Wieder weniger angehende Professorinnen in Deutschland

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Die Zahl der angehenden Professorinnen ist erstmals seit Jahren wieder zurückgegangen.

Professorinnen sind eine Minderheit.                                                     Foto: Universität Salzburg (PR) / flickr / CC BY 2.0

Vergangenes Jahr haben sich an wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland 464 Frauen habilitiert – 17 weniger als 2016, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nun mitteilte. Damit haben die Wissenschaftlerinnen ihre besondere Befähigung in der akademischen Lehre und Forschung nachgewiesen. Eine Habilitation ist eine wichtige Voraussetzung, um als Professor berufen zu werden.

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Der Anteil der Frauen unter den Habilitierten ging zugleich von 30 auf 29 Prozent zurück. Er hatte 2008 noch bei 23 Prozent gelegen und war seither kontinuierlich gestiegen. Insgesamt schlossen 1.586 Wissenschaftler vergangenes Jahr diese Prüfung ab – ein leichter Zuwachs von 0,3 Prozent.

Fast die Hälfte aller Habilitationsverfahren betraf wie in den Vorjahren die Fächer Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften, gefolgt von Mathematik/Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften.

Das Durchschnittsalter der angehenden Professoren lag wie im Vorjahr bei 41 Jahren. Frauen waren mit knapp 42 Jahren geringfügig älter als Männer (41 Jahre). Der Ausländeranteil lag bei 11 Prozent. dpa

Zu wenig Professorinnen an den Universitäten – klarer Fall von Diskriminierung?

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4 KOMMENTARE

  1. “Eine Habilitation ist eine wichtige Voraussetzung, um als Professor berufen zu werden.”
    Das stimmt so nicht mehr. Eine positive Zwischenevaluation auf einer Juniorprofessur gilt mittlerweile als äquivalent, außerdem gibt es inzwischen Junior-Professuren mit tenure-track.
    Die Zahl der Habilitierten bildet außerdem nicht die Zahl der Professoren ab. In etlichen Fächern kommt man auf eine Professur auch ohne Habilitation, z.B. Ingenieurwissenschaften, Architektur, Musik, Kunst, dazu der gesamte Fachhochschulbereich.
    Warum Frauen das nicht so viel anstreben, bleibt zu erörtern. Ich könnte mir denken, dass das auch mit den Veränderungen des Berufsbilds zusammenhängt: Erwartet werden mehr und mehr Manager-Qualitäten, aber es gibt keine Manager-Gehälter. Irgendwo las ich das Wort “Drittmittel-Melkkuh”, aber auch in Bezug auf die männlichen Professoren.

    • Die Gehälter sind ein schlechter Witz, weil maximal auf Gymnasiallehrer-Niveau:

      https://www.academics.de/ratgeber/gehalt-professor-was-verdient-ein-professor

      In einigen Bundesländern werden die W1-Gehälter in den ersten Jahren noch um einige 100€ gekürzt, weswegen man dann in der Größenordnung der Grund- und Realschullehrer liegt. Die W2- und W3-Professuren sind aber auch nur unwesentlich besser, weil im Bereich A15 bis A16. Man muss auch bedenken, dass man etwa 40 Jahre alt ist, bis die Berufung durch ist. Davor hangelt man sich von einem schlecht bezahlten und befristeten Drittmittel-Vertrag zum nächsten. Ferner sind Arbeitszeiten von Halbilitanten oder Postdocs mit den Teilzeit- und Familienwünschen von vielen Frauen nicht vereinbar.

      • Erschwerend kommt hinzu, dass etliche Professuren nur noch auf Angestelltenbasis und befristet ausgeschrieben werden. Was das für die spätere Rente heißt (nach jahrelangem Suchen oder Teilzeitarbeiten), zeigt, dass man schon sehr für die Forschung “brennen” muss, um diesen Weg einzuschlagen zu wollen.

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