didacta-Nachlese: Was ein Macher von Borussia Dortmund Schulleitungen rät

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KÖLN. Was können Führungskräfte Deutscher Auslandsschulen vom Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten lernen? Mit einer Keynote zu dieser Frage eröffnete Matthias Röben von Borussia Dortmund die Fachtagung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen mit dem Schwerpunkt „Kooperative Führung“ im Rahmen der Bildungsmesse didacta in Köln. Röben ist pädagogischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Borussia Dortmund. Seine Botschaft: Um Nachwuchsspieler an Top-Leistungen heranzuführen, braucht es sowohl individuelle Förderung als auch Teamgeist. Die Schulleiter konnten die Ausführungen auf Schüler beziehen – manches davon allerdings auch aufs Kollegium.

Von Borussia Dortmund lernen, heißt siegen lernen. Foto: Steffen Flor / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Unter der Überschrift „Individualität schießt Tore – Teamgeist gewinnt Spiele“ präsentierte Röben zwei besonders wichtige Schlüsselelemente seines pädagogischen Konzepts: Partizipation und Eigenverantwortung. Partizipation bedeutet für ihn, den Nachwuchsspielern nicht alles fertig vorzusetzen, sondern sie auch an administrativen Aufgaben rund um das Team zu beteiligen. So beauftragt er schon einmal junge Spieler selbst, ein Spiel des nächsten Gegners vor Ort zu beobachten und der Mannschaft später davon zu berichten. Partizipation habe im Leistungssport zwar auch Grenzen: „Auf dem Platz diskutieren wir mit den Jungs keine Übungen, das machen wir danach“, so Röben. Der Sinn dahinter sei aber klar. Die jungen Spieler sollen Dinge nicht nur tun, weil der Trainer es möchte, sondern weil es ihnen selber wichtig ist.

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Eigene Tasche tragen

Unter Eigenverantwortung versteht Röben zum Beispiel, die jungen Talente nicht von allen, manchmal auch lästigen Pflichten des Alltags zu entbinden. So sei es bei Borussia Dortmund selbstverständlich, dass Nachwuchsspieler ihre eigene Fußballtasche packen und tragen. In eine ähnliche Richtung weist der Grundsatz der ganzheitlichen Ausbildung im Nachwuchsleistungszentrum. Neben dem Fußballtraining wird jeder Spieler an den besten für ihn möglichen Schulabschluss herangeführt, häufig das Abitur oder Fachabitur. Ziel sei es, die jungen Leute fit zu machen für ein selbstständiges Leben nach dem Nachwuchsleistungszentrum.

Matthias Röben, Borussia Dortmund, bei seinem Vortrag. Foto: WDA e. V.

Schließlich betonte Röben, dass es nicht um eine reine Spitzenförderung gehe. „Wir sind nicht nur für die Top-Talente zuständig, wir sind für alle verantwortlich, die bei uns im Nachwuchsleistungszentrum sind“, so Röben zum Schluss seiner Keynote. Röben hielt seine Keynote auf Einladung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen auf der Fachtagung des Verbands. Die Fachtagung ist eine Weiterbildung für Führungskräfte Deutscher Auslandsschulen und findet bereits zum siebten Mal in Folge auf der didacta statt.

Borussia Dortmund verbindet mit einzelnen Deutschen Auslandsschulen bereits eine längere Kooperation. So arbeitet der Verein bereits seit einigen Jahren mit der Willy-Brandt-Schule in Warschau zusammen und baut dort eine eigene Fußballakademie auf. Seit Sommer 2018 ist ein BVB-Koordinator außerdem bei der Deutschen Schule Shanghai angestellt und schult die Trainer, die mit den Kindern trainieren. Weitere Aktivitäten gibt es an den Deutschen Schulen in São Paulo und Mexiko Stadt. Da der Fußball eine ganz eigene, verbindende Sprache ist, eignet er sich besonders, um Brücken zu schlagen.

Hintergrund

In mehr als 70 Ländern weltweit vermitteln 140 Deutsche Auslandsschulen Bildung „Made in Germany“. Rund 83.000 Schüler besuchen die Deutschen Auslandsschulen weltweit, drei Viertel von ihnen sind nicht deutsch. Die Deutschen Auslandsschulen gelten als eines der ältesten und erfolgreichsten Beispiele für öffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnerships, PPP). Ehrenamtliche Vorstände gründen und führen die Schulen, Bund und Länder fördern sie. Die freien Träger erwirtschaften durchschnittlich rund 70 Prozent ihrer Schulhaushalte in Eigenverantwortung. 

Der im Jahr 2003 gegründete Weltverband Deutscher Auslandsschulen vertritt die freien, gemeinnützigen Schulträger der Deutschen Auslandsschulen und fasst ihre Einzelstimmen zu einer starken Stimme zusammen. Der Verband unterstützt seine Mitglieder bei ihren Aufgaben und fördert ihre Projekte mit gezielten Dienstleistungen. Der WDA vertritt die gemeinsamen Interessen gegenüber der Politik und den fördernden Stellen. Er ist Ansprechpartner der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und gestaltet diese zugleich aktiv mit. Der Weltverband hat 148 Mitglieder, davon 122 anerkannte Deutsche Auslandsschulen; rund 90 Prozent der Schüler Deutscher Auslandsschulen insgesamt besuchen WDA-Mitgliedsschulen.

 

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3 KOMMENTARE

  1. Eines der großen Probleme in Deutschland, dass jeder meint, er könne sich einmischen, weil er selbst mal eine Schule besucht hat, und das System mit allen Facetten deshalb “kennt”.

  2. Zitat:
    “So sei es bei Borussia Dortmund selbstverständlich, dass Nachwuchsspieler ihre eigene Fußballtasche packen und tragen.”
    Wow, was für eine pädagogische Meisterleistung. Ich bin echt beeindruckt.

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