Ende absehbar: Hauptschule verliert binnen zehn Jahren zwei Drittel ihrer Schüler

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DÜSSELDORF. Die Hauptschule wird zunehmend zum Auslaufmodell. Nur noch rund 72.000 Schülerinnen und Schüler besuchen im laufenden Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eine Hauptschule – das sind rund 16.000 weniger als im Vorjahr (−17,9 Prozent) und 145.000 weniger als vor zehn Jahren(−66,7 Prozent). Dies teilt „Information und Technik Nordrhein-Westfalen“ als amtliche Statistikstelle des Landes mit. „Der Wandel unseres Schulsystems ist im vollen Gange. Politik und Gesellschaft dürfen den Bildungsgang Hauptschule nicht unterschätzen, der mit oder ohne die Hauptschule als Institution nicht wegfallen kann. Hier ist die Politik gefragt, Lösungen zu finden“, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE.

Die Anmeldezahlen der Haupt- und Werkrealschulen in Baden-Württemberg gehen kontinuierlich zurück. Foto: Anton-kurt /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Die Anmeldezahlen der Haupschule in NRW geht kontinuierlich zurück. Foto: Anton-kurt /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Der Wandel der Schullandschaft bringt Behlau zufolge neue Regelungen mit sich, die kritisch zu prüfen seien. So werde Schulträgern von Realschulen in Nordrhein-Westfalen die Einrichtung eines Bildungsgangs ab Klasse 7 erlaubt, der zu den Abschlüssen der Hauptschule führt. Doch diese Regelung sei nur eine Krücke.  Sie „liefert kein vollwertiges System und führt im Zweifel sogar zu weiteren Schließungen von Hauptschulen. Die Realschule wird dadurch zur Auffangschule gemacht. Das Sterben der Hauptschulen erfordert angemessene Lösungen. Auf Seiten der Politik muss die Situation dringend neu durchdacht und geändert werden“, so betont der VBE-Landeschef.

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Insgesamt  besuchen 1.918119 Schülerinnen und Schüler eine allgemeinbildende Schule (ohne Weiterbildungskollegs) in NRW. Das sind 0,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Schuljahr 2008/09 sind die Schülerzahlen um 12,0 Prozent zurückgegangen. Zuwächse können vor allem die Gesamtschulen verzeichnen: Im Vergleich zum Schuljahr 2008/09 besuchen 32,3 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler diese Schulform (307 975 im Schuljahr 2017/18). Auch die Sekundarschulen weisen seit ihrer Einführung im Schuljahr 2012/13 einen stetigen Anstieg auf. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Schülerzahl im Schuljahr 2017/18 um 14,9 Prozent auf 57.877.

An den nordrhein-westfälischen Grundschulen ist der prognostizierte kräftige Anstieg der Schülerzahlen erst langsam zu spüren. Hier hat sich die Schülerzahl im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 um 0,9 Prozent auf 638.438 erhöht. Von den weiterführenden Schulen haben die Gymnasien – wie auch in den Vorjahren – im zurzeit laufenden Schuljahr mit 519 789 die meisten Schülerinnen und Schüler. News4teachers

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3 KOMMENTARE

  1. Das ist keine Überraschung. Seit Jahren predigt die Politik Abitur für Alle und macht aus der Hauptschule die Resterampe mit Perspektivlosigkeitsgarantie. Dazu kommt der allgemeine Geburtenrückgang.

    Allerdings stirbt die Hauptschule nur dem Namen nach. Die Klientel sammelt sich in den Sekundar-, Gemeinschafts- und Realschulen. Die Gesamtschulen nehme ich aus, weil dorthin noch ein guter Teil der (eigentlich) Realschüler geht, ebenso wie auf die Gymnasien.

  2. Da, wo es Gesamtschulen gibt, erhöht sich der Anteil der HS-Empfohlenen überproportional, da gleichzeitig die bedingt gymnasial Emphohlenen wegbleiben.

    Wo es GeS gibt, können die RS nämlich die HS-Empfohlenen ablehnen, wenn die Anmeldezahlen der RS-Empfohlenen ausreichend sind.

    • Da, wo es Gesamtschulen gibt, sind in vielen Fällen die Interessentenzahlen so hoch, dass die Eltern gezwungen sind, ihre Kinder auf die Hauptschule zu schicken. Falls es keine Hauptschule im Umkreis gibt, läuft es auf eine Sekundarschule hinaus, was aber faktisch dasselbe ist.

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