Ländermonitor: Personallage in Kitas hat sich etwas verbessert – “im Schneckentempo”

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GÜTERSLOH. Die Qualität einer Kita hängt auch davon ab, wie viele Kinder ein Erzieher betreut. Im bundesweiten Durchschnitt gibt es leichte Fortschritte. Aber es bleibt ein Flickenteppich mit Ost-West-Kluft. Wie sind gleiche Bildungschancen für die Kleinsten machbar?

Die Plätze und Betreuungszeiten in Kitas sind ein Problem.                                               Foto: Kerry T / flickr / CC BY 2.0

Etwas Licht, aber noch viel Schatten: Der Betreuungsschlüssel in den Kindertagesstätten hat sich einer Studie zufolge bundesweit leicht verbessert. Es gebe aber enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern und weiterhin eine tiefe Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland. Von optimalen Bedingungen beim Erzieher-Personalschlüssel und von gleichen Bildungschancen für die Kleinsten sei man weit entfernt, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten «Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme» der Bertelsmann Stiftung. Zahlreiche Verbände forderten mehr Anstrengungen vom Bund. Unter einem Betreuungsschlüssel versteht man, wie viele Mädchen und Jungen auf einen Erzieher kommen – ein wichtiges Qualitätsmerkmal der Kinderbetreuung.

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Zunächst die Zahlen: Eine pädagogische Fachkraft betreute zum Stichtag am 1. März 2017 rechnerisch 9,1 Kindergartenkinder – fünf Jahre zuvor waren es 9,8 ganztagsbetreute Jungen und Mädchen ab drei Jahren. In den Krippen waren laut «Ländermonitor» ein Erzieher oder eine Erzieherin für 4,3 Unterdreijährige zuständig – im März 2012 lag der Schlüssel noch bei 1 zu 4,8 Kindern unter drei Jahren.

Reicht das denn nicht? Nein, meint die Stiftung – wie viele andere auch. Bertelsmann empfiehlt eine Fachkraft für drei Krippenkinder sowie eine Kraft für 7,5 Drei- bis Sechsjährige, um eine individuelle Förderung zu ermöglichen. «Aus der Forschung wissen wir, dass sich schlechte Personalausstattung negativ auf die Entwicklung und Bildung der Kinder auswirken kann», sagte Stiftungs-Expertin Kathrin Bock-Famulla.

Dass seit 2015 in elf Ländern die personelle Aufstockung in den Krippen stagniere – so auch in NRW, Hessen, Berlin, Schleswig-Holstein, Sachsen oder Thüringen – sieht Bertelsmann kritisch. Das Deutsche Kinderhilfswerk monierte «Schneckentempo» bei der Verbesserung der Kita-Qualität.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Der Bund müsse deutschlandweit einheitliche Standards schaffen und sich ausreichend und auch über das Jahr 2022 hinaus an der Kita-Finanzierung beteiligen, forderte Stiftungsvorstand Jörg Dräger in Gütersloh. Das geplante «Gute-Kita-Gesetz» der Bundesregierung drohe das regionale Qualitätsgefälle und den nach wie vor bestehenden «Flickenteppich» aber noch zu verschärfen und müsse überarbeitet werden. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte jüngst darauf hingewiesen, dass die Mittel noch einmal aufgestockt werden sollten – von geplanten 3,5 Milliarden Euro auf nun insgesamt 5,5 Milliarden Euro bis 2022.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) stellte klar: Ja, es gebe noch viel zu tun. Der Bund werde die Länder unterstützen – und zwar erstmals in einer Größenordnung von insgesamt 5,5 Milliarden Euro bis 2022. Ziel seien bessere Personalausstattung, Gesundheits- und Sprachförderung für die Kleinen, eine Entlastung der Kita-Leitungen. Die Bundeselternvertretung der Kita-Kinder nannte die 5,5 Milliarden Euro «einen Tropfen auf den heißen Stein». Laut Bertelsmann braucht vor allem Ostdeutschland deutlich mehr Geld für eine Aufholjagd.

Denn vor allem für Kleinkinder unter drei Jahren in den ostdeutschen Bundesländern sieht die Untersuchung eine Benachteiligung. Hier müsse eine Erzieherin etwa doppelt so viele U3-Kinder betreuen wie eine Fachkraft in vielen westlichen Bundesländern, erläuterte Bock-Famulla. In Ostdeutschland würden traditionell mehr Kleinkinder in Krippen betreut: Dort gehen mehr als 51 Prozent der Unterdreijährigen in eine Kita oder zu einer Tagesmutter. Im Westen liege die Quote bei unter 29 Prozent. Im Osten werden laut Expertin insgesamt gut 631.000 Kinder, in West knapp 2,8 Millionen Jungen und Mädchen in Krippen, Kitas und – zu einem kleineren Anteil – in der Tagespflege betreut.

Bundesweit sieht die Personalsituation für die Kleinen am besten in Baden-Württemberg aus – mit einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 3,1 Krippenkindern und 1 zu 7,1 Kindern von drei bis sechs Jahren. Den zweiten Platz belegt Bremen. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz teilen sich Rang drei. Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW fällt im «Ländermonitor» auf, weil es dort – wie auch in Bayern und Rheinland-Pfalz – überdurchschnittlich große Unterschiede je nach Wohnort gebe. Zu den bundesweiten Schlusslichtern gehören Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen.

Viele Verbände verlangten für den Bildungsort Kita mehr Engagement vom Bund. «Unter diesen Umständen ist die frühkindliche Förderung kaum möglich», sagte der VBE- Vorsitzende Udo Beckmann. Schon um den aktuellen Bedarf zu decken, fehlten rund 130.000 Erzieher. Nach Ansicht des Paritätischen braucht es zudem mehr multiprofessionelle Teams – mit Blick auch etwa auf geflüchtete oder behinderte Kinder. Der Deutsche Gewerkschaftsbund betonte, ohne dauerhafte Unterstützung vom Bund könnten die Länder den weiteren Ausbau nicht schaffen. Und die Bundeselternvertretung der Kita-Kinder nannte die 5,5 Milliarden Euro schlicht «einen Tropfen auf den heißen Stein». dpa

 

Giffeys “Gute-Kita-Gesetz”: Bund will Milliarden in Kinderbetreuung stecken

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5 KOMMENTARE

  1. Kinder unter 3 Jahren brauchen eigentlich die Mutter. Sie sind mitten in der Sprachentwicklung und lernen richtig essen, sich bewegen, die Welt erforschen, mit anderen Menschen umzugehen. Das erfordert eine 1: 1-Betreuung. Wenn das wegen der Berufstätigkeit der Mutter nicht möglich ist, muss zumindest eine feste, vertrauenswürdige, liebevolle Bezugsperson da sein, die genug Zeit für jedes Kind hat. Ein Betreuungsverhältnis von 1 : 3 ist einfach unerlässlich.

    • Zustimmung pur!
      Aber was hat man nicht alles für Unsinn erzählt, dass Kinder unter 3 Jahren in Kitas (Krippen) besser aufgehoben wären. Und das alles nur, um die Mütter schnell wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.
      Es ist immer wieder unfassbar, was alles erzählt, “bewiesen” und als angeblicher Fortschritt geglaubt wird, wenn es einem ganz anderen Zweck dient.

    • Da stimme ich ebenfalls zu und ergänze: Der Vater darf es auch sein.
      Man sollte eher die Anstrengungen unterstützen, dass Mütter oder Väter, die 3 Jahre zuhause bleiben, in der Arbeit da weitermachen können, wo sie drei Jahre oder mehrere Jahre zuvor aufgehört haben oder gleichwertige Alternativen anbieten. Das würde dann einen Anreiz geben.
      Das ist sicher schwieriger zu machen als das jetzige Modell. Aber mit ein bisschen guten Willen könnte man sich in diese Richtung bewegen.
      Zudem gibt es inzwischen Modelle mit der Heimarbeit, hier gibt es dennoch noch Entwicklungsbedarf.

      • Das Problem ist die Rente. Bei zwei Kindern im entsprechenden Abstand sind schnell mindestens 5-6 Jahre weg. Denken Sie mal 5-6 Jahre in Handy zurück. Da sehen Sie, wie schnell sich die Welt technisch geändert hat. Im System Schule war 2013 von Inklusion noch nicht die Rede, vielmehr wurde G8 hoch gepredigt und die Wehrpflicht ausgesetzt.

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