Mehr Polnisch-Unterricht an Brandenburger Schulen

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POTSDAM. Seit Jahren nimmt der Polnisch-Unterricht an den Schulen in Brandenburg zu. Die Polen bilden die größte Ausländergruppe im Land. Aber auch bei deutschen Schülern steigt das Interesse.

Immer mehr Schüler in Brandenburg lernen Polnisch. Im laufenden Schuljahr nehmen rund 2700 Jungen und Mädchen an polnischem Sprachunterricht in verschiedenen Formen teil, wie das Bildungsministerium auf Anfrage mitteilte. Das waren etwa 180 mehr als im vorangegangenem Schuljahr. Nach Ansicht der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg könnten noch mehr Schüler diese Fremdsprache lernen, wenn sie an mehr Schulen angeboten würde.

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Immer mehr Schüler in Brandenburg lernen Polnisch. Foto: isamiga76 / flickr (CC BY 2.0)
Immer mehr Schüler in Brandenburg lernen Polnisch. Foto: isamiga76 / flickr (CC BY 2.0)

Vor fünf Jahren gab es den Angaben zufolge nur etwa 1730 Kinder und Jugendliche, die sich an den allgemein- und berufsbildenden Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft für die Sprache des Nachbarlandes interessierten. Polnisch kann in Brandenburg als erste, zweite oder dritte Fremdsprache an derzeit 30 Schulen gelernt werden. Angeboten wird sie aber auch als sogenannte Begegnungssprache, in einer Arbeitsgemeinschaft oder als Muttersprache für Schüler, deren Eltern zu Hause Polnisch sprechen. Die stärkste Nachfrage nach Polnisch gibt es Schuldatenerhebungen zufolge im laufenden Schuljahr in den 10. Klassen und im ersten Ausbildungsjahr.

Ein Teil des steigenden Interesses an dieser Sprache wird auf den Zuzug polnischer Familien zurückgeführt. Nach den zuletzt vorliegenden Zahlen der amtlichen Statistik hat sich die Zahl der in Brandenburg lebenden Polen bis Ende September 2017 auf 18 230 erhöht – ein Zuwachs von zehn Prozent innerhalb von neun Monaten. Damit ist die größte Ausländergruppe in Brandenburg in den vorangegangenen zehn Jahren um das Zweieinhalbfache gewachsen.

Nach Beobachtungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg sind es aber vor allem deutschsprachige Schüler, die Polnisch lernen. «Wir freuen uns über jeden, der Polnisch lernt, weil wir die Kenntnis der Sprache für einen sehr wichtigen Aspekt bei der Stärkung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit ansehen», sagt Martin Kujawa vom Vorstand der Gesellschaft. Sicherlich würden mehr Jungen und Mädchen diese Fremdspreche lernen, wenn sie an mehr Schulen angeboten würde. Allein in dem an Brandenburg angrenzenden polnischen Verwaltungsbezirk Westpommern lernten rund 80 000 Schüler Deutsch. Deutsch-Kurse gebe es in Polen bereits in der Grundschule.

Im Brandenburger Bildungsministerium zeigt man sich erfreut über das vermehrte Interesse an der Sprache des Nachbarlandes. «Polen und Deutschland verbinden intensive Handelsbeziehungen. Brandenburg hat eine besondere Verantwortung im Ausbau eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses, in dem Versöhnung und Verstehen eine besondere Bedeutung einnimmt», sagt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Der Polnisch-Unterricht könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Potsdamer Landtag hervorgeht, unterrichten derzeit 33 Lehrkräfte an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen Brandenburgs Polnisch. 18 besitzen die polnische Staatsbürgerschaft, 14 von ihnen sind unbefristet beschäftigt, 4 haben ein befristetes Arbeitsverhältnis. (Manfred Rey, dpa)

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4 KOMMENTARE

  1. Mehr Polnischunterricht finde ich gut. Vor allem in den Grenzregionen sollte das mehr als eine Geste der Gastfreundlichkeit sein. Dort sind die Polen Nachbarn!

    Das aussterbende Niedersorbisch im Süden Brandenburgs soll übrigens dem Polnischen sehr ähnlich sein.

    • Man findet es immer gut, wenn irgendwo mehr gemacht wird. In diesem Fall allerdings wird dann natürlich eine andere Fremdsprache gestrichen, vermutlich Latein, Französisch oder auch Russisch. Ob wir das auch alle gut finden? Zudem behindern solche lokalen Gegebenheiten natürlich die Mobilität innerhalb Deutschlands. Wer etwa in Brandenburg mit Polnisch als erster Fremdsprache anfängt, kann kaum noch in ein anderes Bundesland umziehen, nicht einmal nach Berlin, allenfalls nach Mecklenburg. Auch Sorbisch nützt einem ja nur etwas, wenn man zeitlebens in der Region bleibt.

      • Ich wäre nicht dafür, dass Polnisch Englisch als 1. Fremdsprache “ersetzt”. Ich meine, alle Kinder (überall auf der Welt) sollten die gleiche Fremdsprache als erste Fremdsprache lernen (am besten Englisch, weil es eh am verbreitesten ist), dann können auch alle miteinander kommunizieren.

        Was dann als 2. oder gar 3. Fremdsprache gelernt wird, kann speziellen Wünschen, Schulprofilen, regionalen Besonderheiten usw. vorbehalten bleiben – in Grenzregionen also gerne die Sprache des Nachbarlandes. Wo Sorbisch oder eine andere nicht-deutsche Sprache Unterrichtssprache ist, muss natürlich Deutsch ab Klasse 1 folgen. Das zähle ich dann aber nicht als 1. Fremdsprache, sondern als Zweitsprache.

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