Eltern, Lehrer und Schüler demonstrieren für bessere Bildung

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KASSEL/FRANKFURT. An Hessens Schulen rumort es. 2000 Menschen beklagen Missstände an den Bildungseinrichtungen und tragen den Protest mit Plakaten, Pauken und Luftballons auf die Straße.

In der einen Hand ein Butterbrot, in der anderen einen roten Luftballon: Janosch wartet darauf, dass es endlich losgeht am Samstagmorgen. Der Erstklässler aus Marburg weiß, was er will: «Demonstrieren». Und sich «beschweren, weil Grundschullehrer schlechter bezahlt werden als die anderen». Zusammen mit mehr als 1000 anderen Menschen sind Janosch und seine Mutter dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zur «Bildungsdemo» in Frankfurt gefolgt. Auch in Kassel machten am Samstag fast 1000 Menschen ihrem Unmut über die Situation an Schulen und Kindergärten in Hessen Luft. Ein Meer roter und weißer Luftballons sowie Rasseln und Paukenschläge begleiten die Demonstranten.

Rund 2.000 Menschen demonstrierten in Frankfurt und Kassel gegen die schlechten Verhältnisse an den hessischen Schulen (Symbolbild). Foto: Bernd Schwabe in Hannover / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Rund 2.000 Menschen demonstrierten in Frankfurt und Kassel gegen die schlechten Verhältnisse an den hessischen Schulen (Symbolbild). Foto: Bernd Schwabe in Hannover / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
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Das Thema mit dem Geld kennt Janosch von seiner Mutter Joana. Sie ist Lehrerin. An der Grundschule bekomme sie weniger Gehalt als an anderen Schulformen, sagt Joana. Neben mehr finanzieller Anerkennung wünscht sie sich bessere Bedingungen für Lehrer und Schüler in Intensivklassen, um den oft traumatisierten Kindern gerecht werden zu können. Mehr Kollegen, kleinere Klassen – davon träumen auch drei Lehrerinnen aus Bad Vilbel. Sie betreuen Inklusionsklassen. «Das funktioniert nur, wenn man zwei Lehrkräfte hat.» Der Alltag sei davon weit entfernt, was für Stress sorge. Schulsozialarbeit? «Ja, eine halbe Stelle für bis zu 600 Schüler», stellen die drei frustriert fest.

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Hessen tragen Lehrer, Erzieher und Eltern ihren Ärger über Probleme im Bildungssektor auf die Straße. Unter den Teilnehmern an den Demos in Frankfurt und Kassel sind viele Familien. Einige von ihnen klagen nicht nur über zu große Klassen und fehlende Lehrer und Erzieher, sondern auch über den baulichen Zustand der Schulen. Dies ist wohl auch gemeint, als die GEW am Samstag von «deutlich sichtbaren Defiziten» und «einstürzenden Schulbauten» sprach. In Kassel und in Neukirchen wurden in diesem Jahr zwei Schulen aufgrund von Einsturzgefahr geschlossen. Die Gewerkschaft fordert vom Land ein Sofortprogramm von 500 Millionen Euro zugunsten der Bildung aufzulegen.

Die CDU, in der Landesregierung verantwortlich für das Kultusministerium, sieht die Situation an den Schulen ganz anders als die Protestierenden. Die Bildungspolitik sei «auf Erfolgskurs», lässt sie ihren bildungspolitischen Sprecher Armin Schwarz erklären. Dem beklagten Lehrermangel hielt Schwarz entgegen, die Landesregierung habe die Zahl der Lehrerstellen auf das Rekordhoch von 54 100 gesteigert. Auch die pro Kopf-Ausgaben von 1495 Euro für Bildung seien Rekord.

Die Linke warf der CDU dagegen vor, «rosarot zu malen». Das Eigenlob sei ein Armutszeugnis. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sorge nicht für bessere Rahmenbedingungen, sondern stehe für «ein Scheitern der schwarzgrünen Bildungspolitik», sagte Linken-Fraktionschefin Janine Wissler laut Mitteilung. (dpa)

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2 KOMMENTARE

  1. Armin Schwarz. Er wird der CDU gehörig Trimmen kosten. Allein das Doppelangebot der Inklusion kostet knapp 3000 Stellen, und richtig funktionieren tut das ja nun auch nicht. Usw. Nur zum Kopf schuetteln

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