Der Greta-Effekt: Eine vermeintlich unpolitische Jugend erwacht – doch wie nachhaltig ist das Engagement fürs Klima?

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STOCKHOLM. Bislang galt die Jugend in Deutschland (und nicht nur dort) als weitgehend unpolitisch. Doch seit Beginn der internationalen #FridaysforFuture-Demonstrationen scheint sich das zu verändern. Fürs Klima, gegen Waffen, gegen Plastik: Vielerorts kämpfen junge Aktivisten wie Greta Thunberg für eine bessere Welt. Durch das Internet fühlen sie sich verbunden. Eine große Frage dabei lautet: Werden ihre Aktionen Bestand haben?

"Wir lernen erst, wenn ihr gelernt habt": Jugendliche Teilnehmer einer "FridaysForFuture"- Demonstration in Berlin. Foto: C.Suthorn / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
“Wir lernen erst, wenn ihr gelernt habt”: Jugendliche Teilnehmer einer “FridaysForFuture”- Demonstration in Berlin. Foto: C.Suthorn / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Neben der Klimaschutz-Ikone Greta stehen höchstens drei Dutzend Mitstreiter im Schnee von Stockholm. Die langen Mädchenzöpfe, die in Porträts so oft beschrieben wurden, sind unter einer doppelten Lage Wollmützen und einem Schal verborgen. Greta Thunberg, 16 Jahre alt und der aktuelle Star in einer Reihe junger Polit-Aktivisten, steht wieder vor dem Parlament. Es ist Freitag – ihr Tag. Sie will erreichen, dass sich Schweden, besser noch die Politik weltweit, stärker einsetzt gegen das Aufheizen der Erde. Mit diesem Appell wurde sie zur UN-Klimakonferenz ins polnische Kattowitz (Katowice) und zum Weltwirtschaftsforum nach Davos in die Schweiz eingeladen.

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Im August, nachdem der Dürre-Sommer auch ihr Land ächzen ließ, hatte sie losgelegt mit den Protesten. Inzwischen schwänzen nach ihrem Vorbild international Tausende Mädchen und Jungen die Schule und gehen bei Großdemos für die Umwelt auf die Straße. Die verbindenden Losungen lauten #FridaysForFuture (Freitage für die Zukunft) und #YouthForClimate (Jugend fürs Klima).

Gretas Aktion zwischen Reichstag und dem klotzförmigen Schloss der schwedischen Hauptstadt wirkt an diesem Wintertag eher mini. Besonders im Vergleich zu den Demos in anderen Ländern Europas. Selbst in deutschen Kleinstädten kommen inzwischen mehr junge Leute zu Schulstreiks fürs Klima zusammen als hier, wo alles anfing.

DIE JUNGE IKONE MIT DER LEISEN STIMME

«Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum das gerade unter Jugendlichen in Belgien, Deutschland, Australien und Kanada so groß geworden ist», sagt die 16-Jährige, die kaum über 1,50 Meter groß ist. Sie spricht leise und sieht noch jünger aus, als sie ist. «In Schweden ist es nicht so groß geworden, das ist seltsam.» Sie sieht es trotzdem positiv: «Am ersten Tag saß ich ganz alleine hier.» Seit dem zweiten Tag seien schon ein paar Leute dazukommen. Aber in der Schule, sagt sie, wüssten die meisten vielleicht gar nicht, was sie da tue.

Greta Thunberg ist in weniger als einem halben Jahr zur Vorreiterin geworden. Doch von was eigentlich? Von einer neuen weltweiten Jugendbewegung? Sie gilt als europäisches Gesicht eines Aufbruchs ihrer Generation. Doch können die so angestoßenen Demonstrationen gar, wie «Die Zeit» andeutet, in eine «globale gesellschaftliche Bewegung» münden, die 2019 zum Wendepunkt fürs Klima macht?

Fakt ist, dass verschiedene junge Menschen gerade sehr schnell zu politischen Symbolfiguren wurden. In den USA etwa erhob Emma González 2018 spektakulär ihre Stimme gegen Politiker und die einflussreiche Waffenlobby. Sie und andere junge Menschen initiierten nach dem Schulmassaker von Parkland (Florida) vom Februar Massenproteste.

Manche Jung-Aktivisten sind bereits weit gekommen: Die pakistanische Kinderrechtsvorkämpferin Malala Yousafzai erhielt schon mit 17 den Friedensnobelpreis. Heute, 21 Jahre alt, engagiert sie sich bei den Vereinten Nationen. Oder der Deutsche Felix Finkbeiner, 21 und bekannt für die Organisation Plant-for-the-Planet. Seit über zehn Jahren wirbt er dafür, Bäume für den Klimaschutz zu pflanzen. Auch er tourt im Namen der UN. Bei Fridays For Future wiederum gilt hierzulande Luisa Neubauer als eine der vordersten Aktivistinnen.

«Es gibt eine politische Mobilisierung bei den jungen Menschen in den letzten Jahren, die ist bemerkenswert», stellt Martina Gille vom Deutschen Jugendinstitut in München fest. «Das haben eigene Studien und die Auswertungen der regelmäßig stattfindenden Allbus-Erhebungen ergeben, die alle zwei Jahre gemacht werden.» Allerdings sei das wachsende Politik-Interesse auch bei Erwachsenen zu beobachten, sagt die Sozialforscherin. Der Trend gehe also in die gleiche Richtung.

PROTEST ALS HAPPENING

«Auch früher haben junge Leute schon protestiert, etwa gegen neue Atomwaffen in Europa, Waldsterben oder AKWs», ordnet der Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, Professor Ulrich Reinhardt, 48, ein. «Natürlich spielt auch das Happening als solches für die junge Generation eine Rolle: Man ist mit anderen bei einer Aktion – und dieses ist für viele attraktiver, als zur Schule gehen», sagt er. «Nichtsdestotrotz haben wir jetzt eine Generation, die politisch interessierter ist als noch die Generation davor.»

Friedensdemonstration mit 300.000 Teilnehmern 1981 in Bonn. Foto: Rob Bogaerts / Anefo / Wikimedia Commons CC0

Ähnliches stellte die Autorin und Journalistin Susan Schädlich, 40, aus Frankfurt am Main fest. Bei Buchrecherchen («Fragen an Europa») sprach sie mit dem Nachwuchs. Es gehe heute längst nicht nur um Umweltthemen: «Als 2015/16 viele Flüchtende nach Europa und Deutschland kamen, haben junge Leute nicht nur mit diskutiert, viele haben auch mit angepackt. Die Wahl Donald Trumps in den USA Ende 2016 hat viele erschüttert», berichtet sie. Das Thema Brexit bewege Mädchen und Jungen ebenfalls: «Das betrifft pragmatische Fragen wie: “Kann ich noch problemlos in Großbritannien studieren?” Aber es geht auch ums Grundsätzliche: Der Brexit und die Frage, wie Europa mit flüchtenden Menschen umgeht, haben das Ding, das EU heißt, wieder in die Köpfe der jungen Leute zurückgebracht», meint sie.

DAS BRENNENDE HAUS

Doch wie entsteht auf der Basis von Politik-Interesse eine Vorreiterin? Was macht den Greta-Effekt aus? Sicher gehören klare Aussagen und persönliche Betroffenheit dazu: In Kattowitz 2018 und Anfang 2019 in der Schweiz erklärte Greta der Welt die Dringlichkeit der Klimakrise. «Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet», sagte sie in Davos. «Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es.»

Zum anderen nutzt die junge Schwedin ein Werkzeug, das frühere Generationen nicht hatten: das Internet. Die 16-Jährige weiß, dass sie mit ihrem Protest in den sozialen Netzwerken Ländergrenzen spielend überspringt. Auf Twitter folgen ihr knapp 160.000 Menschen, auf Instagram mehr als 250.000.

Während ihrer freitäglichen Demo müssen die sozialen Medien ein paar Stunden ruhen. Später postet sie fleißig Eindrücke von Protesten aus aller Welt. Die Schülerin schreibt und teilt unentwegt. Über das Netz fühlt sie sich mit anderen Aktivisten verbunden. Thunbergs Twitter-Account kann man auch so lesen: Jugendliche schließen sich über die Kontinente hinweg online zusammen und streiken, von Europa bis Australien. Einen gemeinsamen Protestort braucht es dafür nicht.

Mit acht Jahren hatte die Schwedin vom Problem des Klimawandels gehört. Das Mädchen, bei dem später das Asperger-Syndrom festgestellt wurde, war schockiert. Warum kämpft die Menschheit nicht stärker ums Überleben? Als Autistin, sagt sie, sehe sie die Sache nur Schwarz-Weiß, Zwischentöne gebe es beim Überleben nicht. Und sie fragte sich, warum Kinder und Jugendliche nicht wählen dürfen, obwohl die Klimaerwärmung gerade ihre Generation voll treffen werde.

Auf ihre Vorbildrolle angesprochen, zuckt Greta Thunberg, die Nachfahrin eines Chemienobelpreisträgers, mit den Schultern. Vorbilder, sagt sie, sind andere für sie. «Meistens sind das Leute, die zu mir kommen und sagen, dass sie zum Beispiel aufgehört haben, zu fliegen. Die zu Veganern geworden sind wegen des Klimas und so etwas. Das müssen keine berühmten Menschen sein.»

DIE WÜRZBURGER STUDENTIN SARAH

Berühmt ist Sarah Hadj Ammar, Studentin der Biomedizin im ersten Semester, nicht. Aber aktiv: zum Beispiel seit acht Jahren bei Plant-for-the-Planet. Und seit der Gründung 2018 im Jugendrat der Generationen Stiftung, die sich als überparteiliche Interessenvertretung künftiger Generationen versteht. Die 19-Jährige aus Würzburg ist nach Berlin gekommen, um an diesem Januar-Freitag vor dem Kanzleramt zu demonstrieren: gegen die Kohle und für den Stopp der Erderwärmung.

Vor dem Plakat mit der Aufschrift «Ihr verheizt unsere Zukunft» haben die jungen Leute eine Grillschale aufgebaut. Darüber hängen sie eine menschliche Puppe. Als der Zug der Schülerdemo, die parallel läuft, anmarschiert kommt, zünden sie das Feuer an. «Wir hatten eine Menge Spaß», sagt die Studentin hinterher. Aber: «Wenn ich an unsere Zukunft denke, dann habe ich Angst.»

Mit dem Jugendrat trifft sie sich alle ein, zwei Monate. «Ich genieße es sehr, dass wir nicht so gebunden sind im Jugendrat wie in einer Partei in dem, was wir machen und sagen wollen», erzählt sie. «Wir sind kreativer und können schneller reagieren.»

Grundsätzlich spürt auch Sarah Hadj Ammar so etwas wie einen Aufbruch: «In den vergangenen ein bis zwei Jahren hat sich etwas verändert an der Stimmung unter jungen Leuten.» Und ergänzt: «Das viele noch zu jung zum Wählen sind, heißt nicht, dass sie keine Meinungen haben und keine Hoffnungen.» Sie durfte bisher ein Mal zur Wahl. Doch: «Es gibt keine Partei, die mir 100-prozentig zusagt.»

Nähe, Loyalität und Bindung empfindet sie dagegen zu Altersgenossen – egal wo sie leben. Für Plant-for-the-Planet war sie zehn Wochen in Mexiko. Sie hat dort Freunde. «Ich lebe mit dem Gefühl, dass es ein globales Bewusstsein gibt und Verbindungen zu weit entfernten Menschen. Das gibt mir noch mehr Motivation.»

EIN NEUES GEFÜHL DER NÄHE

Diesen Punkt stellen auch Experten heraus: Dass Nähe und Distanz neu definiert werden. «Die junge Generation spricht mit einer Stimme, und das global», sagt Professor Reinhardt. Ähnlich wie Forscherin Gille vom Jugendinstitut vermutet er, dass sich die Teilnehmer der Protestwellen über die Grenzen hinweg recht ähnlich sind, was Bildung und sozialen Hintergrund angehe – auch wenn es noch zu früh für Zahlen sei. Und dass die Unterschiede zwischen armen und reichen Stadtteilen in Deutschland größer sein könnten als zwischen Mittelstandskindern in Metropolen weltweit.

«Die jungen Leute, die sich jetzt besonders einsetzen, ob aus den USA, Spanien, England oder Deutschland, sind sehr gut miteinander vergleichbar. Entsprechend sind die Unterschiede innerhalb der Länder größer als zwischen den Ländern», befindet Ulrich Reinhardt.

Gefragt, wie lange sich der Jugendprotest aufrechterhalten lässt, bleibt Sarah Hadj Ammar vorsichtig: «Ich hoffe, es wird zum Beispiel auch nach drei Jahren etwas übrig bleiben von unseren Ideen, unseren Werten, auch wenn wir nicht ständig so aktiv weitermachen können.»

«Ob die aktuellen Schülerproteste zu einer nachhaltigen Politisierung der jungen Generation führen, kann ich noch nicht sagen», schränkt auch Jugendforscherin Gille ein. «Da muss man einfach etwas länger abwarten.» Viele Faktoren spielten eine Rolle, etwa die Medien.

DER PLASTIK-SAMMLER

Dass junge Vorreiter Mut und einen langen Atem brauchen, weiß auch der Niederländer Boyan Slat. Er hat als Plastik-Sammler weltweit für Furore gesorgt. Seit er als Schüler beim Tauchen in Griechenland von einer großen Menge Plastik im Wasser erschreckt wurde, lässt ihn dieses Umweltthema nicht los. Zu Hause entwarf er als Projekt für die Schule einen Apparat, um den Müll abzufischen.

Heute ist der 24-Jährige der Gründer des Unternehmens The Ocean Cleanup. Mit einer langen Röhre in U-Form will er den Plastikmüll im Pazifik einsammeln. Nach dem Start aus der Bucht von San Francisco gab es allerdings Probleme und zum Jahreswechsel ein vorläufiges Aus für den Müllfänger. Er wird nun an Land technisch angepasst.

Trotzdem gibt Boyan Slat nicht auf: Wenn ihm jemand sagt, etwas ist unmöglich, dann werde er misstrauisch. «Die Geschichte ist voller Dinge, die einmal als unmöglich galten und dann doch getan wurden.» Dann sagt er etwas, was zeigt, dass neue Umweltaktivisten nicht einfach zurück zur Natur wollen, sondern Technik positiv sehen: «Ich hoffe, dass The Ocean Cleanup in diesem Jahrhundert ein Symbol dafür wird, dass mit Technologie tatsächlich etwas verbessert wird.»

Dass Großaktionen nicht schnellen Erfolg bedeuten, mussten auch Teilnehmer der Anti-Waffen-Proteste in den USA 2018 erleben. Um ihre Organisation March For Our Lives ist es ein Jahr nach der Gewalttat stiller geworden. Der «Stern» zitierte David Hogg, der den Schulüberfall miterlebte, mit der Meinung, Veränderungen dauerten länger, als ihnen lieb sei.

Ähnliches erzählt der Jung-Aktivist Anand Chitnis, 15, aus Rockville, Maryland, der dpa: «Leider ist der Schwung hinter der Bewegung March For Our Lives definitiv abgeklungen.» Doch im US-Parlament sehe er einen Wandel. Zudem glaubt er an eine Tiefenwirkung: Die jungen Leute hätten eine Einführung in die Politik bekommen. Jetzt suchten sie nach Feldern, die sie besonders berührten. «Persönlich habe ich zusätzlich begonnen, mehr über den Klimawandel zu reden. Klimawandel ist eine Sache, die in den Köpfen aller sein sollte, weil er unsere gesamte Existenz und die Stabilität des gesamten Planeten gefährdet.»

Dies ist eine Sicht, die Claudia Langer, Vorstand der Generationen Stiftung in Berlin, teilt: «Es mag sein, dass die erste Welle der Proteste vorübergeht. Aber das ist aus meiner Sicht irrelevant, weil sich bereits etwas in unsere Köpfe gebrannt hat. Die Proteste von Parkland kann ich bei meinen Gesprächspartnern abrufen. Und wir alle werden noch in fünf Jahren wissen, wer Greta Thunberg ist.» Von Steffen Trumpf, Petra Kaminsky und Annette Birschel, dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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14 KOMMENTARE

  1. Ich schätze das Engagement dieser Jugendlichen sehr (wenn es echtes Engagement ist)!!! Dennoch glaube ich, was den Titel anbelangt, dass man sich da mal wieder etwas vormacht: aus dem, was man sieht zu schließen auf das, was es gibt. Was wir da sehen, ist nur die Spitze es eines Eisbergs (an Jugendlichen). Eine kleine engagierte Gruppe, die, egal wie groß sie ist, doch immer nur eine Minderheit darstellt.

    Das ist wie mit dem Wahlalter für Jugendliche. Die wenigen engagierten erringen es und die meisten gehen dann doch nicht hin. Es hat sich diesbezüglich nichts geändert. Sehen wir es positiv. Es ist ja auch nicht schlechter geworden!

    • Ich ordne dieses Engagement der Jugendlichen als willkommene Möglichkeit gemeinsam zu chillen, gemeinsam Erlebnisse in der großen Gruppe zu erfahren und gleichzeitig den Zwängen einer von einer als ermüdend wirkenden und selbst gesteuerten Lernwelt zu entrinnen.
      Schnell organisierte Treffen über Apps, Twitter usw. vermittelt , ermöglichen eine einfache Form der gemeinsamen organisierten Gefühlswelt der Gruppe hautnah zu erfahren.
      Erquickende Momente im spontanen Gruppengeschrei gegen Andersdenkende, bestärken die eigene Persönlichkeit und befreien von inneren Zwängen der Unterordnung der undeutlich wahrgenommenen Leitmotive .
      Am Wochenende stehen dann wieder andere Aktivitäten auf dem Programm, die als Ersatzbefriedigung einer vom Konsum geprägten und der elterlichen Begleitung befreiten Artikulationskultur, sich Luft zu verschaffen versucht. Nachhaltiges Wirken und Handeln äußert sich anders und folgt nicht einem schnellen Gefühl der Ersatzbefriedigung nachzugehen. Man pflanzt zum Beispiel Eicheln in die Erde oder setzt Stecklinge in die Erde von Weiden oder anderem Strauchwerk, säht Fingerhutsamen in sterbende Wälder, oder Stockrosensamen auf sonnendurchfluteten Kalkhängen der Südseite des Teutoburger Waldes.

      • Und ich ordne ihren Artikel als ein “Früher war alles besser” eines älteren Herren ein.
        Sie sollten sich mal mit einigen der Demonstrierenden ernsthaft und länger unterhalten und mal sehen, was diese zum Teil auch in ihrer Freizeit an Zeit opfern.
        Diese Demos alleine auf die Möglichkeit des gemeinsamen chillens zu reduzieren ist schlicht unfair.

        • Es bedarf vieler Einzelner um die Welt zu ändern, denn jeder hat es selbst in der Hand Veränderungen zu bewirken, in dem er sein eigenes Verhalten ändert. Dazu bedarf es keiner Gruppendynamik auf der Straße während der Unterrichtszeit. Das wirkt weniger überzeugend, als diese Aktivitäten am Wochenende zu entfalten.

  2. Ich bin 18 und setzte mich mit meinen Freundinnen für eine starke Rücknahme der Globalisierung ein, um das Klima zu schützen. So kann man gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit in Deutschland senken.

    • Ja, das glaube ich gern, auch wenn ich jetzt nicht recht verstehe, was Rücknahme der Globalisierung bedeuten soll? Rückkehr zum Nationalstaatenprinzip???

      (Außerdem ist Ihr löbliches Beispiel doch kein Beleg, dass sich eine Mehrheit der Jugendlichen engagiert. Die meisten wollen doch nur “chillen und shoppen”.)

    • Rücknahme der Globalisierung äußert sich darin, dass Sie diesen billigen Konsumkram, der mit großen Containerschiffen von weither hierher herantransportiert wird und in seiner kulturellen Struktur, eben der die Erfinder ehrenden Kultur, nicht zu kaufen. Denn diese schmeißen ihren gesamten Unrat an Plastik und flüssigem Unrat in die großen Flüsse und Wasserströme, wo diese das Grundwasser verseuchend, sich dem südchinesischen Meer zuwendend, um sich schließlich im Pazifischen Ozean ergießend , dort als Ausdruck einer Wegwerfkultur , nachhaltig sich in unser Bewusstsein einzubrennen. Spielerisch äußert sich der globale Wahnsinn im Zusammenfluss allen Unrats der Welt in seinen Meeren und der pseudohormonellen Kastration durch östrogenanalogischer Wirkstoffe zu begegnen.

  3. Die Medien entscheiden, was sie groß ‘rausbringen. Und sie haben sich entschieden, diejenigen positiv und vorbildhaft darzustellen, welche während der Unterrichtszeit demonstrieren. Die Jugendlichen verbinden das Angenehme (nicht zur Schule gehen) mit dem Vorteilhaften (Held sein, im Fernsehen vorkommen, sich als Weltretter fühlen). Mir imponieren eher Menschen, die für ihre Sache einstehen und dafür auch Mühen und Nachteile in Kauf nehmen (z.B. NACH der Schule demonstrieren). Aber vielleicht kommt das Journalist*/_innen absurd vor? Wie geht es der Redaktion?

  4. Während der Unterrichtszeit zu demonstrieren ist für mich nichts Anerkennenswertes. Mir riecht die Sache zu sehr nach willkommenem Schuleschwänzen unter frommer Flagge. Das bringt sogar Lob, Scheinwerferlicht und positive Schlagzeilen.

  5. Die gleiche Kampagne lief 1992 schonmal, unter dem Titel “Das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte” auf der Umweltkonferenz in Rio.
    Interessant ist auch, wieviel Flugmeilen einige der deutschen Aktivisten schon angesammelt haben. Einfach mal nach den Accounts von #Blowoutbasel (Fridaysforfuture) oder Luisa Neubauer (zu Gast bei Hayali) googeln. Photos von Reisen durch die ganze Welt. Das fällt mir dann doch schwer, sowas ernst zu nehmen.

  6. Darf ich mal als bayerischer Schulleiter was dazu sagen? (1) Die Ernsthaftigkeit der SchülerInnen deckt sicher das ganze Spektrum ab: von sehr verantwortungsvollen jungen Menschen auf der einen bis hin zu solchen, die tatsächlich nur chillen wollen, auf der anderen Seite. (2) Ein ähnlich breites Spektrum finde ich in den Reaktionen von Schulleitungen: Da gibt es im einen Extrem solche, die einfach nur auf die Schulpflicht verweisen und Basta! Am anderen Ende finden sich solche, die einen sehr fantasievollen und pädagogisch gut begründeten Umgang mit ihren SchülerIinnen finden. Ich positioniere mich eher auf der Seite der letzteren und habe das auch mit Aussagen der Verfassung und der Lerpläne begründet: https://paedagokick.de/2019/02/05/sichtweisen-40-duerfen-schueler-streiken/

    • Eine fantasievolle Art der Nacharbeit des versäumten Unterrichtsstoffes würde ich auch empfehlen.

      Die Schüler könnten meinetwegen (ich habe das ja nicht zu entscheiden) auch in der Unterrichtszeit demonstrieren, wenn das irgendwie mehr Sinn macht bzw. sonst keinen aufgrund irgendwelcher Öffnungs- oder Arbeitszeiten von Behörden, aber es muss klar sein, dass das in irgendeiner “fantasievollen” Form nachzuarbeiten ist.

      Es könnte dann ja mal der ausgefallene Unterricht auf einen Samstag gelegt werden. Wenn engagierte Lehrer “mitspielen”. Oder eine Art Wochenendseminar.

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