War’s das schon mit dem Baby-Boom? Geburtenzahl sinkt wieder in Deutschland

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WIESBADEN. Elterngeld und Kita-Ausbau sollten Deutschland kinderfreundlicher machen. Das Baby-Plus der vergangenen Jahre ist vor allem Zuwanderern zu verdanken. Experten verlangen flexiblere Arbeitszeiten für berufstätige Eltern.

Wer mit Kind studieren will, braucht gute Nerven. Foto: Pedro Klien / flickr (CC BY 2.0)
2016 gab’s einen reichen Kindersegen in Deutschland. Foto: Pedro Klien / flickr (CC BY 2.0)

Nach einem erstaunlich hohen Plus im Jahr 2016 war schon vom großen «Baby-Boom» in Deutschland die Rede. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Geburten jedoch wieder leicht gesunken, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland rund 785.000 Babys zur Welt – ein Minus von 0,9 Prozent. Auch weil Frauen aus Migrantenfamilien weniger Kinder bekommen haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entwicklung:

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Ist der «Baby-Boom» zu Ende?

Die Statistiker sprechen von einer Stabilisierung der Geburtenzahl auf relativ hohem Niveau. 2016 hatte es zwar einen Zuwachs von 7,4 Prozent gegeben. Das große Plus wurde damals vom Bundesamt auch mit einer technischen Umstellung bei der Berechnung begründet. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau – die sogenannte Geburtenziffer – lag im vergangenen Jahr bei 1,57 Kindern (2016: 1,59).

Wieso ist die Geburtenzahl rückläufig?

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB/Wiesbaden) führt die deutlichen Steigerungsraten in den Jahren 2015 und 2016 vor allem auf Zuwanderer-Familien aus nicht-europäischen Ländern zurück wie Syrien oder Afghanistan. Im vergangenen Jahr sank dagegen die Geburtenziffer bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit von 2,28 auf 2,15 Kindern. Bei den Deutschen lag der Wert bei 1,45 (2016: 1,46) – insgesamt war der Wert bei den deutschen Frauen in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. «Ein Trend, aber nicht dynamisch», urteilt Prof. Norbert Schneider, Direktor des BiB.

Welche Rolle hat der Bildungsabschluss auf die Kinderzahl?

Eine sehr große. Frauen mit Haupt- und Realschulabschluss ohne Ausbildung bekommen im Schnitt mehr als zwei Kinder, bei Akademikerinnen liegt der Wert unter 1,50 Kindern. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. «Typisch deutsch», nennt Schneider diese Kluft, die es so in keinem anderen europäischen Land gebe. Elterngeld und Ausbau der Kitas hätten aber immerhin dazu beigetragen, einen weiteren Rückgang der Geburtenziffer bei Akademiker-Frauen zu verhindern.

Gibt es Unterschiede zwischen Ost und West?

In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) ist die durchschnittliche Zahl der Kinder mit 1,61 deutlich höher als im Westen (1,58). Über diese anhaltenden Differenzen sind Experten verblüfft. Das Geburtenplus im Osten sieht Schneider nicht in ökonomischen Faktoren oder der Infrastruktur begründet, sondern im kulturellen Umfeld. Es gebe dort einen «deutlich geringeren Erwartungsdruck an die gute Mutter und die guten Eltern» als im Westen.

Kann die Kinderzahl wieder deutlich ansteigen?

Fortschritte gibt es für die Experten nur, wenn Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können. «Männer müssen sich mehr Zeit für ihre Kinder erkämpfen, um ihre Frauen zu entlasten», sagt Mathias Lerch vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung (Rostock). Wichtig seien flexiblere Arbeitszeiten ähnlich wie in Skandinavien, wo die Vier-Tage-Woche für berufstätige Eltern inzwischen die Regel sei.

«Dann wird sich einiges ändern», sagt Lerch. Schneider sieht das ähnlich. Dennoch wird die Zahl der Geburten nach Prognose des BiB in einigen Jahren deutlich sinken. Denn jetzt kommen die Frauen aus den geburtenschwachen Jahrgängen der 1990er Jahre ins gebärfähige Alter. dpa

Baby-Boom in Deutschland – VBE warnt Kultusminister, Trend nicht nochmal zu verschlafen (in 6 Jahren stehen die Kinder vor der Schultür)

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11 KOMMENTARE

  1. Man könnte auch mal davon wegkommen, ständig davon zu reden, dass wir mehr Kinder “produzieren” sollen, um die Rente zu sichern (bzw. Arbeitsplätze für Pädagogen aller Art). Man könnte ja auch einfach das Rentensystem ändern. Beispiele in anderen Ländern gibt es zuhauf.

    Natur und Umwelt täte es gut (und damit uns allen auch), wenn wir nicht immer mehr werden.

    • Wir werden ja nicht mehr, sondern weniger. Das Problem entsteht, wenn wir so schnell weniger werden, dass die Jungen (die leistungsfähig und produktiv genug sind) zu wenige sind, um die Gesellschaft am Laufen zu halten.

    • Natürlich kann man “einfach” das Rentensystem ändern. Aber Geld wächst (außer in der EZB) nicht auf Bäumen. Wenn nichts erwirtschaftet wird, kann man nichts verteilen, sagte Helmut Schmidt mal.

  2. Wie kann man 1,6 Kinder pro Frau einen Boom nennen? (Bei etwas mehr als 2 würde die Bevölkerungszahl konstant bleiben)
    “In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) ist die durchschnittliche Zahl der Kinder mit 1,61 deutlich höher als im Westen (1,58)” steht im Text. 1,61 – 1,58 = = 0,03, stimmt’s? Der Unterschied beträgt 0,03 / 1,61 = weniger als 1,9%. Irgendwas stimmt hier nicht.

  3. Hoffentlich sinkt die Geburtenrate wieder. Zu viele Kinder bedeutet nämlich, dass in zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren zu viele Menschen ihre Arbeitskraft anbieten. Somit können die Unternehmen die Löhne besser senken und Arbeitsbedingungen verschlechtern. Weniger hohe Löhne haben dann auch geringere Einzahlungen ins Rentenversicherungssystem zur Folge, dadurch bekommen die Rentner dann weniger Rente und für die zukünftigen Rente sinken die Rentenansprüche.

    • Über Ihre “Radikalität” staune ich, Krokodilstreichler. 🙂 Aber ein Bevölkerungswachstum halte ich auch nicht für notwendig. Was man als Arbeitskraft in Zukunft tatsächlich noch braucht, wenn Computer immer mehr davon übernehmen, kann man sich aus anderen Ländern “einladen” (Stichwort Einwanderungsgesetz). Es ist absurd, die Deutschen zu animieren, (immer) mehr Kinder zu “produzieren”, während Menschen aus aller Herren Länder hierherströmen.

      • Nicht jeder, der hierher strömt, kann oder will unterm Strich einen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Wenn die Politik hier differenzieren wollte, gäbe es keinen Dissens über MIgration mehr, und die AfD wäre verschwunden.

      • Man vergleiche dazu mal den geplanten UN-Migrationspakt, hier der deutsche Text:
        http://www.un.org/depts/german/migration/A.CONF.231.3.pdf
        Der soll angeblich gar nicht rechtsverbindlich sein, aber erstaunlich oft kommt das Wort “verpflichten” darin vor. Die Verbindlichkeit soll wohl der nationalen Gesetzgebung vorbehalten bleiben, die sich gleichwohl an diesem “Migrationspakt” orientieren wird. Dann werden die “Verpflichtungen” in Gesetze umgewandelt werden, aber vermutlich primär in Deutschland und nicht in vielen anderen Ländern. Sonst müsste sich z.B. Katar verpflichten, seine Gastarbeiter, die die Fußballstadien und anderes bauen, besser zu behandeln.

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