Einzelkämpfer statt Mannschaftsspieler: Fast die Hälfte der Lehrkräfte sagen, sie arbeiten lieber allein

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BERLIN. Lassen sich die Herausforderungen im Schulalltag auf Dauer allein bewältigen? Für (zu) viele Lehrkräfte an deutschen Schulen ist die Zusammenarbeit mit ihren Kolleginnen und Kollegen jedenfalls nicht selbstverständlich. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Schulakademie plant fast jede zweite Lehrkraft ihren Unterricht lieber als Einzelkämpfer.

Gemeinsam mit anderen lassen sich Herausforderungen und Mühen besser bewältigen. Illustration: Shutterstock

Nur rund 40 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer arbeiten danach mindestens einmal im Monat in Fachgruppen zusammen, um Unterricht gemeinsam zu gestalten. Allerdings sind offenbar auch die Rahmenbedingungen nicht geeignet, um die Zusammenarbeit in den Kollegien zu fördern. Zwar wird die große Mehrheit von der eigenen Schulleitung bei der Kooperation unterstützt. Doch nur bei einem Drittel der Befragten gibt es an der Schule Räume, die für Teamarbeit geeignet sind. Und nur bei einem Viertel der Lehrkräfte sind die Stundenpläne so gestaltet, dass eine fachbezogene Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen während der Schulzeit möglich ist. Schließlich wird Teamarbeit auch durch relativ niedrige Präsenzzeiten in den Schulen erschwert: 85 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer erledigen Routinearbeiten wie Korrekturen von Klassenarbeiten zu Hause.

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„Diese Befunde sind problematisch, denn Kooperation ist ein starker Erfolgsfaktor für gute Schule und ein wichtiges Professionsmerkmal für Lehrkräfte“, sagt Prof. Dr. Hans Anand Pant, Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie. „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass wir nicht nur ein Strukturproblem in den Schulen haben, sondern auch ein Mentalitätsproblem bei vielen Lehrkräften. Wir brauchen deshalb einen Wandel im Berufsverständnis von Lehrkräften: weg von der Einzelkämpferin oder dem Einzelkämpfer, hin zum Teamplayer.“ Teamarbeit sei außerdem durch vernünftige Rahmenbedingungen zu unterstützen: Lehrkräfte, so Pant, brauchen geeignete Räume in der Schule und feste Kooperationszeiten im Arbeitsalltag.

Dann sei es auch möglich, dass Lehrkräfte mehr Arbeitszeit als bisher an der Schule verbringen könnten, was Kooperation im Team möglich mache. „Die Grundausrichtung auf dieses zeitgemäße Berufsbild muss schon in der Ausbildung von Lehrkräften curricular verankert werden,“ so Pant weiter. Angesichts der wachsenden Heterogenität in den Klassen sei die Einrichtung von eng kooperierenden, multiprofessionellen Teams an Schulen ein zentraler Prüfstein dafür, ob die Umsetzung von Inklusion bildungspolitisch gewollt ist, meint Pant.

Die Deutsche Schulakademie hat Empfehlungen für die Gestaltung von erfolgreicher Kooperation an Schulen veröffentlicht. Sie basieren auf Praxisbeispielen von Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. So schlägt die Deutsche Schulakademie unter anderem vor, Kooperationszeiten als feste Bestandteile der Arbeitszeit in den Schulalltag zu integrieren und geeignete Arbeitsplätze in der Schule zur Verfügung zu stellen – Aufgaben, denen sich die Schulpolitik stellen muss.

Weitere Ergebnisse der Forsa-Umfrage:

  • Erfreulich ist zunächst, dass 86 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer gerne oder sehr gerne zur Arbeit gehen. Auch das Arbeitsklima im Kollegium bewertet die große Mehrheit als gut oder sehr gut.
  • Es bestehen große Unterschiede im Kooperationsverhalten: Teamarbeit ist vor allem gefragt bei Frauen, jüngeren Lehrkräften und an Grundschulen. Männer und Lehrkräfte an Gymnasien sind dagegen deutlich weniger offen für Kooperationen.
  • Lehrkräfte kooperieren fast ausschließlich über das persönliche Gespräch. Dabei hält eine Mehrheit auch E-Mail-Austausch für geeignet. Online-Plattformen dagegen werden nur von einer Minderheit als geeignete Kommunikationsform angesehen.
  • Drei Viertel der Lehrkräfte, die regelmäßig in Teams fachbezogen zusammenarbeiten, bewerten dies als sehr hilfreich oder hilfreich. Sie sehen die Vorteile unter anderem in der Arbeitsteilung, dem Erfahrungsaustausch und der Steigerung der Unterrichtsqualität.
  • Lehrkräfte, die skeptisch eingestellt sind, betrachten die fachbezogene Kooperation als Einschränkung ihrer professionellen Autonomie und bemängeln einen zu hohen Zeitaufwand.

Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Berlin im Auftrag der Deutschen Schulakademie im Zeitraum Juli bis August 2018 durchgeführt. Befragt wurden 1.016 Lehrerinnen und Lehrer aus allgemeinbildenden Schulen aus ganz Deutschland. Kooperation in und um Schule stand auch im Mittelpunkt des 2. Kongresses der Deutsche Schulakademie, der nun in Berlin unter dem Motto „Nicht mehr allein! Gute Schulen kooperieren“ stattfand. News4teachers

Das Thema wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

 

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26 KOMMENTARE

  1. Gemeinsame Unterrichtsplanung oder Kooperation mit KollegInnen sind für mich 2 Paar Schuhe.
    Sicherlich ist das gemeinsame Planen auch Kooperation. Darüber hinaus gibt es aber vielfältige Formen von Kooperation, die an Schulen durchaus gelingt, wobei aber keine Unterrichtsplanung entstehen muss.
    Die Kooperation besteht häufig im Austausch von Materialien und Ideen und noch häufiger in der Beratung hinsichtlich der Pädagogik im Klassenraum sowie eine Kooperation hinsichtlich der Fördeurng und Herausforderung von SuS.

    Teamarbeit geht nur, wenn ein Team vorhanden ist. Absprachen brauchen Zeit, auch diese muss vorhanden und als Arbeitszeit anerkannt werden. Pädagogische Konferenzen, Teamabsprachen, Förderplan-Besprechungen, Hilfeplangespräche, jedes sonderpädagogische Überprüfungsverfahren verläuft im Team, aber Zeiten werden hierfür nicht anerkannt.

    • Für alles, was nicht Unterricht ist und in der pauschal angerechneten Vorbereitungszeit angerechnet wird (z.B. 26 UStd. für eine volle 40-Stunden-Stelle), haben wir den Ausgleich in den Ferien. Auch das ist nur pauschal, aber es ist ja auch bei jedem jedes Mal anders.

      Das wird gerne vergessen (und kleingeredet). Otto Normalverbraucher hat rund 4-5 Wochen Urlaub im Jahr. Ferien gibt es rund 10 Wochen im Schuljahr.

      • “Für alles, was nicht Unterricht ist und in der pauschal angerechneten Vorbereitungszeit angerechnet wird (…), haben wir den Ausgleich in den Ferien.”
        Das wurde irgendwann so bemessen, sicher.
        Für alles, was seit 2000 hinzugekommen ist, gab es aber a) keinen Ausgleich und b) so gut wie nichts, was weggefallen ist.

        Hat man früher in 4 Jahren die ein oder andere sonderpädagogische Überprüfung mit einem kurzen Bericht begleitet, ist man heute für die Berichte federführend, einschließlich umfangreicher Aktenführung und Koordination über ein Lehrkräfte-Team mehrerer Schulen und schreibt ein Vielfaches dieser Gutachten (je nach Einzugsbereich).
        Pädagogische Konferenzen, Hilfeplangespräche – gab es nicht,
        Individuelle Lernentwicklungen und Förderpläne – gab es nicht,
        Gespräche mit Therapeuten, Ärzten etc. – gab es vermutlich erheblich seltener.

        Neben “Inklusion” gibt es viele weitere zusätzliche Aufgaben, die im Team oder als Team in der Schule gelöst werden müssen: Digitalisierung, Organisation des Ganztages, Medienpräsenz der Schule, Förderverein-Koordinationen, Kooperation mit Nachbarschulen und weiterführenden Schulen, Kooperation mit dem Kindergaren – nicht nur hinsichtlich der Sprachförderung, …
        Auch Strahlenschutzbeauftragte, Datenschutzbeauftragte, Arbeitsschutzbeauftragte etc. gab es vor 20 Jahren nicht und sie benötigten keine Auskünfte, keine Konferenz o.a.

        Da weiß ich nicht, was sie da vergessen wollen und finde eher, dass sie immense außerunterrichtliche Belastung kleingeredet wird. Angesichts der Arbeitszeitstudien, die erfasst haben, dass Lehrkräfte weit über die 40-Stunden-Woche arbeiten, kann ich nicht erkennen, wo der Arbeitgeber für Kooperationen angemessene Zeitkontingenete schafft. Ebenso wird der Ausgleich über die Ferien nicht erreicht, da diese in der Studie ja herausgerechnet wurden.
        Im Übrigen sind “Ferien” nicht gleichbedeutend mit “Urlaub”. Ich kenne keine Lehrkraft, die mit dem ersten Ferientag alles stehen und liegen lässt und in den Ferien rein gar nichts für die Schule tun würde.

        Wenn ich dann lese, dass Lehrkräfte mehr Zeit in der Schule verbringen sollen, frage ich mich, welche Absicht dahintersteckt.

        Sie, sofawolf, wollen doch immer die Arbeitsbedingungen verbessert wissen.
        Dazu gehört auch, dass man den Arbeitsaufwand sehen und anerkennen will.
        Wer Kooperationen möchte, muss Zeiten dafür bereit stellen, damit diese erfolgen können.

      • Sofawolf, seit wann fordern sie eine Erhöhung der Arbeitszeit?

        Ich bin in dem Thema gerade so richtig drin, daher auch hier:
        Beamte müssen je nach Bundesland 40 oder 41 Stunden die Woche arbeiten. Das sind 52 Wochen im Jahr-6 Wochen Urlaub(30 A-Tage)-2 Wochen Feiertage=44 Arbeitswochen.
        Multipliziert mit der Wochenarbeitszeit kommen da 1760 bzw. 1804 Jahresarbeitstunden (60 Minuten) heraus.
        Ich forde jeden auf, mal eine Auflistung ALLER Tätigkeiten zu machen:
        1. Unterrichtliche Tätigkleit
        Unterricht, Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, Erstellung von Klassenarbeiten
        2. Außerunterrichtliche Täötigkeiten (ein Auszug)
        Klassenfahrten,Wandertage, Klassenleitung, Vertretungen, Bereitschaften, Konferenzen, Ausbildung v.Lehrkräften, Sichtung von Unterrichtsmaterial, Elterngespräche (auch bei Edeka vor der Wursttheke!), Schülergespräche (auch während der Pause!), dinstl. Gespräche mit Kollegen in Pausen/nach Unterricht , Aufsichten, Orga, Fortbildungen, Kooperation mit Firmen/Uni, Praktikumsbetreuung, Schulveranstaltungen (Schulfest/Konzerte/Entlassfeiern usw), Informatiunspflichten (Infos aus Schulleitung und Ministerium lesen), dazu Dinge, die Individuell verschieden sein können (Personalrat, Fachschaftsleitung usw.)
        Bitte mal so alles zusammenrechnen. Ich komme auf 1950 Stunden im Jahr, also 145 Stunden (=3,5 Wochen!!!) mehr als ich müsste. Da braucht mir doch keiner dumm mit langen Ferien kommen!

        • @Küstenfuchs Amen! Genau so sieht es aus. Die Ferien sind ja auch bis auf die Sommerferien eigentlich nur dringend benötigte unterrichtsfreie Zeit um bei den endlosen Stapeln an Klausuren überhaupt hinterher zu kommen. Die ganzen Zusatzarbeiten, die Küstenfuchs ganz richtig aufgelistet hat, führen dazu, dass man im Endeffekt deutlich mehr arbeitetet als in vielen anderen Berufen und nie „Feierabend“ hat, und das trotz der Ferienzeiten! Im Bezug zum Artikel frag ich mich da tatsächlich wann ich mich denn nun noch für jeden Furz mit Kollegen zusammensetzen und „austauschen“ soll. Auch unsere Tage haben nur 24 Stunden -> Typisches weltfremdes und praxisfernes „Prof. Dr. Bildungsexperte-Gelaber“… Reduziert erstmal das Deputat von allen auf max. 20 Stunden, dann kann man über weiteres reden…

        • Vor allem, lieber Küstenfuchs, listen Sie viele Dinge auf, die bei jedem anders sind. Das hatte ich bereits gesagt.

          Wer keine Klassenarbeitsfächer hat, braucht auch keine Klassenarbeiten vorzubereiten, zu sichten, zu kontrollieren. Wer kein Klassenlehrer ist, macht wohl auch keine Klassenfahrt. Wer zu keinen Fortbildungen geht oder nur selten, “verbraucht” dafür also auch weniger Zeit. Wer eine “pflegeleichte” Klasse hat, hat wenige Elterngespräche, Hilfskonferenzen usw. Informelle Gespräche zwischen Kollegen im Lehrerzimmer als Arbeitszeit abzurechnen, finde ich schon fast anmaßend. Müsste dann ein Bäcker, der sich auf dem Heimweg mit dem Kollegen über neueste Backtechniken unterhält, dies nicht auch als Arbeitszeit abrechnen können und der Klatsch und Trasch beim Käffchen am Nachmittag über nervige Eltern und Schüler wäre Arbeitszeit? Ja, unser Diskutieren hier über Schulische Dinge wäre Arbeitszeit?! Wie viele Bücher zu meinen Fächern lese ich, einfach weil es mich interessiert. Arbeitszeit?

          Man muss auch die Kirche im Dorf lassen, gerade solche Auflistungen wie Ihre machen uns unglaubwürdig gegenüber der Allgemeinheit.

          Weil die zeitlichen Aufwendungen außerhalb des Unterrichts so verschieden sind, hat der Arbeitgeber pauschale Regelungen getroffen. Man könnte das auch alles differenzieren (korrekturaufwändige Fächer mit mehr, korrekturarme Fächer mit weniger pauschaler Anrechnung, aber was für ein Aufwand entstünde dann. Es kämen individuelle Arbeitszeiten jedes einzelnen Lehrers heraus und also unterschiedliche Vergütungen. Die nächste Gerechtigkeitsdebatte und Umut in den Kollegien stünden uns bevor.)

          • Da steht leider ziemlich viel Blödsinn!
            “Wer kein Klassenlehrer ist, macht wohl auch keine Klassenfahrt”
            In meinem Bundesland sind immer 2 Lehrkräfte pro Klasse und Fahrt unterwegs!

            “Informelle Gespräche zwischen Kollegen im Lehrerzimmer als Arbeitszeit abzurechnen, finde ich schon fast anmaßend.”
            Wieso? Natürlich meine ich Gespräche wie “Hans hat bei mir ne 5, bei dir auch?. Was tun wir? Müssen wir mal mit den Eltern reden oder macht das keinen Sinn? Was tun wir dann?”. Das Gegenteil von Arbeit ist Freizeit. Und da spreche ich mit Kollegen über Probleme mit/von Schülern? Ich weiß ja nicht, was sie so machen, aber in meiner Lebenswelt ist das nicht so (bei Klatsch und Tratsch der Sorte “Hanna und Paul aus der 12 sind jetzt zusammen” stimme ich zu, das ist Freizeit).

            Man kann doch nicht die Kollegen mit der wenigsten Arbeit als Maßstab nehmen, der Durchschnitt muss gelten. Wenn ich mit Mathe/Physik und einer Klassenleitung der Sorte “durchschnittlich” bei 1950 Stunden liege, dann liegen ganz sicher 80% der Kollegen klar über dem geforderten Wert von 1804 Stunden im Jahr.

            In Hamburg werden Arbeitszeiten übrigens nach Fächerkombination und anderen Tätigkeiten abgerechnet!

          • “Man muss auch die Kirche im Dorf lassen, gerade solche Auflistungen wie Ihre machen uns unglaubwürdig gegenüber der Allgemeinheit.”

            Wieso bitteschön? Jede einzelne dieser Tätigkeiten gehört zu meinem Job und zu meinen Pflichten.

            Nicht zu meinen Pflichten gehört der Austausch hier, den habe ich auch nicht aufgelistet. Insofern ist auch das Bäckerbeispiel nicht zutreffend, da der Meister als Selbstständiger sowieso raus aus jeder Rechnung ist und Bäckergesellen keine Entscheidungsträger.

          • Nun, wenn Sie auf diesem Niveau weiterdiskutieren wollen, bitteschön. (vorerst)

            Sie schreiben da ja ziemlichen Blödsinn.

            Lehrer, die keine Klassenlehrer sind, haben enorm weniger zu tun als Lehrer, die Klassenlehrer sind. Es macht auch nicht jeder Lehrer eine Klassenfahrt (mit). Bei uns zumindest ist das freiwillig.

            Jedes Gespräch über Schüler als Arbeit anzurechnen, ist Pfennigfuchserei. Wie gesagt, dann arbeiten wir hier jetzt auch gerade, denn es geht ja um schulische Themen. Mit solchen Argumentationen stoßen Sie außerschulisch nur auf Ablehnung.

            Genau, es geht um den Durchschnitt. Genau dafür plädiere ich auch. Was in Hamburg passiert, finde ich sehr interessant. Da ich ja gegen Gleichmacherei bin, könnte mir das sicher gefallen. Haben Sie Detailinformationen dazu? Ich fand leider keine im Internet.

          • Wer ein zufälliges Gespräch mit Eltern an der Wursttheke im Supermarkt in seine Arbeitszeitberechnung einbezieht, ist für mich nicht ernstzunehmen und stellt seine ganze Arbeitszeitberechnung damit infrage.

          • Gehen Sie mal mit küstenfuchs oder mir einkaufen … die Einkaufszeit verzögert sich um ein Vielfaches. Die Eltern werden TROTZ Begleitung nicht davon absehen, mich auf schulische Belange anzusprechen.
            Wenn das bei Ihnen nie vorkommt, können Sie es vernachlässigen, wenn es an der Tagesordnung ist, würden auch Sie es womöglich als Arbeitszeit ansehen.
            Natürlich könnte ich sämtliche Eltern auf Sprechzeiten verweisen oder Termine vereinbaren. Damit sind die Probleme aber nicht aus der Welt und die Gespräche muss ich dennoch führen – als Arbeitszeit.
            Wenn Ihnen das bisschen Elterngespräch an der Wursttheke nicht wichtig genug ist, frage ich mich, welche Aufgaben der Kataloge zur Zeiterfassung Ihrer Meinung nach auch nicht zur Arbeitszeit gehören und mit ein wenig unbezahltem Engagement abgegolten werden. (z.B. https://kooperationsstelle.uni-goettingen.de/fileadmin/user_upload/AZS_PK/2016-08-01_Arbeitszeitstudie_2015-2016_Ergebnisbericht_final.pdf , ab S. 203)
            Dann können die 2869 Lehrkräfte der jüngsten Arbeitszeitstudie ihre Arbeitszeit ja noch einmal nach einem von Ihnen angepassten Katalog ein komplettes Jahr eintragen … sicherlich haben sich alle geirrt und hatten tatsächlich nachmittags frei und waren 10 Wochen im Urlaub.

          • Wenn man mich in meiner Freizeit anspricht, um mit mir ein schulisches Problem zu klären, ist es meine Entscheidung, das anzunehmen oder nicht. Wer es tut, ok, kann man als Engagement verbuchen. Ich finde das gut.

            Ich kenne auch Kollegen, die es unverschämt finden, außerhalb der Schule von Eltern oder Schülern angesprochen zu werden. Ich kenne Kollegen, die es strikt ablehnen, nach der Schule mit “Schulischem” belästigt zu werden. Die rufen Eltern nur von der Schule aus an bzw. laden sie zwecks Gespräch zur Schule ein. Das ist ok so. Kein Engagement, aber ok. Sie sind eben nur bereit, innerhalb ihrer Arbeitszeit zu arbeiten. (Wobei die Vorstellung, das habe nur in der Schule stattzufinden, für mich fraglich ist.)

            Wenn Sie sich aber engagieren, dann engagieren Sie sich und jammern Sie bitte nicht darüber. Wenn Sie nichts tun wollen, was Sie nicht auch bezahlt bekommen, dann lassen Sie es eben. Um nicht missverstanden zu werden, ich finde, dass es schon zu unserem Beruf dazu gehört, sich zu engagieren, aber genauso richtig ist es, Grenzen zu setzen !

  2. @Sofawolf Es gibt immer in jedem Kollegium die, die kaum/keine Korrekturen haben und auch sonst keine Aufgaben übernehmen und nur Dienst nach Vorschrift machen. Wenn man aber deren Arbeitspensum als Maßstab nimmt, dann Gute Nacht! Die vielen, die sich in jedem Kollegium engagieren und die zwanzigste Zusatzaufgabe ohne auch nur den Hauch einer Entlastungsstunde übernehmen UND dann auch noch die höchsten Korrekturbelastungen haben, die gehen kaputt bei den aktuellen Verhältnissen. Man kann sich aber natürlich auch an denen orientieren, die am wenigsten tun…

    • @ E.N., ich nehme diese Kollegen nicht als Maßstab, ich weise nur auf die Unterschiede in den Belastungen Einzelner hin und auf die Absurdität aus meiner Sicht, einen Plausch mit Kollegen beim Käffchen am Nachmittag in einem Restaurant auch noch als Arbeitszeit verkaufen zu wollen (siehe Gespräch mit Eltern an der Wursttheke im Supermarkt). Wie ernstzunehmen sind denn solche Arbeitszeitauflistungen?!?

      Ein bisschen Engagement (etwas, was man nicht bezahlt bekommt) darf doch wohl auch noch erwartet werden. Ein bisschen!!!

      • “Ein bisschen Engagement (etwas, was man nicht bezahlt bekommt) darf doch wohl auch noch erwartet werden. Ein bisschen!!!”

        Klar.
        Ein bisschen von allem sieht dann so aus:

        Ein bisschen Klassenfahrt, fährt jede Klasse, ist man alle 2 Jahre dran, in weiterführenden Schulen mit Austauschen etc. womöglich noch häufiger.

        Ein bisschen pädagogische Konferenz darf jeder mitmachen. Haben Sie eine Klassenleitung, sind sie ohnehin betroffen. Haben Sie Fächer, müssten Sie in JEDER Konferenz für JEDE KLasse sitzen … dann überlegen Sie mal, in wie vielen Konferenzen Sie säßen, würden diese halbjährlich tagen.

        Ein bisschen Fachkonferenz darf jeder mitmachen. Sind Sie an einer kleinen Schule, haben Sie die Leitung von 3-4 Fächern und sitzen in mehreren weiteren. Und natürlich werden für alle Sitzungen Protokolle verfasst. Da sind Sie dann auch häufiger dran, schließlich teilt es sich auf wenige Personen auf.

        Ein bisschen Elterngespräche, sicher. Das ist nicht auf Elterngespräche zu Elternsprechtagen begrenzt und selbst als Fachlehrkraft wird man von Eltern angesprochen. Auch Elternberatung unterschiedlichster Art gehört dazu. Und das sind nicht einzelne, sondern sehr viele Eltern. Wenn Sie dabei Kaffee trinken wollen, bitte. Bieten Sie den Eltern auch einen an! Wenn ein Mitarbeiter im Amt sich einen Kaffee holt oder sich mit seinen KollegInnen unterhält, ziehen Sie ihm diese Zeit von der Arbeitszeit ab?

        Ein bisschen Inklusion können Sie auch machen. Wenn es aber so ist, wie oben beschrieben oder im ZDF-Beitrag, der am 18.9. gesendet wird, sind schon 4 oder 6 Kinder mit Förderstatus in der Klasse, für die Sie den Förderplan schreiben, die Förderung bereitstellen und täglich Aufgaben bereithalten.
        Dass Sie natürlich in allen Ihren Fächern für alle Schüler halbjährlich die Bögen zur Individuellen Lernentwicklung ausfüllen, die Sie in den o.g. pädagogischen Konferenzen beraten und in den anschließenden Elterngesprächen auf den Tisch legen, wozu sie ein Protokoll erstellen, versteht sich von selbst.

        Ein bisschen Fortbildung ist sicher sinnvoll. Da gibt es solche, die verpflichtend sind. Die muss ich besuchen. Es gibt andere, die kann ich wählen. Bekomme ich ein hochbegabtes Kind in die Klasse, kann ich mir dazu eine FoBi suchen und/oder Fachbücher lesen und/oder mich auf andere Weise informieren, um im Anschluss pädagogische Konsequenzen für meinen Unterricht zu formulieren und entsprechende Aufgabenstellungen zu überlegen und bereitzustellen.
        Wenn ich davon dann einer Freundin erzähle, ist das Freizeit, ist es aber eine Kollegin, die das gleiche oder ein anderes Kind unterrichtet, mit der ich mich fachlich dazu austausche, damit eine Expertise erhalte und meine Informationen abgleiche, ist das Arbeit. Ähnliches geschieht auf der FoBi-Veranstaltung nämlich auch.

        Diese Liste von “ein bisschen” ließe sich noch weiterführen.

        Wenn Sie die Ferien komplett für Urlaub nutzen können, sind Ihre Belastungen offenbar nicht so groß. Dann müssen Sie ja weder Korrekturen leisten, noch aufwändige Akten zu Ihren Schülern führen. Rechnen Sie sich also zu denen, die sich in der Schule angesichts einer günstigen Fächerkombination ohne Korrekturstapel und Organisation von Schulfeiern und -fahrten ganz solidarisch um anderes kümmern können, für das die belasteten KollegInnen keine Zeit aufwänden können: Übernehmen Sie 1-10 zusätzliche Aufgaben, die auch verteilt werden: Datenschutz, Strahlenschutz, Pflege der Homepage, Arbeitssicherheit, Verantwortlicher für die Presse, Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen etc.

        Sie wollen Entlastungen und stellen gleichzeitig die tatsächliche Arbeitsbelastung in Abrede. Dann braucht es ja keine Entlastungen, wenn alles so leicht zu erreichen und zu schaffen ist, dass Lehrkräfte nachmittags beim Kaffeeplausch die Füße hochlegen und 10 Wochen Urlaub im Jahr machen können.

        Warum nur kommt die GEW _im Durschnitt_ zu einer erheblich höheren Arbeitszeit trotz herausgerechneter Ferien und spricht von Deckeneffekt, weil den KollegInnen in Vollzeit die Erledigung der Aufgaben in der zur Verfügung stehenden Tageszeit nicht gelingen kann?

        • Ich zitiere mal Küstenfuchs: “Da steht leider ziemlich viel Blödsinn!”

          Engagement ist, was Sie freiwillig tun und wofür Sie nicht bezahlt werden. Davon sprach ich (siehe Gespräch mit Eltern an der Wursttheke im Supermarkt). Welche der ellenlang aufgeführten Beispiele, die ich nur überflogen habe, sind denn solche freiwilligen und daher nicht bezahlten Tätigkeiten, mit denen Sie belegen wollen, dass “ein bisschen Engagement” untertrieben sei.

          Klassenfahrt? Keine Dienstpflicht? Fachkonferenz? keine Dienstpflicht? Elternsprechtag? Keine Dienstpflicht? Korrekturen? Keine Dienstpflicht?

          Das ist alles unnütz aufgelistet, weil es gar nicht zu meiner Aussage passt. Aber typisch, Palim.

          • Anscheinend aber betrachten Sie Klassenfahrten, Fachkonferenzen, Elternsprechtage, Korrekturen … als Ihr Engagement? Nein, das sind Dienstpflichten! Dafür werden Sie auch (pauschal) bezahlt.

          • Ja,
            und für all das andere, was ich schon im ersten Beitrag aufgeführt habe, werde ich auch pauschal bezahlt.
            Nur dass die Ferien unterrichtsfreie, aber nicht arbeitsfreie Zeit sind und ich dort die Freizeit, die ich mir längst “erarbeitet” habe, gar nicht erhalte, weil in den Ferien viele außerunterrichte Aufgaben zu erledigen sind.

            Die von Ihnen genannte pauschale Entlohnung passt mit den zahlreichen zusätzlichen Aufgaben nicht mehr überein und auch nicht damit, dass diese Aufgaben in den vergangenen 20 Jahren um ein Vielfaches erweitert wurden.
            Die einzelne Maßnahme wird gerne als “ein bisschen” und Kleinkram beschrieben, tatsächlich ist dem aber nicht so und die vielfältige zusätzlichen Aufgaben sprengen den Rahmen.

            Etliches davon könnte man an andere Personen abgeben.
            Alles, was pädagogische Arbeit ist, muss aber von Lehrkräften erledigt werden, sollte dann aber auch entsprechende Anerkennung und Entlastung erhalten.
            Wer also – siehe Artikel – Kooperationen fordert, muss im selben Atemzug auch ZEIT fordern, damit Lehrkräfte diese Kooperation leisten können. Alles andere käme einer zusätzlichen Aufgabenerweiterung und Belastung gleich, wie wir es in den letzten 20 Jahren vielfach erleben durften.

          • @ A.B., ja, ok, vielleicht trifft es der Begriff Dienstpflicht nicht so richtig. Vielleicht wäre Dienstzeit besser, denn wenn man den Ausflug oder die Klassenfahrt nicht macht, hat man ja in dieser Zeit nicht frei, sondern arbeitet eben im Unterricht. (Jetzt wird gleich jemand kommen und sagen, dass Ausflüge aber länger dauern können als die Stunden, die man gegeben hätte usw.-usf.)

            Ich meine vor allem, dass Engagement etwas ist, was man freiwillig und unbezahlt tut. Das trifft so auf den Ausflug nicht zu, denn der wird einem in der Regel ja als Arbeitszeit (während der Arbeitszeit stattfindend) angerechnet, auch wenn ich den nicht machen muss, sondern dann eben Unterricht. Ich kenne viele, die ihre Ausflüge so planen, dass sie auch nicht länger dauern, als sie an diesem Tag Unterricht gehabt hätten. Das ist kein Engagement!

            Wer jedoch um 12.00 Uhr Schluss hätte und von vornherein einen Ausflug plant, der bis 15.00 Uhr geht, ja, der hat auch Engagement gezeigt. Will er die drei Stunden hingegen bezahlt bekommen oder abbummeln, ist es kein Engagement, sondern Arbeitszeit / Dienstzeit gewesen.

            Ein bisschen Engagement darf auch mal erwartet werden, finde ich.

          • @ A.B., es gibt übrigens auch eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (26.04.1985), wonach Klassenfahrten zum herkömmlichen Berufsbild eines Lehrers gehören und sich daher die Klägerin nicht weigern durfte, an einer Klassenfahrt teilzunehmen, nur weil das nicht im Arbeitsvertrag stand.

            Da wären noch Details nötig (!), aber das ist ja gar nicht das, worum es hier geht. Natürlich ist -sofawolf- der Letzte, der die Arbeitsbelastungen heutiger Lehrer negiert, allerdings heißt das noch lange nicht, dass aus meiner Sicht jede Kleinigkeit als eine solche aufgeführt werden muss. Da bleibt trotzdem noch jede Menge übrig, die bitte reduziert gehört, um uns vorm Ausbrennen zu schützen.

            Manches wirkt ja auch nur in der Menge erdrückend und nicht in der Sache selbst. Es wäre leistbar(er), wenn wir deutlich kleinere Klassen und ein deutlich geringeres Stundensoll hätten und uns so manche Bürokratie erspart bliebe. Dann könnten wir vieles Genannte auch problemlos leisten. Darum geht es!

            Und trotzdem darf auch hier und da mal etwas Engagement gezeigt werden, oder?

          • Das Beispiel der Klassenfahrten ist insofern interessant, als deren sogenannter “Boykott” im Zuge der Debatte um die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung der nds. Gymnasiallehrer der breiten Öffentlichkeit sehr eindrücklich vorgeführt hat, was Lehrkräfte alles aus reinem Engagement machen – und was ebendiese Öffentlichkeit deshalb als selbstverständlich hinnimmt. Hier liegt aus meiner Sicht der Hase im Pfeffer. Dass das Plenum der Personalräte der nds. Gymnasien (PPNG) dieses Thema breit in die Öffentlichkeit getragen hat, hat den Druck auf die damalige nds. Landesregierung massiv erhöht, da auch Lieschen Müller plötzlich merkte: Ups, warum verordnet ebendiese Landesregierung denn nicht einfach, dass die Lehrer Klassenfahrten machen müssen? Ganz einfach: Weil sie es gar nicht so einfach kann – und weil alle gemerkt hätten, dass die nds. Lehrkräfte diese Fahrten auch noch in weiten Teilen selber zahlen.

  3. Wenn wir beispielsweise eine Vergleichsarbeit schreiben, dann setzen wir uns vor der Reihe zusammen und planen die im Groben gemeinsam, steht ein solche Vorhaben allerdings nicht an, sehe ich keine Notwendigkeit, mich in der Fachschaft regelmäßig zu treffen. Was soll das bringen, was sollte man da besprechen, was man nicht auch im Schulalltag regeln kann?

    P.S.
    “Online-Plattformen dagegen werden nur von einer Minderheit als geeignete Kommunikationsform angesehen”. Durch den Datenschutz werden einem da aber auch gewaltige Knüppel zwischen die Beine geworfen.

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