Holter kassiert für seine Pläne zum neuen Schulgesetz Kritik von Opposition und Lehrerverband

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ERFURT. Thüringens Bildungsminister will Mindestgrößen für Schulen festschreiben und langfristig mehr inklusiven Unterricht im Freistaat. Dafür hat er ein Gesetzespaket geschnürt. Die Opposition ist dagegen. Und auch der Lehrerverband übt Kritik.

Von Schwerin nach Erfurt: Helmut Holter. Foto: Sven Teschke / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)
Holter möchte keine Schulen schließen.                                   Foto: Sven Teschke / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Mit einem neuen Gesetzespaket will Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) kleine Schulen zu Kooperationen bewegen und die Inklusion vorantreiben. Das geht aus einem Entwurf zu einem neuen Schulgesetz hervor, den Holternach Beratungen im Kabinett vorstellte. In der umfassenden Novelle soll unter anderem erstmals festgelegt werden, wie viele Kinder und Jugendliche eine Schule unterrichten muss, um eigenständig bestehen zu dürfen. Holter erneuerte sein Versprechen, keine Schulen in Thüringen schließen zu wollen. Allerdings seien dafür Kooperationen nötig.

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Die Pläne sehen unter anderem vor, dass Grundschulen im ländlichen Raum mindestens 80 Schüler haben sollen, in Städten und Gemeinden mit mehr als 6.500 Einwohnern soll die Grenze bei mindestens 160 Schülern liegen. An Gymnasien sollen demnach mindestens 540 Schüler lernen, an Gemeinschaftsschulen 264 und an Gesamtschulen 396.

«Es wird Schulen geben, die diese Kriterien nicht erfüllen. Doch es geht nicht darum, diese zu schließen, sondern Kooperationen zu finden», sagte Holter in der Erfurter Staatskanzlei. Durch die Zusammenarbeit soll es für kleine Schulen etwa leichter werden, Vertretungen für Fachlehrer zu organisieren. Damit will Holter den Unterrichtsausfall in Thüringen in den Griff bekommen.

Existenznot im ländlichen Raum

Der Thüringer Lehrerverband begrüßte zwar, dass Mindestschülerzahlen im Gesetz festgeschrieben werden sollen, kritisierte die konkreten Zahlen aber als «nicht vernünftig» und zu hoch. Kritik kam auch von der Opposition: «Was Rot-Rot-Grün plant, bringt in absehbarer Zeit zahllose Schulen vor allem im ländlichen Raum in Existenznot», teilte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, mit.

Holters Gesetzespaket sieht auch Veränderungen bei der Inklusion vor. Demnach sollen sich bestimmte Förderschulen langfristig zu Beratungszentren ohne eigene Schüler entwickeln. Holter betonte, dass der Vorrang für die Landesregierung der gemeinsame Unterricht bleibe. «Aber wir haben in Thüringen noch nicht die Voraussetzungen und auch noch nicht die gesellschaftliche Stimmung dafür», sagte der Bildungsminister. Deshalb habe er im Prozess hin zu mehr Inklusion das Tempo gedrosselt.

Die Entscheidung, ob ihr Kind an einer Förderschule oder gemeinsam mit anderen Kindern ohne Handicap unterrichtet werden sollen, bleibe bei den Eltern, betonte Holter.

Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag kritisierte die Pläne des Bildungsministers: «Förderschulen haben sich aus Sicht der AfD-Fraktion bewährt und sollten weiterentwickelt werden», teilte Wiebke Muhsal, bildungspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion mit. Auch die CDU-Fraktion äußerte Kritik: «Das Ziel, am Ende eines längeren Prozesses alle Kinder mit besonderem Förderbedarf inklusiv zu unterrichten und die Förderzentren zu Schulen ohne Schüler zu machen, lehnt die CDU-Fraktion ausdrücklich ab.» dpa

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6 KOMMENTARE

  1. mindestens 80 oder gar 160 Schüler für eine Grundschule, das ist wirklich viel. Nun kommt es darauf an, was “Kooperation” bedeutet – vermutlich dass man für mehrere Schulen nur einen Rektor bezahlen muss – und was dieser dann daraus macht (z.B. die allwöchentliche Nachmittagskonferenz zu seinen Lieblingsideen, welche die brave Lehrerin dann auch still erduldet, wie bei unseren Bekannten…?)

    • Vertretungsverpflichtung quer über Land. Es braucht keine Abordnung mehr, sondern die SL muss selbst sehen, wie die Vertretung an allen Standorten geregelt wird und schickt die Kolleginnen auf Reise.

      • Guter Einwand. Das kommt natürlich bei mehreren Schulstandorten dazu. Die in ländlichen Gebieten unvermeidlichen großen Abstände machen die Sache nicht einfacher. Fahrtkostenerstattung durch den Schulträger oder das Land kann man sich natürlich abschminken.

  2. Warum in aller Welt soll ein Gymnasium mindestens 540 Schüler haben? Man hat G8, also wäre eine vernünftige Untergrenze bei einem zweizügigen Gymnasium 25 x 2 x 8 = 400 Schüler. Oder aufgeschlüsselt auch
    60 x 5 = 300 für die Sek I und 40 x 3 = 120 für die Sek II, zusammen 420. Und warum sollen einzügige Gymnasien verboten sein? Die können dann keine Wahl bei Fremdsprachen anbieten, aber wenn sie das von vorherein sagen, können sich alle darauf einstellen. Sprachenfolge Englisch – Französisch und dann math.-nat. Profil, warum soll das nicht einzügig gehen? Dann hat man an dieser Schule eben in bestimmten Fächern nur das erhöhte Anforderungsniveau. Ganz Baden-Württemberg hatte viele Jahre lang nur das erhöhte.

  3. ZITAT: “Auch die CDU-Fraktion äußerte Kritik: «Das Ziel, am Ende eines längeren Prozesses alle Kinder mit besonderem Förderbedarf inklusiv zu unterrichten und die Förderzentren zu Schulen ohne Schüler zu machen, lehnt die CDU-Fraktion ausdrücklich ab.» dpa”

    Schön, dass es nicht mehr nur eine Wahloption gibt, wenn man für den Erhalt der Förderschulen ist.

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