Studie zur Lehrergesundheit zeigt “katastrophale Entwicklung” auf – Aggressive Schüler und Lärm setzen Kollegien zu

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BREMEN. „Die Situation an den Schulen ist dramatisch schlecht“, so heißt es in einem jetzt bekannt gewordenen Gutachten zur Gesundheit von Lehrern an Grundschulen, „die Belastung liegt im roten Bereich“. Forscher des Instituts für interdisziplinäre Schulforschung (ISF) haben die Kollegien von sechs Grundschulen in Bremen intensiv befragt – und alarmierende Antworten erhalten. Die Aussagen seien eindeutig und zweifellos auf andere Schulen übertragba, heißt es. Daraus gehe hervor, dass der unlängst durch verschiedene Studien wie IGLU oder den IQB-Vergleich belegte Leistungsverlust unter Viertklässlern auch mit „widersprüchliche Zielsetzungen,  unklaren und widersprüchlichen Organisationsabläufe zwischen Schule, Behörden und unterstützenden Systemen, einer nicht zu erfüllenden Aufgabenflut sowie einer erheblich defizitäre materiellen Ausstattung“ erklärt werden könne.

"Wenn ich nach Hause komme, habe ich das Gefühl, ich höre die Welt nicht mehr": Die Arbeit in einer Kita ist extrem belastend. Foto: Shutterstock
Macht der Schuldienst krank? Immer mehr Lehrer sehen sich an der Belastungsgrenze – oder darüber. Foto: Shutterstock

Die Wortwahl ist drastisch: Von einer „katastrophalen Entwicklung“ ist in der Studie, die das ISF in Kooperation mit dem Grundschulverband durchgeführt hat, die Rede. Schülern würden Lebenschancen vorenthalten. „Außerdem wird eine gerade in den Dienst eingestiegene Lehrergeneration innerhalb kürzester Zeit verheizt sein“, so sagen die Autoren voraus.

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Als wichtigste Belastungsfaktoren werden geschildert:

  • Der  Komplex „Leistungsbeurteilungen/Lernentwicklungsberichte/ Kompetenzbasierte Leistungsrückmeldung (KompoLei)“, der als zeitlich und psychisch dominierend wahrgenommen wird. Überhaupt: Der bürokratische Aufwand, etwa die Umsetzung behördlicher Vorgaben, gilt als besonders belastend. Über ein Drittel der befragten Lehrkräfte konstatiert zudem eine fehlende Anerkennung ihrer Arbeit durch die Behörde.
  • Ein weiteres  großes Problemfeld ist das Schülerverhalten, insbesondere eine „hohe Aggressivität“ sowie Undiszipliniertheiten. Die familiären Probleme vieler Schüler wirken sich auf den Unterricht aus.  „Die infolge eines solchen Verhaltens folgenden Konferenzen wegen möglicher Ordnungsmaßnahmen werden zwar zeitlich als verhältnismäßig wenig, aber psychisch als hoch belastend empfunden“, so heißt es. Die „Trägheit sowie das Unvermögen mancher Eltern“, mitunter sogar aggressive Reaktionen, kommen noch verschärfend hinzu.
  • Der Lärm in den Schulen belastet die Kollegien in erheblichem Maße – genauso wie zu große Klassen und mangelhafte materielle Ausstattung
  • Die Kluft zwischen eigenem Anspruch und der Wirklichkeit wird ebenfalls als belastend geschildert. „Die Kollegien würden gerne, wenn es denn die Zeit hergäbe, mehr in den Kernbereich der unterrichtlichen Tätigkeit investieren, weil sie hier die Ergebnisse als defizitär wahrnehmen. Sie nehmen die Interessen der verschiedenen Schülergruppen und zwar die der leistungsstarken, die des mittleren Leistungssegments, wie auch derer , die besonderer Förderung bedürfen, als nicht angemessen angenommen wahr. Sie bemängeln, dass für Planung, Reflexion, Entwicklung neuer Formen keine ausreichende Zeit zur Verfügung steht.“

Angesichts dieser Schilderungen überrascht die – immer noch – positive Grundhaltung, die sich die Lehrer bewahrt haben. „Die Kooperation in den Kollegien nimmt die Lehrkräfte zeitlich sehr in Anspruch, belastet sie aber psychisch kaum. Das Klima in den befragten Kollegien ist durchweg kooperativ geprägt und den Schülern sehr zugewandt. Es besteht eine hohe Motivation für die Ausübung des Berufs“, so heißt es in dem Bericht.

Streitfall Dienstunfähigkeit

Durch die extremen Belastungen im Beruf werden jedes Jahr Tausende von Lehrerinnen und Lehrer frühzeitig pensioniert. Das komplizierte Verfahren wirft viele Fragen auf. News4teachers hat deshalb jetzt einen 36-seitigen Ratgeber herausgegeben, der Antworten liefert und Lösungen für mögliche Probleme aufzeigt, die Betroffenen drohen können – verfasst vom Fachanwalt Michael Else.

Hier lässt sich das Dossier herunterladen (kostenpflichtig).

Zur Vorschau draufklicken.

Die Autoren zeigen sich aber sicher, dass das nicht so bleibt – wenn die Belastungen nicht umgehend zurückgefahren werden. Denn:. „Widersprüchliche grundlegende Zielsetzungen und häufige Paradigmenwechsel führen zu einer grundlegenden Verunsicherung der Lehrkräfte, weil alle postulierten Ziele so nicht erreicht werden können. Auf der einen Seite sollen die Schulen in einem auf frühzeitige Auslese ausgerichteten System möglichst viele der zentral definierten weitgehend kognitiven Leistungsansprüche erfüllen, auf der anderen Seite sollen sie die durch affektive Lernziele erweiterten höchst anspruchsvollen Inklusionsziele realisieren.“

Was ließe sich unternehmen, um zu einer spürbaren Verbesserung der Situation zu kommen? Die Autoren listen einen Empfehlungskatalog auf. Darin enthalten: Arbeitsschutz verbessern („dauerhafte Überlastung der Kollegien führt absehbar in eine personalwirtschaftliche und somit auch pädagogische Katastrophe“), Wertschätzung der vorgesetzten Behörden gegenüber den Lehrkräften, sowie eine Aufgabenkritik – „Maßnahmen dürfen nur umgesetzt werden, wenn sie auch materiell abgesichert sind. Ihre Wirksamkeit muss nach einer jeweils definierten Laufzeit evaluiert werden“. Und: Lärmschutz. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Immer weniger Lehrer gehen wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand – immer mehr scheiden dafür freiwillig früher aus

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23 KOMMENTARE

  1. Grundschulen in Bremen: Ich erinnere mal daran, dass in Bremen seit 1946 die SPD den Regierungschef stellt. Das ist ein Land mit kontinuierlicher SPD-Politik, wie es wohl kein zweites gibt. Und dann ist oben von “widersprüchliche Zielsetzungen, unklaren und widersprüchlichen Organisationsabläufen zwischen Schule, Behörden und unterstützenden Systemen, einer nicht zu erfüllenden Aufgabenflut sowie einer erheblich defizitären materiellen Ausstattung” die Rede.
    Dabei hat Bremen heute weniger Einwohner als Dortmund, die Probleme sollten also eigentlich für die Landesbehörden überschaubar sein. Es drängt sich der Verdacht auf, dass man eine unfähige Bürokratie aufgebaut und vorzugsweise mit Parteigenossen ausgestattet hat. Man hat auch anteilig mehr Migrantenkinder als in anderen Bundesländern, aber heißt es nicht immer, die seien unsere Chance und seien keineswegs negativ zu sehen? Außerdem fallen die nicht plötzlich vom Himmel, das ist eine lange Entwicklung. Bremen ist zudem ein Land mit einer Gesamtschul-Tradition wie kaum ein zweites.
    Auch außerhalb der Schulen gibt’s Probleme, von denen die FAZ berichtet: Viele Leute ziehen ins niedersächsische Umland, die Integrationsverweigerer bleiben aber in Bremen, es gibt eine Ghettobildung, und Spötter sprechen schon vom “deutschen Griechenland” wegen der hohen Verschuldung:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-bremen/bremen-strukturelle-defizite-nachhaltige-probleme-13582581.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0
    Nebenbei erfährt man dort, dass Bremen je Einwohner die höchsten Personalausgaben aller Bundesländer hat.

    • Letzteres wird wohl auch der geringen Einwohnerzahl geschuldet sein, weil städtische Verwaltung und Bundeslandverwaltung zusammen eine Menge an Personal erfordert. Je höher die Einwohnerzahl ist desto weniger zusätzliches Personal braucht man.

      • Berlin und Brandenburg haben wenigstens ein gemeinsames Landesinstitut für Schulentwicklung (LISUM). In Bremen braucht man natürlich ein eigenes, und das soll jetzt noch geteilt werden in zwei. Man könnte das ganze Land Bremen mit Niedersachsen zusammenlegen, das könnte einige Synergieeffekte auslösen.
        In Berlin ist die Fusion mit Brandenburg zwar gescheitert, aber da hat auch Berlin doppelt so viele Einwohner wie das umliegende Brandenburg. Bremen ist aber nur ein Zwerg verglichen mit Niedersachsen.

        • Bremen zu Niedersachsen, Schleswig-Holstein zu Hamburg, Meck-Pomm und Brandenburg zu Berlin, Saarland, Rheinland Pfalz, Hessen fusionieren, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen fusionieren. ARD und ZDF fusionieren.

          Wird aber nie passieren, weil dann eine Menge Posten für Günstlinge wegfallen würden.

          • Leider, aber nicht weil das so gut ist, sondern weil es zu wenige Physiklehrer gibt. Durch das Fach Naturwissenschaften lässt sich der fehlende Physiklehrer ja sehr gut verstecken.

    • Den Satz zu “widersprüchliche Zielsetzungen, unklaren und widersprüchlichen Organisationsabläufen zwischen Schule, Behörden und unterstützenden Systemen, einer nicht zu erfüllenden Aufgabenflut” ” unterschreibe ich für mein Bundesland sofort.
      Das IFS hat in einer anderen Studie schon dargelegt, dass die gestellten Aufgaben gar nicht zu leisten sind, da der Umfang den Rahmen der Arbeitszeit sprengt.
      Da würde ich gar keine anderen Gründe suchen. Es ist einfach so, dass manche Bundesländer sich seit Jahren verzetteln, unterschiedliche Webauftritte bieten und Ergänzungen zu Verordnungen zu Erlassen herausgeben,
      dazu einen Posten nach dem anderen in die Schulen schieben: Arbeits- und Gesundheitsschutz, Strahlenschutzbeauftragter, Datenschutzbeauftragter …
      und noch die Dokumentation zur Dokumentation erwarten.

      Das Institut verweist auf den Arbeitsschutz, der in anderen Gewerken deutlicher ist.

      Lärmschutz wäre z.B. etwas, das in allen Klassen, Fluren und Lehrerzimmern umgesetzt werden könnte und wirklich viel bringt. Warum werden anderswo solche Maßnahmen ergriffen? Das hat im übrigen nichts mit undisziplinierten Klassen zu tun, sondern mit Nachhallzeiten, besserer Akustik, besser Konzentration und damit besseren Bedingungen für alle – nicht nur für Hörbeeinträchtigte.

      • Die schlechte Über-Akustik in neugebauten Schulen haben aber auch die Architekten zu verantworten, die die Schulen entworfen haben. Die haben in diesem Punkt einfach geschlafen. Man wollte wohl billige und pflegeleichte Materialien haben. Speziell in den Fluren kann das unerträglich werden, wenn die Kinder durcheinanderschreien

  2. AUSZUG: “Studie zur Lehrergesundheit zeigt “katastrophale Entwicklung” auf – Aggressive Schüler und Lärm setzen Kollegien zu”

    Danke, dass das endlich thematisiert wird. Wir brauchen Hilfe. In den Schulgesetzen und Verordnungen steckt viel zu viel Kuschelpädagogik drin! Was hat denn die KMK nun neulich dazu beschlossen, außer, dass der eine Minister das statistisch besser erfassen wollte und der andere sagte, das sei nicht nötig?

  3. Zitat Palim: “Das hat im übrigen nichts mit undisziplinierten Klassen zu tun, sondern mit Nachhallzeiten, besserer Akustik, besser Konzentration und damit besseren Bedingungen für alle – nicht nur für Hörbeeinträchtigte.”

    Das ist die typische Palim’sche Schönfärberei (Von der DDR lernen, heißt siegen lernen???). Ich erlebe jeden Tag Lärm, der mit undisziplinierten Klassen zu tun hat und Kollegen, die das nicht in Griff bekommen oder vermutlich glauben, das zulassen zu müssen (um Schüler nicht zu gängeln). Das ist für mich das Hauptproblem: Nicht Kollegen, die das nicht in den Griff bekommen. Die gab es immer. Sondern die Kollegen, die meinen, das müsse man alles ertragen und man Disziplin ist was von vorgestern und DESHALB nichts dagegen unternehmen oder einfach zu wenig, zu lasch, zu inkonsequent und dann mit ihren lärmenden, lauten Klassen (wenn sie durchs Schulgebäude gehen bzw. poltern) für uns alle in den Räumen am Flur eine Belastung und Zumutung sind.

    • Das ist eine typische sofawolf-Behauptung.
      Ihre Unterstellungen laufen ins Leere und zeugen davon, dass Sie offensichtlich noch nicht das Glück hatten, die Erfahrung der besseren akustischen Ausstattung erleben zu dürfen!

      Nehmen Sie als Lehrkraft Ihre Klasse und wechseln Sie nach nebenan in den akustisch gedämmten Klassenraum und Sie werden wahre Wunder erleben!
      Gehen Sie mit Erwachsenen nach Unterrichtsschluss durch eine Schule und betreten Sie mit einem Schritt den akustisch gedämmten Teil eines Raumes und Sie können ganz ohne Klasse und Schüler an den Gesichtern das Staunen erkennen.

      Warum werden Lärmschutzverordnungen nicht flächendeckend in Schulen umgesetzt?
      Was geschieht mit Betrieben, die Sicherheitsvorkehrungen außer Acht lassen?

      Vermutlich sind in vielen Schulen noch ganz andere Sorgen, weil die Gebäude zu marode sind.
      Aber es braucht es keine andere Pädagogik, weil die Gebäude schimmeln und Löcher in Decken und Wänden sind, sondern die bestmöglichste Ausstattung.
      Probleme der Gebäudesubstanz und Einrichtungen zum Arbeitsschutz sollten nicht Aufgabe der Pädagogik und nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein, aber es bräuchte offenbar Verpflichtungen und eine Menge Geld um Schulgebäude in Stand zu setzen.

      • Ja, klar. Unsere Palim will Undiszipliniertheiten und Lärm IM Klassenraum mit besserer akustischer Ausstattung bekämpfen.

        Sie diskreditieren sich mal wieder selbst als ernstzunehmender Diskussionpartner.

        Augen zu und durch!

        • Nein, so können Sie das nicht abtun. Das ist kein Allheilmittel, aber es ist nicht einzusehen, wieso gerade Grundschulen oft so eine hallige Akustik haben, wo bekannt ist, dass die Kinder dazu neigen, viele Geräusche zu produzieren. Man hat hier einfach Fehler gemacht. Es gibt auch viele Leute, die von Geräuschen leicht abgelenkt werden. Sie gehören vielleicht nicht dazu.

        • Klar.
          Und weil Sie so konsequent im Unterricht sind, schimmelt es in Ihren Räumen nicht, stürzen keine Decken ein, es regnet nicht rein und im Winter ist es immer warm.

          Schulen als Arbeitsstätten sollten Standards unterliegen und dazu sollte auch Lärmschutz gehören.

          Der Kollateralnutzen von Inklusion ist, dass alle Kinder von solch einer Ausstattung etwas haben, wenn diese für ein hörbeeinträchtigtes umgesetzt wird. Und wenn das Kind die Schule verlässt, bleibt die bessere Ausstattung in diesem Fall erhalten.

          Generell sollte dies aber in Standards für Schulen und Turnhallen enthalten sein und auch die Pflicht zum Nachrüsten bestehen. Unser Träger war so freundlich, alle Kindergärten in dieser Hinsicht besser auszustatten. Das sollte die Regel sein.

        • Wo ist denn in dem Artikel davon die Rede, dass es um Lärm geht, der die Kollegen belastet, der durch schlechte Akustik kommt?

          Du meine Güte, so falsch kann das doch nur Palim fehlinterpretieren!

          • Oben im Artikel steht:
            “Der Lärm in den Schulen belastet die Kollegien in erheblichem Maße.”
            Da macht es einen Unterschied, ob die Akustik den Lärm dämpft oder noch um einen Faktor von gefühlt 10 vergrößert.
            Man spürt den Unterschied, wenn man einmal in eine große alte Kirche geht und ein anderes Mal in eine Bibliothek mit Teppichboden. Selbst an der Universität ist es von Belang, ob die Dielen in alten Hörsälen knarren oder die alten Pulte und Sitze klappern oder quietschen. Allein das Geräusch, das Stühle auf dem Fußboden machen, wenn man sie hin- und herschiebt, ist von Belang. In ungünstigen Situationen erzeugt das ein sehr unangenehmes Quietschen oder Kreischen. Sowas muss doch nicht sein.

    • Das eine schließt das andere doch nicht aus.

      Es gibt einfach Räume mit furchtbarer Akustik, wo selbst dezente Geräusche und Unterrichtsgespräche disziplinierter Klassen einen Lärmpegel wie auf der Autobahn verursachen. Warum wohl gibt es den Bereich Lärmschutz am Bau? Um Menschen zu schützen. Und wo sind viele Menschen? Eben.

  4. Zunächst einmal wird das Bundesland Bremen (Stadtstaat) aus zwei eigenständigen Städten gebildet. Das sind Bremen und Bremerhaven. Bremerhaven hat seine Bedeutung für die Hochseefischerei sowie als Umschlagplatz für den Nachschub amerikanischer (Besatzungs-)Truppen in Deutschland verloren. Dadurch ist die Wirtschaftskraft sehr niedrig.

    Das, was weiter oben schon skizziert worden ist, ist das Problem aller Stadtstatten; im Umland – im benachbarten Bundesland – siedelt der Mittelstand, nutzt aber weiter die kommunalen Angebote sowie die Infrastruktur des benachbarten Oberzentrums. So werden vor allem die Hochhaussiedlungen der 70er zu sozialen Brennpunkten, in denen sich die Verlierer des Marktes akkumulieren.

  5. Das Unerträglichste ist für mich der Widerspruch zwischen Inklusion und Selektion. So nach dem Motto: Liebe Grundschullehrer, erstellt bitte für alle Schüler individuelle Aufgaben mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus und lasst sie nach ihrem eigenen Tempo lernen – aber wehe, wenn sie dann nicht alle genau das Gleiche zur selben Zeit können… .

    • Das setzt sich dann in der Sekundarstufe fort: Man hat ja bekanntlich die große und auch wachsende Heterogenität der Schüler, aber bei PISA werden immer diejenigen Länder gelobt, bei denen die Unterschiede zwischen den schwächsten und den besten relativ gering ist. Es heißt dann, diesem oder jenem Land “gelingt es besser”, die Streuung gering zu halten und also die Schwachen besser zu fördern. Das heißt im Klartext: Leistungsmäßig wird eigentlich eine gewisse Homogenität angestrebt oder sie gilt als Ideal, aber sie darf keineswegs durch leistungsmäßig homogene Klassen erreicht werden, denn das ist ja (angeblich) sozial ungerecht.

  6. Dass Junglehrer im Grundschullehrerberuf besonders schnell verheizt werden, ist nun wirklich nichts Neues. Das fing bei uns damals schon im Vorbereitungsdienst an.

  7. Stadtstaat, Gesamtschule, SPD oder Kollegenschelte vom Sofa , das sind die Gründe für die Probleme des deutschen Bildungssystems? Mehr fällt Ihnen nicht ein als dieses oberflächlich politisch motivierte Gerede?
    Dickebanks Beitrag nicht verstanden? Das politische Versagen im Bildungsföderalismus zeigt sich in allen Bundesländern. Keine Vorausschauende Folgenabwägung z.B. bei der Korrelation von Bevölkerungsentwicklung und Personalbedarf, 1o Jahre zu spät einsetzende Vorbereitung der Inklusion, G8-G9 Hickhack, dauerhafte Unterfinanzierung des Bildungsbereiches in Deutschland. Dies seit Georg Picht im Bundestag den deutschen Bildungsnotstand ausgerufen hat:Jahrzehtelang nichts Wesentliches getan…..

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