Neue Kopftuchdebatte? NRW-Integrationsministerium will Verbot unter 14 Jahren

2

STUTTGART. Soll Mädchen unter 14 das Tragen eines Kopftuchs verboten werden? Der überraschende Vorstoß des nordrhein-westfälischen Integrationsministers Joachim Stamp (FDP) hat eine bundesweite Debatte ausgelöst. Auch FDP-Chef Christian Lindner hat sich des Themas angenommen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kann der Idee eines Kopftuchverbots für Mädchen unter 14 Jahren nichts abgewinnen. «Ich persönlich halte nichts von solchen Verboten», sagte sie in Stuttgart. Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium erwägt ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen. Der «Bild»-Zeitung sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), religionsunmündige Kinder dürften nicht dazu gedrängt werden, ein Kopftuch zu tragen. Daher sollte ein Verbot geprüft werden. Nur erwachsene Frauen könnten die Frage selbstbestimmt entscheiden.

Erwägt ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen: Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Norrhein-Westfalen. Bild: FDP-NRW - FDP-Bundesgeschäftsstelle (R. Kowalke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Erwägt ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen: Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Norrhein-Westfalen. Bild: FDP-NRW – FDP-Bundesgeschäftsstelle (R. Kowalke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Anzeige


Eisenmann erklärte: «Ohne Frage müssen alle Kinder in unseren Kindergärten und Schulen die Chance und Möglichkeit bekommen, sich in unserer Gesellschaft frei und selbstbestimmt zu entwickeln.» Toleranz, Weltoffenheit und Diversität gehörten an jede Schule und an jeden Kindergarten. «Deshalb arbeiten wir auch nicht mit Untersagen.» Sie erwarte, dass bei Problemen in Kitas und Schulen mit den Eltern gesprochen werde.

Ein Sprecher des Integrationsministeriums zeigte sich überrascht von dem Vorstoß aus NRW. Bisher sei diese Idee nicht in einer Länderkonferenz zur Sprache gekommen.

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner tritt für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren ein. Er sagte, ein solches Verbot sei verhältnismäßig und stärke die Persönlichkeitsentwicklung der Mädchen. «Es ist zugleich ein leider notwendiger Hinweis, dass unsere moderne Gesellschaft die individuelle Religionsfreiheit auch innerhalb von Familien verteidigt.»

Lindner sagte nun offensichtlich an die Adresse von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), statt sinnfreie Islamdebatten zu führen, setze Stamp auf «Entscheidungen für eine fordernde, liberale Integrationskultur». Die FDP-Bundestagsfraktion werde sich nach der Osterpause mit dem Thema beschäftigen und prüfen, wie die NRW-Initiative in den Bundestag getragen werden könne.

Die integrationspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Linda Teuteberg, begrüßte den Vorstoß von Stamp ausdrücklich. Damit Integration gelinge, müssten auch Konflikte in der Einwanderungsgesellschaft «offen und besonnen angesprochen werden», erklärte sie.

Der WDR zitierte NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler mit den Worten: «Einem jungen Mädchen ein Kopftuch überzustülpen, ist pure Perversion. Das sexualisiert das Kind. Dagegen müssen wir klar Position beziehen.»

Der «Bild» sagte sie: «Lehrer beobachten an den Grundschulen immer häufiger, dass schon siebenjährige Schülerinnen mit Kopftuch in den Unterricht kommen.» In Ausnahmefällen erschienen sogar schon Kinder mit Kopftuch in den Kitas. Dem Kultusministerium in Stuttgart ist hingegen nicht bekannt, dass junge Mädchen immer häufiger schon im Kindergarten oder in der Grundschule ein Kopftuch tragen. (dpa)

Frauenrechtsorganisation fordert Kopftuch-Verbot für Schülerinnen: “Das Recht auf Kindheit muss gewahrt bleiben”

Anzeige


2 KOMMENTARE

  1. Obwohl ich Erwachsenen zugestehe, selbst zu entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht, würde ich ebenso zustimmen, es Minderjährigen in Kindergarten und Schule nicht zu erlauben (bis zu welchem Alter, da bin ich nicht festgelegt, 14 scheint mir akzeptabel). Kinder werden eben doch eher von Eltern beeinflusst, als dass sie damit ihrer freien Willensbekundung Ausdruck verleihen wollen.

    Siehe auch Österreich: https://www.n-tv.de/politik/Osterreich-will-keine-Kinder-mit-Kopftuch-article20367691.html

    • Ich bin etwas unentschlossen in der Frage, Ihre Argumentation ist aber plausibel. Das Alter 14 bzw. Beginn der Klasse 8 finde ich auch sinnvoll, weil dann auch christliche / agnostische / atheistische Kinder entscheiden können, ob sie weiter zum Religionsunterricht gehen wollen oder zur praktischen Philosophie wechseln (gilt für NRW).

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.