Schulabbruch wegen Menstruation betrifft weltweit Millionen von Mädchen

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HAMBURG. Die Menstruation ist in vielen Kulturen negativ behaftet und tabuisiert. In einigen Ländern sind die Folgen dramatisch: Allein in Indien brechen 20 Prozent der Mädchen die Schule ab, wenn sie ihre Periode bekommen, berichtet jetzt die Kinderhilfsorganisation Plan International.

Für Milliarden von Mädchen und Frauen auf der Welt ist die Menstruation Teil ihres Alltags. Trotzdem ist das Thema noch immer stark tabuisiert und schließt sie aus vielen Bereichen des Lebens aus. Eine neue Studie von Plan International zeigt, wie gravierend die Auswirkungen vor allem für junge Mädchen in Entwicklungsländern sind. In Indien brechen 20 Prozent der Mädchen die Schule ab, sobald sie ihre Periode haben. In Malawi verpassen 70 Prozent von ihnen jeden Monat bis zu drei Tage Unterricht, weil es an den Schulen keine Möglichkeit gibt, sich zu waschen, die Binde zu wechseln oder sie sich keine Hygieneartikel leisten können. Aufgrund der Fehlzeiten müssen viele von ihnen die Schule verlassen.

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In Uganda kostet ein Paket Monatsbinden im Schnitt zwei US Dollar; mehr, als die meisten Menschen dort am Tag verdienen. Beim Menstruations-Projekt von Plan International lernen Mädchen, wiederverwendbare Binden herzustellen. (Foto: Plan International)
In Uganda kostet ein Paket Monatsbinden im Schnitt zwei US Dollar; mehr, als die meisten Menschen dort am Tag verdienen. Beim Menstruations-Projekt von Plan International lernen Mädchen, wiederverwendbare Binden herzustellen. (Foto: Plan International)

“Die Folgen für die Mädchen sind dramatisch und wirken sich auf ihr gesamtes Leben aus: Sie machen keinen Schulabschluss, haben kein eigenes Einkommen und laufen Gefahr, bereits im Kindesalter verheiratet zu werden”, sagt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. In Uganda schließen laut einer Statistik der Regierung nur etwa 57 Prozent aller Mädchen die Schule ab. “Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Menstruation und die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind.”

Die weibliche Menstruation ist in vielen Kulturen negativ behaftet und wird oft von Schweigen, Ausgrenzung und Scham begleitet. In Nepal beispielsweise werden Frauen, die ihre Periode haben, aus dem Haus verbannt und dürfen in dieser Zeit keine anderen Menschen und kein Wasser berühren. Zwar ist dieser Brauch seit einigen Jahren offiziell verboten, in Teilen des Landes wird er jedoch noch immer praktiziert. In vielen Ländern können Mädchen mit niemandem über ihre Periode sprechen, weil sie sich zu sehr schämen. Dieses Schweigen hat meist eine große Unwissenheit zur Folge. Fast die Hälfte aller Mädchen im Iran glaubt, dass Menstruation eine Krankheit ist. Und in Malawi wussten acht von zehn Mädchen bei ihrer ersten Periode nicht, was mit ihrem Körper passiert.

Das Tabu ist laut der Hilfsorganisation nicht nur in Entwicklungsländern verbreitet – auch in Europa ist die Monatsblutung häufig mit peinlichem Schweigen und Scham verbunden. In Großbritannien ist es der Studie zufolge knapp der Hälfte der Mädchen peinlich, wenn sie ihre Periode haben. Jede zehnte junge Frau dort kann sich keine Hygieneartikel leisten – auch weil Tampons und Binden in vielen Ländern so hoch besteuert werden wie Luxusartikel. Viele Mädchen, vor allem in einkommensschwachen Ländern oder in Krisen- und Konfliktregionen, behelfen sich während der Menstruation mit alten Lappen, Blättern oder anderen Notlösungen. Das Risiko von Infektionen ist dadurch sehr hoch, besonders in Gebieten, in denen es kein sauberes Wasser gibt.

“Die Probleme, mit denen Mädchen und Frauen durch ihre Periode zu kämpfen haben, sind bisher noch viel zu wenig beachtet worden – dabei schließen sie sie vom gesellschaftlichen Leben aus und nehmen ihnen die Chance darauf, später ein selbstbestimmtes Leben und unabhängiges Leben zu führen”, betont Maike Röttger. “Wir müssen dafür sorgen, dass Mädchen sich für ihre Periode nicht mehr schämen müssen und die nötigen Voraussetzungen schaffen, damit sie weiterhin zur Schule gehen können.” Dazu gehören zum Beispiel der Bau von getrennten Toiletten und Waschmöglichkeiten sowie das Verteilen von Hygieneartikeln. Der 28. Mai wurde deshalb zum “Internationalen Tag der Menstruationshygiene” erklärt, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. (ots)

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