Neuer Bonus für sorbischsprachige Lehramts-Bewerber nicht umgesetzt

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DRESDEN. Um in Sachsen ausreichend sorbischsprachige Lehrer zu haben, wurde 2017 das Hochschulgesetz des Landes geändert. Sorbisch-Kenntnisse sollten künftig bei Lehramts-Bewerbern in allen Fächern berücksichtigt werden – und nicht nur im Fach Sorbisch. Was wurde daraus?

Die sächsische Oberlausitz – hier wohnen zwei Drittel der Sorben.                                 Foto: Steffen Klaus / flickr / CC BY 2.0

Der seit August nach Sachsens Hochschulgesetz mögliche Bonus für sorbischsprachige Lehramts-Bewerber in allen Fächern wird an den Hochschulen bislang nicht umgesetzt. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. An der Universität Leipzig soll er laut deren Angaben frühestens zum Wintersemester 2018/2019 kommen. Die genaue Ausgestaltung sei derzeit noch in der Abstimmung mit den akademischen Gremien der Hochschule. An der Technischen Universität (TU) Dresden soll der Bonus laut einer Sprecherin ebenfalls ab dem kommenden Wintersemester kommen. Die TU Chemnitz sowie die Kunsthochschulen wenden laut Wissenschaftsministerium einen Bonus bislang nicht an.

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Für Lehramts-Bewerber können laut Hochschulgesetz seit August 2017 Sorbisch-Kenntnisse für die Bewerbung in allen Fächern von Vorteil sein. Bislang wurden die Sprachkenntnisse nur bei einer Bewerbung als Lehrer für Sorbisch-Unterricht berücksichtigt. Ziel der neuen Regelung ist es, die Zahl der Lehrkräfte mit sorbischen Sprachkenntnisse zu erhöhen. Die Studentenzahl im Teilstudiengang Sorbisch habe seit Jahren im einstelligen Bereich gelegen, hieß es damals im Gesetzesentwurf.

Laut dem Kultusministerium gibt es keine Zahlen dazu, wie viele Lehrer derzeit im Sorbischunterricht oder im sorbischsprachigen Sachfachunterricht eingesetzt sind. Bis 2025 sei aber mit einem Lehrerbedarf von circa 100 Lehrern und Schulleitern zu rechnen.

Die anerkannte slawische Minderheit der Sorben hat rund 60.000 Angehörige. Das Siedlungsgebiet liegt zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda. Etwa zwei Drittel von ihnen leben in der sächsischen Oberlausitz, ein weiteres Drittel ist in der brandenburgischen Niederlausitz zu Hause. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Schade, dass es nicht umgesetzt wird. Die beiden sorbischen Sprachen (Obersorbisch und Niedersorbisch) stehen mehr oder weniger kurz vor dem Aussterben.

    • Dem Sorbischen wird es prinzipiell so gehen wie dem Rätoromanischen in der Schweiz, eine der vier offiziellen Sprachen. Es gibt mit ebenfalls 60000 zu wenige Leute, die das noch sprechen, und dann zerfällt es noch in verschiedene Versionen oder Dialekte (Widipedia spricht von fünf Mundartgruppen, jede mit einer eigenen Schriftsprache). Ich fürchte, im vereinten Europa wird es schwierig und schwieriger für solche “kleinen Sprachen”.

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