BIBB-Sonderauswertung legt nah: Flüchtlinge kommen in Ausbildung an

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BONN. Wie viele Geflüchtete in Deutschland eine Ausbildung beginnen, ist anhand der erhobenen Statistiken nicht eindeutig festzustellen. Die Zahl der Ausländer aus aktuellen Fluchtherkunftsländern, die eine Ausbildung beginnen, hat sich im letzten Jahr allerdings stark erhöht, wie eine Datenauswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt. Davon profitiert besonders das Handwerk.

Die Zahl ausländischer Auszubildender, die Staatsangehörige eines der zugangsstärksten nicht europäischen Asylherkunftsländer sind, ist stark gestiegen. Dies zeigen Ergebnisse einer Sonderauswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf der Basis der Berufsbildungsstatistik des Bundes und der Länder. Zu der Ländergruppe gehören Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. 2017 lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Menschen aus diesen Ländern bereits bei mehr als 15.000 (2016: rund 6.000; 2008: rund 1.000).

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Viele Auszubildende aus „Asylherkunftsländern“ wählen Berufe mit starken Besetzungsproblemen. Foto: RudolfSimon (Bearbeitung MagentaGreen) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0) (Ausschnitt)
Viele Auszubildende aus „Asylherkunftsländern“ wählen Berufe mit starken Besetzungsproblemen. Foto: RudolfSimon (Bearbeitung MagentaGreen) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0) (Ausschnitt)

Die Berufsbildungsstatistik erfasst die duale Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz beziehungsweise Handwerksordnung. Hierbei wird zwar kein Migrations- oder Fluchthintergrund erhoben, allerdings gehen die BIBB-Statistiker davon aus, dass unter den ausländischen Auszubildenden mit einer Staatsangehörigkeit der genannten Länder zu einem großen Teil auch in den letzten Jahren zugewanderte Geflüchtete sind.

Ausländische Auszubildende mit einer Staatsangehörigkeit eines Asylherkunftslandes mündeten im Jahr 2017 überproportional (50 %) in den Zuständigkeitsbereich des Handwerks ein. Dabei konnte das Handwerk deutliche Zuwächse verzeichnen, denn im Jahr 2008 waren es lediglich etwa 27 %.

Für BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser belegen die Ergebnisse, dass das Handwerk in besonderer Weise von dieser Personengruppe profitiert. Außerdem werde mehr als deutlich, „welche enorme Leistung das Handwerk in Bezug auf seine gesellschaftliche Verantwortung und Integrationsfunktion übernimmt.“, so Esser.

Legt man die zehn am stärksten besetzten Ausbildungsberufe zugrunde, so unterscheiden sich Auszubildende mit einer Staatsangehörigkeit eines Asylherkunftslandes hinsichtlich ihrer Berufswahl nicht wesentlich von den ausländischen Auszubildenden oder denen mit deutschem Pass. Insbesondere Männer aus dieser Personengruppe münden allerdings auch in Berufe mit starken Besetzungsproblemen, wie zum Beispiel Koch oder Bäcker, ein und helfen somit, die hohe Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen in diesen Berufen zu reduzieren.

Auf Basis weiterer Statistiken schätzen die BIBB-Wissenschaftler zudem, dass sich viele junge Menschen mit Fluchthintergrund noch in Maßnahmen des Übergangsbereiches befinden. Wie viele es insgesamt sind, lasse sich auf Bundesebene nicht exakt beziffern, da die Statistik nicht sämtliche Maßnahmen erfasst, die auch auf Landes- oder kommunaler Ebene durchgeführt werden.

Die weit überwiegende Mehrheit der Auszubildenden mit einer Staatsangehörigkeit eines Asylherkunftslandes ist männlich (90 % der Neuabschlüsse). Bei ausländischen Auszubildenden insgesamt liegt dieser Wert bei etwa 68 %, bei deutschen Auszubildenden sind es rund 62 %. Überdies ist diese Personengruppe mit einem Altersdurchschnitt von fast 23 Jahren bei Neuabschluss deutlich älter als ausländische Auszubildende (etwa 22 Jahre) oder deutsche Auszubildende (19,6 Jahre).

Die Sonderauswertung des BIBB zeigt auch, dass der Anteil der Ausländer insgesamt, die eine duale Ausbildung beginnen, immer noch weit unterhalb des Anteils der Jugendlichen mit deutschem Pass liegt. „Trotz aller Anstrengungen und erzielten Erfolge“, so BIBB-Präsident Esser, „bleibt es daher nach wie vor eine große Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft, ausländische Jugendliche erfolgreich in den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren und ihre Potenziale zu nutzen.“ (pm)

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5 KOMMENTARE

  1. Ich bin gespannt, wie die Flüchtlinge, die keine Ausbildung beginnen können oder wollen, die Renten künftiger Generationen erwirtschaften werden. Das wurde von den Befürwortern der Flüchtlingspolitik ja immer so suggeriert.

    • Ich bin gespannt, wie alleine die deutsche Bevölkerung sich altruistisch selbst in die Lage versetzen soll, ohne eine Migration von Europäern, Asiaten, Südamerikanern und Afrikanern, den fortschreitenden Effekt der Entwicklung der umgekehrten Bevölkerungspyramide umzukehren, wenn die Mehrheit selbst nicht mehr die Verantwortung für eine nachfolgende Generation übernehmen will.
      Ich erlebe mit meinen fünf Kindern immer wieder Aus-und Abgrenzung ob der Kinderzahl und meines Alters, dabei erfreuen sich die Kinder einer guten Erziehung und einer guten Vorbereitung auf ein spannendes Leben mit all seinen Herausforderungen, die angenommen werden und die wir auf Grund unserer humanistischen und christlich geprägten Verfassung und unseres rechtstaatlichen Systems eben leben dürfen.

      • Das Problem mit der Kinderlosigkeit haben so ziemlich alle westlichen Industrienationen. Deutschland verstärkt, weil es so lange ich lebe noch nie kinderfreundlich war. Dazu kommt ein Rentensystem, das auf viel Nachwuchs angewiesen ist, besonders vor Wahlen geplündert wird und durch die Wiedervereinigung Sonderbelastungen ohne Gleichen erfährt. Wie Migranten im Niedriglohnsektor das kompensieren sollen, weiß ich nicht, zumal deren Stellen (Niedriglohnsektor) als erstes gestrichen werden, sobald die Wirtschaft nicht mehr brummt.

  2. Abwarten. Was nicht gesagt wird: Die Abbruchquote ist generell hoch, auch bei den Einheimischen:
    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/berufsausbildung-jeder-vierte-auszubildende-bricht-ab-mindestverguetung
    Das ist etwa auch die Abbruchquote bei Studierenden. Aber im letzteren Fall werden Hochschulreformen eingefordert, im ersteren Fall aber keine Reformen der Betriebe. Und heißt es nicht immer, viele Jobs würden wegfallen, weil sie der Digitalisierung zum Opfer fallen? Brötchen werden heute schon in vollautomatischen Backstraßen gebacken, da braucht man Leute mit Kenntnissen, wie das riesige Ding elektrisch bzw. elektronisch funktioniert.

    • Bei verschulten Hochschulen kann man Reformen, sprich Niveauabsenkungen durchziehen, ohne dass es auffällt. Im schulischen Teil der dualen Ausbildung auch. In den Firmen selbst ist das so eine Sache. Abgesehen davon sind viele Meister auf dem schulischen Stand von vor mindestens 20-30 Jahren, was sich auch auf ihre Wünsche an die Azubis überträgt.

      Anforderungen an Azubis bei der berliner Polizei wurden ja schon gesenkt. Der Fremdsprachentest darf auch auf russisch oder türkisch statt englisch abgelegt werden……

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