Die Eltern der Waldorfschüler – jenseits von „Backen, Basteln und Bezahlen“

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ALFTER. Die Diskussion um die Ablehnung des Kindes eines AfD-Abgeordneten in Berlin hat die Waldorfschulen insgesamt in den Blickpunkt gerückt. Passend dazu präsentiert die Alanus Hochschule die Ergebnisse einer aktuellen Befragung von “Waldorf-Eltern“.

Was für Menschen sind Waldorf-Eltern und welche Werte vertreten sie? Sind sie wirklich elitär und finanziell besser situiert als der Rest der Gesellschaft, wie es in bildungspolitischen Debatten um Freie Schulen oft behauptet wird? Eine aktuelle Studie der – der Waldorfbewegung nahestehenden – Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn hat die Elternschaft der Waldorfschulen unter die Lupe genommen.

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"Waldorf-Eltern" haben oft einen engen Bezug zur Schule, nicht nur wegen zahlreicher Veranstaltungen. Foto: storebukkebruse / flickr (CC BY 2.0)
“Waldorf-Eltern” haben oft einen engen Bezug zur Schule, nicht nur wegen zahlreicher Veranstaltungen. Foto: storebukkebruse / flickr (CC BY 2.0)

Für ihre Untersuchung „Waldorf-Eltern in Deutschland“ stützten sich Steffen Koolmann, Lars Petersen und Petra Ehrler auf Aussagen von rund 3500 Elternteilen an 117 Waldorfschulen in Deutschland. Per Fragebogen gaben die Eltern Auskunft über ihre sozioökonomischen Verhältnisse sowie über Werte, Motive, Einstellungen und zukünftige Herausforderungen der Waldorfschule. Die Studie beende ein Defizit, so Ehrler, denn nur selten wären bisher Eltern als Bildungsakteure betrachtet worden. Trotz des Blicks auf die Waldorf-Eltern könne die Studie in dieser Hinsicht auch für Eltern an anderen Schulen Einblicke liefern.

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Gerade im Fall von Waldorfschulen aber seien Eltern eine tragende Säule, über den verbreiteten, spöttischen Dreiklang von “Backen, Basteln und Bezahlen” hinaus. Vielfach gingen Schulgründungen von Eltern aus und auch in der Verwaltung sind sie meist stark engagiert und zahlen überdies für die Bildung ihrer Kinder. Die Studie biete daher nicht nur wichtige Erkenntnisse für allgemeine Trends in der Elternschaft, sondern liefere den teilnehmenden Waldorfschulen gezielt ein spezielles Auswertungstool um aus schulspezifischen Ergebnisse Strategien für die Zukunft entwickeln zu können.

„Diese Studie ist nicht nur wichtig, um herauszufinden, wer diese Menschen eigentlich sind, die ihre Kinder zu uns schicken. Sie bietet darüber hinaus die einmalige Chance, mit den Ergebnissen den zukünftigen Herausforderungen der Waldorfschule zu begegnen und die Fragen zur Qualität voranzutreiben“, freut sich denn auch Thomas Lutze-Rodenbusch, Vorstandsmitglied des Bundes der Freien Waldorfschulen, der die Studie in Auftrag gegeben hat.

Die Studie entwirft zunächst ein sozioökonomisches Profil der Waldorf-Elternschaft und vergleicht dieses mit Daten des statistischen Bundesamtes. Demnach unterschiede sich die Einkommenssituation von Waldorf-Eltern nicht auffällig vom Bundesdurchschnitt. Waldorf-Eltern verdienten nicht besser, seien aber überdurchschnittlich gut ausgebildet. Der höhere Bildungsabschluss führt aber allem Anschein nach nicht zu mehr Einkommen, weswegen die Autoren der Studie das Fazit ziehen: „Vermutlich ist ihnen eine sie erfüllende berufliche Tätigkeit wichtiger als ein hohes Einkommen“. Unterstützt wird diese These von dem Befund, dass Waldorf-Eltern sich häufiger in der Gesellschaft ehrenamtlich engagieren als der Bundesdurchschnitt. Dies spreche dafür, dass ihnen sinnstiftende Tätigkeiten mehr bedeuteten als die Höhe der finanziellen Entlohnung.

Dass die Elternschaft heterogen ist, ist eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie. Professor Lars Petersen formuliert eine Typologie mit fünf Typen: die „Konservativen“, die „Zurückhaltenden“, die „Überzeugten“, die „Begeisterten“ und die „Fordernden“. Diese unterscheidet er je nach Betonung unterschiedlicher Werte – Während den „Konservativen“ Macht, Sicherheit, Leistung und Tradition wichtig sind – sie heben sich sogar deutlich ab von Eltern von Schülern auf staatlichen Schulen – betonen die „Überzeugten“ vor allem Werte wie Selbstbestimmung, Universalismus und Benevolenz. Die Überzeugten sind die ehrenamtlich aktivsten und diejenigen, die der Anthroposophie am nächsten stehen. Außerdem „fordern sie auch eine stärkere Betonung von Persönlichkeitsbildung“ sowie von „gesellschaftlich relevanten Themen im Unterricht“, wie es in der Studie heißt.

Kritik und Handlungsbedarf sehen die Waldorf-Eltern vor allem bei den Finanzen. Sie prangern Misswirtschaft an und fürchten immer geringere Schülerzahlen. Als Schulen in freier Trägerschaft sind sie auf Spenden und Zuschüsse angewiesen. Eine besondere Stärke von Waldorfschule aus Elternsicht sind die Atmosphäre und das Miteinander sowie der ganzheitliche Unterricht, in dem angstfreies Lernen möglich sei. Eine Aufgabe für die Zukunft: diese Stärken ausbauen und über Schwächen offen mit den Eltern sprechen, so die Autoren.

Die Studie kann (kostenpflichtig) im Buchhandel bezogen werden.
Steffen Koolmann / Lars Petersen / Petra Ehrler (Hrg.): Waldorf-Eltern in Deutschland – Status, Motive, Einstellungen, Zukunftsideen
Beltz Verlag, Weinheim, 2018
ISBN:978-3-7799-3761-6

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3 KOMMENTARE

  1. Die Essenz der Studie lautet also: 1. Die Eltern der Waldorf-Schulen engagieren sich für das Schicksal ihrer Kinder. 2. Die soziale Zusammensetzung der Waldorf-Eltern ist heterogen. Glückwunsch! Sie hätten irgendeine beliebige Veranstaltung an einer Waldorfachuel besuchen können. Wozu braucht man ein Projekt, an dem 3 Protagonisten arbeiten, das offenscihtliches statistisch bestätigt?

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