Shitstorm wegen SPD-Brief an Erstklässler

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ZIRNDORF. Die SPD im mittelfränkischen Zirndorf hat sich mit einem Brief an die Erstklässler ihrer Stadt einen kleinen Shitstorm und Ärger mit anderen Stadtratsfraktionen eingehandelt

«Die Freien Wähler und die CSU haben die Rechtsaufsicht eingeschaltet», sagte der SPD-Ortsvorsitzende Markus Trautmann am Samstag. Der Vorwurf: Wahlmanipulation. Dabei gebe es die Aktion «Brotdosen für die Schulanfänger», in deren Rahmen die Briefe verteilt wurden, schon seit zehn Jahren und auch andere Parteien würden ähnlich Wahlwerbung machen, sagte Trautmann.

Gegenwind für die Zirndorfer SPD. Foto: Christian Alexander Tietgen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Gegenwind für die Zirndorfer SPD. Foto: Christian Alexander Tietgen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
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Hintergrund des Streits ist ein Brief, in dem die SPD Zirndorf den neuen Grundschülern viel Spaß für den neuen Lebensabschnitt wünscht – und zeitgleich darauf hinweist, dass die Partei für Kitas und Schulen in der Stadt viel getan habe und dass die Kinder ihren Eltern doch empfehlen sollen, bei der bayerischen Landtagswahl im Oktober die Sozialdemokraten zu wählen.

«Es ist unglaublich, was sich diese SPD in Zirndorf herausnimmt. Wahlwerbung auf Kosten unserer Kinder», schimpften die Freien Wähler bei Facebook. Der Pressesprecher der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, Franz Stangl, kommentierte bei Twitter: «Ein Loblied auf das bayerische Bildungssystem, in dem die Erstklässler bei der Einschulung schon Wahlaufrufe lesen können. Da muss die CSU mit ihrer Bildungspolitik alles richtig gemacht haben.» (dpa)

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15 KOMMENTARE

  1. Hätte auch bei der AfD der Artikel so wohlwollend ausgesehen, wenn sie gehandelt hätte wie die SPD? Wäre ihr Fehlverhalten auch so runtergespielt worden und hätte man bei ihr auch von einem “Shitstorm” geredet, weil doch “schon seit zehn Jahren auch andere Parteien ähnlich Wahlwerbung machen”?
    Ich bin sicher, man hätte sich auf die Seite der Empörten geschlagen und ihnen nicht “Shitstorm” vorgeworfen, sondern sie gelobt für ihr couragiertes Aufbegehren gegen die AfD. Dass auch andere Parteien ähnlich Wahlwerbung machen, hätte vermutlich keine Rolle gespielt und wäre tunlichst verschwiegen worden.
    Tatsache ist: Egal, welche Partei über die Schulen und Schüler Wahlwerbung betreibt, handelt grob falsch. Insofern begrüße ich die öffentliche Kritik, fälschlich genannt “Shitstorm”, nur weil sie die SPD betrifft.

    • Gibt es noch jemand anderen, der sich beklagt, in welcher Intention der Artikel verfasst worden wäre, wenn zum Beispiel die CSU, die FDP oder eine andere Partei auf diese Weise Wahlwerbung betrieben hätte ?
      Sie unterstellen der Redaktion einseitige Meinungsmache durch eine vermutete einseitige Berichterstattung gegen eine von Ihnen präferierte Partei.
      Hier wird durch die Redaktion auf einen Missstand aufmerksam gemacht und Sie fantasieren sich da eine Stigmatisierung herbei. Die arme AfD, die unter anderem aus dem Parlament heraus, Hetze gegen Ausländer betreibt, siehe Frau A.Weidel mit der Verunglimpfung durch die Wortbildungen der “Messermänner, Kopftuchmädchen und sonstige Taugenichtse”

      • Herr Wrobel, Sie sind das beste Beispiel dafür, dass die Reaktion der Mainstreampresse bei einem ähnlich gearteten Brief, nur mit dem Absender AfD, wesentlich extremer geworden wäre. Speziell bei der SPD muss man sich mal die Umfragen anschauen. Sie pfeift aus dem letzten Loch.

        • Das Gefasel wird immer kruder hier. Wieso ist Herr Wrobel das beste Beispiel für Ihre “Lügenpresse” (sprechen Sie doch aus, was Sie meinen, xxx)? Ist Herr Wrobel jetzt ein Medium, oder was?

        • Zum ersten Punkt der Kritik des von der dpa übernommenen Artikels um 12:41 passt noch der Kinderreim “Hätte, hätte, Fahrradkette”, denn auf diesem Niveau bewegt sich der Zorn des Schreibers.

          Und da ist sie wieder, die selbst inszenierte und offen zelebrierte Opferrolle einer Partei und ihrer Parteigänger, die selbstgefällig, sich vermeintlich gegen eine so wahrgenommene feindliche Umgebung zur Wehr setzen müssen und keine Gelegenheit auslassen, auf sich aufmerksam zu machen, selbst wenn Fehlleistungen eines kleinen und unbedeutenden bayrischen Ortsverbandes der SPD thematisiert werden.
          Dann ist der brave AfD-Parteisoldat da und beklagt die ach so schrecklich empfundene, aber fiktive Ungerechtigkeit, während im Parlament das eigentlich Ungeheuerliche zelebriert wird, nämlich die Verschiebung der Grenzen des guten Geschmacks, wie zum Beispiel die Hetze in öffentlichen Debatten gegen Minderheiten. Das hat System und wird langsam unerträglich, zeigt aber bereits Folgen in Form von ermutigten echten Nazis, die laut grölend durch deutsche Städte ziehen, da sie sich ermuntert fühlen, aktiv zu werden und ihren ganzen Hass nach außen zu kehren.

          Ihre Darstellung bezeichne ich als asymetrische Wahrnehmung der Realität, fern einer zielgerechten Hinwendung zu echten Problemen, die die Menschen im Land betreffen.

    • @Wrobel
      Wenn ich etwas unterstelle, dann doch wohl der “dpa”, die den Artikel, so wie er ist, in die Welt gesetzt hat.
      Im Übrigen bleibe ich dabei: Was sich die sog. etablierten Parteien als verzeihliches “Kavaliersdelikt” leisten können, wäre bei der AfD eine Todsünde.
      Sie kriegen die AfD doch nicht weg, indem Sie Offensichtliches abstreiten, das die Menschen mitkriegen, und als Begleitmusik die üblichen Schimpfvorwürfe anbringen. Irgendwann muss doch mal der Groschen fallen, dass dies wohl kein so erfolgreicher Weg in der Bekämpfung der AfD ist.
      Oder soll der Groschen gar nicht fallen? Ich frage mich allmählich, was die glühenden AfD-Gegner wohl SELBST davon haben, wenn sie immer wieder dasselbe Kampfmittel anwenden, das statt Erfolg nur die aggressive Meinungskultur im Lande verstärkt.
      “Genüssliches Verurteilen” habe ich von einem Politologen kürzlich als Erklärung für dieses Handeln gelesen. Der Begriff hat mir eingeleuchtet. Genuss ist eine starke Kraft.

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