Wieder Panne bei zentralen Mathe-Prüfungen – Schüler dürfen wiederholen

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POTSDAM. Es ist der Alptraum eines jeden Schülers: In der Mathe-Abschlussprüfung kommen Themen vor, die im Unterricht nie behandelt wurden. Nach einer neuen Panne in Brandenburg verspricht das Bildungsministerium umfassende Aufarbeitung.

Die Matheklausuren müssen nochmal geschrieben werden. (Foto: Jörg TRampert/pixelio.de)

Bei Mathe-Prüfungen im Land Brandenburg ist es in erneut zu einer Panne gekommen. An zwei Oberstufenzentren in Cottbus und Lübben (Dahme-Spreewald) wurden die Schüler zu Themen befragt, die im Unterricht nie gelehrt worden waren, wie das Potsdamer Bildungsministerium am Freitag mitteilte. Bei der Prüfung zur Fachhochschulreife, die zum Studium an Fachhochschulen und einigen Universitäten berechtigt, ging es um Aufgaben in den Bereichen Wahrscheinlichkeitsrechnung und analytische Geometrie.

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In Cottbus seien die Schüler noch rechtzeitig mit neuen Aufgaben versorgt worden, so dass die Prüfungen regulär abgelegt werden konnten, hieß es. In Lübben hätten Schüler dagegen die Aufgaben erhalten, die nicht im Unterricht behandelt wurden. Den 83 betroffenen Schülern wurde laut Ministerium angeboten, die Prüfungen am 8. Juni erneut abzulegen. Landesweit hätten in diesem Jahr mehr als 1600 Schüler Prüfungen zum Erwerb der Fachhochschulreife abgelegt.

Brandenburgs Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher kündigte eine genaue Untersuchung an. Man müsse aus Fehlern lernen. In einem Fall habe es womöglich damit zu tun, dass ein Lehrer wegen Krankheit eine zeitlang von einem anderen Lehrer ersetzt wurde. Priorität habe nun zunächst eine Lösung im Sinne der Schüler. «Es darf in keinem Fall für die betroffenen Schüler zu Nachteilen kommen.»

Bereits im vergangenen Jahr war es zu einer Panne gekommen. Damals waren im Abitur Mathematik-Fragen gestellt worden, die von vielen Lehrkräften nicht behandelt worden waren. Rund 6000 Schüler durften die Prüfung wiederholen – 2600 Schüler machten davon Gebrauch.

Drescher räumte ein, dass er bereits vergangenes Jahr angekündigt habe, aus der damaligen Panne lernen zu wollen. Man werde sich jetzt auch die Oberstufenzentren und auch die Abschlussprüfungen in der zehnten Klasse noch einmal genau ansehen. Das Controlling müsse noch weiter geschärft werden. Die Prüfungen für die Oberstufenzentren werden im Land ausgearbeitet, die Abitur-Prüfungen sind dagegen bundesweit zentral vorgegeben.

Der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann kritisierte in einer Mitteilung die Informationspolitik der Bildungsministerin. «Gestern tagte im Landtag der Bildungsausschuss. Der Ministerin waren die erneuten Prüfungspannen offensichtlich bekannt, aber sie hat darüber kein Wort verloren», sagte Hoffmann. «Nach dem hausgemachten Abitur-Chaos im letzten Jahr ist es eine Beleidigung des Parlaments, den Abgeordneten die neuerliche Panne zu verschweigen.» Es könne nicht sein, dass in jedem Jahr Schüler Prüfungen wiederholen müssten, weil der Stoff aus irgendwelchen Gründen nicht unterrichtet wurde.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, meinte, es sei außerordentlich ärgerlich, dass es offensichtlich wieder nicht gelungen sei, Prüfungen und Unterrichtsgestaltung aufeinander abzustimmen. «Wir sind doch nicht mehr im Zeitalter der Brieftauben! Die Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler, selbst wenn sie die Möglichkeit einer Wiederholung der Prüfung erhalten.» Das Bildungsministerium müsse nun bessere Konsequenzen ziehen als vergangenes Jahr.

Auch in Sachsen-Anhalt gab es am Freitag eine Debatte um Prüfungen – dort hatten sich mehrere Lehrer beschwert, dass Mathematik-Aufgaben im Abitur nicht lösbar gewesen seien. Das Bildungsministerium in Magdeburg erklärte aber nach einer Untersuchung, die Aufgaben hätten dem Lehrplan entsprochen, die Prüfungen würden nicht wiederholt. dpa

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1 KOMMENTAR

  1. Im vergangenen Jahr passierte es, dass in einer Zentralabituraufgabe der natürliche Logarithmus vorkam. Der steht durchaus in den (angeblich verbindlichen) Bildungsplänen drin, wurde aber vor Ort nicht immer behandelt.
    Daran sieht man die inneren Widersprüche des ganzen Vereinheitlichungsstrebens: Man will alles vergleichbar und einheitlich machen, und dann geht das praktisch doch nicht. Früher stellten die Schulen die Prüfungsaufgaben selbst. Da konnte sowas nicht passieren. Allerdings entsprach das Niveau dann dem der Schule bzw. des Unterrichts, und das war eben nicht einheitlich.

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