Offener Brief: Ärzte, Lehrer und Eltern machen gegen Schulkakao mobil

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DÜSSELDORF. Der subventionierte Kakao an Nordrhein-Westfalens Schulen sorgt weiter für Streit. In einem offenen Brief an die Landesregierung bezeichnen Ärzte und Eltern die Praxis als «antiquiert» und plädieren für eine ausgewogene Mittagsverpflegung.

Wo sind denn hier bitte die Lehrer? Foto: Keven Law / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Gezuckerte Milch? Muss nicht sein, meinen die Initiatoren. Foto: Keven Law / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Ärzte, Wissenschaftler, Lehrer und Elternvertreter haben an die nordrhein-westfälische Landesregierung appelliert, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. In einem von der Verbraucherorganisation Foodwatch initiierten Schreiben plädierten sie dafür, stattdessen auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an den Schulen und Kindertagesstätten zu setzen.

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«Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen … ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden», schrieb der Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft, Matthias Blüher, in dem offenen Brief. Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Helmut Heseker, fügte hinzu: «In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den damals «schmächtigen» Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk.»

Die Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW, Christina Herold, schlug vor, die Schulen sollten besser «den Weg zu einer kostenlosen Versorgung der Kinder mit Wasser, z.B. über Trinkwasserspender» gehen. Die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer mahnte: «Das Land NRW wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 andere Bundesländer gemacht haben.» Mit dem eingesparten Geld könne zum Beispiel Schulobst- und Gemüse gefördert werden. Auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Thomas Fischbach warnte vor den Folgen übermäßigen Zuckerkonsums.

Die NRW-Landesregierung hatte kurz vor Beginn des neuen Schuljahres angekündigt, neben ungezuckerter Schulmilch auch weiterhin den bei Kindern beliebten Kakao im EU-Schulprogramm zu fördern. «Kakao ist für die Kinder wichtig, die für Milch pur nicht zu begeistern sind», begründete sie den Schritt. Die deutlich stärker als der Kakao gezuckerte Erdbeer- und Vanillemilch werden dagegen nicht mehr gefördert. Zuletzt hatte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) eine Elternbefragung zu dem strittigen Thema angekündigt.

Das Ministerium teilte am Freitag mit: «Wir sind dankbar für alle Hinweise.» Bei einem Fachdialog am kommenden Montag würden Wissenschaftler, Sachverständige und Verbände über die Wirkungen des Schulmilchprogramms sprechen. «In die Evaluierung werden selbstverständlich alle gewonnenen Erkenntnisse und Stellungnahmen, wie auch die Ergebnisse der Elternbefragung, einfließen», hieß es. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Lauter schwachsinnige Ideen ! Die Herrschaften, die immerzu etwas als ungesund verbieten, geben sich abends, bei Empfängen den Sekt und die Brötchen. Aber den Kindern ALLES vermiesen , was nahrhaft ist und zugleich gut schmeckt…als ob es darum ginge, dass die 0,20 l jemanden wirklich schaden würden. Kakao ist erwiesenermaßen eines des gesündesten Lebensmittel

  2. Obst ist aber auch nicht ohne. Viele Obstsorten enthalten Säuren, die die Zähne gravierender angreifen als Kakao. Da ist der Zahnarztbesuch schon vorprogrammiert.

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