Fleischerfachschule muss schließen

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BERLIN. Berlin wächst, die Geburtenzahlen steigen – doch der Fleischer-Beruf hat zuletzt immer weniger Jugendliche gereizt. Das hat nun Folgen. Die Lehrlinge müssen auf Reisen gehen.

Berlins Fleischerfachschule muss Ende Juli nach 23 Jahren schließen. Für die Kurse fahren Lehrlinge aus Berlin und Brandenburg künftig nach Leipzig , wie Klaus Gerlach, der Obermeister der Fleischer-Innung, der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Eine Millionenstadt wie Berlin ist dann nicht mehr in der Lage, eine überbetriebliche Lehrunterweisung zu bieten.» Der Grund seien zurückgehende Lehrlingszahlen. Es gibt demnach aber auch hausgemachte Probleme.

Auf viele Lehrlinge kommen nach der Schließung der Berliner Fleischerfachschule weite Wege zu. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R68087 / Wikimedia Commons (CC-BY-SA 3.0)
In Berlin finden sich immer weniger Fleischer-Lehrlinge. Auf Sie kommen jetzt weite Wege zu. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R68087 / Wikimedia Commons (CC-BY-SA 3.0)
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In der Fachschule – einem Haus im Haus in der Moabiter Großmarkthalle – üben Fleischer-Azubis vom Zerlegen bis zum Wurstmachen und Platten-Legen, was sie in dem Handwerk können müssen. Es ist der überbetriebliche Teil der Ausbildung, die ansonsten direkt beim Fleischer läuft. Die Innung trägt die Schule.

Doch kamen in den 90ern pro Jahr noch bis zu 1200 Lehrlinge aus Berlin und Brandenburg, seien es zuletzt noch 190 gewesen, sagte Gerlach. Die handwerkliche Ausbildung habe bei Jugendlichen an Stellenwert verloren. «Die wollen alle Doktor oder Professor werden.» Zuletzt verdiente die Schule durch «Wurstkurse» für Privatleute hinzu.

Die Innung könne nicht darauf warten, dass sich Berlins steigende Geburtenzahlen bemerkbar machten, sagte Gerlach. «Es ist so, dass uns die Kosten weglaufen.» Fünf Fachlehrer stehen nun auf der Straße.

Gerlach sagte, die Innung habe in der Vergangenheit nicht alle möglichen Fördermittel abgerufen. «Unser Vermögen ist dadurch abgeschmolzen.» Er sieht die Handwerkskammer in der Pflicht einzuspringen, entsprechende Zusagen seien vor Jahren gegeben worden.

Die Kammer widerspricht. Nur bei einer Auflösung der Innung müsse man die Schule befristet weiterführen. «Hiervon kann jedoch keine Rede sein.» Die Kammer hat mit der Innung dafür gesorgt, dass die Berliner in die Fachschule der Handwerkskammer Leipzig gehen können, wo es auch ein Internat gibt. Das betreffe eine Woche im Jahr.

«Die übrige duale Ausbildung findet weiterhin im Betrieb sowie in der Berufsschule in Berlin statt», betonte die Kammer. Offen ist noch, wo die Gesellen- und Abschlussprüfungen ab 2019 abgenommen werden. Dazu liefen noch Gespräche mit dem Senat. (dpa)

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