Senatorin Scheeres plant Spitzengespräch zur Berliner Kita-Situation

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BERLIN. Verzweifelte Eltern, unzufriedene Erzieher: In Berlin fehlen Tausende Kita-Plätze und Fachkräfte. Jetzt lädt die Bildungssenatorin zu einem Spitzengespräch – und will bessere Löhne zahlen.

In der Kritik: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft
Scheeres plant ein offenes Gespräch.                                Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat ein Spitzengespräch zur Kita-Situation mit Eltern, Gewerkschaftern und Kita-Betreibern angekündigt. Das Treffen solle noch vor der Sommerpause stattfinden, sagte Scheeres am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Sie nehme die Forderungen nach mehr Erziehern und mehr Kita-Plätzen und nach einer Verbesserung der Arbeitssituation in den Einrichtungen sehr ernst, so die Senatorin.

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Scheeres betonte, dass die steigende Geburtenrate in Berlin große Herausforderungen mit sich bringe. Es fehle vor allem an Fachkräften in den Kitas. «Wir müssen viele Menschen überzeugen, in diesen Beruf zu gehen», sagte die Senatorin. «Und ja, wenn man den Beruf attraktiver gestalten möchte, dann muss man auch über bessere Bezahlung reden.» Sie setze sich für eine höhere tarifliche Eingruppierung von Erziehern ein, hierfür sei jedoch eine Abstimmung mit allen Bundesländern notwendig.

In Berlin werden Erzieher nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt. In Flächenländern wie Brandenburg ist das anders: Hier richtet sich die Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, der für den Bund und die Kommunen gilt. Dadurch entsteht ein deutlicher Unterschied bei den Löhnen. «Es kann nicht sein, dass eine Berliner Erzieherin rund 400 Euro weniger verdient als eine Erzieherin in einem anderen Bundesland», sagte Marianne Burkert-Eulitz (Grüne) im Abgeordnetenhaus.

Reine Schaufensterpolitik

Auch die Opposition hält eine bessere Bezahlung von Erziehern für notwendig. Paul Fresdorf von der FDP warf der rot-rot-grünen Regierung jedoch vor, das Problem zu spät anzugehen. «Die bisherigen Maßnahmen von Bildungssenatorin Scheeres sind reine Schaufensterpolitik», sagte er. Bereits in der vergangenen Woche hatte die FDP gefordert, die Leiter von Kitas durch die Einstellung von kaufmännischen Angestellten zu entlasten.

Die CDU legte im Abgeordnetenhaus einen Sieben-Punkte-Plan für die Verbesserung der Kita-Situation vor. Neben der besseren Bezahlung von Erziehern verlangt sie einen Plan für die Ausbildung von mehr Fachkräften. Als Sofortmaßnahmen solle die Stadt außerdem private Betreuungskosten unbürokratisch übernehmen und die Quote für Quereinsteiger in den Erzieherberuf gerade für kleine Kitas lockern.

Am vergangenen Samstag hatten rund 3.000 Eltern, Kinder, Erzieher und Gewerkschafter in Berlin für mehr Plätze in Kitas und in der Tagespflege demonstriert. In der Hauptstadt fehlen trotz einer gesteigerten Kapazität etwa 2.500 Kita-Plätze. Die Folge ist, dass viele Eltern keine wohnortnahe Betreuung für ihren Nachwuchs bekommen – obwohl sie darauf einen Rechtsanspruch haben. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Hm, also auch hier sprudelnde Steuereinnahmen und mehr Gehalt. Nun denn, wenn wir uns das alles leisten können, ich gönne es den Erziehern.

    Ich habe nur Sorge vor dem, was auf der Strecke bleibt in Berlin und anderswo bei dieser Art von Politik.

  2. Vielleicht ist es von Interesse, mal den Lebenslauf der Frau Scheeres anzusehen:
    https://www.berlin.de/sen/bjf/ueber-uns/leitung-und-organisation/die-senatorin/lebenslauf.90374.php
    Sie schreibt nichts von irgendeiner pädagogischen Tätigkeit außer einem Anerkennungsjahr. Sie hat eine Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin absolviert und dann einen Hochschulabschluss als Dipl.-Pädagogin erworben. Ein Dipl.-Päd. berechtigte damals jedenfalls nicht zum Eintritt in den Schuldienst. Sie hat danach konsequent nur politische Schreibtischarbeit gemacht, u.a. als Mitarbeiterin von Michael Müller in seinem Bundestagsbüro. So sind sie — unsere Berufspolitiker/innen.

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