UNICEF-Schulprogrammen in Jordanien droht massive Kürzung

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BERLIN/AMMAN. Hunderttausende aus Syrien geflüchtete Kinder gehen im Nachbarland Jordanien zur Schule. Für viele von ihnen ist der Schulbesuch nur mit internationaler Unterstützung möglich. Wegen zu geringer Unterstützung muss nun das Kinderhilfswerk UNICEF mehrere Bildungsprogramme kürzen. Rund 60.000 Mädchen und Jungen sind davon betroffen.

Der Schulbesuch ist für Flüchtlinge mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Zwar haben sie in vielen Aufnahmeländern das recht, eine Schule zu besuche, doch ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) stellt fest, dass vier Millionen Flüchtlingskinder nicht zur Schule gehen können. Nur 61 Prozent haben die Möglichkeit, eine Grundschule zu besuchen.

Rund 100 der von UNICEF unterstützten Kinder- und Jugendzentren in Jordanien müssen voraussichtlich geschlossen werden. Foto: IIP Photo Archive / flickr (CC BY 2.0)
Rund 100 der von UNICEF unterstützten Kinder- und Jugendzentren in Jordanien müssen voraussichtlich geschlossen werden. Foto: IIP Photo Archive / flickr (CC BY 2.0)
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Laut UNHCR-Bericht leben 92 Prozent der Flüchtlingskinder in Entwicklungsländern. Die Mittel für die Förderung der Schulbildung sind entsprechend gering. Es fehlt an allem: Schulgebäude, Tische, Bänke und Tafeln, Lehrpersonal, Bücher und Hefte.

Hinzu kommt, dass der Unterricht für Flüchtlinge unterschiedlichen politischen Einflüssen unterliegt. Im kurdischen Nordirak beispielsweise wurden für die Kinder der etwa eine Million Binnenflüchtlinge aus dem Zentralirak muttersprachliche Schulen eingerichtet. Diese Schulen sind jedoch nun von der Schließung bedroht, denn die Regierung in Bagdad überlege, die arabischsprachigen Lehrer abzuziehen. Sie will die Menschen dazu bringen, in ihre Heimatorte im Zentralirak zurückzukehren.

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“Dass nur so wenige Flüchtlingskinder in die Grundschule gehen können, ist eine Katastrophe. Ihnen wird daher von Anfang an eine Lebensperspektive verwehrt”, so der Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer. “Inmitten von Krieg und Konflikten wird Bildung oft als Luxus angesehen. Doch Bildung ist ein Menschenrecht. Es ist wichtig, dass Flüchtlinge etwas lernen, damit sie sich selbst eine bessere Zukunft aufbauen können. Darum müssen wir mehr in die Schulbildung investieren.”

Jordanien gehört zu den Ländern, die besonders viele Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien aufgenommen haben. Doch für viele Flüchtlingskinder beginnt das neue Schuljahr mit einem Rückschlag, berichtet UNICEF Jordanien in einer aktuellen Meldung. Wegen zu geringer internationaler Unterstützung musste das Kinderhilfswerk mehrere seiner Bildungsprogramme kürzen. Rund 60.000 Mädchen und Jungen seien davon betroffen.

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Derzeit erhalten bereits nur noch 10.000 statt vorher 55.000 Kinder aus bedürftigen syrischen Familien eine monatliche Unterstützung, um ihre Kosten für Lernmaterial, Schuluniformen oder Transport zu decken. Für 2.500 Kinder, die in abgelegenen informellen Siedlungen leben oder die eine Behinderung haben, kann kein Schulbus mehr finanziert werden.

Rund 100 der von UNICEF unterstützten Kinder- und Jugendzentren in Jordanien müssen voraussichtlich geschlossen werden. In diesen so genannten “Makani”-Zentren (Makani = “mein Ort”) können Mädchen und Jungen an Spiel- und Sportangeboten sowie informellen Bildungskursen teilnehmen und erhalten psychosoziale Hilfe. Die Hälfte dieser Einrichtungen ist nun von den Kürzungen betroffen.

“Wir befürchten, dass jetzt mehr geflüchtete Kinder in Jordanien die Schule abbrechen werden, mehr von ihnen drohen in Kinderarbeit oder Frühehen gedrängt zu werden”, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Dabei seien diese Angebote dringender denn je. Zwar waren im vergangenen Schuljahr 126.000 syrische Kinder in Jordanien an Schulen eingeschrieben, aber rund 40 Prozent der syrischen Kinder ging bereits vor den Kürzungen nicht zur Schule.

Die akute Finanzierungslücke für die Bildungsprogramme in Jordanien beträgt rund 8,6 Millionen US-Dollar. UNICEF Deutschland hat deshalb 500.000 Euro als Soforthilfe aus privaten Spenden überwiesen.

“Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung sowohl durch die Bundesregierung als auch von zahlreichen privaten Spenderinnen und Spendern, die den syrischen Kindern seit Beginn der Krise zur Seite stehen. Unser aktueller Sofortbeitrag allein kann den Fortbestand der Bildungsprogramme aber nicht sichern. Die Hilfe muss dringend fortgesetzt werden”, so Schneider.

Regierungsbeiträge und Spenden aus Deutschland gehören zu den wichtigsten Stützen der UNICEF-Hilfe in Syrien, Jordanien und Libanon. UNICEF ruft dringend zu Spenden für syrische Kinder auf. (zab, pm)

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3 KOMMENTARE

  1. Schlimm. Da haben wir einen Grund für die Fluchtbewegungen und etwas, was man dagegen tun könnte (u.a.)!

    Kein Geld für Schulkinder in Flüchtlingslagern in Jordanien, aber 300,- Euro Gehaltszulage für Lehrer an 80%-Brennpunktschulen in Berlin. (Ja, ich weiß schon, dicke bank, das kommt aus ganz unterschiedlichen Töpfen, aber wenn man wollte, könnte man das ja ändern, sodass wieder mehr da ist für die Schulinder in Jordanien. Wenn man denn wollte … !!!)

  2. Der Artikel macht mich sehr betroffen. So viele Lebenschancen gehen verloren. Hoffentlich finden sich doch noch Wege, diesen Kindern Bildung zukommen zu lassen!

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