Lehrer der Erwachsenenbildung protestieren für faires Einkommen

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HANNOVER. Pädagogen, die Flüchtlingen Deutsch vermitteln, sind häufig schlecht bezahlte Honorarkräfte. Bei einer Kundgebung in Hannover demonstrieren sie für bessere Arbeitsverhältnisse in Sprach- und Volkshochschulen.

Szene einer Demonstration (in Dortmund)
Die Demonstration wurde von der GEW unterstützt. Foto: Mbdortmund / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Für bessere Arbeitsverhältnisse haben in Hannover Lehrer von privaten Sprachschulen und Volkshochschulen protestiert. Die rund 50 Demonstranten beklagten, dass sie als Honorarkräfte extrem unterbezahlt seien und in der Regel kein Urlaubsentgelt und keinen Mutterschutz erhielten. Die Kundgebung des Aktionsbündnisses «Deutsch als Fremdsprache» wurde von der Bildungsgewerkschaft GEW unterstützt. Sie stand unter dem Motto: «Wir sind keine Lehrer*innen zweiter Klasse!»

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Nach Angaben der Organisatoren befinden sich die Honorare und Gehälter der Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung auf dem Niveau der 1990er Jahre und damit weit unter dem durchschnittlichen Nettoverdienst in Deutschland. Sie verlangen mehr Unterstützung von Land und Kommunen.

Die Einrichtungen der Erwachsenenbildung wurden in Niedersachsen nach Angaben des Wissenschaftsministeriums 2017 mit rund 45 Millionen Euro gefördert. Viele bieten auch Sprachkurse für Flüchtlinge an. Ein Expertengremium hatte eine Erhöhung der jährlichen Finanzhilfe um acht Prozent empfohlen. Im Haushaltsaufstellungsverfahren habe sich das Wissenschaftsministerium aktiv für die Stärkung der Erwachsenenbildung eingesetzt, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Die geforderte Erhöhung der Grundförderung habe jedoch keinen Eingang in den Vorschlag der Landesregierung gefunden.

«Mit einer besseren finanziellen Ausstattung könnten die Volkshochschulen mehr Lehrkräfte fest anstellen. Der dafür zuständige Minister Thümler hat eine erste Chance bereits vertan», kritisierte Grünen-Fraktionschefin Anja Piel am Freitag. «Das Gros unserer Lehrkräfte an den Volkshochschulen und anderen freien Bildungsträgern in Niedersachsen arbeitet unter prekären Bedingungen. Diese engagierten Menschen hätten es mehr als verdient, dass die Landesregierung endlich Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in die Wege leitet», forderte die Grünen-Politikerin.

«Wir fordern feste Einstellungen und sichere Gehälter für die Lehrkräfte», sagte der stellvertretende GEW-Landesvorsitzende, Holger Westphal. Mit den Deutschkursen für Flüchtlinge erfüllten sie eine wichtige gesellschaftliche Funktion. «Sprache ist der Schlüssel zur Integration», betonte Westphal.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Artur Sieg, erläuterte die prekären Arbeitsverhältnisse der Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrkräfte. Selbst die Festangestellten arbeiteten oft unter miserablen Bedingungen. So müssten sie vielfach bis zu 40 Stunden unterrichten, hinzu kämen die Vorbereitungszeiten. «Das kann zu Lasten der Gesundheit oder der Unterrichtsqualität gehen», sagte Sieg. dpa

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7 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Selbst die Festangestellten arbeiteten oft unter miserablen Bedingungen. So müssten sie vielfach bis zu 40 Stunden unterrichten, hinzu kämen die Vorbereitungszeiten. ”

    Wer über sein Lehrergehalt im öffentlichen Dienst jammert, soll sich mal mit den Lehrkräften in diesen Sprachkursen unterhalten. Dennoch, zur Wahrheit gehört auch, die meisten von ihnen haben keine Lehrerausbildung und viele nicht mal ein Germanistikstudium absolviert. Insofern sind sie mit Schul-Lehrern tatsächlich nicht zu vergleichen.

    • Rund 35€ pro Unterrichtsstunde bei Sprachkursen für Flüchtlinge, deutlich weniger für andere VHS-Kurse. Alles brutto und alles freiberuflich. Bezogen auf eine 40h-Woche ergeben Flüchtlingskurse rund 3000€ brutto im Monat. Ich möchte die Lehrer an Schulen sehen, die 40 Unterrichtsstunden pro Woche unterrichten und vorbereiten können, dazu auch die Ferien nicht bezahl bekommen. Bei normalen VHS-Kursen sind es maximal 2500€ brutto bei 40 Wochenstunden. Angemessen wären mindestens 60€ pro Unterrichtsstunde.

      • Die ausgelobten 35€ gibt es nur für ganz bestimmte Kurse, wenn diese dann von Honorarkräften unterrichtet werden, pro Stunde.
        Alternativ setzen die VHS in diese Kurse Angestellte, die dann mit einem 40h-Arbeitsvertrag auch 40h im Unterricht eingesetzt werden.
        Ebenso kann man die Honorarkräfte in andere Kurse setzen, für die es keine Vorgabe vom BAMF gibt, und weit weniger Geld zahlen.

        • Genau das habe ich ja geschrieben. Wie viele von diesen Lehrkräften tatsächlich Lehraufträge für 40 Wochenstunden bekommen, weiß ich auch nicht. Angesichts der Arbeitszeiten der Schüler habe ich aber Zweifel, dass das die Regel ist. Möglicherweise gibt es auch eine interne Hackordnung für die besser bezahlten BAMF-Kurse im Vergleich zu den normalen Sprachkursen.

          • Ja, ich stimme voll zu. Die Arbeitsbedingungen in den Sprachkursen sind prekär.

            Dennoch finde ich es vermessen zu sagen, man wolle nicht Lehrer 2. Klasse sein, wenn man doch gar keine Lehrerausbildung hat.

          • Es wird auch ausgebildete Lehrkräfte darunter geben, die warum auch immer keine Anstellung im regulären Schuldienst finden oder annehmen wollen. Wie groß der Anteil ist, weiß ich allerdings nichts.

          • Gering. Dass es Einzelne gibt, bestreitet auch keiner. Die meisten jedoch haben keinen Lehrerabschluss und oft nicht einmal ihr Fachgebiet studiert (z.B. Germanistik, Anglistik usw.). Es sind oft einfach nur Muttersprachler der betreffenden Sprachen.

            Früher haben das allerdings oft “echte Lehrer” (= Schullehrer) gemacht, die in Teilzeit arbeiteten mussten (!). Das hat sich seit dem Lehrermangel allerdings enorm reduziert natürlich.

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