Gute Luft, glücklichere Eltern: Kinder in Schleswig-Holstein sind gesünder

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KIEL. Wie gesund sind die Kinder Schleswig-Holstein? Darauf gibt eine neuartige Studie Auskunft. Tenor: Jedes vierte Kind leidet an einer Krankheit, die chronisch werden könnte – aber im Bundesvergleich schneiden die Kinder im Norden bei vielen Krankheiten besser ab.

In einer sensible Phase der Hirnentwicklung: Neugeborenes Kind. Foto: Gonzalo Merat / Flickr (CC BY 2.0)
In Schleswig-Holstein sind Kinder gesünder als im Bundesdurchschnitt. Foto: Gonzalo Merat / Flickr (CC BY 2.0)

Die Kinder in Schleswig-Holstein sind einer Studie zufolge gesünder als im Bundesdurchschnitt. So gebe es 20 Prozent weniger Kinder mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS), 16 Prozent weniger Stoffwechselerkrankungen, 13 Prozent weniger Hautkrankheiten und 12 Prozent weniger Atemwegserkrankungen, hieß es am Dienstag in Kiel bei der Vorstellung des Kinder- und Jugendreports 2018. Allerdings hätten die Ärzte 19 Prozent mehr Depressionen diagnostiziert als im Bundesdurchschnitt.

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Für die an der Universität Bielefeld erarbeitete Studie hat die Krankenkasse DAK alle Daten der bei ihr versicherten gut 30.000 Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein bis 17 Jahre aus dem Jahr 2016 zur Verfügung gestellt. Die Studie soll künftig jedes Jahr fortgeschrieben werden. «Wir leisten damit Pionierarbeit», sagte Cord-Eric Lubinski von der DAK Schleswig-Holstein.

Der Bielefelder Wissenschaftler und Co-Autor der Studie, Julian Witte, betonte, im Vergleich zu anderen Gesundheitsstudien, die auf Umfragen basierten, seien hier erstmals die Daten aller Kinder und Jugendlichen einer Krankenkasse ausgewertet worden. Dadurch ergebe sich eine viel breitere Datenbasis: «Es ist die erste kontinuierliche und erkrankungsartenübergreifende Analyse von regionalen Abrechnungsdaten einer regionalen Krankenkasse.»

Danach hatte jedes vierte Kind beziehungsweise Jugendlicher in Schleswig-Holstein «eine potenziell chronisch-somatische Erkrankung» – exakt 25 Prozent (Bundesdurchschnitt 26 Prozent). Jungen sind etwas mehr betroffen als Mädchen. Am stärksten verbreitet sind Asthma und Neurodermitis, gefolgt von Heuschnupfen. Rund acht Prozent leiden an psychischen Erkrankungen, die dauerhaft sich entwickeln könnten.

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Kinder aus bildungsfernen Familien sind besonders gefährdet für Karieserkrankungen oder Adipositas (Fettleibigkeit), aber auch bei Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, Allergien und Asthma sind die Zahlen überdurchschnittlich hoch. Es gibt auch gravierende Unterschied zwischen Stadt und Land. So haben mehr Stadtkinder der Studie zufolge Karies oder Depressionen. Dagegen leiden in ländlichen Gebieten mehr Kinder und Jugendliche an Heuschnupfen.

Der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Ralf van Heek, verwies auf den «Glücksatlas» – eine Umfrage, der zufolge die glücklichsten Menschen in Deutschland in Schleswig-Holstein leben. Glückliche Eltern strahlten entsprechend auf ihre Kinder aus. Hinzu komme die überwiegend gute Luft und der hohe Anteil ländlicher Regionen.

Es gebe aber zu viele chronische und seelische Erkrankungen im Norden. Dies könnte auch am Vitamin D-Mangel liegen wegen der im Vergleich zum Süden geringeren Sonnenstrahlung. Ihn erschrecke auch die hohe Zahl an Rückenschmerzen, weil hier oft der Anfang für eine chronische Schmerzkrankheit im Erwachsenenalter liege.

Van Heek warnte vor einem Mangel an Kinderärzten. Der Verband fordert, die Kindergesundheit zu fördern durch Armutsbekämpfung: Insbesondere durch kostenfreie Kitas, Lehr- und Lernmittel, bessere Schulen, eine kinderorientierte Verkehrs- und Wohnungsbaupolitik und bessere Lebensmittel. Dringend notwendig sei auch mehr Bewegung. Statt im «Elterntaxi» zu fahren sollten Kinder zur Schule laufen.

Die DAK kündigte an, ihr Präventionsprogramm «fit4future» für mehr Bewegung, gesünderes Essen und weniger Stress auszubauen. Bislang ist die DAK mit der Cleven Stiftung an rund 30 Grund- und Förderschulen aktiv. In diesem Jahr sollen weiterführende Schulen und ab 2020 auch Kitas einbezogen werden. Lubinski sprach sich dafür aus, an den Schulen ein Unterrichtsfach «Gesundheit» einzuführen. dpa

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