Eltern völlig im Unklaren zu lassen über die Leistungsfähigkeit ihres Kindes.

          • Ich empfehle Anna, mal in die einschlägigen HIS-Studien zu schauen, aus welcher Klientel sich die Studienabbrecher zusammensetzen.
            Unter den Studienabbrechern sind doppelt soviel aus gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen als ihrem Studentenanteil entspricht, dreimal soviel aus beruflichen Oberstufen als ihrer Studentenquote entspricht und sechsmal soviel von Berufstätigen ohne Abitur als es deren (allerdings sehr geringer) Studierendenanteil nahelegt.
            Natürlich haben wir in absoluten Zahlen auch einen hohen Anteil an Studienabbrechern, die über das Gymnasium an die Hochschulen gelangt sind, – setzt man das aber in R%elation zum Gymnasialanteil bei den Studienanfängerquoten sieht es für das deutsche Gymnasium recht gut aus (fürs bayerische übrigens nochmals deutlich besser als fürs Hamburger und Berliner Gymnasium).

          • @Bernhard Färber: Allgemein: Die formale schulische Herkunft der Studierenden ist wohl nicht das analytisch Entscheidende bei Studienabbrechern: Nicht übersehen werden dürfen die letztlich unterschiedlichen Orientierungen in den gesellschaftspolitischen Ambitionen der genannten Institutionen, wie zum Beispiel hinsichtlich GESAMTBILDUNG ALLER und SOZIALER HALTUNGEN u.a.m. Da konkurrieren durch unterschiedliche Vorstellungen dann auch die Mittel und Wege, mit denen entwickelt und gefördert wird (vergleiche @Anna).
            Es sollten immer wieder zunächst die leitenden Ziele und Kriterien, vor allem auch an heutigen Hochschulen, genauer untersucht werden, nach denen es “gut aussieht für das deutsche Gymnasium” und “schlecht für Studienabbrecher”.

          • Gut für die heutigen Gymnasien (in Ihrem Sinne, flunra) dürfte die hohe Abiturquote sein, die in erster Linie durch Abschmelzen der Anforderungen bedingt ist.

            Schlecht für die Studienabbrecher (in Ihrem Sinne, flunra) dürften die nach wie vor hohen Anforderungen eines Studiums und die den Studenten erst währenddessen klar werdenden Berufsaussichten bei ihrem vorgesehenen Abschluss.

            Fazit: Wer von dem zur Gesamtschule reformierten Gymnasium profitiert, hat große Schwierigkeiten an der Hochschule. Dazu kommt, dass die wirklich guten Schüler in der Schule mangels Anforderungen das Lernen nicht lernen müssen. Das an der Hochschule nachzuholen wird schwierig.

          • Nur zwei mir wichtige Überlegungen noch zu Ihrer Antwort XXX:
            1. Mich würde im Einzelnen interessieren, WELCHE Anforderungen – von Ihnen bedauert – vermeintlich “abschmelzen” und welche sich verändern MÜSSEN, wenn es um eine nicht überwiegend nur am wirtschaftlichen Wachstum orientierte UniversitätsBildung gehen würde.
            2. Angenommen, das Gymnasium wäre in Ihrem Sinne zur Gesamtschule “reformiert”: Woran, ausgenommen die Vielfalt der sozial geöffneten Zugangstüren, woran machen Sie fest, dass das staatliche Gymnasium die soziale Selektivität abzubauen oder gar zu überwinden versucht und z.B. reagiert auf die Ergebnisse von FENDs Langzeitstudie ?

          • @cavalieri
            ““Verstehe ich nicht. Die ans Gymnasium empfohlenen Kinder …”
            Hatte man nicht die Schulempfehlung mancherorts abgeschafft?”

            Hat man.
            Statt eines A4-Blattes, auf dem eine Schulform in einem Satz eingetragen ist, dem die Beratung und Beschlussfassung einer Konferenz zu Grunde lag, gibt es z.B. in Nds. im Verlauf des 4. SJ 2 verpflichtende, protokollierte Elterngespräche, in denen AUCH über die Schullaufbahn gesprochen wird.
            Ebenso gab es zuvor bereits Beratungen zu Elternsprechtagen, verpflichtende Termine zu den Halbjahreszeugnissen, mögliche weitere Termine im Verlauf des 2. HJ.

            “Ich stelle mir vor, es ist besser, in einer schwächeren Klasse zum Mittelfeld zu gehören als in einer guten Klasse der schwächste zu sein. Außerdem: Auch nach einem MSA kann man weitermachen und schließlich studieren.”
            Ja. Tatsächlich fallen genau solche Sätze bei der Beratung.
            Meiner Beobachtung der letzten Jahrgänge ist, dass nur einzelne Eltern gegen alle Empfehlungen handeln, gleich welcher Art sie auch vollzogen wurden.
            Diese einzelnen Fälle wird es sogar in BY geben, wo zwar die Note entscheidet, dennoch aber sicherlich Kinder schon in Klasse 3+4 durch Nachhilfe soweit gebracht werden, dass sie den Übergang schaffen, dann am Gym aber nicht bestehen können.
            Heilsamer fände ich, dass diese SuS dann nicht am Gym bleiben. Das würde der vorherigen Empfehlung auch mehr Gewicht geben und der Allgemeinheit weit weniger signalisieren “am Gym schaffen es die anderen doch auch locker”.

          • Liebe flunra, bei den Anforderungen müssen Sie sich nur die Inhalte Ihrer eigenen Abiturklausur mit den heutigen Abiturklausuren vergleichen. In meinem Fall waren die Grundkurse anspruchsvoller als die heutigen Leistungskurse (NRW).

            Es reicht vollkommen aus, wenn die besten 30% eines Jahrgangs das Abitur ablegen, das aber auf einem vorwissenschaftlichen Niveau. Die sozialen Türen soll Allen offen sein, solange sie die Anforderungen bewältigen. Für Sie dummerweise korreliert die genetische Selektivität extrem mit der sozialen Selektivität, mir ist diese soziale Herkunft egal, solange es genetisch klappt. Ich selbst bin nicht dazu in der Lage, die Mentalität der Eltern so zu beeinflussen, dass sie die optimale Schulform für ihre Kinder aussuchen.

            Schauen Sie sich auch mal die heute in der TAZ veröffentlichten Ergebnisse der VERA 3 aus Berlin an. Grob 75% der Kinder sind funktionelle Analphabeten. Trotzdem wird ein ordentlicher Teil von denen auf das Gymnasium gehen, weil die gymnasiale Quote auch in Berlin deutlich höher ist als 25%.

            Übrigens ärgert mich der Begriff “soziale Selektivität” ungemein aufgrund seiner fehlenden Ehrlichkeit. Gemeint sind damit ja nicht die fleißigen Japaner, sondern die als faul geltenden Kinder türkischer und arabischer Herkunft.

          • @ Palim
            Kann man die Schulformempfehlungen nicht dahingehend umformulieren, dass sie sich nur auf die Schulform beziehen, die die Kinder (wahrscheinlich) ohne Nachhilfe und so schaffen können? Dadurch würden die Kinder mit nur “bedingter Eignung” für das Gymnasium dort wesentlich seltener angemeldet werden. Sie kennen Ihre Schüler ja und können dann bei “bedingten Fällen” ja individuell beurteilen, ob das Gymnasium möglich sein könnte oder nicht. Dem entsprechend steht dann auf der Empfehlung halt nur Gymnasium oder nur Realschule (oder wie diese Schulform bei Ihnen heißt).

          • @XXX
            Der Elternwille ist frei. Das ist er in Nds. seit vielen Jahren.
            ICH kann den Ansturm auf die Gymnasien nicht feststellen.
            Auch der Hinweis darauf, mit wie viel zusätzlicher Hilfe SuS in der Grundschule Noten erreichen und wie ungleich höher diese Anstrengung bei weiteren Fächern sein wird, fällt im Elterngespräch.
            Inzwischen gibt es eine Menge kombinierter Schulformen (HS+RS – in Form von IGS oder Oberschule/ KGS) mit und ohne gymnasialem Zweig.
            Die Beratung an unserer Schule geht sogar so weit, dass wir den Eltern bestimmte System oder bestimmte Schulen für genau IHR Kind nahe legen. Diese Beratung ist aber gleich geblieben, egal ob es Übergangszeugnisse, Trendempfehlungen, Empfehlungen am Ende, protokollierte Beratungsgespräche gibt.
            Und gerade bei den SuS, bei denen die Wahl der weiterführenden Schule nicht so eindeutig ist, bietet man als Lehrkraft noch einen weiteren Termin an, um Bedenken oder Befürchtungen zu äußern.

            Diese Beratung, die viel Zeit in Anspruch nimmt, wird dann konterkariert, wenn schwache SuS an Gymnasien eben doch bestehen können. Wenn Hänschen und Mäxchen es 1-3 Jahre zuvor mit einem durchschnittlichen Zeugnis auch geschafft haben, warum soll es Willibald dann nicht gelingen?

            Davon abgesehen gibt es auch immer Eltern, denen das Gemein-sein mit der “Elite” wichtig ist… bzw. die soziale Segregation. Diesen kann man sonst was empfehlen, sie werden IMMER das Gymnasium wählen!

          • Palim schrieb um 18:54 Uhr: “Meiner Beobachtung der letzten Jahrgänge ist, dass nur einzelne Eltern gegen alle Empfehlungen handeln […]”

            Palim schrieb um 19:36 Uhr: “ICH kann den Ansturm auf die Gymnasien nicht feststellen.”

            SIE vielleicht nicht, andere schon:
            “Nachhilfeschulen in Osnabrück und im Landkreis berichten, dass Grundschüler trotz des Wegfalls der Schullaufbahnempfehlung vor drei Jahren zunehmend unter Druck stehen. […]
            Die Leiterin des Nachhilfe-Instituts ‘Schülerhilfe’ an der Süsterstraße in Osnabrück, Kerstin Teschner, hat die Erfahrung gemacht, ‘dass Eltern seither versuchen, ihr Kind auf dem Gymnasium anzumelden und dort auch mithilfe von Nachhilfe durchzuboxen’. Die Schüler seien dadurch aber natürlich unglücklich, weil sie die Erwartungen oft nicht erfüllen könnten und dadurch deprimiert zur Nachhilfe kämen.

            ‘Nach meiner Wahrnehmung wächst der Druck auf die Grundschüler, weil Eltern frei entscheiden können, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken.’“

            https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1013466/druck-auf-grundschueler-in-der-region-osnabrueck-waechst

          • Das Zitat wiederholt sich … und es ist auffallend, dass alle Probleme in Osnabrück zu finden sind.

            Die Laufbahnempfehlung im Sinne eines Empfehlungsschreibens wurde vor 2 Jahren ausgesetzt, die verbindlichen Elterngespräche fanden im letzten Jahrgang das erste Mal statt.
            Zuvor gab es besagte Trendempfehlungen zum Halbjahr und abschließende Empfehlungen mit dem Zeugnis des 2. Halbjahres, das 6 Wochen vor den Sommerferien fertig gestellt werden musste.

            Auch die vorherigen Empfehlungen waren nicht verbindlich und Eltern konnten ihre Kinder an der Schule ihrer Wahl anmelden. Somit konnten auch zuvor Eltern ihre Kinder am Gymnasium anmelden und “mit Nachhilfe durchboxen”. In dieser Hinsicht gab es gar keine Änderung.

          • Das Zitat wiederholt sich zur Not genau so lange, wie Sie für sich in Anspruch nehmen, mit Ihrer persönlichen Meinung etwas Allgemeingültiges aussagen zu können.

            SIE behaupten das eine, andere sehen es anders. Ich zitiere jene Quellen, die mir zur Verfügung stehen und die mich betreffen. Wenn Sie Ihre persönliche M e i n u n g irgendwie substanziell untermauern können – immer gerne.

            Der Unterschied ist und bleibt immer derselbe: Sie behaupten irgendetwas (am Liebsten gleich im Namen der gesamten Grundschullehrerschaft, die dadurch oft genug in ein schlechtes Licht gerückt wird, was sie dann hier im Forum dauernd zu spüren bekommt). Ich sammle Quellen, um der einen Seite der Medaille ihre jeweilige Kehrseite gegenüberzustellen, sodass sich alle Interessierten ein umfassenderes Bild machen können.

          • Palim schrieb: “Auch die vorherigen Empfehlungen waren nicht verbindlich und Eltern konnten ihre Kinder an der Schule ihrer Wahl anmelden. Somit konnten auch zuvor Eltern ihre Kinder am Gymnasium anmelden und ‘mit Nachhilfe durchboxen’. In dieser Hinsicht gab es gar keine Änderung.”

            Nach Aussage von Teschner besteht die Änderung darin, dass “seither” (seit dem Wegfall dessen, was die Eltern als Schullaufbahnempfehlung kannten) “der Druck auf die Grundschüler [wächst], w e i l Eltern frei entscheiden können”.

            Man könnte präzisieren: Weil die Eltern sich ihrer Wahlfreiheit viel bewusster sind als früher, seit Ihnen die Politik (aus einer bestimmten Richtung) immer wieder von einer “Abschaffung der Schullaufbahnempfehlung” erzählt hat – und gleichzeitig überall propagiert: “Jede(r) braucht – und bekommt – ein Abitur!”

  5. Genau, Palim. Wir können niemandem die Schuld geben, wenn Kinder vor uns sitzen, die kaum Lesen lernen oder in Mathematik im Zahlenraum bis 10 enorme Probleme haben. Dann sind wir natürlich selbst dafür zuständig. Wir müssen alle beschulen und können im gegebenen Fall ohne Zustimmung der Eltern niemanden “loswerden.” In den weiterführenden Schulen reichen dafür ein paar schlechte Noten. Die Eltern scheinen das auch irgendwie zu schlucken.

      • Nein, würden wir nicht.
        Die Vorgaben in meinem Bundesland besagen aber auch, dass SuS allein auf Grund mangelnder Rechtschreibleistungen nicht das Gymnasium verwehrt werden darf. Warum sollte ein Legastheniker nicht ein herausragender Ingenieur werden können?

        Die Auseinandersetzung um Störungsbilder und Förderansätze wie Bedingungen wird aber nicht geführt. So bleibt es bei einer Alibi-Diskussion um eine kaum vorhandene Methode und deren angebliche Auswirkungen, damit bloß keine kostenintensiven Forderungen gestellt und (Grund-)Schulen bessere Bedingungen erhalten könnten.

        Während hier viele die Inklusion als Sparkonzept erkennen und ablehnen, gehen Sie bei dieser Debatte den Scheinargumenten auf den Leim und beteiligen sich an Behauptungen und unterschreiben Forderungen, die ins Leere laufen müssen.

        • Mississippis Kommentar ließt sich für mich wie ein “und”, also schlechte Rechtschreibung, schlechtes Lesen und schlechtes Rechnen. Bei einem Defizit in einem von drei dieser Punkte und entsprechend guten Leistungen in den anderen dreien kann Gymnasium durchaus drin sein, bei zwei Defiziten schon nicht mehr.

          Seit wann gehöre ich zu den Verfechtern von Inklusion im Allgemeinen oder der Umsetzung als Sparkonzept im Speziellen? Das wäre mir neu. Jeder Schüler soll auf die Schulform gehen, deren Schulabschluss kognitiv und deren Struktur sozial zu ihm passt. ESE zum Beispiel hat aus sozialen Gründen in großen Regelklassen nichts verloren, L aus kognitiven Gründen nichts am Gymnasium, für Körper gelten weitestgehend dieselben Kriterien wie für Regelkinder. Wenn Spezialförderung eingerichtet wird, dann bitte dafür ausgebildete. Ein ESE-Kind hat von einer Förderschullerkraft Sehen und Hören genauso wenig wie von einer Regelschullehrkraft.

          • Bei der Inklusion kommt die Ablehnung prompt, Bedingungen und Sparkonzept werden kritisiert und, so wie Sie es hier schreiben, entsprechende Lehrkräfte und Ausstattung der entsprechenden Schulen – und seien es Förderschulen – gefordert.

            Bei der Rechtschreibung wird einseitig gegen LdS gewettert, ohne Daten hinsichtlich der tatsächlichen Beschulung zu haben, ohne Bedinungen des Unterrichts, der Förderung, der Lernausgangslage in den Blick zu nehmen.
            Während bei der Inklusion gut ausgebildete Förderschulkräfte die Beschulung der Kinder übernehmen sollen, reicht bei der Rechtschreibung das Verbot einer einzelnen Methode und die Welt ist wieder “heile”.

            Was wohl in Zukunft “verboten gehört”, wenn die SuS aus den Grundschulen mit zusammengestrichener Stundentafel, Quereinsteiger-Unterricht, inklusiven Klassen mit höherem Flüchtlingsanteil und nicht enden wollender Bürkokratie auf den Aufgabenzetteln der Lehrkräfte in die weiterführenden Schulen gelangen? Vielleicht sollten wir die Zirkel abgeben, damit die Auswirkungen dieser schulischen Bedingungen nivelliert werden.

  6. @ Palim und Mississippi:

    Sie merken aber schon, dass Sie mit dieser “Argumentation” nicht nur hier im Forum keinen Millimeter vorankommen?

    Solange Sie Ihre berechtigte Kritik an den durch die Politik verursachten Zuständen im Grundschulbereich wieder und wieder mit einer zumindest impliziten (oft auch expliziten) Verteidigung einer Methode verknüpfen, die dazu führt, dass Ihre Schützlinge, deren Lernschwierigkeiten Sie ja durchaus anschaulich beschreiben, das Schreiben zweimal lernen müssen (erst mit angeblich ganz viel Freude falsch, danach unter größtmöglichem Frust richtig), werden Sie damit leben müssen, dass Eltern und Kollegen anderer Schulformen Sie dafür kritisieren.

    • Mit welchen Unterlagen können Sie denn belegen, dass Ihre Rechtschreibschwachen mit LdS unterrichtet wurden?
      Und welche Kenntnisse haben Sie bei Ihrer Schülerschaft hinsichtlich Lernschwierigkeiten, Beeinträchtigungen sowie entsprechenden Förderansätzen?

    • Sie beschreiben genau mein Verständnisroblem mit einigen Kommentaren von Palim, mississippi und auch ysnp. Und das nicht nur beim Thema “Lesen durch Schreiben”.
      Vieles in der Schulpraxis wird kritisiert und beklagt, weil bekannt und unbestritten, die ideellen Urheber und damit Verursacher der genannten Probleme aber verteidigt und deren Werbegedanken unbeirrt für gut befunden.
      Da komme mit, wer will. Ich nicht.

      • Ich verstehe auch nicht, warum im Geist an Luftschlössern festgehalten wird, obwohl sie sich in der Realität als windschiefe Bruchbuden herausstellen, in denen es überall durchregnet und viele verschnupft sind.

        • Es gibt diese Methode aber doch in der Praxis gar nicht – hier laufen Rechtschreib-Ideologen einem Hirngespinst hinterher, und Opfer sind die Grundschullehrer, die ihre wirklich genutzten Methoden nun vor einer Inquisition aus desinformierten Eltern und politisiertem Ministerium rechtfertigen müssen.

          Das ist politisch geschürte Hysterie, um von den wahren Problemen in der Grundschule abzulenken. Und Gymnasiallehrer (Philologen) sind sich nicht zu schade, dieses Spiel mitzuspielen. Dann sollten sie mal hoffen, dass ihnen das nicht irgendwann auf die Füße fällt – und ihre Methoden (Frontalunterricht) mal populistisch verzerrt dargestellt und sie dafür an den Pranger gestellt werden. Der Damm bricht ja gerade …

          • Anna
            Hören Sie endlich auf die Anwendung dieser Methoden in den ersten 2 Grundschuljahren zu leugnen, denn allein die Kommentare der betroffenen Eltern in den diversen Foren im Internet zeugen von deren Anwendung, sei es der Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann ,die Rechtschreibwerkstatt des Norbert Sommer-Stumpenhorst oder das reine LDS, was allerdings seltener Anwendung findet.
            Und in NRW steht die Methode sogar in den Fachdidaktischen Hinweisen des Kultusministeriums zum Schriftspracherwerb beschrieben.

          • Der Germanistik-Professor Steinig – übrigens ein ausgewiesener Gegner der Reichen-Methode – kommt in einer Studie auf 2 bis 3 Prozent der Grundschulen, die diese praktizieren.

            Klar, Eltern mit ihrer unbestechlichen didaktischen Kompetenz erkennen sofort, mit welchem Methodenmix die Lehrerin/der Lehrer, die/der allenfalls ein dämliches Studium und ein überflüssiges Referendariat vorweisen kann, die allesamt hochbegabten Kinder vermurkst. Unterrichten kann ja schließlich jeder. Sieht man ja an Ihnen.

            Hier nachzulesen: http://www.news4teachers.de/2017/09/legen-grundschullehrer-die-sich-von-ihren-schuelern-duzen-lassen-weniger-wert-auf-rechtschreibung-und-aufs-lernen-ueberhaupt-bildungsforscher-behauptet-das/

          • Nochmal: Auch bei Anwendung anderer Methoden legen viele Grundschulen oft wenig Wert auf Rechtschreibung, wenn man dem Spiegel trauen darf:
            http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/grundschulen-so-wenig-achten-lehrer-auf-rechtschreibung-a-1167080.html
            Das sind keine 2 bis 3 Prozent, sondern um die 40 %, am Anfang sogar bis zu 60 %. Da muss man sich doch über den Effekt nicht wundern. Was nicht verlangt wird, wird auch nicht gekonnt. Angeblich verlangt man ja heute anderes, aber was ist das eigentlich genau? Welche “Kompetenzen” werden denn wirklich erworben?

          • Zitat Wrobel:” Hören Sie endlich auf die Anwendung dieser Methoden in den ersten 2 Grundschuljahren zu leugnen, denn allein die Kommentare der betroffenen Eltern in den diversen Foren im Internet zeugen von deren Anwendung”
            Das nenne ich mal eine seriöse Quelle!!!!

          • Wenn viele Grundschulen zu wenig Wert auf Rechtschreibung legen – unabhängig von der von ihnen eingesetzten Methode -, dann müssen wir doch logischerweise die Grundschulen verbieten (und nicht eine einzelne Methode).

            Oder könnte es doch damit zu tun haben, dass Rechtschreibung aufgrund von politischen Vorgaben eben nicht mehr den Stellenwert hat, den sie vielleicht mal hatte? Die Inhalte und Anforderungen sind ja nicht weniger geworden, die Bedingungen dafür schwieriger. Dann müsste aber die Kritik an der Politik ansetzen – und dass PolitikerInnen sich nicht selbst kritisieren mögen, sondern lieber alles auf doofe LehrerInnen schieben, ist doch einzusehen.

          • “… dann müssen wir doch logischerweise die Grundschulen verbieten …”
            Ich finde das gar nicht logisch. Schließlich steht Rechtschreibung immer noch in allen Bildungsplänen drin. Dann müsste das eigentlich auch umgesetzt werden. Aber können die Lehrer selber noch sicher die Rechtschreibung? Ich frage nochmal: Was haben wir dem vorgezogen, was können die SuS jetzt stattdessen?

            “… dass Rechtschreibung aufgrund von politischen Vorgaben …”
            Soso, es gibt plötzlich “politische Vorgaben” in Sachen Rechtschreibung (offenbar von links-grün, wegen der sozialen Gerechtigkeit?), aber für die Methoden darf es natürlich keine “politischen Vorgaben” geben? Wer darf denn nun was? Es ist irgendwie verrückt, wenn die Grundschulen keinen Wert mehr auf Rechtschreibung legen, die Gymnasien aber doch. Also wenn schon, dann müsste man die Rechtschreibung überhaupt abschaffen, und jeder schreibt, wie er will. Nur wird man dann nicht mehr flüssig lesen können. Schon das häufige Verwechseln von “das” mit “dass” kann den Sinn von Sätzen deutlich beeinflussen bzw. sie irgendwie schwer lesbar machen. Ebenso mit “wider” und “wieder”. Testet das mal! Erst recht bei abenteuerlichen Schreibweisen.
            Kritik an der Politik: Sind denn Leute von GEW und Grundschulverband bereit, die Politik dafür zu kritisieren, die Rechtschreibung teilweise ruiniert zu haben? Gab’s nicht immer noch Beifall dafür?
            Wie sagte doch Hermann Giesecke: “Fast alles, was die moderne Pädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt Kinder aus bildungsfernem Milieu.”

          • Anna
            Steinig schrieb, dass 3 % der Grundschulen Lesen durch Schreiben anwenden, aber sehr viel mehr Schulen aber mit einem Methodenmix unter Verwendung von Anlaut-Tabellen arbeiten oder anverwandten Methoden, wie den Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann oder die Rechtschreibwerkstatt benutzen , oder sie verwenden Elemente , wie das frei Schreiben mit Anlaut-Tabellen. Dabei räumt man in den ersten zwei Jahren den Schülern eine große Fehlertoleranz ein, weil man im Widerspruch zur Hirnforschung (Spitzer,Güntürkün) annimmt, dass sich falsche Schreibungen nicht einprägen.

          • Emil
            Das ist eben Feedback aus den Foren und aus den Petitionen gegen diese Methoden , oder halten Sie diese Leute auch für Gespenster. Das, was man da liest ist schon sehr aufschlussreich.
            Und Cavallieri hat Recht damit , wenn er die falsche Fehlerkultur mit verantwortlich für die desaströsen Ergebnisse der bundesweiten Erhebungen macht.
            Was auch zu kurz kommt ist die Vermittlung von Syntax, die Etymologie der Wörter, sowie der Satzglieder. Aber so weit kommt man in der Grundschule häufig gar nicht mehr.

          • Na, Ignaz Wrobel, dann kann die Hexenjagd auf alle Grundschullehrkräfte, die womöglich Spurenelemente der toxischen Methode Reichen verwenden, beginnen. Wie wäre es mit einer peinlichen Befragung nach der guten alten Art der Inquisition? Nur wer dabei der Irrlehre abschwört, hat noch eine Chance auf A13 in seinem Leben …

    • flunra39
      Wo bleiben denn die Rechte der Schüler auf eine strukturierte Vermittlung der korrekten Haupt- und Orthographeme ohne eine falsche Fehlertoleranz, sowie häufigen schriftlichen Übungen und validierten, strukturierten Leseübungen (z.B.Intra-Akt-Plus-Konzept,Kieler Leseaufbau etc.).

  7. Die paar Grundschullehrer/innen, die hier schreiben verwenden doch gar nicht die angeprangerte Methode. Wir sind nur alle einstimmig der Meinung, dass eine einzige Methode nicht die Verantwortung dafür tragen kann, was alles schief läuft, bzw. dass SuS mit dem Lernstoff anscheinend nicht mehr so gut klarkommen.
    Vielleicht kümmern wir uns in den Grundschulen einfach zu intensiv und differenziert um die Kinder, helfen ihnen individuell, während das in den Gymnasien vllt. nicht geleistet werden kann. Allein die räumlichen Gegebenheiten (wie ich sie kenne) lassen das vermuten.
    Hier in BaWü kann man das Gymnasium auch besuchen, wenn die Grundschule die Hauptschule empfohlen hat.

    • “Hier in BaWü kann man das Gymnasium auch besuchen, wenn die Grundschule die Hauptschule empfohlen hat.”
      Darin liegt doch ganz sicher ein Problem. Wie beurteilt man denn das an der Basis in den Grundschulen? Ist man froh, die Verantwortung für den Übergang praktisch los zu sein? Ich finde es doppelt unsinnig, die Eltern allein entscheiden zu lassen: Erstens können sie das nicht so gut beurteilen, und zweitens schicken natürlich die Bildungsbürger ihre Kinder viel eher aufs Gymnasium und die Unterschichten weniger. Hinterher wird wieder geklagt über die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft. Eine Art von Teufelskreis.

      • In den letzten 15 Jahren wurde in meinem Bundesland das Verfahren mehrfach gewechselt.
        Gab es früher noch die Orientierungsstufe, in der die SuS 2 Jahre lang im Kurssystem bestehen mussten, waren es plötzlich Übergänge nach Klasse 4 – mit Empfehlungen, die nicht verbindlich waren.
        In den ersten 2-3 Jahren führte die einzige örtliche Privatschule Aufnahmeprüfungen durch, nahm aber schnell davon Abstand.

        Es gab Vorgaben für Empfehlungen, Empfehlungsschreiben, Trend-Empfehlungen zum Halbjahr in Klasse 4, wechselnde Briefe, wechselnder Zeitpunkte, spätestens jedes 2. Jahr etwas Neues, inzwischen 2 protokollierte Gespräche absurden Umfanges.
        Ebenso hat sich die Schullandschaft verändert. Aus HS, RS, Gym sind inzwischen HS, RS, OBS (Oberschule – andernorts Realschule Plus, mit oder ohne Gym, früher KGS), IGS (mit oder ohne Gym), Gym geworden, FöS Lernen gibt es nur noch ab Kl. 5
        Was hat das gebracht? Nichts!

        Entscheidend ist das Verhältnis der Lehrkräft zu den Eltern und SchülerInnen sowie die Beratung hinsichtlich der möglichen Schulform, den örtlichen Gegebenheiten entsprechend.
        Ob das 5 min dauert, und man sich einig ist, oder mehrere längere Gespräche erfolgen, hängt vom Kind und den Eltern ab.
        Ob ich ein Protokoll führe oder es sein lasse, beeinflusst das Gespräch nicht, lediglich meine Arbeitszeit wird verlängert.

        In meinem Umfeld weichen seit Jahren nur sehr wenige Eltern von der empfohlenen Schulform ab. Da ist das Papier, auf dem die Empfehlung stehen könnte, absolut unwichtig.

  8. Einerseits sind wir froh, keinen elterlichen Anwalt/Prozess mehr fürchten zu müssen, andererseits schlagen wir die Hände über dem Kopf zusammen, wenn wir mitbekommen, dass manche Eltern praktisch gegen unseren Rat 2 Schulformen überspringen. Aber ab dem Schuljahr 2018/19 müssen wieder die Grundschulempfehlungen gezeigt werden. Bisher musste man bei den Anmeldungen auf die weiterführenden Schulen praktisch nur die Geburtsurkunde vorlegen (und den Nachweis über den Besuch der abgebenden GS). Welche Konsequenz das letztendlich hat, steht nirgends, aber anscheinend gibt es eine Notwendigkeit dafür, sonst würde man diese Maßnahme nicht ergreifen.

    • Aus Neugier: Was steht alles auf dem Nachweis der abgebenden Grundschule drauf? Können die Eltern auch mit dem oder den letzten Zeugnis(sen) zur weiterführenden Schule gehen? Die Noten sind sehr aussagekräftig, wer kein Zeugnis vorlegt, sagt möglicherweise auch etwas aus.

  9. Auch in NRW würde ich mich über eine Abschaffung der Methode freuen. Mein Sohn gehört zum oberen Leistungsdrittel, in der Rechtschreibung gilt er als besonders guter Schüler. Die Regeln der Schreibung (Auslautverhärtung, kurzer Vokal-Doppelkonsonant) beherrscht er, er hat Spaß am Schreiben und schreibt sehr viel – aber er bringt es nicht zusammen! In der vierten Klasse befragt er immer noch sein Gehör, wenn er ein “unbekanntes” Wort schreibt. Auf einen Fehler hingewiesen, erkennt er ihn auch und kann die dazugehörige Regel darauf anwenden. Aber nicht im Vorfeld. Er hat die uneingeschränkte gymnasiale Empfehlung, aber mir wird zuweilen immer noch schwindelig, wenn ich seine Texte lese. Seine Lehrerin ist top, ich schätze Sie und ich habe nie irgendetwas in Frage gestellt oder kritisiert – aber für diese Methode kann ich mich aus Erfahrung heraus nicht erwärmen. Wenn er für seine Rechtschreibkompetenz gelobt wird, rollen sich mir die Fußnägel auf.

  10. @ Cavalieri: Es findet mit den Eltern ausführliche Einzelberatung statt, verbindlich. Die Eltern erhalten auch per Post eine schriftliche Empfehlung, nur ist diese nicht bindend und musste bisher auch nirgends vorgelegt werden (ab Schuljahr 2012/13, vorher gab es eine verbindliche Empfehlung aufgrund der Noten in De und Ma). Wie gesagt, ab 2018/19 muss die Empfehlung vorgelegt werden, aber die aufnehmende Schule darf aufgrund fehlender Empfehlung niemanden ablehnen.

  11. Zitat: “Nachhilfeschulen in Osnabrück und im Landkreis berichten, dass Grundschüler trotz des Wegfalls der Schullaufbahnempfehlung vor drei Jahren zunehmend unter Druck stehen. Gerade nach dem Halbjahreszeugnis steigt der Nachhilfebedarf deutlich an. […]

    Die Leiterin des Nachhilfe-Instituts ‘Schülerhilfe’ an der Süsterstraße in Osnabrück, Kerstin Teschner, hat die Erfahrung gemacht, ‘dass Eltern seither versuchen, ihr Kind auf dem Gymnasium anzumelden und dort auch mithilfe von Nachhilfe durchzuboxen’. Die Schüler seien dadurch aber natürlich unglücklich, weil sie die Erwartungen oft nicht erfüllen könnten und dadurch deprimiert zur Nachhilfe kämen. ‘Nach meiner Wahrnehmung wächst der Druck auf die Grundschüler, weil Eltern frei entscheiden können, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken.’“

    https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1013466/druck-auf-grundschueler-in-der-region-osnabrueck-waechst

    • Das stimmt, heißt aber doch nur, dass mehr Druck auf Politik und Eltern gemacht werden muss, die Grundschullehrer können nun Grad weder etwas für die (dusseligen) Entscheidungen der Eltern noch für die (noch dusseligeren) Entscheidungen der Politik. Gerade die Politik richtet doch mit ihren Motto “Elternwille über alles” das größte Unheil an, weil sie meinen damit Wählerstimmen zu bekommen!

      • Genau so ist es! Und deshalb sollten die Grundschulkolleginnen auf Ihre unzweifelhaft vorhandene Kompetenz in Sachen Empfehlungschreiben hinweisen statt gebetsmühlenartig eine Methode zu verteidigen, die in Reinform kaum vorkommt, in diversen Varianten aber nach wie vor verwendet wird und den Kindern schadet, deshalb von der breiten Masse der Eltern und nahezu allen Kollegen anderer Schulformen abgelehnt wird und in Hamburg durch Kultussenator Ties Rabe sogar verboten wurde.

          • Wir werden es erleben, spätestens in vier Jahren, wenn die nächste Generation ohne Anlauttabelle in die weiterführenden Schulen kommt. Wetten, dass deren Rechtschreibleistung kein Deut besser wird? Was wird man dann für “eine Sau durchs Dorf treiben”? Bin echt gespannt 😉

          • Emil
            Die Anlaut-Tabellen werden doch weiter verwendet und solange eine falsche Fehlertoleranz vorherrscht, solange wird sich auch nicht viel an den Schreiberfolgen, geschweige denn an der Orthographie , der Syntax und dem sprachlichen Ausdrucksvermögen der Schüler etwas verbessern.

          • (Nicht nur) deshalb ist diese ganze Diskussion Quatsch! Das haben aber auch Palim und Mississippi schon etliche Male erklärt!

  12. @ xxx: Das Zeugnis sehen die Eltern und die Oma. Die weiterführenden Schulen sahen in den letzten 5 Jahren überhaupt nichts, nur, wo der GS-Schulbesuch war. Ab dem neuen Schuljahr muss man die Empfehlung der GS (ohne Noten, ohne Zeugnis, nur die Schulform ist angekreuzt) mitbringen, warum auch immer (Vllt. gibt es eine rote Liste für diejenigen mit HS-Empfehlung? – wie auch immer, es wird einen Grund geben).

    • moment mal – die weiterführende Schule sieht in BW das Abschlusszeugnis der Grundschule nicht?? Das ist wirklich originell. Was bedeutet nochmal “Zeugnis”?

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