Studie: Digitale Medien führen bei kleinen Kindern zu Verhaltensaufälligkeiten

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LEIPZIG. Der Konsum elektronischer Medien kann bei Vorschulkindern zu emotionalen und psychischen Verhaltensaufälligkeiten führen. Das ist ein Ergebnis der Life Child-Studie der Universität Leipzig, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Zugleich entdeckten die Forscher, dass Kinder, die mehr Probleme mit Gleichaltrigen haben, ein Jahr später häufiger elektronische Medien nutzen.

Gebannt: Mädchen vor Smartphone-Schirm. Foto: r. nial bradshaw / flickr (CC BY 2.0)
Gebannt: Mädchen vor Smartphone-Schirm. Foto: r. nial bradshaw / flickr (CC BY 2.0)

Vorschulkinder, die täglich Smartphone oder Computer nutzten, litten demnach ein Jahr später häufiger unter Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit als Kinder, die diese Medien nicht verwendeten, wie Studienleiterin Tanja Poulain erläuterte. «Kinder ohne Medienkonsum haben vergleichsweise auch weniger emotionale Probleme.» Für die Studie wurden 527 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren aus Leipzig und Umgebung untersucht.

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«Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass verstärkter Medienkonsum ein Risiko darstellt, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Wiederum können Verhaltensauffälligkeiten auch zu einem vermehrten Konsum dieser Medien führen», sagte Poulain.

Die Leipziger Wissenschaftler raten, den Konsum elektronischer Medien äußerst gering zu halten und frühe Anzeichen von Verhaltensauffälligkeiten ernst zu nehmen. Die Life Child-Studie ermöglicht es, die individuellen Entwicklungsverläufe der Kinder langfristig zu begleiten, da die Studienteilnehmer etwa einmal im Jahr zur Untersuchung in die Studienambulanz kommen. dpa

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6 KOMMENTARE

  1. “«Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass verstärkter Medienkonsum ein Risiko darstellt, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Wiederum können Verhaltensauffälligkeiten auch zu einem vermehrten Konsum dieser Medien führen», sagte Poulain.”

    Sicherlich haben die Forscher die Vergleichsgruppe auch nicht absichtlich verstärktem Medienkonsum ausgesetzt, sondern Daten erhoben.

    Da würde ich den Zusammenhang nicht allein bei Medienkonsum und Verhaltensauffälligkeiten suchen.
    Eltern, die ihre Kinder schon im Vorschulalter längere Zeit Medien konsumieren lassen, sind wohl auch Eltern, denen im Hinblick auf Verhalten, Lernen, Ernährung u.a. nicht unbedingt das umsetzen, was Kinder in ihrer Entwicklung fördern würde.

    • Rein gefühlsmäßig könnte man denken, dass Sie Recht haben. Man muss aber auch die tatsächlich medienbegeisterten, aber ansonsten gebildeten Leute in Rechnung stellen, z.B. auch die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), die die Medienkompetenz in der Kita ungeheuer wichtig findet:
      http://www.medienkompetenzportal-nrw.de/themen-dossiers/kinder-medien-sprache/medienkompetenz-in-der-kita.html
      Und es gibt noch mehr solche Bestrebungen, Die Didacta steht neuerdings ganz im Zeichen der Medien, dann gibt’s noch Bertelsmann usw.
      Die Frage wäre, ob Medienmuffel tendenziell ihre Kinder besser fördern. Bis vor kurzem durften Eltern von Waldorfschülern jedenfalls nicht einmal einen Fernseher zu Hause haben.

      • Sie müssen schon zwischen wissenschaftlicher Forschung und kommerziellen Interessen unterscheiden. Die Bertelsmänner, die Didacta und alle Bildungsverlage zählen eindeutig zu letzterem.

        • Die Landesanstalt zähle ich auch nicht zur Forschung. Das ist wie bei den Landesinstituten für Schulentwicklung. Jedenfalls gibt’s genügend viele Leute, die Reklame für Medieneinsatz im Kindergarten machen. Auch hier bei n4t gab’s solche Meldungen (ein Pädagogik-Professor mit griechischem Namen, der mir gerade nicht einfällt)

      • Sie vergleichen “medienbegeistert” mit “Medienmuffel”, dazwischen gibt es eine Menge.
        Auch bedeutet “Medienkompetenz erweitern” nicht, dass in den KiTa oder Grundschulen den ganzen Tag gedaddelt oder geglotzt wird.
        Das Programm in NRW nennt als Inhalte:
        – Medienerlebnisse zu verarbeiten,
        – Medientechnik auszuprobieren,
        – Medienangebote wie Werbung zu durchschauen,
        – sinnvoll am Computer zu lernen oder
        – ihre Kompetenzen wie Sprachkompetenzen durch entsprechende mediengestützte Programme spielerisch zu fördern.
        Klingt toll, aber man sollte sich für die KiTa genau ansehen, wie niederschwellig diese Inhalte vermittelt werden können oder sollen/sollten.

        Auch die Bausteine oder Überlegungen zum Unterricht in der GS, die man vor Jahren schon in NRW erstellt hat, waren m.E. sinnvoll.
        Dabei geht es beim Medieneinsatz in der Grundschule mehr um Medien als Werkzeug oder Arbeitsgerät, aber eben auch um Prävention hinsichtlich der Gefahren im Netz: schon da: sensible Daten, Verhalten im Chat, Mobbing, Konsum uvm.

        Medienaffine, aber ansonsten gebildete Menschen wissen um Umgang, Nutzen und Risiken und sind vermutlich diejenigen, die bei Bildschirmmedien am ehesten den Überblick über Nutzung, Inhalte und Dauer behalten. Entsprechend wirken sie in diesem Bereich auf das VERHALTEN ihrer Kinder ein, so wie sie es in anderen Bereichen auch machen.
        Deshalb ist naheliegend, dass die erhobenen Daten plausibel erscheinen, ein Zusammenhang zwischen Nutzung und Erziehung besteht und und dies dann auch auf das Verhalten wirkt.

        • Ist ja richtig, was Sie sagen. Aber ich staune schon, dass zwei- bis fünfjährige Kinder schon mit Tablets hantieren und dass das auch gut sein soll. So wird es ohne große Kritik in dem angegebenen Link von der Landesanstalt gesagt. Fernsehen von kindergeeigneten Sendungen und in Maßen ist ja nichts neues (Sandmännchen). Ich glaube aber eigentlich nicht, dass die Leiter der Studie nur Verhaltensauffälligkeiten konstatiert haben, die ganz andere Ursachen haben (wie Sie vermuten). So dumm können die nicht sein. Jedenfalls finde ich das ganze Gerede von der Notwendigkeit einer Digitalisierung der Kindergärten und Grundschulen irgendwie verfehlt. Was soll denn der positive Effekt sein? Stehen Aufwand und Nutzen in sinnvoller Relation? Gibt es irgendeine Eile dabei? Kann man Lesen, Schreiben, Rechnen heute sonst nicht mehr lernen? Man sollte lieber die höheren Schulen so ausstatten, dass die Computer auch sinnvoll genutzt werden können, z.B mit einem Systemadministrator. Grundsätzliche Kritik gibt’s aber auch:
          http://schulforum-berlin.de/category/schule-und-digitales-lernen/

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