Berlin macht den Frauentag zum Feiertag: Am 8. März sind Schulen und Kitas dort geschlossen

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Deutschland am 8. März 2019: Es ist Freitag, Schüler gehen in die Schule, Lehrer unterrichten und Erzieherinnen kümmern sich um ihre Kleinen. Behörden und Geschäfte warten auf Kundschaft, auf den Autobahnen oder in den Shoppingmeilen wird es kurz vor dem Wochenende voll. Nicht so in Berlin. Dort herrscht Ruhe. Denn als erstes Bundesland hat die Hauptstadt den Internationalen Frauentag zu einem gesetzlichen Feiertag erklärt.

Beim Frauentag 1914 wurde das Frauenwahlrecht gefordert. Das gibt’s mittlerweile. Foto: Wikimedia Commons

Mit den Stimmen der rot-rot-grünen Koalition beschloss das Abgeordnetenhaus am Donnerstag eine entsprechende Gesetzesnovelle. Schon in diesem Jahr ist der 8. März, der seit mehr als 100 Jahren ein Kampftag für mehr Frauenrechte ist und in der DDR groß gefeiert wurde, damit arbeitsfrei. Die Berliner Wirtschaft übt Kritik.

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Warum ein zusätzlicher Feiertag? Berlin hatte bisher neun solcher arbeitsfreien Tage pro Jahr – so wenige wie kein anderes Bundesland. Nun sind es zehn, so wie in einigen anderen Ländern auch. Glücklicher sind in der Hinsicht die Bayern: Hier ruht die Arbeit an 13, in Baden-Württemberg an zwölf Feiertagen.

Rot-Rot-Grün sieht in der Entscheidung für den Frauentag ein Signal für ganz Deutschland. «Der heutige Tag ist ein ganz großes Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen», meinte die SPD-Abgeordnete Derya Caglar. «Der Feiertag bestärkt uns in unserem Kampf für mehr Geschlechtergerechtigkeit», sagte ihre Linke-Kollegin Manuela Schmidt in der Parlamentsdebatte.

CDU, FDP und AfD stimmten gegen den 8. März und kritisierten, dass die Wahl nicht etwa auf den Reformationstag am 31. Oktober fiel. Dieser ist bereits in den anderen östlichen sowie seit vergangenem Jahr auch den nördlichen Bundesländern Feiertag. CDU-Generalsekretär Stefan Evers sieht im 8. März einen Feiertag mit «rein sozialistischer Tradition». «Die Mehrheit der Bürger kann damit nichts anfangen.»

Debatte ums Datum

Den Anstoß für den neuen Feiertag in Berlin gaben wohl Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Deren Regierungschefs hatten vor einem Jahr verkündet, den Reformationstag zum Feiertag machen zu wollen, der zum 500. Reformationsgeburtstag einmalig bundesweit begangen worden war. In Berlin begann daraufhin eine längere Debatte über ein geeignetes Datum – die der Berliner Senat, wie Regierungschef Michael Müller (SPD) später einräumte, eigentlich so gar nicht wollte.

Neben dem Frauentag, zu dem die SPD-Abgeordnete Iris Spranger eine Internet-Petition startete, machte eine Vielzahl von Vorschlägen die Runde. So plädierte die Linke zunächst für den Tag der Befreiung am 8. Mai, Kirchenvertreter für den Reformationstag. Der Beauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, warb für den 9. November als Tag des Mauerfalls. Müller selbst brachte den 18. März in Erinnerung an die Märzrevolution 1848 ins Spiel.

Schließlich setzte die Linke die Koalitionspartner SPD und Grüne unter Druck, indem sich die Parteispitze überraschend auf den 8. März festlegte – als Signal gegen die «Endlosdiskussion», wie es Parteichefin Katina Schubert später formulierte. Den beiden anderen Parteien blieb nichts anderes übrig, als nachzuziehen.

Berlins Wirtschaft ist nicht begeistert über den neuen Feiertag. «Die Politik macht hier ein kostspieliges Wählergeschenk, das das Berliner Bruttosozialprodukt um rund 160 Millionen Euro schmälert», sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder. Das entspreche einem Minus von 0,3 Prozent.

Und: Berlin stehe bei der Produktivität trotz «beeindruckender» Wachstumsraten im Bundesländervergleich immer noch an neunter Stelle. Zudem sei die Hauptstadt mit mehr als vier Milliarden Euro aus dem Länderfinanzausgleich weiterhin der mit Abstand größte Zahlungsempfänger, gab Eder zu bedenken.

Ganz konkret müssen Firmen müssen nun ihre Lieferketten, Arbeitsprozesse und Dienstpläne kurzfristig ändern und anpassen. Das betrifft auch Kliniken oder die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die an Sonn- und Feiertagen andere Fahrpläne haben. Für bis zu 180 000 Berliner, die nach Brandenburg pendeln und am 8. März nicht frei haben, könnte der «Inseltermin» schwierig werden: Kitas und Schulen in Berlin sind zu, viele müssen also Kinderbetreuung organisieren.

2020 fällt der 8. März übrigens auf einen Sonntag. Doch die Berliner müssen deswegen nicht traurig sein. Denn der 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 2020 – ein Freitag – wird in der Hauptstadt einmalig als arbeitsfreier Feiertag begangen. Auch das beschloss das Abgeordnetenhaus am Donnerstag. Von Stefan Kruse, dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Zitat: “CDU-Generalsekretär Stefan Evers sieht im 8. März einen Feiertag mit «rein sozialistischer Tradition». «Die Mehrheit der Bürger kann damit nichts anfangen.»”

    Quatsch. Gerade, dass der 8. März jetzt zum Feiertag gemacht wurde, wird ihm die angebliche “sozialistische Tradition” genommen (die Tradition reicht eigentlich will weiter zurück!). Genau so haben es doch die Christen mit den heidnischen Traditionen auch gemacht !

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