Website-Icon News4teachers

Forscher bestätigen, was Lehrer schon immer sagen: Kleinere Klassen führen zu besseren Schülerleistungen

Anzeige

BERLIN. Jetzt also doch: Kleinere Klassen in Grundschulen führen zu besseren Leistungen der Schüler in den Fächern Deutsch und Mathematik. Außerdem senken sie die Wahrscheinlichkeit, dass Schüler eine Klasse wiederholen müssen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Dafür haben die Autoren Maximilian Bach und Stephan Sievert aus der Abteilung Bildung und Familie des DIW Berlin Ergebnisse in Deutsch- und Mathetests von mehr als 38.000 Schülern ausgewertet, die im Rahmen landesweiter Orientierungsarbeiten im Saarland erhoben wurden. Unter Berufung auf internationale Vergleichsstudien hatten Bildungsforscher (und Kultusministerien) die Auswirkungen kleinerer Klassen auf die Lernerfolge der Schüler als gering erachtet.

Die Klassengröße ist doch ein entscheidender Faktor für die Unterrichtsqualität. Foto: Shutterstock

„Bisher lagen für Deutschland keine Studien vor, die methodisch exakt zeigen können, dass ein besserer Lehrer-Schüler-Schlüssel tatsächlich bessere schulische Leistungen zur Folge hat“, erklärt DIW-Bildungsökonom Maximilian Bach. Tatsächlich wird bislang oft auf internationale Vergleichsstudien verweisen, die keinen Effekt erkennen konnten – in Asien etwa erreichen Schüler starke Leistungen trotz sehr großer Klassen. „Mit unseren Daten und dank einer weiterentwickelten Methodik können wir nun aber sehr deutlich zeigen, dass die Klassengröße für die schulischen Leistungen entscheidend ist und Kinder in kleineren Klassen mehr lernen.“ Die Methodik erlaubt es unter anderem, mögliche Verzerrungen des Klassengrößeneffekts auszuklammern, beispielsweise, dass leistungsschwächere Schüler von vornherein kleineren Klassen zugeordnet werden.

Vor allem in großen Klassen, in denen mindestens 20 Schüler unterrichtet werden, zeigt sich ein Effekt, wenn die Schülerzahl reduziert wird. Jedes Kind weniger führt in solchen Klassen in der dritten Jahrgangsstufe im Fach Deutsch zu Leistungszuwächsen, die – bezogen auf ein Schuljahr – denen von zweieinhalb Unterrichtswochen entsprechen. Das bedeutet: Derselbe Unterrichtsstoff kann ohne Leistungseinbußen in mehr als zwei Wochen weniger vermittelt werden. Die Auswirkungen einer durchaus realistischen Reduzierung einer großen Klasse um fünf Schüler entsprächen den Leistungszuwächsen von knapp drei Monaten. Im Fach Mathematik sind in kleineren Klassen vor allem bei Mädchen bessere Testresultate zu erwarten, Jungen profitieren hingegen eher wenig.

Anzeige

Sitzenbleiberquote sinkt

Auch die Wahrscheinlichkeit, eine Jahrgangsstufe wiederholen zu müssen, sinkt in kleineren Klassen: In der ersten Klasse führt jedes Kind weniger im Klassenverbund zu einem um 0,1 Prozentpunkte niedrigeren Anteil an Sitzenbleibern, wie Studienautor Stephan Sievert erklärt. „Das klingt im ersten Moment nicht nach einem großen Effekt – da aber der Anteil der Klassenwiederholungen im ersten Schuljahr insgesamt bei nur 2,3 Prozent liegt, führt jedes Kind weniger zu einer Reduzierung der Wiederholerquote um knapp fünf Prozent.“

Wie ist der Zusammenhang zwischen Klassengröße und Lernerfolg zu erklären? „Unsere Vermutung ist, dass Lehrerinnen und Lehrer Wissen in kleineren Klassen besser vermitteln können. Dies kann mehrere Gründe haben. Zum einen ist in kleineren Klassen das Potential für Störungen im Unterricht niedriger, zum anderen können Lehrkräfte im All­gemeinen in kleineren Klassen besser auf die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen“, sagt DIW-Forscher Maximilian Bach.

Die Studie zeigt, dass es sich auch volkswirtschaftlich lohnen könnte, große Klassen zu verkleinern, um das Leistungsniveau von Grundschülern anzuheben. Zwar würden dadurch die Personalkosten für Lehrern steigen, jedoch führen bessere Leistungen in der Schule beispielsweise häufig zu höheren Einkommen im Berufsleben. Auf diese Weise könnten sich die staatlichen Mehrausgaben im Schulbereich über höhere Einkommensteuereinnahmen als rentabel erweisen. „Eine Reduzierung der Klassengröße in kleineren Klassen, die weniger als 20 Schülerinnen und Schüler haben, ist auf Grundlage unserer Berechnungen dagegen nicht zu empfehlen. Das würde Geld kosten, ohne die gewünschten Lernerfolge zu bringen“, erläutert Bach.

Sein Fazit: „Natürlich sind Klassenreduzierungen extrem teuer, weil dadurch zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden müssen.  Jedoch können sich diese Ausgaben langfristig lohnen, weil der Staat von besserer Bildung auch profitiert, zum Beispiel in Form von höheren Steuereinnahmen oder auch dadurch, dass der  Anteil der Klassenwiederholer reduziert werden kann, was auch ein großer Kostenfaktor im Bildungssystem ist.“ News4teachers

Hier geht es zu der Studie.

Gastbeitrag: Und sie ist doch wichtig – warum die Bedeutung der Klassengröße oft verkannt wird

Anzeige
Die mobile Version verlassen