Experte fordert weniger Schulsportfreistellungen für chronisch kranke Kinder

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BERLIN. Nach Ansicht von Kinder- und Jugendkardiologen verschenkt der Schulsport wichtige therapeutische Potenziale. Chronisch kranke Kinder würden zu oft generell vom Sport befreit. Stattdessen sollten verstärkt individuell angepasste Trainingsprogramme zum Einsatz kommen.

Schulsport hätte ein großes Potenzial für Prävention und die Erziehung zu einem gesunden Lebensstil. Aktuell werde der Schulsport allerdings weder den Bedürfnissen gesunder noch denjenigen chronisch kranker Kinder gerecht. Mit deutlichen Worten hat sich der Berchtesgadener Kinderkardiologe und Sportmediziner Richard Eyermann für eine teilweise Neuausrichtung des Sportunterrichts stark gemacht.

Weitsprung eines Schülers
Chronisch kranke Kinder sollten nach Ansicht von Kardiologen stärker in den Schulsport integriert werden. Foto: Maximilian Schönherr / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
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„Für chronisch kranke Kinder mit angeborenem Herzfehler, Diabetes Typ I oder Asthma hat Sport eine besondere Bedeutung und sollte integrierter Bestandteil des Therapiemanagements sein“, so Eyermann. Das zeigten Studien zum intensivierten Schulsport ebenso wie Untersuchungen zur Sport- und Bewegungstherapie bei betroffenen Kindern und Jugendlichen.

Körperliche Leistungsschwäche bei Kindern mit solchen Erkrankungen habe ihre Ursache oft in gerade in Sportrestriktion und nicht in der Erkrankung selbst. Körperliches Training könnte dies beheben, so der Experte. Sportverbote hingegen erhöhten die Betroffenheit chronisch kranker Kinder und beeinträchtigten ihre motorische und sozialintegrative Entwicklung.

Für eine verbesserte Einbindung kranker Kinder in den Schulsport seien allerdings Veränderungen sowohl auf medizinischer wie schulischer Seite notwendig. Anstelle genereller Sportverbote sollten etwa Kinderärzte durch regelmäßige, sportmedizinische Gesundheitsüberprüfungen die individuelle Belastbarkeit und Sporttauglichkeit chronisch kranker Kinder beurteilen. Bei Sportfreistellungen sollten möglichst nur Teilfreistellungen ausgesprochen werden, nach dem Motto: Soviel Sport wie möglich und nur so viel Restriktionen wie notwendig.“

Sportlehrer sollten nach Eyermanns Ansicht speziell im kindlichen Präventions- und Rehabilitations-Sport geschult werden, damit sie die ärztlichen Befunde pädagogisch umsetzen könnten. Daneben bedürfe es einer Verbesserung der Kenntnisse von Lehrern in spezieller krankheitsbezogener erster Hilfe.

Generell sollte pädiatrische Sportmedizin bei der Behandlung chronisch kranker Kinder noch stärker in die Kinder- und Jugendmedizin integriert werden, so Eyermann. Es gehe nicht nur darum, chronisch kranke Kinder am Sport teilnehmen zu lassen, sondern Bewegung und Sport als wesentliches Behandlungsprinzip adäquat gezielt in der Therapie einzusetzen. (zab, pm)

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5 KOMMENTARE

  1. Die Experten können fordern was sie wollen, leider haben sie aber keinen gesunden Menschenverstand.
    Dieses Gesundheitssystem lebt von Kranken und es wird keiner daran arbeiten die Menschen gesund zu halten.
    Das einfachste, nämlich eine Selbstbeteiligung bei ärztlichen Behandlung, würde die Probleme schnellstens lösen. Warum müssen vernünftige Menschen und Beitragszahler, Säufer, Süchtige ,Dicke, AIDS Kranke, Asylanten etc. finanzieren. Keiner dieser Gruppen hält sich an irgendwelche Regeln.
    Auch Ärzteschaft produziert mit Wissen der Politiker immer mehr Kranke, statt diese mit den einfachsten natürlichen Mitteln zu Heilen. Nein, der Patient wird mit Medikamenten zugemüllt und bekommt immer mehr davon, um die Schäden der vorherigen Pillen zu lindern!

  2. Gegenvorschlag: Die Krankenkassen stellen für jede kleine Schule eine sportliche Fachkraft, die in genau den geforderten Aspekten geschult ist – für größere Schulen braucht es mehrere dieser Kräfte, für Schulen mit vielen Kindern mit sportrelevanten Diagnosen auch.
    Diese Kräfte begleiten die Sportstunden und damit die betroffenen Kinder, stellen die Zusammenarbeit zu den behandelnden Ärzten her, mit denen sie sich über fachliches und den Therapieplan austauschen können.
    Im Sportunterricht selbst haben sie einen Blick für die notwendigen und möglichen Umstellungen oder Alternativen und können Lehrkräften beratend zur Seite stehen … und zudem als zweite Sportkraft im Unterricht Hilfestellungen geben, Gruppen übernehmen etc.

    Wenn jemand sich solche Sachen für die Schulen wünscht, muss im gleichen Gedankengang auch erklärt werden, woher Zeit, Kraft bzw. Personal und Geld kommen, um diese zusätzlichen Aufgaben leisten zu können, damit ein Mehrwert entsteht und nicht weitere Aufgaben auf Schulen abgeschoben werden, für die sonst niemand aufkommen möchte.

  3. Ich finde, Sportlehrer sollten auch eine chirugische Ausbildung machen, um die Knochenbrüche gleich selbst behandeln zu können. Mehr Psychologie wäre auch gut, um verhätschelte Helikopterelternkinder nicht zu stark zu fordern. Gerne auch eine Extraausbildung für blinde Kinder, taube Kinder, einbeinige Kinder und nerdige Grobmotoriker.

    Warum halten solche Leute, die von Schule absolut keine Ahnung haben, nicht einfach ihren Mund?

  4. Der Beitrag ist sachlich und fachlich korrekt.
    Es ist aber unglaublich was an Dummheiten über Ärzte, Politiker und Lehrer an Vorurteilen verbreitet wird, so man den ersten Kommentar sich zumutet.
    Früher wären derartige Leserzuschriften nicht einmal in der Zeitung abgedruckt worden. (IQ= Hämatokrit +30)

  5. Die Grundaussage des Beitrages ist richtig, jedoch steht der Ausführung einiges im Weg.
    Zum Einen geben viele Lehrer fachfremd Sportunterricht, in der Regel ist nicht einmal ein Übungsleiter- oder Trainerschein vorhanden. Des Weiteren werden durch viele Mediziner Atteste ausgestellt, so dass ein Lehrer Schüler nicht sportlich am Unterricht teilnehmen lassen kann, ohne gleich in die böse Lehrerfalle zu tappen.
    Dann gibt es noch die Sportbefreiungssucht der Eltern. Auch hier sind dem selbst wissenden Lehrer die Hände gebunden.
    Die Forderung und Möglichkeit Kindern auch mit kurzzeitigen oder langfristigen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen Bewegungsförderung zukommen zu lassen besteht schon seit zig Jahren. Möchte sich der Experte irgendwo etablieren?
    Leider muss heutzutage jeder alles unterrichten. Wozu es eine spezifische Ausbildung, auch im Grundschulbereich gibt, verschwimmt immer mehr. Gerade hier ist in den Fachbereichen eine gute Ausbildung und Ausrichtung nicht nur im Sport äußerst wichtig.
    Pauschales Expertenwissen ärgert mich in diesem Zusammenhang ungemein!

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