Forscher: Sklavenhaltung liegt in den Genen (zumindest bei Ameisen)

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FRANKFURT. Ameisen gelten als friedliebende und fleißige Baumeister. Einige scheinen jedoch ein bisschen aus der Art geschlagen: Sie gehen auf Raubzüge, halten Arbeitssklaven und werden von Forschern als Kampfmaschinen im Millimeterformat beschrieben. Wie unterschiedliche Sklavenhalter-Ameisen angreifen – darüber entscheiden auch die Gene.

Auch wenn sie nur wenige Millimeter groß ist und ihre Kolonie in einer Eichel Platz findet – mit einer Ameise der Art Temnothorax ist nicht zu spaßen. Jedenfalls nicht, wenn man selbst eine eng verwandte Ameisenart ist, die fleißig in der eigenen Kolonie Königin und Brut versorgt. Die aggressiven Verwandten könnten nämlich die harmlose Kolonie überfallen, die Brut stehlen und in der eigenen Kolonie versklaven. Wissenschaftler des Senckenberg-Instituts Biodiversität und Klima in Frankfurt und der Universität Mainz haben nun herausgefunden, wie die Gene das Angriffsverhalten bei unterschiedlichen Arten steuern.

Unter Ameisen gibt es mehr Überlebensstrategien, als gemeinhin angenommen. Foto: Stocksnap / picabay (CC0)
Unter Ameisen gibt es mehr Überlebensstrategien, als gemeinhin angenommen. Foto: Stocksnap / picabay (CC0)
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«Dass es sklavenhaltende Ameisen gibt, ist sogar schon Darwin aufgefallen», sagt Senckenberg-Wissenschaftlerin Barbara Feldmeyer. Sie hat sich mit ihrem Team das Erbgut von insgesamt drei Arten von Sklavenhalter-Ameisen genauer angeschaut und einzelne Gene mit dem Verhalten der Ameisen in Verbindung gebracht. Die Angriffsstrategien der drei Ameisenarten ähnelten sich grundsätzlich, berichten die Forscher im Fachjournal «Scientific Reports». Im Detail verhielten sich die einzelnen Arten jedoch unterschiedlich. Die Forscher identifizierten zwei spezifische «Angriffsgene», über die ihre versklavten Verwandten nicht verfügen. Sie zeigten, dass eine unterschiedliche Steuerung der Gene für die Unterschiede im Angriffsverhalten verantwortlich ist.

Die Kampfmaschinen im Millimeterformat können äußerst brutal vorgehen und alle Arbeiterinnen in der Wirtskolonie töten, so Evolutionsbiologin Feldmeyer. Das ist vor allem dann der Fall, wenn in der angegriffenen Kolonie eine Königin vorhanden ist. Dann kann es zu heftigen Kämpfen zwischen den Ameisen kommen. «Dann verteidigen die Arbeiterinnen das Nest auch wirklich extrem stark und rigoros und aggressiv», sagt Feldmeyer. «Wenn keine Königin im Wirtsnest ist, scheinen die Arbeiterinnen zwar das Nest zu verteidigen, aber eben nicht so rigoros und bis aufs Letzte und sind vielleicht nicht ganz so motiviert, das Nest zu verteidigen.»

In diesen Fällen scheinen die Sklavenhalter-Ameisen in der Lage zu sein, die angegriffenen Arbeiterinnen so zu manipulieren, dass diese sogar noch die Brut der eigenen Kolonie in das Nest der Räuber transportieren. Die «Sklavenameisen» müssen dann die Brut der Angreifer versorgen, für Futter sorgen und das Nest sauber halten.

Chemische Duftstoffe, die über die Angreifergene reguliert werden und während des Angriffs abgesondert werden, erhöhen offenbar die Erfolgschancen der Räuber. Sie sorgen dafür, dass die Angreifer nicht als fremd erkannt werden.

Neben den Sklavenhaltern gebe es auch Schmarotzer im Ameisenreich, erzählt Feldmeyer. Eine Art, die häufig nur noch Königinnen habe, agiere zum Beispiel als gewaltlose Hausbesetzerin: Sie dringe unbemerkt in eine fremde Kolonie ein. «Dann lebt die Königin dort, wird von den Arbeiterinnen versorgt und legt irgendwann ihre Eier, die zu Männchen und zu Jungköniginnen werden, die irgendwann das Nest verlassen. Das ist gewissermaßen eine Schmarotzerameise.» (Eva Krafczyk, dpa)

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