Regierungsberaterin fordert generelles Smartphone-Verbot für Kinder unter 14

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BERLIN. Nacktbilder von Gleichaltrigen zu verbreiten, kommt selbst bei Grundschülern nach Einschätzung von Experten schon vor. «Täter und Opfer werden immer jünger», sagte Julia von Weiler, Internetexpertin im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dabei gehe es bereits um 9- bis 11-Jährige, die pornografische Bilder anschauten oder Selbstbefriedigungsvideos von Gleichaltrigen verbreiteten, so die Geschäftsführerin des Vereins Innocence in Danger. Von Weiler fordert daher ein Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren.

Heute besitze so gut wie jeder Schüler ein Smartphone. Ein Verbot an Schulen sei da nicht mehr angemessen, so der hessische Landesschülerrat. Foto: Intel Free Press / flickr (CC BY-SA 2.0)
Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamts besaßen 2017 bereits 88 Prozent der Zwölf- und 13-Jährigen in Deutschland ein Smartphone. Foto: Intel Free Press / flickr (CC BY-SA 2.0)

«So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen», sagte sie. Auch polizeiliche Ermittler beobachten den Trend, den von Weiler beschreibt: «Die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen», sagte Judith Dobbrow vom Landeskriminalamt (LKA) Berlin den Zeitungen. Die Ermittler seien inzwischen im Schnitt alle zwei Wochen in einer Schule, um dort einer solchen Anzeige nachzugehen. «Seit jedes Kind ein Smartphone hat, werden auch die Tatverdächtigen immer jünger.»

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Von Weilers Verbotsvorschlag kommentierte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, so: «Eine gesetzliche Altersbeschränkung für Smartphones wäre möglicherweise eine schnelle und vermeintlich einfache Lösung.» Sie löse aber nicht das Grundproblem des fehlenden Schutzes im Netz, sagte Rörig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. dpa

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9 KOMMENTARE

  1. gute Idee, in Anbetracht der realen ökonomischen Machtverhältnisse aber kaum durchzusetzen. Vielleicht wäre es machbar, wenn man die Altersgrenze niedriger ansetzte. 12?
    Wir sprechen ja auch für andere Suchtmittel (Tabak, Alkohol) für Kinder Verbote aus und versuchen nicht, den Kindern “den richtigen Umgang damit beizubringen”.

  2. wie effektiv sind denn diese verbote für andere suchtmittel: würde es weniger oder mehr abhängige jugendliche geben mit oder ohne diese verbote? ich bezweifel die macht des verbotes, vielmehr befürchte ich, dass dadurch diese dinge erst recht interessant gemacht werden.

    • Verbote erreichen nie alle, sie markieren aber klar, was als falsch angesehen wird. Für viele Schüler und Eltern ist das eine ausreichende Orientierung. Dann gibt es eine kleine Gruppe der “Regelbrecher aus Überzeugung”, nur für die werden “diese Dinge erst recht interessant gemacht”. Denen bieten wir damit eine Gelegenheit, Gesetze zu übertreten, sie müssen dann nicht Amokläufe androhen oder auf U-Bahnen surfen, um sich als Django zu fühlen: auch das ist gut.

  3. Es würde es erleichtern den Kindern zu erklären weshalb man ihnen eben kein Handy kauft und sie nicht in dem Fall zum Außenseiter machen.

  4. Wie will sie das durchsetzen?

    Vielleicht wie bei den Zigaretten? Aufkleber auf Smartphones, das diese für Kinder unter 14 Jahren nicht geeignet seien? Oder wie bei Fernsehfilmen, bei denen dann vorher eine Info kommt, dass sie für Kinder unter 16 Jahren nicht geeignet seien. (Nur sitzen diese Kinder wahrscheinlich eh gerade alleine vor der Glotze.)

    • Nu, wie setzt man Verbote durch? durch Information, Kontrolle und Strafe wie bei Sprengstoff, unsicheren Gebäuden, Hassreden im Internet usw. auch. Aber sie haben recht: zu groß sind die Mächte, die ein Interesse an der Smartphone-Nutzung ab Kindergarten haben.

  5. Ich würde eher den Verkauf von Mobiltelefonen etc. mit Kamera verbieten. Wer fotografieren will, kann sich ja zusätzlich eine Kamera kaufen.

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