Schlimmer Fall von Misshandlung: Junge musste nach der Schule Müllsäcke anziehen

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OSNABRÜCK. Obwohl das Jugendamt die Familie betreute, soll eine Mutter im Emsland ihren Sohn jahrelang körperlich und seelisch gequält haben. Haben die Behörden nicht genau genug hingeschaut? Die Lehrer des Jungen waren offenbar argwöhnisch – sie hatten einen Schulpsychologen eingeschaltet.

Mobbing ist eine Form der Gewalt, deren Opfer nicht in die eine oder andere Richtung instrumentalisiert werden sollten. Foto: Anne Garti / pixelio.de
Der Junge wurde in seiner Familie offenbar massiv misshandelt (Symbolfoto). Foto: Anne Garti / pixelio.de

Im Fall eines Jungen, der jahrelang von seiner Mutter gequält worden sein soll, prüft die Staatsanwaltschaft Osnabrück, ob es Versäumnisse des zuständigen Jugendamts gab. In der Strafakte gebe es keine Anhaltspunkte für Ermittlungen gegen das Jugendamt, betonte der Sprecher der Anklagebehörde, Christian Bagung, am Montag der dpa. Grundlage für die weitere Prüfung sei der Bericht des Magazins «Der Spiegel». Der 37-jährigen Mutter des Jungen wird unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

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Der laut «Spiegel» heute 18-Jährige soll zwischen 2015 und 2017 im Haus der Familie in Emsbüren geschlagen, gedemütigt und eingesperrt worden sein. Dem Bericht zufolge durfte er am Familienleben nicht teilnehmen und musste in zwei Müllsäcken gehüllt den Tag nach der Schule in einem dunklen Raum verbringen und nachts dort auf dem Boden schlafen. Der Stiefvater ist wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen mitangeklagt, weil er nicht eingegriffen haben soll.

Das Landgericht Osnabrück prüft einer Sprecherin zufolge derzeit, ob das Verfahren beim Landgericht eröffnet und verhandelt wird. Im Fall einer Verurteilung droht den Eltern, die auf freiem Fuß sind, zwischen 12 Monaten und 15 Jahren Haft.

Lehrer schauten auf den Fall

Der Junge hatte eine Realschule besucht. «Die Schule hat gemerkt, dass es zu Hause Schwierigkeiten gab», sagte die Sprecherin der Landesschulbehörde, Bianca Schöneich, am Montag. Es habe Gespräche mit der Mutter und dem Jugendamt gegeben, auch die Schulpsychologie war der Sprecherin zufolge eingeschaltet. «Die Schule hat aber keine Anzeichen von körperlicher Misshandlung gesehen», sagte Schöneich. Wie der Landkreis Emsland dem «Spiegel» mitteilte, lagen keine «begründeten Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung» vor.

Die Ermittlungen ins Rollen brachte schließlich ein Video von den Misshandlungen, das die jüngere Schwester des Opfers heimlich gedreht hatte. Beide wurden daraufhin in Obhut des Jugendamtes genommen. dpa

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